WD My Cloud EX2 NAS im Praxistest

von André Nimtz

· 7 min Lesezeit

WD My Cloud EX2 NAS im Praxistest

Ich gebe zu, ein wenig schlechtes Gewissen hatte ich schon: Da habe ich gerade den Haussegen wieder gerade gerückt und das doch stattliche und zuweilen Geräusch-intensive EX4-NAS von WD aus Sichtfeld und gemeinsamer Wohnung entfernt, da stehe ich mit dem kleinen Bruder, dem My Cloud EX2, vor der Tür.

Zunächst gibt es keine Kommentare zu Karton und Testgerät und ich schmuggle den Netzwerk-Speicher nach und nach in die Heimkino-Umgebung. Der Dialog, der nach dem Aufstellen kommt, überrascht mich: „Hast du das Ding schon aufgebaut?“ „Ja.“ „Und wo?“ „Da.“ „Wo?“ „Na da.“ „Das ist ja viel kleiner und schicker als das andere.“ Interessant, wie unterschiedlich die beiden NAS-Systeme schon auf den ersten Blick ankommen.

Aber ich greife voraus. Fangen wir lieber am Anfang an – dem Unboxing des WD My Cloud EX2 2-Bay-NAS mit zwei WD-Red-Festplatten zu je 2 Terabyte.

Gutes Cloud-Paket

PRO
    Elegant & kompakt
    Sehr leise im Betrieb
    Sehr gutes Nutzer-Interface
    Sehr gute Cloud-Funktionalität
CONTRA
    Einrichtung auf Tablet & Smartphone schwierig
    Geringe Transferraten
    Eigenwillige Konstruktion zum Entfernen der Festplatten
Gesamtbewertung 4

Alles Nötige im Gepäck

Wie schon der große Bruder, das EX4, kommt auch das 2-Bay-NAS aus WDs My-Cloud-Serie im doch recht stattlichen, blauen Karton daher. In dessen Innerem begrüßt mich gut gepolstert der Netzwerk-Speicher sowie ein grundlegendes Zubehör-Ensemble. Dazu gehören ein Ethernet-Kabel, das Netzteil sowie Stecker-Adapter für den Einsatz an deutschen und internationalen Steckdosen.

Damit ist alles Wesentliche für den sofortigen Einsatz an Bord. Die üblichen Papier-Beileger zur Einrichtung des NAS und zu den Garantiebedingungen dürfen natürlich auch nicht fehlen und gewinnen im weiteren Testverlauf noch an Bedeutung.

Kompakter Karton
Kompakter Karton
NAS, Ethernet-Kabel, Ladekabel mit Stecker-Adapter
NAS, Ethernet-Kabel, Ladekabel mit Stecker-Adapter

Erster Eindruck Optisch ansprechend & annehmbar intuitiv

Im Vergleich zur 4-Bay-Variante kommt das My Cloud EX2 NAS deutlich Designbewusster und moderner daher. Die abgerundete Front und das matt-dunkelgraue Äußere lassen den Netzwerk-Speicher zurückhaltend-elegant wirken und reihen ihn in die von den externen My-Book-Festplatten bekannte Design-Linie ein. Mag sein, dass das NAS meiner besseren Hälfte schon deshalb nicht aufgefallen ist, weil sie mit meiner optisch ähnlichen externen Festplatte von WD schon Frieden geschlossen hat.

Was am EX2 darüber hinaus auffällt, ist das Fehlen eines Displays an der Front. Als Statusanzeige gibt es lediglich eine Betriebs-LED und je ein Status-Lämpchen für jede Festplatte. Auf der Rückseite finde ich den DC-Eingang, einen Ethernet-Anschluss sowie zwei USB-3-Ports. Einen Ein-/Aus-Schalter wie beim 4-Bay-My-Cloud suche ich dabei allerdings vergeblich. Damit zeichnen sich dauerbetriebsame NAS-Zeiten ab.

