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Mehr als ein Bluetooth-Speaker – Libratone ZIPP 2 im Test



Zugeordnete Tags Lautsprecher | Bluetooth | Musik
Bereiche

Bewertung
Tausendsassa
3,5

 Pro

  • Attraktives Design
  • Guter, entspannter Sound in jede Richtung
  • Klang kommt nicht nur von einem Punkt
  • Amazon Alexa funktioniert
  • Tolle Freisprecheinrichtung

 Contra

  • Höhen halten sich zurück
  • Verfälscht den Sound
  • App funktioniert nur, wenn der Speaker WLAN-Empfang hat
  • Per Bluetooth funktioniert nur SBC
  • Proprietäres Netzteil

Bluetooth-Lautsprecher boomen. Kein Wunder, denn sie sind unglaublich praktisch. Während die klassische Hi-Fi-Anlage teuer ist, viel Platz braucht, fest an einem Ort steht und in der Regel per CD oder Schallplatte gefüttert wird, werden die kompakten kabellosen Speaker von der inzwischen wohl beliebtesten und bequemsten Musik-Quelle, dem Smartphone samt Musik-Abo, angesteuert. Kein Wunder also, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist – vom billigen Einsteigermodell bis zum High-End-Speaker im vierstelligen Bereich.

Einer der Hersteller, der sich seit ein paar Jahren im Premium-Segment einen Namen gemacht hat, ist Libratone. Dabei stellt Libratone nicht nur den mobilen Aspekt in den Vordergrund, sondern möchte Nutzer ansprechen, die auch Zuhause Musik genießen wollen. Mit dem ZIPP 2 präsentiert Libratone nun einen mobilen Lautsprecher, dessen Feature-Set dem Sonos One ähnelt. Dabei soll der Lautsprecher gleichmäßig alle Richtungen abdecken. Eine Besonderheit, die der Lautsprecher dann auch bei einem Camping-Urlaub mit Freunden beweisen durfte. Wie mir, wie uns der Lautsprecher gefallen hat, berichte ich euch in diesem Test.

Lieferumfang

Durchdacht & schick

Die Skandinavier haben einfach ein Gespür für Design, das nicht nur gut aussieht, sondern auch praktisch ist. Davor macht auch die Verpackung nicht halt. Anstatt mich auf die Suche nach einer Schere zu schicken, wurde bei dem ZIPP 2 ganz einfach ein Stück abreißbare Pappe verwendet – im Reißverschluss-Look. Witzig und praktisch zugleich. Aufgemacht begrüßt mich die Anleitung, die auf der Styropor-Umverpackung liegt. Dann ziehe ich den in eine Art Tüte umhüllten Lautsprecher heraus. An der Seite finde ich noch eine schicke Box mit dem Ladegerät. Diese wurde mit einem Aufkleber mit Sollbruchstelle versiegelt. Das wirkt alles hochwertig und durchdacht, gerade das frustfreie Öffnen gefällt mir.

Ein ZIPPer zum Öffnen der Verpackung.
Schlicht. Eine andere Seite wird lediglich vom Firmenlogo verziert.
Die ganze Dokumentation ist kreisrund und liegt oben auf.
Der Speaker und das Zubehör.
Das Netzteil.
Schön ordentlich verpackt statt lieblos reingeworfen. Aber ob es noch weitere Adapter gibt...?
Ein ZIPPer zum Öffnen der Verpackung.
Design

Ideal für Zuhause & unterwegs

Skandinavisch schlicht, aber nicht minimalistisch unterkühlt, präsentiert sich der Speaker. Ein Zylinder mit abgerundeten, fast schon weichen Kanten in mattem Weiß. Das hochwertige Plastik fasst sich angenehm an. Die Unterseite ist für besseren Stand gummiert und beherbergt zudem sechs Mikrofone, die in jede Richtung zeigen. Stoff deckt die Lautsprecher ab. Dieser ist abnehmbar und kann durch separat erhältliche Stoffe in anderen Farben ersetzt werden. Ein Reißverschluss des Marktführers YKK sorgt dafür, dass die Abdeckung sich nicht ungewollt löst. Zusammen mit dem roten Griff, auf dem LIBRATONE steht, sieht das richtig cool aus.

In die matte Oberseite ist eine glänzende Touch-Oberfläche eingelassen, mit der ich die Lautstärke und viele weitere Funktionen steuere. Weiße LEDs, die durch diesen Touch-Bereich schauen, geben mir Hinweise auf den aktuellen Status, zur Verfügung stehende Bedienelemente und mehr. An der „Rückseite“ finde ich eine eingedellte Power-Taste, die auch blind leicht zu finden ist, einen 3,5 Millimeter Klinkenstecker, einen USB-Port sowie den proprietären Ladeanschluss.

