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Echte Smartphones haben Kurven - das Sony Xperia XZ2 im Test



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Bereiche

Bewertung
Immer in Bewegung
4

 Pro

  • Aktuelle Spitzenhardware
  • Attraktives Design
  • Schnell
  • Nahe an Stock-Android
  • Regelmäßige Softwareupdates
  • Liegt sehr gut in der Hand

 Contra

  • Nur eine Kamera
  • Kein richtiges Schnellladen
  • Dicker als gewohnt
  • microSD-Karten-Slot sehr langsam
  • Rutscht sehr leicht

Es stand mal wieder mein jährlicher Spanien-Urlaub an. Die ideale Zeit, um einen neuen Fotoapparat zu testen. Mir wird eine neue Sony-Kamera angeboten. Cool. Etwa die neue A7R III? Ein Kollege war schneller. Stattdessen darf ich die neuen Flaggschiff-Smartphones von Sony ausprobieren, das Xperia XZ2 und dessen Mini-Me, das Xperia XZ2 Compact. Nach anfänglicher Skepsis bin ich neugierig, denn Sony hält große Stücke auf die verbaute Kamera. Mit einem 1/2,3 Zoll Sensor, der eigentlich für eine Kompaktkamera üblich ist, verspricht es interessant zu werden.

Die ruhmvollen Zeiten der Sony-Ericsson-Telefone — ich wollte damals unbedingt das P900 haben, während bei meinen Freunden das K750 beliebt war — sind leider vorbei. Samsung und Apple dominieren inzwischen das Feld. Mit den XZ2-Geschwistern will Sony dies ändern und hat dafür den Reset-Button gedrückt. Ob Sony der Reboot tatsächlich gelungen ist, erfahrt ihr in diesem Test.

Lieferumfang

Das Übliche

In der Retailverpackung begrüßt mich erst mal das Smartphone, in einer Plastiktüte und mit aufgeklebter Displayschutzfolie. Leider ist Xperia aufgedruckt — schade, dass hier kein vernünftiger Displayschutz dabei ist, den man die nächsten Monate nutzen kann. Ähnlich sieht es bei der Rückseite aus. Neben dem XZ2 befinden sich noch ein Netzteil, ein Ladekabel und die Kopfhörer. Verwirrt sehe ich mir die In-Ears an: Sie benötigen einen Klinkenstecker, den das XZ2 gar nicht besitzt. Dafür hat Sony aber an den passenden Kopfhöreradapter von USB-C zu Klinke gedacht.

Das Netzteil des XZ2 unterstützt neben Quick Charge 3.0 auch MediaTek PumpExpress 2.0. Kurios, denn lediglich die XA- und XA1-Serien aus den Vorjahren setzten auf MediaTek-Prozessoren. Das Smartphone schafft es maximal auf 1.350 Milliampere bei 12 Volt, also 16 Watt.

Eigenständig und schick: die leicht lädierte Verpackung.
Schon ausgepackt: die Frontseite.
So rutscht das Telefon nicht von seiner Unterlage.
Eine kleine Plastikschale hält das XZ2 in Position.
Ladegerät und Quickstart-Guide.
Ladegerät und -kabel, dazu die Kopfhörer samt Silikonaufsätze.
Eigenständig und schick: die leicht lädierte Verpackung.
Design

Das Mojo ist zurück

2012 führte Sony ihre „OmniBalance“ getaufte Designsprache ein, die dann modifiziert wurde und fortan „Unified Design“ hieß. Inzwischen wirkt der Look aber altbacken und langweilig, und so haben Sonys Produktgestalter sich erneut ans Zeichenbrett gesetzt. Die neu gefundene Formensprache firmiert nun unter der Bezeichnung „Ambient Flow“ und kommt erstmals beim Xperia XZ2 zum Einsatz. Vorbei sind die Zeiten vom flachen Glasscheibensandwich mit abgerundetem Rand und ordentlich Platz um das Display.

Ich mag das neue Design. Die Displayränder sind jetzt auf zeitgemäßem Niveau, wobei andere Hersteller inzwischen noch radikaler Platz schaffen und mit irritierenden Notches oder an der Unterseite platzierten Kameras — für tolle Aufnahmen der Nasenlöcher — das Display maximieren. Von der Größe her ist das XZ2 vergleichbar mit dem LG G7 ThinQ. Am unteren Rand zeigt sich unter dem Gorilla Glass 5 der gut versteckte Lautsprecher. Auch das Sony-Logo befindet sich dort, wobei es in der „liquid black“-Version grau erscheint, in der „deep green“ getauften Variante ist es je nach Blickwinkel mal dunkler, mal heller als die Umgebung.

Der farblich passend abgestimmte Metallrahmen beherbergt an der Oberseite ein Mikrofon sowie den microSD- und SIM-Karten-Slot, der praktischerweise ohne Werkzeug geöffnet werden kann. Wer möchte, kann bei der Dual-SIM-Version statt einer microSD- auch eine zweite SIM-Karte nutzen. Tasten für Lautstärke, Power und Kamera zieren die rechte Seite. Letztere bietet wie der Auslöser eines richtigen Fotoapparats zwei Stufen. Zudem befinden sich dort ein weiteres Mikrofon sowie der USB-C-Port.

Das XZ2 ist gemäß den Schutzklassen IP65 und IP68 wasser- und staubgeschützt. Die stark gewölbte Rückseite ist aus Gorilla Glass 5 gefertigt. Während der Rand nur sechs Millimeter misst, erreicht das Smartphone in der Mitte bis zu 11,1 Millimeter. Damit ist es gut und gerne drei bis vier Millimeter dicker als sämtliche Konkurrenten. Hier sollte wohl das recht dicke Kameramodul vollständig im Gehäuse versenkt werden, ohne Abstriche in der Bildqualität zu machen und einen kleineren Sensor zu verbauen. Das Übergewicht fällt nicht auf – im Gegenteil – die Rundung liegt perfekt in der Hand. Das Xperia-Smartphone fasst sich daher viel angenehmer als die Modelle der Mitbewerber an. Auf Tischen kippelt es allerdings ein wenig.

