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Sony Alpha 7 III: Das neue DSLM-Highlight im Test



Zugeordnete Tags Sony | Alpha | Kamera
Bereiche

Bewertung
Einfach nur Wow
5

 Pro

  • Hochwertiger Body mit sehr guter Haptik
  • Wahnsinns-Objektive
  • Tolle Sensor-Leistung
  • Geringes Rauschen bei hoher ISO
  • Eindrucksvoller Sucher
  • Optimierte Steuerung
  • zwei SD-Karten-Slots
  • Deutlich verbesserter Akku

 Contra

  • Kein externes Ladegerät im Lieferumfang
  • Fokussteuerkreuz etwas hakelig
  • Display nur klappbar, nicht schwenkbar
  • Eingeschränkte Touch-Funktionalität

Das Display hat kein Touch, der Video-Aufnahmeknopf sitzt an einer unbrauchbaren Stelle, der Akku überlebt keinen Tagesausflug und der zweite Speicherkarten-Slot fehlt auch: An der Sony Alpha 7 II hatte ich seinerzeit doch so Einiges zu bemängeln. Und das, obwohl ich so viel Hoffnung in die hochkarätige DSLM gesetzt hatte. Doch Sony hat für das Nachfolgemodell an fast allen Ecken und Enden optimiert. Aber fangen wir am Anfang an.

Die Sony Alpha 7 III ist da und soll die Nachfolge der erfolgreichen zweiten Generation antreten. Natürlich wurde ich sofort hellhörig, als es um den Test der Vollformat-DSLM ging, und sicherte mir die High-End-Kamera für ein ausführliches Hand-on. Mit von der Partie sind das lichtstarke Telezoom FE 70-200 mm F2,8 Gm OSS für stattliche 3.000 Euro sowie das Makro-Objektiv FE 90 mm F2,8 Makro G OSS für 1.200 Euro. Damit gehe ich mit einem 6.500 Euro schweren Kamera-Paket auf die Pirsch.

Lieferumfang Body

Body-Box ohne Überraschungen beim Lieferumfang

Der Body-Karton ...
... mit ganz vielen Details
Der Lieferumfang überrascht nicht.
Das Ladegerät fürs Kamera-interne Laden - dreiteilig.
Internationaler Stecker
Der Akku ist größer und stärker als beim Vorgänger.
Der Body-Karton ...

Bevor es auf die erste Tour geht, müssen natürlich die drei Kartons in Augenschein genommen werden. Da es sich bei meinem Testgerät um ein Hersteller-Sample handelt, muss ich bei der Umverpackung mit Schrammen, Dellen und Co. leben. Im Gegenzug dazu ist der Schultergurt schon an der Kamera montiert.

Neben dem Body der Sony Alpha 7 III finde ich im Zuge der weiteren Ausgrabungen recht klassisch-überschaubares Zubehör. Das reicht vom Ladeadapter in drei Teilen (Kaltgerätestecker, Netzteil, USB-Kabel) über den Akku bis hin zu einem internationalen Netzkabel – vom dicken Handbuch und einigen Beilegern einmal abgesehen. Somit fällt hier schon auf: Auch die neue Alpha bekommt kein externes Ladegerät ab Werk spendiert, sondern muss weiterhin mit dem Akku in der Kamera geladen werden. Noch dazu hat das beiliegende Kabel nur micro-USB.

Lieferumfang Objektive

(Fast) alles Nötige in den Objektiv-Kartons

Der Karton des FE 90mm f/2.8
Objektiv & Anleitung in ganz vielen Sprachen
Die hochwertige Optik kommt inklusive Gegenlichtblende.
Der Fokusring ist ganz großes Kino.
Fokusfeststelltaste & Schalter
Der Karton des FE 70-200mm f/2.8
Hier gibt's auch einen Gurt und eine Tasche obendrauf.
Das wuchtige Objektiv in der Tasche
Das 70-200mm kommt mit vier Funktionsschaltern ...
... und gleich drei Fokusfeststelltasten daher.
Der Karton des FE 90mm f/2.8

Ich lasse gleich noch die Objektive folgen und starte mit dem 70-200 mm. Der Karton ist ungleich schwerer als der des Alpha-Bodys, kein Wunder, schließlich wiegt die Linse auch mehr als das Doppelte. Beim Auspacken präsentiert sich mir eine schwarze, wuchtige Tragetasche, die das weiße High-End-Objektiv in sich birgt. Das wiederum hat eine ebenso hochwertige Gegenlichtblende dabei. Hinzu kommen noch ein Tragegurt für das Objektiv und jede Menge Papierchen, die die wichtigsten Features der Optik in vielen Sprachen vorstellen.