Und wie entferne ich nun die Abdeckung? Schließlich ist da auch eine Trageschlaufe, die scheinbar aus dickem Leder ist. Der Trick? Ich muss auf das Metallstück der Schlaufe drücken und diesen nach links drehen. Danach öffne ich den Reißverschluss und ziehe am oberen Ende den Stoff heraus, der unter dem Bedienpanel steckt. Nun muss ich nur noch die Hülle abziehen. Aber warum stehen diese Schritte nicht in der Anleitung?

Das Netzteil ist schick, rund und aus glänzendem Plastik gefertigt. Kratzer sind hier eigentlich vorprogrammiert, auch wenn ich noch keine entdeckt habe. Für die Steckdosen-Seite sind für unterschiedliche Einsatzländer zwei Aufsätze in der Pappbox. Für Reisende eine geniale Sache, denn so steht dem Adapter-freien Einsatz in zahlreichen Ländern nichts im Weg – etwas mehr Auswahl wäre aber schön, da es sich um ein herstellerspezifisches Stecksystem handelt.

Der Libratone ZIPP 2 präsentiert sich cool und zugleich freundlich.
Auf der Rückseite sind die Anschlüsse...
...sowie eine praktische Trageschlaufe.
Das Bedienfeld an der Oberseite ist beleuchtet und erspart mir in einigen Fällen den Griff zum Smartphone.
Ein schönes Design-Detail: Die Lasche am Reißverschluss.
Auch das Netzteil hat eine Markierung. So ist sichergestellt, dass ihr stets wisst, zu welchem Gerät es gehört. Wer unzählige Netzteile besitzt weiß das zu schätzen.
Eines der Mikrofone ist im Übergang zum Boden verbaut.
Der Libratone ZIPP 2 präsentiert sich cool und zugleich freundlich.
Aufbau

Unkonventionell & smart

Der nackte ZIPP 2 offenbart ein spannendes Geheimnis. In ihm wurden zwei Lautsprecher-Chassis verbaut, die aber nicht wie sonst üblich zum Hörer, sondern aufeinander gerichtet sind. So sitzt an der Unterseite der Bedienelemente ein Hochtöner, der Richtung Boden musiziert. Von unten aus richtet sich der Tiefmitteltöner gen Himmel aus. Dazwischen ein rotes Stück Plastik in Wellenform, welches die Schallwellen gleichmäßig nach außen hin umleitet. Das ist äußerst smart, um wirklich rundum nahezu identischen Sound zu ermöglichen. Hinzu kommen zwei Passivradiatoren an den Seiten, die indirekt vom Tiefmitteltöner angetrieben werden und mehr Bass erzeugen.

Voll im Trend: Der Nude-Look.
Für die hohen Frequenzen verantwortlich.
Der ruhende Tiefmitteltöner...
...und in Aktion.
Einer der beiden Passivmembrane. Viel Bewegung konnte ich nicht beobachten.
Voll im Trend: Der Nude-Look.
Features

Vielseitiger Alleskönner

Der ZIPP 2 ist viel mehr als ein Bluetooth-Lautsprecher. So verfügt er über WLAN und wird auf Wunsch zum Amazon-Alexa-Lautsprecher. Sechs Mikrofone hören, wenn ich Alexa rufe und bieten mir dieselben Funktionen, die auch ein Amazon Echo beherrscht. Das funktioniert selbst bei gehobenen Lautstärken und von allen Richtungen, wobei Alexa mich ignoriert, wenn es zu laut wird.

Die Mikrofone nutzt der Speaker auch, wenn er als Freisprecheinrichtung genutzt wird. Und die funktioniert hervorragend. Selbst, wenn der ZIPP 2 zwei Meter von mir entfernt steht, kann mich mein Gegenüber wunderbar klar verstehen.

Damit nicht genug: Mit den Mikrofonen kann er zudem den Raum einmessen, um den Sound zu optimieren. In basslastigen Räumen, zum Beispiel meinem Badezimmer, reduziert er daher die untersten Frequenzen und vermeidet somit Dröhnen. Es klingt wieder ausgewogener. Umgekehrt, im Freien, können sich Bässe nicht hochschaukeln, entsprechend klingt es schnell bassarm. Daher hebt der ZIPP 2 die tiefen Frequenzen ein wenig an. Und das Sahnehäubchen auf der Klang-Torte? Zur Aktivierung dieser Funktion muss ich lediglich ein paar Sekunden auf die Nachtigall drücken und dann das „Einmesssymbol“ auswählen, welches mich ein wenig an das Beats-Logo erinnert.