Gorilla Glass 5 wurde vom Hersteller Corning auf bessere Bruchfestigkeit hin optimiert. Getestet habe ich das glücklicherweise nicht, aber fest steht, damit Glas nicht so leicht zerbricht, muss es flexibler und weicher sein. Somit hat das Telefon, trotz aller Vorsicht, nach einem Monat bereits zahlreiche leichte Kratzer abbekommen, während mein eigenes Smartphone mit Gorilla Glass 4 frischer aussieht. Letztendlich stören mich die Kratzer aber nicht.

Die Rückseite hat Sony angenehm schlicht gestaltet. Von oben nach unten finde ich zunächst einen weißen Punkt, den RGBC-IR Sensor für perfekten Weißabgleich vor. Es folgen der obligatorische LED-Blitz, das Laser-Autofokussystem, neben dem ein NFC-Logo samt Sensor versteckt ist, die Hauptkamera mit 19 Megapixeln sowie der Fingerabdrucksensor. Die Kamera ist umrahmt von einem Metallring, der die Linse leicht vom Tisch anhebt und so vor Kratzern schützt. Ganz unten steht lediglich XPERIA — auf Modellbezeichnungen und CE-Logos verzichtet Sony glücklicherweise.

Attraktiv ist das XZ2 also auf jeden Fall, doch hat die Ästhetik einmal zu oft gesiegt. Die Kamera liegt genau dort, wo mein Finger normalerweise landet und fühlt sich auch noch wie ein Fingerabdrucksensor an. Mit etwas umgewöhnen und umgreifen funktioniert die Position, doch ideal ist es nicht. Immerhin liegt ausreichend Platz zwischen Sensor und Kamera, anders als bei Samsung-Smartphones.

Wie alle Smartphones mit Glasrückseite klebt das XZ2 an der Hand, aber auch nur dort. Gäbe es ein Downhill-Rennen zwischen Smartphones, ich würde auf das XZ2 setzen, denn durch die Rundung hat das Smartphone noch weniger Reibungskräfte als andere Modelle mit Glasrückseite. So rutscht es auf fast jedem nicht absolut ebenem Untergrund einfach weg. Einfach irgendwo ablegen? Lieber nicht. Erst muss ich überlegen, ob die Oberfläche überhaupt eben sein könnte. Danach beobachte ich das Smartphone einige Sekunden. Bewegt es sich? Wenn möglich, lege ich an den Seiten, an denen Gefahr droht, weitere Gegenstände um das Smartphone. Lediglich die Kamera vermag für etwas Haftung zu sorgen.

Da Sony keine Hülle mitliefert, empfehle ich, den nötigen Schutz gleich mitzubestellen — sonst ist äußerste Vorsicht angesagt. Dabei achtet ihr am besten gleich darauf, dass der weiße Punkt über dem Blitz nicht verdeckt wird.

Trotz aller Kritik, die ich allerdings auch an zahlreichen Konkurrenzprodukten äußern würde und aktuellen Trends geschuldet ist: Die Haptik ist über jeden Zweifel erhaben. Das Telefon ist sehr solide, mit hohem, aber angenehmem Gewicht (198 Gramm) und die Form ist schlichtweg perfekt. Kleiner Spoiler: Das Xperia XZ2 Compact behebt meine Kritikpunkte und setzt auf eine attraktive Rückseite aus Polycarbonat mit sinnvollerer Platzierung aller Tasten und Bedienelemente.

Das XZ2 in "deep green".
Die Farbe lässt sich nur schwer einfangen, sieht in echt aber toll aus.
"Liquid black" & "deep green" zum Vergleich
Das Glas ist an den Rändern abgerundet.
Oben befindet sich der SIM Slot...
...und unten der USB-C-Port. Eine Kopfhörerbuchse sucht man vergebens.
Das XZ2 in "deep green".
Hardware und Performance

Oberklasse eben

Als Premium-Smartphone setzt das XZ2 ebenso wie das XZ2 Compact auf den Qualcomm Snapdragon 845, vier Gigabyte Arbeitsspeicher und ein Display mit 1.080 mal 2.160 Pixeln Auflösung: Garanten für Spitzenleistung. Ohne ein 4K-Display hat der aktuelle Spitzenprozessor von Qualcomm allerdings nicht viel zu tun. Bei 5,7 Zoll reicht die Auflösung völlig aus. Auch der Einsatz von einem nur leicht modifizierten Android 8.0 wirkt sich positiv aus. Skeptisch war ich bei den vier Gigabyte Arbeitsspeicher, doch gemerkt habe ich davon nichts. Multitasking funktioniert einwandfrei, das Gerät reagiert stets verzögerungsfrei.

Fest verbaut sind 64 Gigabyte Speicher, von denen nach allen Updates 46 Gigabyte nutzbar sind. Zudem verfügt das XZ2 über einen microSD-Slot, der Speicherkarten mit maximal 400 Gigabyte akzeptiert. Mit AndroBench komme ich auf eine beeindruckende Lesegeschwindigkeit von 667 Megabytes pro Sekunde und eine Schreibgeschwindigkeit von 197 Megabytes pro Sekunde. Was mich allerdings ganz und gar nicht begeistert, ist die Performance des microSD-Slots. 18 Megabyte pro Sekunde lesen und 14 Megabyte pro Sekunde schreiben liegen deutlich unter den 83 respektive 65 Megabyte pro Sekunde, die diese Speicherkarte am PC schafft. Hoffentlich wird dieses Problem mit einem Softwareupdate behoben.

In AnTuTu v7.1.0 erreiche ich maximal 263.372 Punkte. Lasse ich den Test mehrmals hintereinander laufen, drosselt das XZ2 zunehmend — weniger als 190.000 Punkte werden es aber nie. So bleibt das XZ2 auch in Extremsituationen absolut flüssig. Zum Vergleich: Mein zwei Jahre altes Flaggschiff-Smartphone von LG ist selbst kalt deutlich langsamer.

