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Marshall mattërs – Marshall Kilburn II Bluetooth-Lautsprecher im Test



Zugeordnete Tags Musik | Lautsprecher | Bluetooth
Bereiche

Bewertung
Rockige Optik, ausgewogener Sound
4,5

 Pro

  • Kann je nach Einstellung ziemlich neutral klingen
  • Leise ein sehr natürlicher Sound
  • Mechanische Lautstärke- & Klangregler
  • Cooles Design
  • Eingebautes Netzteil
  • Outdoor-tauglich dank Spritzwasserschutz, gutem Akku & Tragegriff

 Contra

  • Fast völliger Verzicht auf Features
  • Lautstärkeregelung nur am Lautsprecher
  • Bei hohen Lautstärken leidet der Klang etwas
  • Keine Kopplung an einen weiteren Kilburn II für Stereo

Marshall –ein Name, der jedem Rock-Fan und jedem Konzertgänger ein Begriff ist, schließlich setzen viele Musiker auf die Gitarrenverstärker des britischen Herstellers. Gemeinsam mit Zound Industries, die auch hinter UrbanEars, MOLAMI und COLOUD stecken, gibt Marshall seit einigen Jahren auch Musik-Fans zu Hause etwas auf die Ohren.

Für diesen Test war Marshall so freundlich, mir ihren mittleren Bluetooth-Lautsprecher, den Kilburn II, mit nach Hause zu geben. Mit seinem von den klassischen Gitarrenverstärkern inspirierten Design schreit er mich schon an. Aber ist er ein Blender oder passt der Sound zur Optik? Gespannt widme ich mich dem Test.

Lieferumfang

The Musical Box – Bluetooth inside

In dem äußerlich attraktiv gestaltetem Karton finde ich braune Pappe, die an einen Eierkarton erinnert. Toll, dass hier für die Umwelt auf Styropor verzichtet wird. Eingeprägt ist der Hinweis, dass die Firma bereits 1962 gegründet wurde. Gut geschützt finde ich unter dem Deckel den Lautsprecher, eingehüllt in einem Tuch. Darunter dann die Anleitung sowie ein Stromkabel – mehr ist einfach nicht nötig.

Ein echter Rocker ist eben tätowiert.
Die Highlights im Überblick.
Ganz so unordentlich sah das beim ersten Auspacken nicht aus...
Da ist es, das gute Stück.
Die Anleitung, darunter ein Stromkabel.
Ein echter Rocker ist eben tätowiert.
Design

I Bet That You Look Good on the Stage – Lautsprecher im Gitarrenverstärker-Design

Die Front des klassischen Gitarren-Verstärkern nachempfundenen Kilburn II ziert ein Lautsprechergitter, auf dem in der Mitte groß und stolz das weiße Marshall-Logo klebt. Wer nun hofft, die Bestückung gut erkennen zu können – dem ist nicht so. Ein fast blickdichter Schaumstoff verbirgt die eigentlichen Lautsprecher-Chassis. Vermutlich, um diese vor Wasser zu schützen – der Lautsprecher ist schließlich spritzwassergeschützt, sodass dem Einsatz im Freien nichts im Wege steht – nicht mal der Wetterbericht. Hinter dem Lautsprechergitter würde ich einen Tiefmitteltöner sowie einen Hochtöner finden.

Auf der Rückseite sitzt ein weiterer Hochtöner sowie ein Bassreflexport. Neben der Basserweiterung ist so auch hinter dem Lautsprecher für guten Klang gesorgt. Praktisch, wenn man nicht alleine hören möchte. Unter einem Gummistopfen sitzt der Ladeanschluss, der lediglich ein Euro-Netzkabel/Kleingerätestecker benötigt. Das Netzteil ist, im Gegensatz zu vielen anderen Geräten, bereits im Speaker integriert. Das ist äußerst praktisch und relativiert das vergleichsweise hohe Gewicht von 2,5 Kilogramm.