Das Mikrofon-Symbol sagt mir, dass Alexa auf Eingaben wartet.
In der App kann ich die Helligkeit des Speakers reduzieren oder sagen, dass die LEDs nach einer Weile ausgehen sollen.
Die LED über der Ladebuchse zeigt an, wenn der ZIPP 2 aufgeladen wird.
Das Mikrofon-Symbol sagt mir, dass Alexa auf Eingaben wartet.
Bedienung

Hakelige Steuerung

Um vollen Gebrauch vom ZIPP 2 zu machen, benötigt ihr die Libratone-App – samt Account bei Libratone. Der ist schnell eingerichtet, entweder per existierendem Account bei Google, Facebook und WeChat oder traditionell per E-Mail. Bei letzterem werden keine weiteren Daten abgefragt.

Seid ihr eingeloggt, könnt ihr euren Lautsprecher hinzufügen. Dafür wird eine Liste mit den ganzen Libratone-Modellen angezeigt. So weiß die App nämlich, welche Schritte ihr durchführen müsst, um den Lautsprecher einzurichten. Da meiner brandneu ist, ist der Lautsprecher nach dem Einschalten bereits im Kopplungsmodus. Die App schlägt daraufhin vor, den Lautsprecher in das aktuelle WLAN des Smartphones einzubinden. Seit der Auslieferung hat Libratone ein Firmwareupdate erstellt, welches ich prompt installieren kann. Zu guter Letzt wird mir angeboten, den Speaker mit meinem Amazon-Account zu koppeln, um Alexa zu aktivieren.

Mit der attraktiv gestalteten App habe ich zumindest beim Steuern eines einzigen Lautsprechers keine Probleme. Neben dem Home Screen, auf dem ich meine Lautsprecher sehe und ansteuere, habe ich einen Reiter, bei dem ich Internet-Radio-Sender finde, zu Tidal oder Spotify wechsle oder meine Sammlung sehe.

Die Lautstärkeregelung frustriert mich. Über die Lautstärketasten meines Smartphones sind die Sprünge viel zu groß. Auch mit der Touch-Oberfläche, auf der ich Kreise zeichne, will es nicht ganz gelingen. Ich muss erst einmal ein Stück weit „gedreht“ haben, bevor der Speaker erkennt, dass ich die Lautstärke verändern möchte. Dann springt die Lautstärke jedoch ordentlich und ich muss zurück steuern. Lediglich über die App klappt es in hundert Schritten unterteilt gut. Aber auch dort ist mir manch Lautstärkeunterschied, zum Beispiel von 25 zu 26 zu grob.

Ansonsten ist die Touch-Bedienung sehr nützlich. Tippe ich die Nachtigall in der Mitte an, pausiert die Musik. Doppelt angetippt springe ich zum nächsten Track, dreimal geht zurück zum letzten Song. Halte ich gedrückt, komme ich ins Menü, zum Beispiel, um den Lautsprecher per Bluetooth an ein Smartphone zu koppeln. Auch kann ich so zwischen favorisierten Playlists wechseln oder den Libratone mit anderen Libratones koppeln. Auch praktisch: Während meine Hand auf der Bedienfläche liegt, reduziert er die Lautstärke deutlich. Leider sind mir die Icons zu abstrakt. Das Handbuch hilft weiter, oder, im Notfall, die Sprachansagen auf Deutsch.

Einige Einstellungen funktionieren lediglich per App, zum Beispiel die Klangoptionen. Solange man zu Hause ist stellt das kein Problem dar, denn dort hängt der Speaker im WLAN. Nur was, wenn man unterwegs ist? Der einzige Weg, der sich mir zeigt, ist in den Kopplungsmodus zu gehen und das Smartphone mit dem vom Speaker aufgemachten WLAN-Netz zu verbinden. Dann kann ich per App auf dem dann stummen Lautsprecher Settings verstellen.