Ein weiterer beliebter Benchmark ist Geekbench 4: Beim Sony Xperia XZ 2 sind es 8.394 Punkte im Multi-Core- und 2.410 im Single-Core-Test. Zum Vergleich: Das Xiaomi Mi 6 erreicht 6.648 beziehungsweise 1.923 Punkte. Im Compute-Test von Geekbench 4 sind es 14.212 Punkte.

Die „CPU Throttling Test“-App misst kontinuierlich die Geschwindigkeit des Telefons bei hoher Belastung. Mit steigenden Temperaturen wird die Leistung zunehmend gedrosselt, damit der Prozessor nicht überhitzt. So entlarvt der Test, wie gut Wärme abgeführt wird. Das ist besonders für Gamer interessant, für die mehrere Minuten am Stück viel Leistung agebrufen werden muss. Die Ergebnisse seht ihr in der Slideshow. Ich messe dabei maximal 47 Grad Celsius an der Außenseite, was noch akzeptabel ist. Mit seiner Glasrückseite hält das XZ2 deutlich länger als das XZ2 Compact mit Polycarbonatrückseite durch. Während die Kompaktversion nach knapp zwölf Minuten auf 40 Prozent der Maximalleistung abfällt, arbeitet das daneben liegende XZ2 noch mit 70 Prozent der Höchstgeschwindigkeit.

Links das XZ2, rechts das XZ2 Compact nach 13 Minuten...
...und nach 60 Minuten.
Links das XZ2, rechts das XZ2 Compact nach 13 Minuten...
Software

Schnell & schlank

Sony verzichtet bei der Software auf umfangreiche Änderungen an Android und belässt es bei einer dünnen Schicht Make-Up. Entsprechend schnell und intuitiv ist es.

Zudem wurden sowohl Xperia XZ2 als auch Xperia XZ2 Compact von Google als „Android Enterprise Recommended“ zertifiziert. Dafür musste Sony versprechen, Sicherheitsupdates binnen 90 Tagen auszuspielen. Während meines Testzeitraums hat Sony das sogar unterboten, jeden Monat wurde das aktuellste Sicherheitsupdate aufgespielt. Apropos Sicherheitsupdate: Android 9.0 Pie ist für November angekündigt.

Der mitgelieferte Xperia Home Launcher erinnert stark an den Google Now Launcher, allerdings um einige Einstellmöglichkeiten erweitert. So ist er schnell, praktisch und flexibel. Doch Sony hat sich entschlossen, ihn mit einem komplett neu entwickelten Launcher zu ersetzen. Wann der ausgerollt wird und was er können wird, ist aber noch offen.

Facebook sowie diverse Amazon-Apps, wie Prime Photos, sind vorinstalliert und nicht entfernbar. Hinzu kommt AVG Protection, welches neben diversen Systemwartungstools auch einen Virenscanner mitbringt. Leider handelt es sich aber nicht um die Bezahlversion, stattdessen wird Werbung eingeblendet.

Eine Sony-Eigenheit ist der Xperia Assist. Nein, kein Bixby-Klon, sondern ein Lernprogramm, um Neulinge per Multiple-Choice-Chatbot über die Eigenheiten und Features des XZ2 zu informieren. Dafür fragt er erstmal, von welchem Telefon ich komme und bietet mir zumindest bei Android an, zu erklären, wie ich das Smartphone verwende und wie ich mich am besten anpassen kann.

Via Xperia Assist erfahre ich von Xperia Actions, welches zum Beispiel in Nähe meines Arbeitsplatzes das Telefon automatisch stumm schaltet und WLAN aktiviert. Leider kann ich nur aus ein paar Vorlagen auswählen: „Gute Nacht“, „Konzentrieren“, „Weg zur Arbeit“, „Gaming“ und „Im Ausland“. Sobald ich zu Hause bin, würde ich gerne WLAN aktivieren, mobile Daten deaktivieren und das Telefon laut schalten. Doch einen „Zuhause“-Modus gibt es nicht, bei dem ich das WLAN einschalten kann. Diese Option finde ich jedoch bei „Konzentrieren“. Beim „Gute Nacht“-Modus kann ich den Bildschirm gelb einfärben, den Akkuverbrauch reduzieren oder gar den Flugmodus aktivieren. Ich mag den Grundgedanken und finde die angebotenen Optionen sinnvoll.

Familienfoto mit dem Sony Xperia XZ2 Compact.
Zwei der Farbvarianten und der Sony-Kopfhörer WH-1000XM2.
"Deep green" würde ich am ehesten als türkis bezeichnen, das hängt aber stark vom Licht ab.
Familienfoto mit dem Sony Xperia XZ2 Compact.
Kamera

So fotografiere ich gerne

Mit der erfolgreichen alpha-Reihe hat Sony bewiesen, dass professionelle Kameras nicht groß sein müssen. Und auch im Linsendesign ist Sony, nicht zuletzt durch den Kauf von Konica-Minolta und der Partnerschaft mit ZEISS, in der Oberklasse angelangt. Sony selbst bezeichnet das 25 Millimeter Objektiv (auf Kleinbild umgerechnet) mit Blende f/2.0 als Linse der G-Serie. So heißen auch die besten Gläser, die Sony für ihre professionellen Kameras herstellt.

Natürlich setzt Sony auf die hauseigenen Sensoren, die sich auch in zahlreichen Kameras der Konkurrenz — von Apple bis Nikon — bewährt haben. Der vergleichsweise große 1/2.3-Zoll-Bildsensor nimmt im 16:9-Format mit 5.504 mal 3.096 Pixel (17 Megapixel) auf, im 4:3-Format sind es 5.056 mal 3.792 Pixel (19 Megapixel). Scheinbar hat der Sensor also tatsächlich 21 Megapixel: Je nach Bildformat wählt das Telefon einen anderen Ausschnitt. 16:9-Aufnahmen zeigen mehr in der Breite, während 4:3-Fotos mehr in der Höhe zeigen. Fleißiges hin und her schalten kann sich daher je nach Motiv lohnen. Leider verzichtet Sony auf den sonst beliebten Bildstabilisator. Ich vermute eine Konsequenz des großen Sensors. Auch eine zweite Kamera suche ich vergebens, diese ist dem XZ2 Premium vorbehalten.