Der Speaker ist von Leatherette umhüllt, die Ecken werden von schwarzem Plastik geschützt.  Ein nützlicher Tragegriff ist innen aus rotem Samt und außen aus einem lederähnlichen Material. So ist auch der längere Transport nie unangenehm.

Die Oberseite zieren drei Drehregler, mit denen ich Lautstärke, Bass und Höhen einstelle – von 0 bis 10. Damit sind die Bedienelemente schon fast abgedeckt, lediglich eine Bluetooth-Taste verdient noch Erwähnung.

Ein praktisches Feature ist, dass ein paar rote LEDs mir den Akkustand verraten. Die Anordnung erinnert an VU-Meter aus den 80ern. Schade, dass Marshall die LEDs nicht mit der Musik tanzen lässt. Nach ein paar Minuten gehen sie aus, bis ich wieder etwas verstelle.

Sieht aus wie ein geschrumpfter Gitarrenverstärker.
Das Gitter sieht sehr schick aus und schützt gut.
Erinnert ein wenig an einen Gitarrengurt: der Tragegriff.
Die Bedienelemente.
Ein schönes Detail: die Schraube, an der der Griff befestigt ist.
Die Rückseite mit Ladeport, Bassreflexrohr und Hochtöner.
Sieht aus wie ein geschrumpfter Gitarrenverstärker.
Handling, Haptik & Features

Is This It? – Puristischer Bluetooth-Lautsprecher

Die gummierten Drehregler sind stark bedämpft und fühlen sich richtig hochwertig an. Und die Lautstärkeregelung funktioniert so absolut stufenlos. Ein My lauter oder leiser? Kein Problem. Ich liebe es, denn bei vielen Geräten ist es mir entweder zu leise oder zu laut, aber nie genau richtig. Das fühlt sich sehr Old School an, wie ein manuelles Kameraobjektiv oder mein alter NAD-Receiver. Fast vergesse ich, dass es sich hier um einen Bluetooth-Lautsprecher handelt. Und auch die Klangregler sind unglaublich praktisch. Erstens kann ich ohne Smartphone und App den Sound in kürzester Zeit ändern, zweitens ist es extrem praktisch, um in der Dusche einen Podcast zu hören: Bässe auf Minimum, Höhen aufs Maximum und schon sind die Stimmen extrem klar verständlich.

Leider hat dieses Konzept aber auch seine Nachteile, denn einen Elektromotor hat Marshall nicht in den Lautstärkeregler verbaut. Wollt ihr also etwas ändern, müsst ihr zum Lautsprecher gehen oder per Smartphone die Ausgabelautstärke steuern – dabei verliert ihr aber an Klangqualität.

Apropos Old School: Features besitzt der Marshall keine. Per Bluetooth oder 3,5-Millimeter-Klinkenstecker geht Musik rein, aus den Lautsprechern kommen Töne raus. Kein WLAN, keine App, keine Freisprecheinrichtung. Dafür müsst ihr zum neuen Woburn Multiroom greifen.

Das bedeutet aber nicht, dass keine moderne Technik drin steckt. Die Bluetooth-Verbindung (in der Variante 5.0) klappt erstaunlich einfach, die Reichweite ist hoch und AptX für klaren Sound unterstützt er auch. Weiterhin kann er mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden sein und wechselt automatisch zu dem Gerät, das gerade Musik ausgibt. Damit nicht genug: Er ist auch noch verzögerungsfrei, das heißt, der Ton kommt parallel zum Bild. Perfekt für den Filmgenuss unterwegs.