Könnt ihr euch denken, was wofür steht? Schreibts uns in die Kommentare.
Während der Lautstärkesteuerung.
Auf dem Homescreen der App werden mir alle Libratone-Speaker angezeigt.
Könnt ihr euch denken, was wofür steht? Schreibts uns in die Kommentare.
Eingangsquellen

Nicht alles funktioniert einwandfrei

In erster Linie ist der ZIPP 2 natürlich ein Bluetooth-Lautsprecher. Aber welche Formate werden unterstützt? Auf der Webseite von Libratone konnte ich keine Informationen dazu finden. Mancherorts heißt es, AptX werde unterstützt. Das kann ich nicht bestätigen, zumindest konnte ich weder mit einem Huawei P30 Pro, noch mit einem älteren Samsung Galaxy oder einem LG V20 (mit Lineage) eine Verbindung jenseits SBC aufbauen. SBC (Low Complexity Subband Codec) ist ein Kompressionsverfahren, der als Mindestanforderung für die Musikwiedergabe via Bluetooth festgelegt wurde. Im Vergleich zu moderneren Verfahren leidet aber die Klangqualität und es kommt zu Verzögerungen bei der Audiowiedergabe. Formate wie LDAC, AptX oder AAC werden nicht unterstützt. Praktisch ist hingegen, dass mir mein LG V20 den Akkustand anzeigt und auch die am ZIPP 2 eingestellte Lautstärke direkt verstellt. Eine Katastrophe ist das Fehlen hochwertigerer Codecs nicht, aber bei genauerem hinhören kann es auffallen – je nach Musik und wenn man weiß, worauf man achten soll. Außerdem hat SBC eine relativ hohe Latenz, sodass das bei YouTube und Co. das Bild vor dem Ton kommt. Für einen modernen Bluetooth-Speaker, gerade einem, der so mit Features protzt, finde ich das enttäuschend.

Für bessere Qualität setzt ihr also auf WLAN. Zumindest wenn ihr Spotify Premium habt, denn dann wählt ihr aus der Smartphone- oder Desktop-App einfach den Lautsprecher aus. Auch der Wechsel zwischen Endgeräten ist dann kein Problem. Mit Spotify Free kommt ihr nicht weiter. Tidal wird ebenfalls unterstützt.

Dazu kommt noch die Möglichkeit, Internet Radio zu hören. Die Auswahl ist dabei schier unendlich, vom großen Mainstream-Sender bis zur absoluten Nische. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Sender aus Jamaica? Fünf kann ich in meine Favoriten legen, die ich per Bedienfeld auswähle. Wie das geht? Steht nicht in der Anleitung. Nach einiger Recherche und rumprobieren finde ich heraus, dass ich erst in das Menü muss, indem ich eine Weile auf die Mitte drücke. Dann erscheint ein Herz – jedes Mal, wenn ich darauf tippe, wechsle ich zum nächsten Sender. LEDs zeigen an, wo ich gerade bin.

Auch AirPlay 2 könnt ihr per WLAN nutzen. Toll für Menschen, die im Apple-Ökosystem sind, ganz gleich ob iPhone, iPad oder Mac. Bei meinem MacBook Pro wähle ich, wenn ich im selben Netzwerk bin, einfach den Libratone als Lautsprecher aus. Schon kommt alles lippensynchron und in hoher Qualität aus dem Speaker.

Die nächste Alternative ist DLNA, was mit der „Stream to“-Funktion von Windows 10 (zu finden per Rechtsklick auf eine Medien-Datei) klappt. Nutze ich aber Stream What You Hear, eine Open-Source-Anwendung, die per DLNA auf Lautsprecher streamen kann, kommt nichts aus dem Speaker.

Und dann gibts auch noch den USB-Port. Wofür der dienen soll, ist mir aber nicht klar. Laut Libratone spiele ich damit auf USB-Sticks gespeicherte Musik ab. Das kann ich leider nicht bestätigen. Ein FAT32 formatierter USB-Stick, der mit MP3s befüllt wurde, sorgt nur für Stille. Ob ich das jetzt richtig mache, keine Ahnung. Die Anleitung zum ZIPP 1 sagt ja. Einstecken und er sollte losspielen, solange ich FAT32 verwende. Die zum ZIPP 2 schweigt schlichtweg. Beide unterstützen demnach unter anderem MP3, Ogg Vorbis, AAC und FLAC. Auch, als ich mein Smartphone anstecke und „Daten übertragen“ auswähle, geschieht nichts. Immerhin lädt es mein Smartphone auf. Mit 0,5 Ampere bei 5 Volt. So schnell, wie am normalen USB-Port am PC – das reicht kaum, um den Strombedarf bei leichter Nutzung zu decken. Immerhin hält das Smartphone so vielleicht etwas länger durch.