Während andere Telefone eine Lautstärke-Taste als (Not-)Auslöser verwenden, hat Sony einen dedizierten Auslöser mit zwei Stufen verbaut. Eine großartige Idee. Die Taste liegt, nicht wie bei anderen Smartphones, unter dem linken, sondern unter dem rechten Zeigefinger. Da, wo sie hingehört. Um die Kamera zu starten, drücke ich eine Sekunde lang drauf. Halb durchgedrückt nimmt das XZ2 die Belichtung und fokussiert, man kann dann vor dem Auslösen die Komposition ändern. Auch zum Erwischen des richtigen Moments ist dies sehr praktisch, denn wenn ich durchdrücke, ist das Foto bereits längst fokussiert. Genau wie bei einer richtigen Kamera. Ganz gleich, ob reguläres Foto oder Selfie, die Taste macht einen riesigen Unterschied aus. Ich schieße deutlich mehr Fotos, die gelingen, weil die Kamera beim Auslösen ruhiger und sicherer in der Hand liegt.

Der eingebaute LED-Blitz hat eine erstaunlich warme Farbtemperatur, die gut zu den üblichen Nachtszenen passt. Bei Fotos funktioniert das gut. Doch leider ist die Taschenlampenfunktion nahezu unbrauchbar: Die Helligkeit wird so stark gedrosselt, dass ich in einem Meter Entfernung kaum etwas erkennen kann. Da bin ich von meinen bisherigen Telefonen deutlich mehr Reichweite gewöhnt.

Die App ist übersichtlich gestaltet. Wie bei Apple, Samsung oder Xiaomi üblich schaltet man per Wischen zwischen den Bildmodi, doch im Gegensatz zu Xiaomi beschränkt sich Sony auf das Wesentliche: auf diverse Fotoeffekte, Video, „überlegene [sic] Automatik“, sowie manuelle Einstellungen. Dadurch ist das Umschalten kein allzu großes Hindernis. Hinter den Effekten stecken jeweils eigene Apps. Das hat den Vorteil, dass jederzeit Updates eingespielt werden können, ohne gleich die ganze Kamera überarbeiten zu müssen. Doch leider muss das Smartphone zur Nutzung entsperrt sein, was beim Wecken per Kameraauslöser nicht der Fall ist. So erscheint dann eine Fehlermeldung und der Lockscreen. Nach dem Entsperren wird die App automatisch gestartet.

Wenn ich die Fotos auf meinen Computer kopiere, fängt das Smartphone bei null an zu zählen. Das ist unglaublich nervig und sorgt bei Lightroom aufgrund eines langjährigen Bugs für massive Probleme. Überhaupt: Je nach Modus werden Dateien unterschiedlich betitelt. Portrait-Modus? Burst-Modus? Andere Namen, andere Ordner. Das finde ich sehr suboptimal gelöst. Mit „Rename Master“ muss ich schlussendlich alle meine Fotos und Videos umbenennen, um genug Struktur rein zu bringen, ohne mit verschiedenen Ordnern zu arbeiten.

Apropos mangelnde Kongruenz: Tap-to-Focus funktioniert bei Fotos, aber nicht bei Videos. Im „überlegenden Automatik“-Modus erscheint dann zudem die Belichtungskorrektur, die mit einem Button um den Weißabgleich (aber ohne konkrete Werte) ergänzt wird. Hier wähle ich per Slider aus, wie warm oder kalt ich das Foto haben möchte. Beides finde ich auch in den Einstellungen als zweiten Punkt unter dem Selbstauslöser. Nutze ich hingegen Tap-to-Focus im manuellen Modus, passiert nichts dergleichen. Dafür gibt es einen weiteren Button neben dem Onscreen-Auslöser: Betätige ich ihn, kann ich hier Belichtungszeit (maximal eine Sekunde) oder ISO auswählen (zwischen 50 und 12800). Alles in 1 EV Schritten, was eigentlich viel zu grob ist. Möchte ich ISO 400 oder 800? 1/16tel oder 1/8tel? Beides verdoppelt die Menge Licht, die aufgenommen wird. Alternativ habe ich hier Zugriff auf die Belichtungskorrektur in 0,3 EV Schritten. Im Automatikmodus nutzt die Kamera auch Zwischenschritte. Zu guter Letzt finde ich an dieser Stelle den Weißabgleich: Ich habe die Wahl zwischen Auto und vier Presets. An diesem Punkt bin ich dann vollends verwirrt: Während ich bei der „überlegenden Automatik“-Belichtungskorrektur und Weißabgleich in feinsten Schritten korrigieren kann, muss ich mich im manuellen Modus mit wenigen Farbtemperatur-Presets und einer groben Belichtungskorrektur begnügen?