Mehr wird für die Features nicht benötigt.
Eine Taste und 3 Rädchen reichen.
Für mehr Bass und rundum guten Sound: Bassreflexrohr und Hochtöner.
Mehr wird für die Features nicht benötigt.
Sound

Be my Rock n’ Roll Queen – Nicht nur für Rock gedacht

Erst einmal ein Wort zu meinen Einstellungen. Eine direkte Mittelstellung deutet der Marshall nicht an. Für mein Gehör scheint der Lautsprecher am neutralsten zu sein, wenn ich Treble auf 7 und Bass auf 3 stelle, denn bei 5 scheinen mir die Bässe und teilweise die Mitten angehoben zu werden, während höhere Frequenzen etwas abfallen. Manchmal variiere ich aber auch, nehme Bässe noch ein wenig mehr raus oder gebe sie wieder dazu. Je leiser ich höre, desto mehr bewege ich mich auf die 5 zu. Warum auch nicht, wenn es so einfach ist.

Zum Vergleich nehme ich wie immer meine Nubert nuWave 85 samt ABL, angeschlossen an einem Harman Kardon AVR 5500. Das ist natürlich nicht besonders fair, denn auf der einen Seite stehen knapp 60 Kilogramm Hi-Fi, auf der anderen Seite kompakte 2,5 Kilogramm. Und auch der Preisunterschied ist enorm.

Worin sollte ein Marshall-Verstärker auf jeden Fall überzeugen? Klar. Musik, die von Marshall-Kunden gemacht wurde. Ich fange mit The Who an. Schließlich war Pete Townshend eine der Musiker, die Jim Marshall überzeugten, erst Fender-Verstärker zu importieren und dann, im Wahn nach immer höheren Lautstärken und dem ganz besonderen Sound, selber Gitarrenverstärker zu bauen. Tatsache, bei lauter Rockmusik fühlt sich der Lautsprecher wohl. Die Bassgitarre darf bei My Generation glänzen, ein gewisses Live-Feeling kommt auf. Den etwas dumpfen Sound behebe ich wie gerade erwähnt mit dem Höhenregler.

Laut? Das mochte auch Kurt Cobain. Mit Freude höre ich die Nevermind durch und kann berichten, dass sich der Kilburn pudelwohl fühlt. Die Bassgitarre drückt gut, lässt sich schön raushören. Das Schlagzeug kommt mit großer Wucht daher, von Bassdrum über die Snare bis hin zu den krachenden Cymbals. Und auch Kurt Cobains Stimme hat die nötige Portion Biss.

Schaut man sich ein Konzert von Yngwie Malmsteen an, entdeckt man als Erstes eine riesige Wand an Marshall-Cabinets. Das Virtuose, der das Gitarren-Geschredde in vielen Bereichen des Metals mitbegründet hat, zeigt in Far Beyond the Sun wie so oft sein Talent. Auf niedriger Lautstärke, so bei drei, klingt es schön ausgeglichen. Der Lautsprecher konzentriert sich auf das, was zählt. Doch als ich aufdrehe, übernehmen Bass- und Rhythmus-Gitarre, während das Highlight – das Geschredde, etwas in den Hintergrund tritt. Es entsteht ein Soundbrei. Ein beherzter Griff zum Bass-Regler hilft deutlich.

Ebenfalls Wände an Marshall-Equipment werden von Slayer verwendet. In Raining Blood schreit die Lead-Gitarre verzweifelt nach Erlösung, der Bassist und die Rhythmus-Gitarre spielen um die Wette und der Schlagzeuger will sich natürlich auch nicht abhängen lassen. Chaos? Mitnichten, auf meiner Anlage höre ich alle Bestandteile heraus. Leise? Kein Problem für den Marshall. Aber Slayer und leise gehen zusammen wie Capital Bra und Talent. Ein Widerspruch in sich. Der Regler bewegt sich also Richtung 10, mein Nachbar zieht seine Schuhe an und ich habe Spaß. Die nötige Aggression ist zweifelsohne da, allerdings wird es leicht matschig in den Mitten, es dröhnt ein wenig.