Im Gegenzug dazu präsentiert sich das 90-mm-Makro ein wenig sparsamer: Die Linse selbst präsentiert sich nicht in einem Objektivbeutel, sondern ist lediglich in Luftpolsterfolie eingeschlagen. Das ist aber auch nur bei meinem Testprodukt so. Beim regulären Kauf bekommt ihr auch das 90-mm-Objektiv in einem Objektivbeutel. Als Zubehör gibt es auch nur die klassische Gegenlichtblende und ein ebenso umfangreiches Lektüre-Arsenal wie beim 70-200 mm. An sich passt das aber auch.

Objektive

Ein Objektiv ist mehr als nur eine Sammlung Linsen

Bereits das Makro-Objektiv macht die Alpha 7 III ...
... zu einem stattlichen Equipment.
Die Optik ist ihren Preis von 1.200 Euro ...
... durchaus wert.
Mit dem 70-200mm an der Alpha 7 III ...
... schindet ihr ordentlich Eindruck.
3.000 Euro ruft das 70-200mm auf ...
... und ist wirklich ein funktionales Meisterwerk.
Die Gegenlichtblende hat eine Öffnung für die Bedienung des Polfilters.
Bereits das Makro-Objektiv macht die Alpha 7 III ...

Wenn wir einmal bei den Linsen sind, werfen wir doch gleich noch einen Blick auf die Features am jeweiligen Objektiv. So fällt beim mit 1,5 Kilogramm stattlich schweren und mit 20 Zentimetern auch recht langen FE 70-200 mm zunächst die innenfokussierte Bauweise auf. Das bedeutet, dass das Zoomen im Objektiv passiert und sich die Länge der Optik dadurch nicht ändert.

Und auch am Objektiv passiert eine Menge: So ist die Stativ-Halterung mit einer Schraube lösbar und in diverse Positionen adaptierbar. Ganze vier Schalter und drei Knöpfe stehen am Objektiv zur Verfügung, die den Bildstabilisator, den Fokustyp, den Fokussierbereich und die Feststellung des festgelegten Fokuspunktes gewährleisten. Und selbst die Gegenlichtblende überrascht mit einem Schieber unten an der Blende, den ich öffnen kann, wenn ich an einem Polfilter drehen möchte. All das macht das FE 70-200 mm zu einem hochfunktionalen Eindruckschinder.

Auch das FE 90 mm punktet mit Hardware-Features. So bewege ich zum Beispiel den Fokusring nach vorn, um den Autofokus einzuschalten, oder nach hinten, um das manuelle Fokussieren zu steuern. Am Sony-Makro steht ebenfalls ein Knopf zur Feststellung des anfokussierten Punktes bereit, während zwei Schalter als Fokussierbereichsbegrenzer und Zuschalter der Bildstabilisierung dienen.

Verarbeitung Body

Wertiger & hochfunktionaler Body

Der Body der Sony Alpha 7 III
Der Handgriff ist jetzt deutlich ergonomischer ...
... und erlaubt besseren Zugriff auf die Kontrollen rechts oben.
Blitzschuh und diverse Steuerelemente
Die Fokusfeldanwahl funktioniert jetzt über das kleine Steuerkreuz.
Sony hat der Alpha 7 III zwei SD-Karten-Slots spendiert.
Links am Body ...
... verbergen sich die wesentlichen Anschlüsse.
Rundum hochwertig
Großer Schacht für großen Akku
Der Body der Sony Alpha 7 III

An Verarbeitung und Optik des Kamera-Bodys hat Sony glücklicherweise im Vergleich zum Vorgänger wenig verändert. Der attraktive orange Bajonett-Ring ist ebenso wieder an Bord wie die Magnesiumlegierung, die Staub- und Spritzwasserschutz sicherstellt. Bei Maßen und Gewicht hat sich allerdings etwas getan. So bringt die Alpha 7 III 100 Gramm mehr als der Vorgänger auf die Waage und hat bei der Gehäusetiefe um gut anderthalb Zentimeter zugelegt. Die machen sich vor allem im Handgriff bemerkbar und lassen die Alpha extrem angenehm in meiner DSLR-Pranke liegen.