Üppig bestückte Rückseite mit leicht zu erfühlender Power-Taste, Ladebuchse samt LED, 3,5-Millimeter-Klinkeneingang und die USB-Schnittstelle.
Üppig bestückte Rückseite mit leicht zu erfühlender Power-Taste, Ladebuchse samt LED, 3,5-Millimeter-Klinkeneingang und die USB-Schnittstelle.
Akku

Ausdauernd & schnell geladen

An der Akkulaufzeit kann ich wenig aussetzen. Die ist für die meisten Fälle ausreichend lang, viel präziser kann ich aber nicht werden. Beim Campen hat der Lautsprecher uns mit wenigen Pausen von Mittag bis in den Abend oder gar die Nacht hinein unterhalten, allerdings auf niedriger Lautstärke. Erst spät war dann eine Steckdose nötig. Allerdings hängt die Akkulaufzeit stark von den abgefragten Lautstärken und der Musikrichtung ab – je mehr Bass, desto höher der Stromverbrauch.

Im voll aufgeladenen Zustand messe ich im Idle oder bei leiser Musik 4 Watt an der Steckdose, ich kann den Verbrauch bei gehobener Lautstärke und mit basslastiger Musik aber auch auf 17 Watt hochtreiben. Am Anschlag braucht der Speaker wieder weniger, weil er da, um die Lautsprecher-Chassis zu schonen, die tiefsten Frequenzen reduziert.

Beim Aufladen liefert das Netzteil, wenn der Speaker sonst nichts zu tun hat, 22 bis 23 Watt. Nach einer Stunde sind so 75 Prozent erreicht, nach ungefähr 90 Minuten ist er bei 97 Prozent und drosselt die Ladegeschwindigkeit etwas. Ungefähr 105 Minuten nachdem der ZIPP 2 die Steckdose sieht, ist der Akku voll. Maximal zieht das Ladegerät übrigens 36 Watt, wenn ich gleichzeitig lade und laut basslastige Musik höre.

Das Ladegerät sieht gut aus, aber 19 Volt bei 1.8 Ampere? Das klingt doch sehr nach einem handelsüblichen USB-C-Netzteil mit Power Delivery. Warum dann also ein proprietärer Stecker? Mit USB-C könnte ich per Powerbank oder im Auto aufladen und müsste nur ein Netzteil für Smartphone, Notebook und Bluetooth-Speaker mitbringen. Schließlich ist es 2019. Es gibt sogar Akkuschrauber, die per USB aufgeladen werden.

Für ein Netzteil ziemlich attraktiv.
Alles, was ihr unterwegs benötigt.
Frisch ausgepackt.
Für ein Netzteil ziemlich attraktiv.
Sound – Einstellungen & Vergleichsbasis

Passt sich dem Raum an

Den wichtigsten Bereich, den Sound-Test, teile ich in drei Segmente ein: Einstellungsmöglichkeiten, der Klang am lebenden Beispiel (aka Musik) und ein Fazit, in dem ich allgemeine Klangeigenschaften zusammenfasse.

Erst einmal zu den Einstellungen. Im Gegensatz zum Marshall mit seinen Reglern für Bass und Höhen bietet der Libratone-Speaker in erster Linie Profile. Glücklicherweise beschreiben diese ein wenig, was sie tun und zeigen anhand einer schicken Grafik auch, wie die Kurve – mehr oder weniger – aussieht. Neutral ist daher eine gerade Linie, auch wenn sie mir zu basslastig ist und Höhen vernachlässigt. „Easy Listening“ nimmt dem Klang die „Ecke“, entschärft Bässe und Höhen. Den Zweck erfüllt es definitiv, auch wenn ich eher mehr Höhen möchte. „Weich & angenehm“ senkt die Mitten ganz leicht ab. „Jazz Club“ entfernt Bässe. Und so weiter. Am interessantesten finde ich „Sprache“, was gerade bei Podcasts und YouTube-Videos störende tiefe Frequenzen wegnimmt. Gesprochenes wird so verständlicher. Den Ansatz finde ich besser als bei vielen anderen Lautsprechern, die ihre Presets Rock, Pop und Klassik nennen.

Über die App habe ich die Möglichkeit, etwas zur Aufstellung zu sagen. Und das funktioniert für meine Zwecke nochmals viel besser als die Einmessung des Raums. Natürlich entdecke ich diese Option als letztes … #nochmalvonvornetesten. Die Grundeinstellung „Neutral“ soll allgemeingültig funktionieren. Ich rate euch aber dazu, hier das Passende zu wählen, denn die Unterschiede sind groß. „Im Freien“ beachtet, dass der Lautsprecher draußen nicht mit Wänden interagiert, die die Bässe anheben würden. Entsprechend gleicht Libratone das mit kräftigerem Tieftonbereich (und etwas mehr Höhen) aus. Mein Favorit beim Campen. Steht der Speaker im „Regal“, ist er vermutlich in der Nähe einer Wand, was schnell in Dröhnen und mehr Bass ausartet. Das ist mit einer Bassabsenkung schnell ausgeglichen. „Tisch“ wirkt sich ein wenig auf Bass und Mitten aus, vielleicht, um Resonanzen vom Tisch zu reduzieren. Da ich den Lautsprecher für meinen Hörtest auf einem Glastisch aufgestellt habe, höre ich hier tatsächlich eine leichte Verbesserung. Mein Favorit ist allerdings „Boden“. Das bedeutet nämlich wegen der Wandnähe weniger Bass und mehr Höhen, weil der Hochtöner ja quasi auf meine Füße gerichtet ist. Je nach Aufstellung funktioniert aber auch einer der anderen „Modi“ besser.