Geöffnet wird der Netzwerker über einen Taster auf der Oberseite. Unter der Haube lächeln mich zwei 2-Terabyte-Festplatten aus WDs Red-Serie an. Um die Datenriesen auszubauen, muss ich zunächst einen Haltebügel abschrauben und die Platten danach mit einem kräftigen Zug an einer Plastikschlaufe aus dem NAS befördern. Das kostet mich erstmal Überwindung, da der Plastik-Mechanismus nicht uneingeschränkt stabil erscheint. Immerhin gewöhne ich mich rasch an die Funktionsweise und kann Festplatten so recht einfach im Ruhezustand oder per Hot Swapping im Betrieb tauschen.

Elegantes Design & ausreichende Anschluss-Ausstattung
Elegantes Design & ausreichende Anschluss-Ausstattung
My Cloud öffne dich, diesmal per Taste am Deckel
My Cloud öffne dich, diesmal per Taste am Deckel
2 x 2 Terabyte WD Red ...
2 x 2 Terabyte WD Red ...
... sind bereits an Bord.
... sind bereits an Bord.
Die Plastik-Öse zum Entfernen der Platten wirkt instabil ...
Die Plastik-Öse zum Entfernen der Platten wirkt instabil ...
... und die Handhabung ist zunächst gewöhnungsbedürftig.
... und die Handhabung ist zunächst gewöhnungsbedürftig.

Ersteinrichtung Installation auf Notebook, Tablet & Co.

Nach Anschluss von Ethernet- und Strom-Kabel fangen die drei Lämpchen gleich munter an zu blinken. Da das EX2 nicht wie sein großer 4-Bay-Bruder über ein Display verfügt, das die IP des NAS preisgibt, bemühe ich für die Einrichtung auf Tablet und Smartphone den Quick Installation Guide. Der empfiehlt mir die Eingabe von „http://wdmycloudEX2“ im Browserfenster. Dummerweise liefert mir der Browser dabei entweder ein Google-Suchergebnis oder eine Fehlermeldung. Also erstmal nix mit Einrichtung.

Aber ich kann ja auch noch mein Notebook bemühen. So lade ich die Setup-Datei der Einrichtungs-Software vom (leider äußerst langsamen) WD-Server herunter und starte die Installation. Im Zuge dieser unkomplizierten Einrichtung erhalte ich die IP des Netzwerk-Speichers, mit der ich endlich auch von meinem 10-Zoll-Androiden aus auf das Nutzer-Interface des NAS zugreifen kann.

Und wie steht es um die My-Cloud-App? Ich installiere und starte die Anwendung und warte auf die automatische Erkennung des WD My Cloud EX2. Was beim EX4 noch auf Anhieb funktionierte, will beim 2-Bay-Äquivalent nicht gelingen. Ich muss das NAS letztlich manuell für die App einrichten und mittels Setup-Code, den ich vom Nutzer-Interface bekomme, verifizieren. Erst dann klappt die Kommunikation.

Beim gesamten Setup-Prozess hinkt die EX2 letzten Endes dem Komfort der EX4 hinterher. Das zeigt sich auch darin, dass mein Fernseher mit dem ins Netzwerk eingebundenen Speicher ad hoc rein gar nichts anfangen kann. Auch das lief bei der EX4 reibungslos.

Das von der EX4 bekannte Installations-Interface.
Das von der EX4 bekannte Installations-Interface.
Wenn's einmal läuft, läuft's schnell und reibungslos.
Wenn's einmal läuft, läuft's schnell und reibungslos.
Der Weg zur funktionalen App ist diesmal steinig.
Der Weg zur funktionalen App ist diesmal steinig.

Nutzer-Komfort Gutes Nutzer-Interface & Cloud-Komfort

Das Nutzer-Interface der EX2 ist dem des 4-Bay-Bruders ebenbürtig. Von Geräteübersicht über Benutzerverwaltung und Freigabemanagement bis hin zu Speicher- und App-Verwaltung finde ich hier alles, was ich für Einrichtung, Betrieb und Verwaltung des My-Cloud-NAS benötige – nutzerfreundliche Menüführung und leicht verständliche Erläuterungen inklusive. Auch den werksseitig eingerichteten RAID-1-Modus ändere ich hier bequem – allerdings stehen mir Bauart-bedingt nur JBOD und RAID 0 als Optionen zur Wahl.