Bei den Rädern und Tasten wagt Sony zumindest teilweise einen lobenswerten Neuanfang. Beim Blick von oben gibt sich die Alpha 7 III noch wenig verändert und hält rechts den Einschalter, vorn ein Rändelrad für die Blende, hinten eins für die Verschlusszeit sowie ein Moduswahlrad, ein Abblendrad und zwei Funktionstasten bereit, über die ich zum Beipiel die Fokusmethode einstelle. Auf der Rückseite wurde der Fokusschalter ersetzt durch einen kleinen Joystick für zum Beispiel die (etwas hakelige) Fokusfeldwahl. Der bisherige AF/MF/AEL-Schalter wurde in Tasten umgewandelt und der Videoaufnahmebutton ist in Daumenreichweite neben den Sucher gerückt. Die Anordnung der Buttons und Räder braucht so zwar immer noch Einarbeitung, gestaltet sich aber wesentlich funktionaler und nutzerfreundlicher als bei der Alpha 7 II.

Jenseits davon finde ich links an der Kamera drei Abdeckungen, die einen Mikro-Eingang, einen Kopfhörer-Ausgang, einmal miniHDMI, einmal microUSB und einmal USB Typ C verdecken. Rechterhand finde ich einen kleinen Schalter, der den SD-Karten-Slot öffnet und – ich bin begeistert – zwei Steckplätze für Speicherkarten offenbart. Zu guter Letzt sei noch das Display erwähnt, das wie beim Vorgänger nach oben und leicht nach unten klappbar ist und als große Neuerung über Touch verfügt. Damit hat Sony an vielen wesentlichen Punkten massiv nachgebessert.

Software

Menüs über Menüs über Menüs über Menüs

Das Klapp-Display hat jetzt Touch ...
... und ist neigbar wie schon beim Vorgänger.
Alle Menüs im Blick
Das Klapp-Display hat jetzt Touch ...

Bevor es losgehen kann, darf ein Blick in die Menüs nicht fehlen, schließlich sollen die Bilder im gewünschten Raw-Format gespeichert und der lästige Fokus-Ton zum Schweigen gebracht werden. Was bei der Sony Alpha 7 III rasch deutlich wird: Einstellen und anpassen kann ich hier wirklich jede Kleinigkeit. 14 Seiten mit Bildeinstellungen, 9 mit Filmeinstellungen, dazu Unmengen an Netzwerk-, Wiedergabe- und allgemeinen Optionen – hier auf Anhieb das Richtige zu finden, ist eine kleine Herausforderung. Und Handbücher wälzt der Hobby-Fotograf von Welt natürlich nicht.

Wer lang genug sucht, wird aber die gewünschten Detaileinstellungen finden. Und was Sony bei der aktuellen Alpha clevererweise einführt, ist ein weiterer Menübereich, dem häufig genutzte Einstellungen zugewiesen werden können. So kann ich eine Auswahl der wichtigsten Features in ein Menü auslagern und schnell ansteuern.

Sucher

Ja, der digitale Sucher ist cool

Suchereinsatz bei Makros. © Robert Pohl
Guter Sucher für DSLR-Verwöhnte. © Robert Pohl
© Robert Pohl
Klapp-Display bei Langzeitbelichtungen. © Robert Pohl
Display perfekt für ungewöhnliche Winkel. © Robert Pohl
Suchereinsatz bei Makros. © Robert Pohl

Einerseits bin ich ein großer Verfechter der sucherbasierten Motivwahl, andererseits fand ich die digitalen Sucher von DSLMs bislang im Ergebnis immer zu künstlich. Die Sony Alpha 7 III hat meine Meinung grundlegend verändert. Auch wenn ich nach wie vor genervt bin von der Überempfindlichkeit des Sensors, der den Sucher zuschaltet – er reagiert einfach zu schnell und schaltet um, wenn ich nur irgendwie in seine Nähe komme: Der digitale Sucher liefert mir aber ein beachtlich genaues Bild vom Motiv mit den gewählten Einstellungen mit lediglich einem leichten Blaustich und leichtem Flimmern. Auch die Einstellungen bekomme ich im Sucher angezeigt und besonders oft habe ich mir die aufgenommenen Ergebnisse dort angeschaut. Hier spielt das Umgebungslicht fast keine Rolle mehr und ich kann meine Bilder beispielsweise bis ins Histogramm-Detail beurteilen.