Mit My Kantele (Acoustic Reprise) von Amorphis schaue ich mir an, wie es bei einem gut produziertem Stück klingt. Ich fange wieder leise an: Subtil spielt der Bass im Hintergrund, so wie es sich gehört. Details kommen heraus, im Hintergrund spielt – etwas zu leise – die Hammond-Orgel. Die Höhen sind schön klar, allerdings klingt die Akustikgitarre etwas künstlich. Lediglich das unterste Bassfundament fehlt mir. Als ich aufdrehe, gehen die Höhen ein wenig zurück und beim Kickbass dröhnt es ganz leicht. Dafür glänzt gerade die Snare-Drum mit ihrer Geschwindigkeit und Durchschlagkraft. Insgesamt bin ich beeindruckt.

Und auch andere Metal-Bands, die ich dem Kilburn vorlege, meistert er gut. Zum Beispiel Mirror Mirror von Blind Guardian, bei dem lediglich die Lead-Gitarre etwas mehr Präsenz zeigen dürfte. Downfall von Children of Bodom klingt schön aggressiv. Bei Ulvers I Troldskog Faren Vild fällt mir auf, dass der Sound etwas dumpf ist, als ob ein Tuch den Lautsprecher verdeckt. Seltsamerweise kommen aber die höchsten Töne des Schlagzeuges wieder durch. Etwas, von dem das absichtlich katastrophal schlecht produzierte Album Nattens Madrigal extrem profitiert – auf meiner Anlage tut es in den Ohren weh, auf dem Marshall macht es richtig Spaß.

Die Dire Straits will ich natürlich nicht übergehen, daher widme ich mich Money for Nothing. Ich weiß nicht, ob mir der Sound der Kilburn nicht sogar lieber ist, der Unterschied ist auf jeden Fall nicht sehr groß. Gleiches gilt für Sultans of Swing, wobei bei sehr hohen Lautstärken John Illsleys Bass etwas nach vorne kommt und Mark Knopfler nach hinten schickt. Die hohe Geschwindigkeit beweist der Speaker auch in Mediterranean Sundance/Rio Ancho von Al Di Meola und Paco de Lucia.

Marshall mag aber nicht nur Rock und Metal, auch bei Synth-pop, New Wave, Post Punk und Co. fühlt es sich wohl. Beispiel? True Faith von New Order. Keine Beschwerden, das klingt astrein. Bei Only When I Lose Myself kommt der Kilburn ziemlich nah an meine Anlage ran, es fehlt lediglich etwas an Volumen in Depeche Modes Bassline, während Dave Gahans Stimme mit zunehmender Lautstärke ein wenig an Glanz verliert, anfängt tiefer zu klingen. Auch It’s a Sin der Pet Shop Boys gefällt mir, wobei alles ein wenig komprimiert erscheint. Ich schiebe es auf das Fehlen von Stereo und den zurückhaltenden Hochtöner.

Bislang ist ja alles sehr vielversprechend, daher widme ich mich dem Jazz. Sowohl musikalisch als auch in Sachen Produktion zählt Rebekka Bakken inzwischen zu meinen Favoriten, die Stücke Broken Bicycles und Downtown, beides Coverversionen von Tom Waits, zeigen ihre Bandbreite. Während ersteres Gänsehaut auslöst, mit einem nahezu fehlerfreien Rendering ihrer Stimme und wunderschönen Bassläufen, die ohne aufzutragen vollständig zu hören sind, hat Downtown deutlich mehr Schwung. Eine ganze Big Band samt Trompeten und Saxophon spielen sich die Seele aus dem Leib. Und auch der Schlagzeuger hat richtig was zu tun. Marshall leistet sich hier keine Blöße, auf niedriger bis mittlerer Lautstärke ist das einzige, was mir fehlt Stereo. Auf hoher Lautstärke wird es leicht chaotisch und die üblichen Schwächen kommen zum Vorschein, vor allem fängt Bakkens Stimme leicht an zu dröhnen und die Trompete haut mich nicht mehr um.

