Apple Mac Pro (Anfang 2009) mit SATA-III

von walter-amos-muller

· 4 min Lesezeit

Dem Großen Beine machen
Die Nutzung eines Apple Mac Pro ist, als ob man mit einem großen, schweren und völlig übermotorisierten Geländewagen durch die Wiesen, Berge und Äcker pflügt: Ökologisch inkorrekt, doch keine Aufgabe ist zu schwer für die 8 Prozessorenkerne, kein Programm zu groß für den Arbeitsspeicher und keine Datenmenge zu ausladend für die vier internen Festplatten-Steckplätze. Doch der Mac Pro hat ein Problem – selbst das aktuelle Modell verfügt nur über einen SATA-II-Controller. Damit lohnt die Aufrüstung mit einer SSD-Festplatte kaum. Oder doch?
Seit Mac OS X Lion stehe ich mit meinem Mac Pro auf Kriegsfuß. Im April 2009 habe ich den kleinen 8-Core Mac Pro mit 12 GB RAM gekauft. Nach und nach füllten sich die Laufwerksschächte mit Festplatten und es gab keinen Grund, über eine Neuanschaffung nachzudenken, weil der Mac allen Aufgaben gewachsen war. Mit Mac OS X Lion änderte sich das schlagartig. Das Speichern und Wiederherstellen der Programm- und System-Status (für Lateiner mit langem „u“) kostete so viel Zeit, dass aus einer kraftvollen Workstation ein lahmer Apple-Computer wurde, der den Namen „Rechner“ kaum verdiente. Mit Apples jüngstem und klaren Bekenntnis zur Flash-Architektur war klar, dass sich für den Mac Pro auch mit Mountain Lion nichts ändern würde. Als mich nun der bekannte Naturfotograf und Filmer Dietmar Nill anrief und sagte, er bräuchte kurzfristig einen Schnittcomputer, stand fest: Der Mac Pro braucht eine superschnelle SSD-Festplatte.

Hardware“

Bei meinen Recherchen stieß ich darauf, dass ein SATA-Controller mit ASMedia-Chipsatz kompatibel und bootfähig sein soll. Und statt in einem der vier Festplattensteckplätze wäre es doch möglich, die SSD anstelle des zweiten optischen Laufwerks einzubauen. Die Wahl fiel recht schnell auf einen SATA-Controller der Firma Sedna (extern zugekauft), eine SSD-Festplatte von Samsung sowie ein SATA-70-cm-Kabel, ein SATA-Y-Stromkabel und ein Paar 3,5/5,25-Zoll Einbauschienen aus dem Cyberport-Sortiment. Zu meinem Glück war übrigens alles vorrätig im Dresdner Cyberport Store. Coole Sache!

Rückblickend war der Einbau der Komponenten einfacher, als es auf den ersten Moment schien. Voraussetzung dafür ist, dass man auf die Mac Pro-typische elegante Kabelführung verzichtet und sich auf die Freude konzentriert, dass es funktioniert. Den SATA-Controller habe ich aufgrund der Kabellänge (kürzer darf es auf keinen Fall sein!) im obersten PCI-X-Steckplatz verbaut. Der ist übrigens (so habe ich gelesen) mit seiner 4-fach-Geschwindigkeit der neue „Flaschenhals“ im System. Von dort aus habe ich das Kabel in den Griffen der Festplatteneinschübe verlegt. Einzig die Durchführung des Kabels vorbei am Blenden-Mechanismus der optischen Laufwerksschächte ist etwas knifflig. Besonders ärgerlich dabei war, dass ich die Schraube der Laufwerksblende erstmal in den Tiefen des Mac Pro versenkt habe. Da der Anschluss für das zweite optische Laufwerk mit einem kombinierten Stecker aus Strom und SATA ausgestattet ist, müsst Ihr am Y-Kabel auf der einen Seite den Sicherungsstift abzwicken und flach feilen. Die SATA-Festplatte befestigt Ihr auf dem mitegelieferten 3,5-Zoll-Blech, das Ihr wiederum mit den 5,25-Zoll-Einbauschienen verschraubt. Für den Einbau in den Laufwerksträger des Macs stehen stilechte Ersatz-Schrauben im Mac-Design zur Verfügung. Beim Wiedereinbau des Käfigs mit den optischen Laufwerken müsst Ihr darauf achten, das SATA-Kabel zum richtigen Zeitpunkt durchzufädeln, da das Metall sonst das Kabel beschädigt. Nach dem Anstecken der Laufwerke und dem Schließen des Gehäuses erfolgt die Einrichtung der Festplatte im System.

Direkt nach dem Booten erscheint die Meldung, dass das Laufwerk von diesem Computer nicht gelesen werden kann und, ob die Festplatte formatiert werden soll. Nach dem Klick auf „Initialisieren“ öffnet sich das Festplattendienstprogramm und die SSD Festplatte kann wunschgemäß formatiert werden. Bei der Einrichtung als Startdisk wählt Ihr bei “ Partitionierung“ die Option „GUID-Partitionstabelle“. Anschließend könnt Ihr die Hardwarekonfiguration nocheinmal im Systemprofiler kontrollieren und mit der Installation oder der Übertragung (z.B. via Carbon Copy Cloner) eures Betriebssystems beginnen.

Hardware“

In der Konfiguration für diesen Artikel, bzw. für den Schnittcomputer für Dietmar Nill, habe ich zwei herkömmliche interne Seagate-Festplatten mit je 2 TB zu einem Software-RAID-0 gebündelt. Zwei weitere 2-TB-Festplatten runden das Angebot an Speicherplatz ab. Mit 512 GB SSD-Festplatte steht ausreichend Platz für System und Renderingcaches zur Verfügung. Auf das RAID-Volumen kommen projektbezogene Medien und auf Platte 3 & 4 können die Filme zur Sichtung und zum Umkonvertieren gespeichert werden. Ohne dass ich einen ausführlichen Geschwindigkeitstest durchgeführt habe, kann ich sagen, dass sich die Investitionen definitiv gelohnt haben. Laut Aktivitätsanzeige erreicht die Datenübertragung vom RAID zur SSD bis zu 400 MB/s. Und auch das Booten erfolgt in rasanter Geschwindigkeit: Mit Mac OS X Snow Leopard und fertig eingerichteter Schnittsoftware (Adobe Premiere Pro, REDCINE-X PRO und XDCAM Transfer), braucht der Mac Pro jetzt 45 Sekunden ab Betätigung des Einschaltknopfs, 30 Sekunden ab Ertönen des Startsignals. Die Lauffähigkeit der Löwenfamilie wurde nicht getestet, da die meisten der Funktionen von Lion und Mountain Lion vor allem Vorteile für Privatanwender bieten, die der Schnittplatz-Rechner nicht braucht. Die Lauffähigkeit dürfte jedoch auch bei den Lion-Versionen gegeben sein. Und da mein Mac Pro nun weg ist, steht doch wieder die Neuanschaffung im Raum. Vielleicht ein kleiner kräftiger Sportwagen mit einer kompletten Flash-Architektur. Ja, ich glaube es wird wohl ein MacBook Retina werden…

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