Ähnlich komfortabel gestaltet sich der Umgang mit den WD-Apps sowie die Nutzung der Cloud-Funktion. Die Einrichtung der Apps bewerkstellige ich, wie oben schon gesagt, über die Cloud-Verwaltung im Nutzer-Interface, in dem ich bequem alle Cloud-Zugriffe und Nutzer-Freigaben steuere. Einmal eingerichtet funktionieren Apps und Cloud vorbildlich und ohne nennenswerte Aussetzer. So nutze ich das My Cloud EX2 NAS als Back-up-Server für meine Smartphone-Fotos, stelle meine Multimedia- und sonstigen Daten für den Remote-Zugriff zur Verfügung und greife problemlos von unterwegs auf hinterlegte Files zu. Damit überzeugt der Netzwerk-Speicher in seiner Kern-Disziplin uneingeschränkt.

Sehr übersichtliches Nutzer-Interface
Sehr übersichtliches Nutzer-Interface
Nutzerverwaltung
Nutzerverwaltung
Die verfügbaren RAID-Modi
Die verfügbaren RAID-Modi
App-Management
App-Management

Leistung Leise, aber leider auch langsam

Werfen wir einen Blick auf die Betriebsamkeit des Netzwerk-Speichers. Hier muss ich zunächst ein Wort zum Geräuschpegel verlieren. Denn servierten die vier Festplatten und der Lüfter der EX4 eine doch beachtliche Geräuschkulisse, bleibt der kleine 2-Bay-Bruder überraschend leise. Auch wenn ich die Platten aus dem Stand-by wecke, touren sie mit angenehm moderater Lautstärke hoch. Im Betrieb ist das konstante Hintergrundgeräusch des NAS zwar präsent, aber zu keinem Zeitpunkt wirklich störend.

Als praktikabel im Alltag erweisen sich auch die System- und Festplatten-LEDs, die je nach Farbe den entsprechenden Plattenstatus verdeutlichen. Blau steht hier für reibungslose Funktion, Orange für eventuelle Netzwerkprobleme und Rot für Fehler. So kompensiert das NAS im regulären Betrieb das bei der Einrichtung so schmerzlich vermisste Display.

Was das My Cloud EX2 nicht kompensieren kann, sind die geringen Geschwindigkeiten vor allem beim Schreiben von Daten. Mit zuweilen deutlich weniger als 30 Megabyte pro Sekunde stellt das NAS meine Geduld schon beim Kopieren kleinerer Dateien auf die Probe und lässt die Konkurrenz von Synology, QNAP und Co. mit fliegenden Fahnen an sich vorüber ziehen. Beim Lesen von Daten kann die My Cloud zumindest besser mit den Netzwerk-Wettbewerbern mithalten.

Fazit Gutes NAS mit Luft nach oben

Ja, das WD My Cloud EX2 ist ein durchaus ansehnlicher Vertreter der Gattung NAS. Dass das jedoch nur ein kleiner Teil der Miete ist, zeigt sich beim Blick auf die Stärken und Schwächen des Netzwerk-Speichers. Als Kritikpunkte stehen hier die schwierige Einrichtung des My Cloud auf mobilen Endgeräten, die gewöhnungsbedürftige und irgendwie instabile Plastik-Vorrichtung zum Wechseln der Festplatten sowie die geringen Transfer-Geschwindigkeiten zu Buche.

Positiv fallen der umfangreiche Cloud-Komfort, die hervorragende Software (Nutzer-Interface und Apps) und das angenehm geringe Betriebsgeräusch auf. Somit empfiehlt sich das EX2 als optisch ansprechende Lösung für Freunde des Personal Cloud Computing. Geschwindigkeits-Fanatiker solltet ihr dabei allerdings nicht sein, denn im Preisbereich von derzeit 319,- Euro für die 4-Terabyte-Variante finden sich durchaus flottere Vertreter.

Fakt ist dabei dennoch: Seinem Namen macht das My Cloud alle Ehre und wer ein NAS für seine eigene Datenwolke sucht, ist mit dem Netzwerk-Speicher von WD gut beraten. Seinem großen 4-Bay-Verwandten kann das EX2 jedoch nicht das Wasser reichen.

 

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