Bemerkenswert, wie sowohl helle als auch dunkle Bereiche mit Details punkten.
Bei ISO 250 sehe ich etwas rauschen. Das lässt das Bild natürlicher wirken.
Natürliche Farben, viele Details.
Beim Mitziehen habe ich scheinbar auch die Belichtungsmessung von links, wo es dunkler war, mitgenommen.
Praktisch: der 16:9-Modus. Das XZ2 hat zudem die Morgenstimmung perfekt eingefangen.
Das viele grün hat den Weißabgleich leicht verwirrt. Doch der Dynamikumfang beeindruckt mal wieder.
Bemerkenswert, wie sowohl helle als auch dunkle Bereiche mit Details punkten.
Kamera

Per Update deutlich besser geworden

Die Bildqualität gefällt mir. Der Dynamikumfang ist vergleichsweise hoch, ein Vorteil von größerern Sensoren. Dies trifft besonders bei aktiviertem HDR zu. Auf einen übertriebenen HDR-Look verzichtet Sony. Stattdessen sieht es meist so aus, als ob das Foto einfach mit einer größeren Kamera aufgenommen wurde. Die Belichtung stimmt: Weder Schatten überwiegt, noch sind helle Bereiche überbelichtet. Hinzu kommt ein guter Weißabgleich und satte Farben, die dennoch nicht übertrieben sind. Um gefälliger zu wirken, verwendet die Kamera-App standardmäßig (und nicht abschaltbar) lokalen Kontrast. Bei Lightroom nennt man sowas Klarheit. So „leuchtet“ das Bild unbewusst mehr und Details fallen stärker auf.

An dieser Stelle regte ich mich im Test auf, wie Sony mit übertriebener Entrauschung Aufnahmen bei gutem Licht ruinierte. Der Haken: Mit einem der letzten Updates hat Sony das abgestellt. Es wird nach wie vor entrauscht und geschärft, aber zurückhaltender. Das Ergebnis gefällt mir viel besser, auch wenn ich persönlich noch weniger täte. Die meisten Testfotos entstanden vor dem entscheidenden Update, wobei man den Großteil der Probleme erst bei der 1:1-Ansicht sieht.

Der Ort Cadaqués stellt Kameras vor eine besondere Herausforderung: die extrem weißen Wände.
Das Bild passt in den Dynamikumfang. Bemerkenswert: Ich sehe nur eine ganz leichte Verfärbung bei den hellsten Bereichen des blauen Himmels.
Ohne HDR...
...und mit HDR.
Eine Canon AT-1 mit HDR ...
... und ohne.
Eine Szene mit viel Kontrast und wenig Licht. ISO 1000.
Der Ort Cadaqués stellt Kameras vor eine besondere Herausforderung: die extrem weißen Wände.
Kamera

Anderer Look beim "Burst-Modus"

Bemerkenswert finde ich den „Burst“-Modus: Hierbei versucht das XZ2 bei gedrücktem Auslöser möglichst schnell hintereinander Fotos zu schießen. Mit ungefähr neun Bildern pro Sekunde entstehen so mindestens zwei, maximal 100 Fotos am Stück. Die Fotos landen in einem speziellen Ordner und werden ganz anders benannt. Bei der Anzeige gruppiert das Telefon die Serienfotos, so dass ich durch die Aufnahmen scrolle und auswähle, welche Fotos ich behalten möchte.

Aber das sind nicht die einzigen Unterschiede, auch die Bildqualität ist völlig anders. Liegt es an der Performance oder an den Entwicklern? In jedem Fall verzichtet Sony hier auf aufwendige Bildoptimierungen und sorgt so für einen ganz anderen Look, deutlich näher an dem, was bei Raw-Fotos raus käme. Die Aufnahmen sind nicht geschärft, zeigen aber mehr echte Details und eignen sich auch zur Nachbearbeitung. Mit etwas Lightroom-Zauberei erhalte ich natürlichere Fotos mit mehr Details und weniger Farbrauschen. Schade, dass das XZ2 keine Raw-Dateien speichert. Für Fotografen, die das Optimum herausholen möchten, wäre das XZ2 sonst eine gute Alternative zu Huawei und Co.

Der Burstmode in Aktion: Seit diesem Foto hat Sony die Entrauschung verbessert.
Und in 1:1 Ansicht.
Eine unmögliche Herausforderung für den Weißabgleich, denn hier treffen zwei völlig unterschiedliche Farbtemperaturen aufeinander.
1:1-Ausschnitt aus einem Foto mit ISO 40 und der neuesten Firmware...
...und ein 1:1-Ausschnitt aus einem Foto mit ISO 320. Finde ich besser als mit ISO 40.
ISO 500. Wenn nicht anders eingestellt, wird mit 1/15stel Belichtungszeit fotografiert ...
... denn mehr macht auch ohne Bildstabilisator keinen Sinn. Aufnahme bei ISO 640.
ISO 200...
...und etwas später bei ISO 2500. Das Bild leidet deutlich.
Kein schönes Foto, aber ein eindruckvolles Beispiel für die Besserungen in der neuesten Firmware-Version. Ebenfalls ISO 2500.
Der Burstmode in Aktion: Seit diesem Foto hat Sony die Entrauschung verbessert.
Kamera

Gute Bilder bei hoher ISO

Eine weitere Möglichkeit, die Bildqualität zu verbessern, ist es, sich auf zwölf Megapixel zu beschränken. Der Unterschied ist im Gegensatz zu früheren Firmware-Versionen nicht mehr so groß, aber ich finde die Fotos gerade bei wenig Licht etwas detailreicher und rauschärmer.

Keine Kritik kann ich an der verbauten Optik äußern: Chromatische Aberrationen sind kaum sichtbar, Lensflare gibt es nur in Extremsituationen. Auch an den Rändern sind Fotos noch ziemlich scharf. Sonys Marketingabteilung hat also nicht übertrieben.

Die Panorama-Funktion klappt hervorragend. Die Bokeh-App für unscharfe Hintergründe nimmt zwei Fotos mit unterschiedlichem Fokuspunkt auf und errechnet daraus das fertige Bild. Dafür müssen Kamera und Motiv ein, zwei Sekunden lang still halten. Mich kann die App nicht beeindrucken. Oftmals meldet sie, dass der Hintergrund nicht unscharf gemacht werden kann. Wenn es dann funktioniert, sind meistens die Kanten problematisch. Telefone mit zwei Kameras können das besser. Doch um ehrlich zu sein, hat mich dieser Effekt noch nie überzeugt. An einer großen Kamera samt lichtstarkem Objektiv führt derzeit einfach kein Weg vorbei.