Bei Comfortably Numb von Pink Floyds Meisterwerk The Wall bin ich rundum zufrieden. Leise ist der Bass schon fast zu subtil, aber als ich aufdrehe, klingt es wunderbar. Satt, ohne aufdringlich zu sein. Die Bassdrum spüre ich auf dem Sofa. Alles ist klar, ich spüre den Impact vom Schlagzeug.

Zeit, den Marshall aus der Komfortzone zu holen, denke ich mir, und schicke Amplifier mit Into the Space Age in den Ring. Das Intro könnte offener, raumfüllender klingen. So geht es auch dem Rest des Songs. Und dann wird es schwer. Was diesen Song ausmacht, ist das extrem dominant abgemischte Schlagzeug sowie die drückende Bass- und Gitarrenwand. Hinzu kommt eine Bassdrum, die im Sub-Bass-Bereich heftig nachschwingt. Letzteres fehlt, der Rest überzeugt mich aber. Insbesondere die Geschwindigkeit, in der die Snare-Drum die Luft in Bewegung versetzt.

Bad Guy von Billie Eilish lebt von seiner Produktion. Gehauchte Stimme, die stark verstärkt wird, um mit der restlichen Musik mitzuhalten. Die tiefen Bassläufe. Weniger ist mehr? Definitiv, wenn es um den Bass-Regler geht. Während es auf 5 zu sehr dröhnt, dabei die tieferen Bereiche verloren gehen, klingt es bei zwei oder drei deutlich ausgewogener. Wobei natürlich die tiefsten Frequenzen fehlen. Die gehauchte Stimme löst schon fast Gänsehaut aus. Das klingt alles ganz passabel – bis der Teil am Ende kommt. Hier geht dem Kilburn II dann deutlich die Luft aus. So geht es aber auch vielen anderen Lautsprechern, wobei manch Konkurrent zumindest bei niedrigen Lautstärken doch noch tiefer reicht und so voller und voluminöser klingt.

An diesem Punkt will mich der Kilburn vermutlich umbringen und verbrennen, denn ich lege Chameleon von Trentemoller auf – ein Stück, bei der gefühlt die Hälfte der Musik aus Sub-Bässen besteht. Da bringt auch der Bass-Regler nichts mehr, alles andere wäre aber auch ein Wunder und ist physikalisch außer bei niedrigsten Lautstärken nicht zu machen. Die schrillen Fieps-Töne gibt er wieder, was meine Vermutung bestätigt, dass es einfach im oberen Mittelton bis unterem Hochtonbereich an Druck fehlt, da drüber jedoch alles wieder in Ordnung ist. Damit nicht genug, lasse ich mir es auch nicht nehmen Hip-Hop zu hören. Der interessanteste Part von Was für eine Zeit von Zugezogen Maskulin ist in diesem Test sicherlich die Bassline. Und die hat es in sich. Es fängt sehr tief an… und wird dann tiefer. Keine Chance für den Marshall, ganz gleich bei welcher Lautstärke. Immerhin übersteuert nichts, auch auf voller Lautstärke und mit hochgedrehtem Bass. Der Low-Pass-Filter leistet also gute Arbeit.

Eine Traditionsmarke, die für Rock und Metal steht.
Die Klangregler, mit denen ihr den Lautsprecher an eure Präferenzen, an euren Raum und an eure Musik anpasst.
Erstaunlich, was aus der kleinen Box heraus kommt.
Guter Sound auch unterwegs.
Eine Traditionsmarke, die für Rock und Metal steht.
Sound

Let me Entertain You – Ob laut oder leise

Wie kann ich den Sound zusammenfassen… der Marshall mag es handgemacht, er mag natürliche Instrumente. Synthetische Musik mit abgrundtiefen Bässen ist nicht seine Stärke. Dafür alles andere, wobei auch bei handgemachter Musik die untersten Frequenzen fehlen können. Meist unterstützen diese aber lediglich und geben dem Ganzen noch etwas mehr Volumen – ohne den direkten Vergleich fällt das kaum auf.