Haupt-Sparing-Partner ist, wie immer in meinen Audio-Tests, meine Anlage, bestehend aus einem Paar Nubert nuWave 85, angeschlossen an einem Harman Kardon AVR 5500, digital per Toslink angesteuert. Aus dem Pre-Out gehe ich in ein Nubert ABL-85, ein speziell für diese Lautsprecher hergestelltes Modul, welches den Frequenzgang digital anpasst, um einen noch flacheren Frequenzgang zu ermöglichen – vor allem, was den Tiefbassbereich angeht. Dieser geht dann in die Endstufe des Receivers. Warum ich das so genau erkläre? Ganz einfach: Moderne Bluetooth-Lautsprecher wie der Libratone verwenden eine ähnliche Technologie, aus dem gleichen Grund: Sie holen tiefere Bässe aus dafür eigentlich zu kleinen Lautsprechern heraus.

Um negative Effekte der Bluetooth-Übertragung via SBC zu vermeiden, höre ich hauptsächlich per AirPlay.

Dank App hat der Speaker für jede Aufstellung die optimale Einstellung.
Dank App hat der Speaker für jede Aufstellung die optimale Einstellung.
Sound – Im Detail

Entspanntes zuhören

Als Beispiel für eine vielschichtige Rock-Produktion wähle ich Many of Horror von Biffy Clyro aus, das neben den obligatorischen E-Gitarren auch auf Akustikgitarre und Geigen setzt. Dank des gemäßigten Tempos kommt alles besser zur Geltung. Der Sound ist auf Neutral besonders beim ruhigen Anfang sehr gefällig, mit einem präsenten, druckvollen Schlagzeug. Auch der Bass wird angenehm rübergebracht. Dafür gehen aber die Streicher und der Sänger etwas unter. Alternativ kann ich auf „Jazz Club“ stellen – dann ist der Bass subtiler, aber auch sauberer. Violinen und der Sänger glänzen mehr, klingen natürlicher und stehen mehr im Mittelpunkt. Nach einer kurzen Umgewöhnungsphase gefällt mir das sehr gut. Ein Vorteil ist zudem, dass es auf hohen Lautstärken nicht dröhnt.

Novacub besteht zur Hälfte aus Bloc Party – und so klingt es auch. Zum Beispiel bei Strike. Auf dem ZIPP 2 klingt es angenehm aber nicht neutral. Technisch gesehen ist alles da, aber es lebt nicht richtig, wirkt ein wenig künstlich. Zudem zischen die Höhen ein wenig, aber nicht so, dass es mich stört. Sonst könnte ich dem auch mit einem anderen Raum-Preset entgegenwirken. Am natürlichsten klingt es übrigens auf niedrigen Lautstärken. Hier hebt der ZIPP 2 die Bässe leicht an, was besonders bei niedrigen Lautstärken nützlich ist. Über 75 von 100 wird es etwas harsch und unangenehm, allerdings ist das auch schon relativ laut. Ein Vorteil des runden Designs zeigt sich auch: Es kommt nicht alles zentriert von vorne, sondern breitet sich ein wenig aus.

Die Saiten-Virtuosen Paco de Lucia und Al Di Meola haben 1980 ein legendäres Live-Album aufgenommen, perfekt produziert und grandios gespielt. Nun ist der Mix so ausgelegt, dass bei meinem Favoriten Mediterranean Sudance / Rio Ancho Paco de Lucia links und Al Di Meola rechts sitzen. Mangels zweitem ZIPP 2 kann ich die Nutzung im Stereo-Betrieb nicht testen, aber den Mix beider Kanäle meistert der ZIPP 2 ohne Verluste. Was leider ein wenig verloren geht ist die Dynamik. Eigentlich klingt es gut, aber im direkten Vergleich müsste man besser hören, wie Finger die Saiten spannen, damit diese dann am höchsten Punkt los schnellen. Da fehlt es an Geschwindigkeit und Druck. Zudem klingen die Gitarren etwas hohl, nicht so voluminös, wie sie eigentlich könnten.