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Selfie-Kamera: Sie ist vorhanden. Besonders großen Dynamikumfang oder Lichtempfindlichkeit sollte man nicht erwarten und für Gruppenaufnahmen sollte man einen langen Arm haben. Andererseits: Das XZ2 hat eine Auslösetaste und eine stark spiegelnde Rückseite. Also warum nicht einfach die Hauptkamera nutzen?

ISO 400.
ISO 800 in der Abenddämmerung.
ISO 400.
Ebenfalls ISO 400.
Hauptkamera...
versus Selfiekamera. Jeweils bei ISO 40.
Der Portrait-Modus.
Die Panorama-App erstellt hochauflösende Fotos.
Meist stimmt sogar die Belichtung.
Und zu guter Letzt eine Demonstration der Makrofähigkeiten.
ISO 400.
Video

Speedy Gonzales

Besonders bei Videos fällt auf: Der Sensor ist schnell. Sehr schnell. Zwischen den Fotodioden und der Auswertelogik liegt ein Puffer, der ausgelesene Pixel zwischenlagert. Normalerweise werden Bilder Zeile für Zeile, Pixel für Pixel ausgelesen. Zwischen der ersten und der letzten Zeile dauert es dabei eine Weile, sodass sich bei Kameraschwenks vertikale Linien zur Seite neigen. Noch unangenehmer wird es, wenn die Kamera wackelt: hier wobbelt die untere Hälfte des Bildes hin und her. Beim XZ2 hingegen fallen mir solche Effekte dank des Zwischenspeichers nicht auf.

Der Sound ist ganz angenehm und vergleichsweise ausgewogen. Doch wird es laut, scheint das XZ2 mit einem Mal Mitten und Höhen rauszufiltern. Das ist besonders irritierend bei Konzerten, da es dann hin und her schaltet.

Der Autofokus funktioniert hervorragend. Auf Touch-to-Focus muss ich im Videomodus allerdings verzichten. Was scharf ist, entscheidet einzig und allein das Telefon selbst. Die Bildstabilisierung SteadyShot nimmt einen Ausschnitt des gesamten Sensors und wählt je nach Kamerabewegung einen anderen Bereich aus. Das funktioniert bei viel Licht erstaunlich gut, doch wenn die Belichtungszeit pro Frame zu lang ist, zum Beispiel weil es zu dunkel ist, kommt es zu kurzen Bewegungsunschärfen im Video.

Möchte ich möglichst viel auf dem Video einfangen, muss ich mit Full HD aufnehmen und auf SteadyShot verzichten. Schalte ich auf 4K, wird das Bild auch bei deaktiviertem SteadyShot beschnitten. Aktiviere ich SteadyShot, wird es bei 4K sogar ein wenig weitwinkliger. Aber selbst im Idealfall kann ich nicht mit 25 Millimetern Brennweite filmen.

Ein Highlight ist die HDR-Video-Funktion: Hierbei zeichnet das Telefon UHD- und Full-HD-Videos in einem erweiterten Farbraum auf. Ohne das passende Display, also einem HDR-fähigen Fernseher oder Bildschirm, sieht das Video farblos und kontrastarm aus. Doch mit einem passenden Bildschirm wächst der Dynamikumfang und die Farben werden intensiver.

In den Einstellungen habe ich Zugriff auf die vom „überlegenen Automatik“-Modus bekannten Slider für Weißabgleich und Belichtungskorrektur. Zudem aktiviere ich den LED-Blitz oder wähle, ob ich H265 oder H264 als Videocodec möchte. Mit H265 werden die Videos kleiner, und für HDR-Videos ist es Pflicht. Allerdings sind ältere Fernseher und Computer mit diesen Dateien überfordert. Seltsamerweise hat sich unter die Auswahl der Auflösung (4K, Full HD, HD und VGA) auch noch die Möglichkeit geschlichen, mit 60 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen. Allerdings nur in Full HD. Aufgezeichnet wird üblicherweise mit 30 Bildern pro Sekunde, außer ich aktiviere HDR, denn dann ändert sich die Bildwiederholrate auf cinematischere 24 Bilder pro Sekunde.

Die hohe Performance des Sensors in Kombination mit dem rasend schnellen Prozessor zeigt sich besonders bei der Zeitlupenfunktion. Wie Samsung Galaxy S9 und Co. nimmt das XZ2 720p (HD Ready) ganze 0,2 Sekunden lang mit 960 Bildern pro Sekunde auf. Im Gegensatz zur Konkurrenz zeichnet das XZ2 aber auch Full-HD-Videos in diesem Tempo auf. Zwar halbiert sich hier die Aufnahmedauer auf 0,1 Sekunden, doch der Schärfegewinn ist mir das durchaus wert. Für sich betrachtet mag das 720p-Video gut genug aussehen, aber nutze ich das Zeitlupenmaterial zusammen mit regulären Videos fällt die niedrigere Auflösung auf. Bei beiden Auflösungen wähle ich zwischen einzelnen Aufnahmen mit hoher Bildwiederholrate und normalen Videos, die bei der Aufnahme auf Wunsch für kurze Zeit verlangsamt werden. Zur extremen Zeitlupe kommt noch die Möglichkeit, 720p-Videos dauerhaft mit 120 Bildern pro Sekunde aufzunehmen. Nach der Aufnahme darf ich dann festlegen, welcher Zeitraum im Video verlangsamt wird.

Ich habe für euch ein paar Testaufnahmen zusammengeschnitten. Bitte beachtet, dass ich die Aufnahmen mit einer frühen Firmware und einem der ersten XZ2 gedreht habe. Dieses Telefon hatte massive Hitzeprobleme, die unter anderem zu stotternden Videos geführt haben. Ich habe danach ein neueres XZ2 erhalten, bei dem ich diese Probleme nicht mehr nachvollziehen konnte.