Am Meisten mag er es dabei, trotz der Optik, wenn es leise bleibt. Dann ist er richtig schön neutral und beweist große Spielfreude. Bässe halten sich im Hintergrund und tragen je nach Einstellung nicht dick auf. Ganz leicht abfallende Höhen können bei manchen Stücken die Nerven schonen, eine natürlichere Wiedergabe wäre mir trotzdem lieber. Wird es lauter, betont er Kickbässe und den unteren Mitteltonbereich, kann dort sogar ein wenig dröhnen. Und der Hochtöner fällt stärker ab, zum Beispiel bei den höchsten Gitarrentönen. Die Unterschiede fallen aber selbst bei voller Lautstärke vergleichsweise klein aus.

Zum Übersteuern neigt er nicht, sodass es tatsächlich kein Problem ist, den Regler zum Anschlag zu bringen. So kann der Kilburn II bei Bedarf auch mal Party machen und zum Headbangen anregen. Indes darf man aber natürlich auch keine Lautstärkewunder erwarten, für den Hausgebrauch reicht es aber locker.

Höre ich Musik leise, ist es egal, ob ich das Smartphone auf voller Lautstärke habe und per Volume-Regler drossel, oder ob ich den Volume-Regler am Anschlag habe und per Smartphone reduziere. Der Sound ist nahezu identisch. Die Rädchen funktionieren scheinbar vollständig analog. Ich rate dennoch dazu, direkt am Lautsprecher zu steuern, denn das senkt den Stromverbrauch und holt das Maximum aus der Bluetooth-Verbindung heraus.

Warum das so interessant ist? Je tiefer der Bass, desto mehr Luft muss für die gleiche Lautstärke bewegt werden. Das geht entweder durch einen großen Lautsprecher-Chassis oder durch größere Bewegungen. Unbegrenzt größer kann der Speaker aber nicht werden, weil irgendwann das Gehäuse endet und ihr auch keinen Trolley hinterher ziehen wollt. Und auch größeren Hüben sind Grenzen gesetzt, wenn der Lautsprecher zum Beispiel anschlägt. Ich gehe davon aus, dass Marshall mit einem digitalen Signalprozessor (DSP) die Bässe so anhebt, dass der Lautsprecher tiefer spielt als er kann. Doch im Gegensatz zu manch anderem Hersteller nimmt er die Bässe nicht zurück, wenn es lauter wird – so holen sie möglichst satten Bass heraus, ohne bei hohen Pegeln schlecht zu klingen oder den Lautsprecher sogar zu beschädigen. Entsprechend sind dem Bass auch bei niedrigen Lautstärken Grenzen gesetzt. Marshall gibt, meiner Meinung nach etwas optimistisch, respektable 52 Hertz an. Werte, die früher kleinere Standlautsprecher geschafft haben.

Und warum der wird es im Hochtonbereich leiser? Ich denke, das hat mit dem Wasserschutz auf der Vorderseite zu tun. Der Hochtöner auf der Rückseite atmet freier, glänzt mehr. Gerade bei höheren Lautstärken kann es sich vielleicht sogar lohnen, den Speaker einfach mal umzudrehen. Entsprechend ist der Klang natürlich von der Position um den Lautsprecher herum abhängig, wobei der Hochtöner hinten gute Arbeit leistet – hätte Marshall darauf verzichtet, wäre es sicherlich noch deutlich größer.

Im Hintergrund schön zu sehen: der Kontrahent.
Der Schutz für die Lautsprecher-Chassis ist ganz schön feinporig.
In dieser Einstellung ist mir der Sound zu dumpf.
Im Hintergrund schön zu sehen: der Kontrahent.
Akkulaufzeit

A La La La La Long – Der 20-Stunden-Akku

Dank fest eingebautem Netzteil ist das Aufladen ganz einfach: Stromkabel reinstecken, warten. Und da der Kleingerätestecker überall weit verbreitet ist, ist es auch gut, dass das Netzteil auch mit dem amerikanischem Stromnetz zurecht kommt.