Zum Thema Dynamik greife ich auch gerne zu Into the Space Age der Briten Amplifier. Neben dem druckvollen Bass fällt vor allem das extrem laut abgemischte und dynamische Schlagzeug auf. Die Wiedergabe klappt gut, wobei der Gesang wieder einmal nicht gegen Schlagzeug, Gitarrenwand und Co. antreten kann und sowohl die Bass-Drum als auch die Snare noch einen Hauch flotter spielen könnte. Auch schwingt die Bass-Drum nicht so süffisant nach, wie sie eigentlich sollte. Stattdessen klingt sie sehr trocken, ganz einfach, weil die Frequenzen nach dem initialen Kick zu tief werden.

Immer noch gehört Rebekka Bakken zu meinen Lieblingen beim Jazz. Auf Little Drop of Poison vertont sie gemeinsam mit der HR-Bigband Tom-Waits-Klassiker neu. In Broken Bicycles, einem melancholischen Stück, fängt alles mit einem Piano und einem mit Besen bespielten Schlagzeug an. Vom Besen höre ich nicht so viel, insgesamt ist der Klang dumpfer als er sein sollte. Die Dame besitzt eine wunderbar vielschichtige, komplexe Stimme – rau und sanft, tief und hoch und das gleichzeitig. Der Lautsprecher hat hier zu kämpfen, lässt die Feinheiten, die sich in den Höhen abspielen, untergehen. Bei manchen Tönen dröhnen die Vocals sogar. Andererseits gefällt mir die Bläsersektion sehr gut, klingt natürlich und angenehm. Und auch beim Bassisten kann ich mich nicht groß beschweren, der Tiefgang des Libratone kommt hier zum tragen. Was hilft, ist die „Jazz Club“-Einstellung, die tatsächlich Stimmen bevorzugt behandelt und die Bässe reduziert, ohne sie zu entfernen.

Ich höre etwas, was ich sonst nur selten bei einem Lautsprecher-Test höre: Der Speaker sieht nicht völlig Land unter. Genau, ich teste die Basswiedergabe, und zwar mit Evil Dub von Trentemøller. Am ganzen Körper spüre ich den Bass – Respekt! Mit einer guten Hi-Fi-Anlage kann sich das dennoch nicht messen lassen, dafür fehlt es doch noch ein wenig an Tiefgang und Druck. Lediglich die tiefsten Töne halten sich zurück. Ansonsten drückt es aber ordentlich. Wie weit kann ich gehen? Das verrät mir Bass I Love You von Bassotronics. Hier erahne ich die allerhöchsten Bässe, die in dem Lied vorkommen, noch gerade so. Der Rest fehlt. Klar, das Stück besteht eigentlich nur aus Sub-Bässen der allertiefsten Sorte, bei denen sogar die meisten Subwoofer scheitern.

50 Prozent Bloc Party, 100 Prozent gute Musik. Klingt gut auf dem ZIPP 2.
Der Libratone ZIPP 2 mag satte Bässe.
Der Tiefmitteltöner wartet auf Arbeit.
Verantwortlich für den Rundum-Sound: Der Aufbau und das rote Element, welches Schallwellen umleitet.
50 Prozent Bloc Party, 100 Prozent gute Musik. Klingt gut auf dem ZIPP 2.
Sound – Fazit

Mehr Easy Listening als Abhörmonitor

Als Erstes fällt mir auf, dass das Klangbild trotz Mono breiter ist als bei anderen Bluetooth-Lautsprechern, die lediglich ganz zentral von vorne feuern. Da der Libratone seine Schallwellen in alle Richtungen entsendet, wird es auch von allen Richtungen reflektiert. Gerade mit einem zweiten Lautsprecher sollte das sehr angenehm klingen.

Der Sound des Libratone wird dominiert von einem starken Bass, der etwas zu dick aufträgt, allerdings über das ganze Spektrum und nicht nur im Kickbass-Bereich. Auch die Mitten erfahren dadurch einen leichten Boost. Darüber zieht sich ein Schleier über das gesamte Klangbild, den ich auch mit den Presets nicht entfernen kann. Dabei fehlt es eigentlich an nichts, es ist nur eben zu leise. Stimmen klingen so tiefer als sie eigentlich sind.