Akku

Konservativ hält länger

Wer kennt es nicht: Die ersten zwei Monate ist die Akkulaufzeit super, doch mit zunehmendem Alter mutiert das Smartphone dann zum Powerbank-Junkie, der nicht mehr ohne auskommt. Früher war das kein Problem: Gehäuse auf, neuer Akku rein, Gehäuse zu. Aber heutige Käufer möchten stabile Gehäuse, bei denen nichts knarzt. Wasserdicht und möglichst schlank sollte es ebenfalls sein. Ergo werden Akkus nun fest verbaut. Damit ihr trotzdem von einem möglichst lange nutzbaren Energiespeicher profitiert, versucht Sony den Akku mit Technologien wie Qnovo Adaptive Charging und Battery Care zu schonen. Sony redet hier von bis zu zweifach längerer Haltbarkeit im Vergleich zu einfacheren Ladesystemen.

Mit 3.180 Milliamperestunden liegt die Akkukapazität leicht hinter der Konkurrenz. Trotzdem habe ich wenig Probleme durch den Tag zu kommen, denn der Prozessor ist effizient und die vergleichsweise niedrige Displayauflösung hilft ebenso gut wie optimierte Software. Lediglich bei dauerhafter Nutzung der Kamera und dem Display auf voller Helligkeit muss ich zwischendurch meine Powerbank anschließen.

Im Geekbench-Akkutest erreiche ich bei hoher CPU-Auslastung und stets eingeschaltetem Display 2.222, 3.449 und 3.690 Punkte (maximale, mittlere und minimale Displayhelligkeit). Das sind drei Stunden und 45 Minuten, fünf Stunden und 50 Minuten beziehungsweise sechs Stunden und 15 Minuten. Bei fünf Prozent Ladestand wird der Prozessor auf 80 Prozent gedrosselt.

Es schadet dem Akku, längere Zeit über 90 Prozent geladen zu sein. Darum lernt das Telefon, wann und wie lange es gewöhnlicherweise geladen wird. Hängt es zum Beispiel jede Nacht von zehn Uhr abends bis sechs Uhr morgens am Netzteil, wird es erst mal auf 90 Prozent aufgeladen. Kurz vor sechs Uhr geht es dann weiter, bis das XZ2 voll ist. Lade ich es aber entgegen üblicher Gepflogenheiten Mittags auf, macht es keine Pause. Die Funktion kann auch deaktiviert werden.

Mit einem Quick Charge 3.0 Ladegerät wird der Akku alle zehn Minuten um 13 Prozent aufgeladen. Ab 60 Prozent verlangsamt sich der Prozess zunehmend, erst nach zwei Stunden und 51 Minuten ist der Akku randvoll. Das letzte Prozent nimmt dabei entspannte 21 Minuten in Anspruch. In der Realität relevanter sind die zwei Stunden und 13 Minuten, die es bis 95 Prozent dauert. Das ist weit entfernt von anderen Smartphones, die den Akku deutlich schneller aufladen. Langfristig sollte Sonys Ansatz aber für gute Akkulaufzeit selbst nach einigen Jahren sorgen. Sehr angenehm finde ich, dass das XZ2 kabelloses Laden nach dem Qi-Standard unterstützt. Gerade auf Arbeit ist das sehr bequem.

Knapp 6 Stunden Akkulaufzeit bei ausgelastetem Prozessor.
Der Ladevorgang wird im Laufe der Zeit deutlich langsamer.
Eine Stunde um von 81 auf 100 Prozent zu kommen
Knapp 6 Stunden Akkulaufzeit bei ausgelastetem Prozessor.
Display

Es muss nicht immer 4K sein

Das LC-Display im 18:9-Format weiß zu gefallen. Mit über 700 Candela pro Quadratmeter ist das Telefon auch bei hellem Sonnenschein problemlos nutzbar. Nachts möchte ich hingegen nicht unangenehm geblendet werden, glücklicherweise ist die minimale Helligkeit ausreichend niedrig. Ähnliches gilt für den Schwarzwert. Für ein LCD-Panel ist es gut, doch mit dem perfekten Schwarz eines OLED-Bildschirms kann es nicht mithalten. Die Hintergrundbeleuchtung wirkt auf mich gleichmäßig, auffällige Lichthöfe entdecke ich nicht.

Per Default ist das Display im „Standard“-Modus, welches den Sony-eigenen TRILUMINOS-Farbraum abdeckt und für kräftige Farben sorgt. Dabei übt sich Sony aber noch in Zurückhaltung. Für den Samsung-Effekt existiert der „superlebendig“-Modus, während der „professionelle“ Modus den sRGB-Farbraum abdeckt. Klasse!

Im direkten Vergleich ziehe ich zwar Xiaomi und Apple vor, aber die Konkurrenz aus Korea schlägt das XZ2 um Längen. Und was mir besonders gefällt: Ich kann den Weißabgleich nach Belieben einstellen. Mehr Rot? Weniger Blau? Kein Problem. Sowas habe ich bei einem Smartphone noch nie gesehen. Mühelos gleiche ich den Weißabgleich an das kalibrierte Display meines MacBooks an.

Sony ist ebenfalls positiv anzurechnen, dass sie keinem Autoquartett erlegen sind, bei dem es nur auf größere Zahlen ankommt: Mehr Auflösung ist bei dieser Displaygröße lediglich für VR-Headsets sinnvoll. Pixel erkenne ich nicht. Der Verzicht auf eine unnötig hohe Auflösung verbessert im Gegenzug Performance und Akkulaufzeit.

HDR10-Filme spielt das XZ2 problemlos ab. Ob tolle Farben bei „Justice League“ oder feinste Schattierungen bei „Shape of Water“, das Bild gefällt. Auch eine Dolby-Vision-Demo sieht super aus. Lediglich das Fehlen von echtem Schwarz trübt das Bild. Außerdem erzeugt der Default-Player schwarze Balken rund um das Bild. Mit „MX Player“ und dessen Zoomfunktion klappt es dann.