Der leere Akku lädt in zweieinhalb Stunden auf 100 Prozent. Dabei zieht der Speaker erst einmal rund 22 bis 23 Watt und reduziert nach zirka einer Stunde und 45 Minuten die Ladegeschwindigkeit, um eine möglichst lange Lebensdauer des Akkus zu garantieren. Wird der Lautsprecher genutzt, ist das Netzteil aber auch in der Lage, mehr zu bieten, bis zu 32 Watt bei voller Lautstärke und bassstarker Musik. So ist sichergestellt, dass der Akku stets mit voller Geschwindigkeit lädt.

Und wie lange hält das Gerät nun durch? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall reicht es für einige Konzert-Bootlegs der Grateful Dead. Offiziell ist es eine halbe Ewigkeit: bis zu 20 Stunden. Wie lange es nun tatsächlich geht, hängt aber sehr von der Lautstärke ab. So benötigt der Lautsprecher bei niedrigen Pegeln ungefähr 3 Watt, auf voller Lautstärke sind es meist um die 8 Watt, wobei das vom Lied abhängt. Bei Was für eine Zeit von Zugezogen Maskulin und voll aufgedrehtem Bass sehe ich an einer Stelle sogar 23 Watt auf dem Display. Dabei spüre ich aber schon den Wind, der aus dem Bassreflexrohr kommt. Halte ich meine Hand in dessen Nähe, wird sie mal in Richtung Lautsprecher, mal davon weg gezogen.

Dank der Ladestandsanzeige am Speaker kann ich ohne Smartphone und App direkt abschätzen, ob ich aufladen soll oder nicht. Leider gibt es beim Aufladen aber nur eine generische Animation, die mir nichts über den aktuellen Füllstand verrät. Möchte ich diesen wissen, muss ich die Stromversorgung kurz kappen.

Schön zu sehen:
die Ladestandanzeige.
Schön zu sehen:
Fazit

One for the Road... & Zuhause

Marshall matters.
Reist gerne mit. Der Marshall Kilburn II.
Kein Novelty-Item, denn der Sound stimmt.
Leider darf ich den Bluetooth-Lautsprecher wieder abgeben.
Marshall matters.

Ich gebe es zu. Am Anfang dachte ich mir: Ohje. Irgendwie hat mich der Lautsprecher nicht umgehauen. Dafür stehe ich zu sehr auf Sub-Bässe, die ich in dieser Preis- und Größenklasse schon besser gehört habe. Insgesamt war mir der Sound auch zu dumpf, hat die Kickbässe betont und oben rum hat mich der Lautsprecher auch nicht überzeugt. Doch nach einer kurzen Umgewöhnungsphase von meinem anderen Testlautsprecher und mit ein paar Tweaks an den Klangreglern sowie der Erkenntnis, welche Musik er mag und welche nicht, ist die anfängliche Abneigung in Begeisterung umgeschwungen.

Wenn man möchte, spielt der Marshall Kilburn II entgegen Design und Namen ziemlich neutral und erweist sich als kompetent und impulsstark. Auch ist das gesamte Konzept, back to the roots, sehr sympathisch. Analoge Räder, die sich auch so anfühlen. Der Verzicht auf Schnickschnack und die Besinnung auf das Wesentliche. Unkompliziert aber hochwertig, ohne zu zeigen, was für moderne Technik drin steckt. Nein, der Marshall-Lautsprecher redet nicht mit mir, er steuert nicht mein Smartphone. Aber dafür stimmt der Sound – und bei Bedarf feiert er auch mal eine Party mit euch und zerlegt Hotelzimmer.

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