Es wirkt, als ob gerade bei niedrigen Lautstärken der Sound auf Easy Listening ausgelegt ist. So hört der Mensch leise Bässe schlechter als Höhen. Was macht also Libratone? Sie machen die Bässe kräftiger, lauter, und senken die Höhen ab. Gerade, wenn man nur entspannt Musik hören möchte, im Hintergrund, ist das ein sehr angenehmes Profil. Auch, wenn es mit der eigentlichen Aufnahme nicht so viel gemeinsam hat.

Wird es lauter, fahren die Bässe zurück. Sicherlich aufgrund von physikalischen Limitationen. Bis zu einem gewissen Maß ist das besser so, denn zu viel Bass kann schnell nervig sein. Im Zuge der Bassabsenkung werden Mitten und Höhen präsenter, wobei der Sound nach wie vor zu dumpf ist und die Mitten teilweise zu dröhnen anfangen. Ganz hohe Lautstärken, die letzten 2 bis 5 Stufen, sollten lieber ignoriert werden, da dröhnt es nur noch und die Bässe sind weg. Darum sei ein Wort der Warnung angebracht: Verstellt immer direkt die Lautstärke des Lautsprechers und steuert nicht das eigentliche Signal bei stark aufgedrehten Speakern. Es würde dann auch leise bassarm klingen.

Was helfen kann, ist die Bespannung abzuziehen. Aufgrund des Plastikgerüsts wird der Lautsprecher zumindest für den Betrieb zuhause ausreichend geschützt. Zudem sieht er nackt gut aus. Der Unterschied ist zwar nicht weltbewegend, lohnt sich aber. Auch drehe ich den Lautsprecher lieber um 90 Grad, wodurch die Passivmembran zur Seite statt auf mich zeigen. Das hilft ein wenig im Mitteltonbereich. Auch schön: Ist die Bespannung ab, seht ihr, wie die Membranen sich bewegt.

Der Libratone ZIPP 2 hat ein eigenständiges Design, das wärmer wirkt als viele andere zylinderförmige Lautsprecher.
So hört man heute Musik: Smartphone und Bluetooth-Speaker.
Begeisterte im Outdoor-Einsatz mit langer Akkulaufzeit und gutem Sound in alle Richtungen.
Der Libratone ZIPP 2 hat ein eigenständiges Design, das wärmer wirkt als viele andere zylinderförmige Lautsprecher.
Fazit

Praktisch, schick & entspannt

Der Libratone ZIPP 2 sieht gut aus und fügt sich nahtlos in zahlreiche Wohnatmosphären ein. Dabei ist er zudem auch noch äußerst praktisch, denn er ermöglicht den Zugriff auf Amazon Alexa. Dank eingebautem Akku und Tragegriff kann er im Gegensatz zu vielen anderen Speakern dieser Art aber auch in der Wohnung von Ort zu Ort wandern oder sogar unterwegs für Entertainment sorgen. Das macht ihn extrem vielseitig. Mithilfe von Platzierungs- und Sound-Presets sowie der Einmessfunktion ist der ZIPP 2 auch in Sachen Aufstellung besonders flexibel.

Positiv werte ich den großen Funktionsumfang. Alexa, Spotify Premium, Stereo-Betrieb und Multiroom-Funktion. So sollte es sein. Leider hapert es ein wenig an der Umsetzung. Die zahlreichen Verbindungsoptionen sind gut, nur die USB-Schnittstelle tut nicht, was sie soll und bei Bluetooth konnte ich lediglich SBC nutzen.

Praktische Features bringen aber nichts, wenn es am Sound hapert. Hier fällt mein Fazit gemischt aus – es hängt ganz von den Wünschen ab. Wer hören will, was im Studio aufgenommen wurde, wer Hi-Fi, absolute Präzision und Ehrlichkeit sucht, der ist hier fehl am Platz. Der Libratone ZIPP 2 möchte viel mehr entspannen, hat einen warmen Sound. Wellness für die Ohren quasi, Musik für den Hintergrund statt für die Analyse im Detail. Für die Größe und Preisklasse reicht er angenehm weit runter, solange es bei moderaten Lautstärken bleibt. Der Sound ist üblicherweise recht gefällig, besonders leise. Da nervt er einfach nicht und gleicht Schwächen des menschlichen Gehörs aus. Das gefiel mir beim Arbeiten oder nachts neben dem Bett genauso wie am Lagerfeuer. Dort hat er sich aufgrund seiner Auslegung als Rundstrahler besonders bewährt – wir haben ausschließlich über den ZIPP 2 Musik gehört. Auch mit aktuellem Hip-Hop und Pop kommt der Libratone ZIPP 2 aufgrund des Tiefgangs gut zurecht, solange er keine Party lautstark beschallen muss.

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