Klang

Echter Stereo-Sound

Das Xperia XZ2 verfügt über zwei elegant in die Vorderseite integrierte Lautsprecher. Einer ist der Hörer, der andere sitzt in einem Schlitz zwischen Displayscheibe und Rahmen. Beide sind also direkt auf mich gerichtet. Ganz gleich, wie ich das Telefon halte, ich blockiere nie den Ton und muss das Gerät für optimalen Klang nicht auf eine bestimmte Art halten. Die Lautstärke ist ausreichend hoch und Sprache gut verständlich. Somit ist es für YouTube-Videos und Podcasts wunderbar geeignet. Bass sollte man aber nicht erwarten.

Oder etwa doch? Das XZ2 verfügt über einen großzügig dimensionierten Vibrationsmotor, der neben dem üblichen Aufgabengebiet auch den Bass simulieren soll. Das Telefon vibriert, wenn tiefe Frequenzen wiedergegeben werden. Die Effektstärke stelle ich während der Audiowiedergabe mit den Lautstärke-Tasten ein. Leider fehlt es an Feingefühl, selbst auf der niedrigsten Stärke schlägt das System zu stark aus. Ich habe dabei nicht den Eindruck, dass das System auf Frequenzen Rücksicht nimmt. Gerade bei den Subbässen von Basstronics vibriert das Telefon schneller als meine Lautsprecher es tun. Trotz aller Kritik, hoffentlich arbeitet Sony weiter an dem Feature, denn es hat das Potenzial das Musik-, Serien- und Gaming-Erlebnis zu verbessern.

Wo wir schon beim Vibrationsmotor sind: Ich würde ihn als kräftig, aber etwas zu träge einordnen. Man spürt, wie er beschleunigt. Das können LG und Apple besser, besonders LG spielt zudem mit unterschiedlichen Effekten, die das Nutzererlebnis interessanter gestalten.

Eine Kopfhörerbuchse fehlt, dafür legt Sony einen USB-C-auf-Klinke-Adapter in die Verpackung. Lässt man ihn dauerhaft am Kopfhörer, fällt es kaum auf, dass das Telefon keine eigene Buchse hat. Mit normalen Hörern funktioniert das XZ2 gut. Nutze ich meine Bang & Olufsen In-Ears, klingt das XZ2 beinahe so gut wie mein LG V20 — die Referenz unter den Smartphones. Die Bässe sind einen Hauch schwächer, der Klang nicht ganz so dynamisch. Das sind aber feinste Nuancen, die ohne konzentriertes Zuhören und den direkten Vergleich nicht auffallen. Andere Smartphones deklassiert das V20 deutlicher.

Einer der Lautsprecher.
Einer der Lautsprecher.
USB-C

Nichts für Geeks

Der USB-Typ-C Anschluss wurde entwickelt, um alle möglichen Kabel zu ersetzen. Vom Lade- bis hin zum Monitorkabel: Die Möglichkeiten sind schier unendlich, jedoch unterstützt nicht jeder Port jeden Anschluss. Mit einem Multiport-Adapter von Samsung teste ich, welche Funktionen das Xperia XZ2 unterstützt.

Als erstes schließe ich das XZ2 an meinen Fernseher an. Es passiert nichts. Was ich auch versuche, ich erhalte kein Bild. Das ist besonders schade, da das XZ2 selbst die anspruchsvollsten HDR-Videos dekodiert — Videos, bei denen die meisten PCs gnadenlos scheitern. Immerhin gibt es die Möglichkeit, Videos und das Display-Bild per WLAN auf einen modernen Fernseher zu streamen.

Danach schließe ich eine externe mit exFAT formatierte Festplatte an. Sie fängt an zu drehen, wird aber vom XZ2 nicht erkannt. Verbinde ich den Adapter mit einem Ladegerät und schließe ich danach die Festplatte an, funktioniert alles. Scheinbar liefert das XZ2 im Gegensatz zum Xiaomi Mi 6 nicht genug Strom. NTFS unterstützt das Xperia XZ2 nicht und bietet stattdessen an, den Datenträger zu formatieren.

Fazit

Konkurrenzfähig & durchdacht

Eingangs stellte ich mir die Frage, ob Sony der Reboot geglückt ist. Mit Freude kann ich vermelden: Sony ist wieder da. Besonders das neue Design gefällt mir. Es sieht schick aus und fühlt sich einfach gut an. Sony orientiert sich hier ganz klar an der erfolgreichen Konkurrenz, ohne zum Klon zu werden.

Es scheint, als ob Sony auf Nutzerbeschwerden hörte und ein Smartphone entwickelt hat, das im Alltag gut funktioniert. Eine im Gehäuse versenkte Kamera bieten nur wenige Hersteller, erst recht eine mit großem Sensor und hochwertiger Optik. Dafür bin ich gerne bereit, die Fettleibigkeit des Smartphones zu akzeptieren. Lediglich ein größerer Akku wäre bei einem so üppigem Gehäuse ein schöner Bonus, denn die schlankere Konkurrenz bietet mehr Kapazität. Die Akkulaufzeit reicht mir im Alltag zwar auch so, aber bei intensiver Nutzung kann es eng werden. Die Ladezeit ist äußerst konservativ, sollte aber für bessere Haltbarkeit sorgen.

Die Kamera ist gut, aber nicht überragend. Das ist mir aber egal, denn der Auslöser ist praktisch und macht einfach Spaß. Mit dem XZ2 habe ich mehr fotografiert als mit jedem anderen Smartphone zuvor. Auch die Entscheidung, zwei Lautsprecher an der Vorderseite zu platzieren, gefällt mir sehr gut. Ich erhalte richtigen Stereo-Sound und muss das Telefon für optimalen Klang nicht auf eine besondere Art festhalten.

Insgesamt spielt das XZ2 in einer Liga mit den anderen Oberklasse-Smartphones. Dank Verwendung bester Komponenten ist die Performance hervorragend. Zusammen mit dem Versprechen regelmäßiger Softwareupdates und dem vermutlich haltbaren Akku sollte das XZ2 Nutzern lange Freude bereiten.

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