Das klappbare Touch-Display liefert dann noch den restlichen Komfort für Überkopfaufnahmen und ermöglicht mir die einfache Auswahl eines Fokuspunktes per Fingertipp. Klar ginge in puncto Touchfunktionalität sicherlich noch eine Menge mehr, allein die Menüsteuerung per Touch wäre eine Arbeitserleichterung. Dennoch macht Sony damit einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Autofokus

Schneller Autofokus mit toller Bildfeldabdeckung

Einschalten, scharfstellen, knipsen – so oder so ähnlich sollte es laufen und das tut es bei der Sony Alpha 7 III auch weitestgehend. Klar, vom Einschalten bis zur ersten Auslösung vergeht in etwa eine Sekunde, es muss im Hintergrund schon eine ganze Menge Software auf Touren gebracht werden. Damit es dann aber umso schneller geht, bietet die DSLM einen ziemlich rasanten und präzisen Autofokus.

693 Autofokuspunkte zur Phasendetektion kombiniert Sony hier mit 425 Autofokuspunkten zur Kontrastdetektion. Dieses dichte Netz soll es ermöglichen, Objekte besonders flott anzufokussieren und bei Bewegung im Fokus zu halten. In der Praxis fokussiert die Kamera tatsächlich extrem schnell, wenngleich sie für meinen Geschmack im Automatikmodus nicht immer gleich das anvisiert, was ich gern möchte. Mit etwas Geduld klappt’s aber ganz gut und die Alpha 7 III verfolgt das anvisierte Motiv auch verlässlich, solange es nicht zu komplex ist und die Beleuchtung konstant bleibt. Gar kein Thema sind dabei Gesichter: Sobald die Alpha ein Gesicht erkannt hat, behält sie es im Fokus, auch bei schlechtem Licht und abgeblendet.

Alles in allem bin ich dennoch schnell auf manuelle Messfelder umgestiegen, weil ich gern selbst bestimme, in welchem Bereich der Fokus liegen soll. Für die Alpha ist das alles kein Problem, sie arbeitet weiterhin präzise und schnell. Für den ebenso schnellen Wechsel der Messfelder nutze ich im LiveView neuerdings den Touchscreen und definiere mit einem Tipp den Fokuspunkt. Alternativ und auch im Sucherbetrieb steht mit noch ein kleines Steuerkreuz rechts neben dem Sucher zur Verfügung, mit dem ich die Messfelder in alle Richtungen bewegen oder auf die Mitte setzen kann. Allerdings braucht’s dazu einiges an Fingerspitzengefühl.

On Tour #1

Foto-Tour #1: Ein Tag im Zoo mit dem 70-200mm

Klassische Zoo-Bilder ...
... machen auf einmal doch wieder Spaß.
Schnelle Kamera, tolle Lichtausbeute, beachtliche Schärfe
Der Autofokus reagiert rasend schnell und präzise.
Viele Details, hohes Vergrößerungspotenzial
Die Sony Alpha 7 III fängt Stimmungen ...
... sehr gut ein.
Klassische Zoo-Bilder ...

Mit einer teuren Kamera auf Fotosafari im Zoo zu gehen, fühlt sich für mich immer an wie fotografischer Selbstbetrug. Die Tiere können nicht weg, jeder Zweite rennt mit überdimensioniertem Equipment herum und wenn im Affenhaus der Blitz ausklappt, geht das große Gemecker über das Automatikprogramm los. Dennoch war es mit der Sony Alpha 7 III endlich wieder einmal erfrischend. Vor allem mit dem 70-200mm-Objektiv genieße ich eine gelungene Kombi aus Flexibilität und Professionalität.

Besonders interessant waren dabei die Tiere, die nicht im Käfig sitzen. Klar, das Erdmännchen nimmt man mit, weil es so schön still hält und die Kamera im Sucher ein so schönes Vorschaubild des knackscharfen Ergebnisses liefert. Doch dann taucht da im Augenwinkel der Kleiber an einem schattigen Baumstamm auf, den meine Nikon D7000 niemals eingefangen hätte. Die Sony schafft’s ohne Probleme und das Ergebnis ist zudem beachtlich scharf. Wenig später stürzt eine Krähe aus einem Baum ins Zebra-Gehege und der Autofokus geht ad hoc mit und fängt den Sturzflug brillant ein.

Selbst das Kasperle-Theater und die zahlreichen Spielplätze, die man mit den Kindern natürlich abklappern muss, zeigen auf einmal spannende Details, die die Sony Alpha 7 III auch aus der Distanz mit wunderschönen Farben und hoher Dynamik einfängt. Es ist wahrlich schwer, nicht begeistert zu sein.

On Tour #2

Foto-Tour #2: Wandern mit dem Schwergewicht auf der Schulter

Das 70-200mm fängt Stillleben ...
... und Bewegung sehr gut ein.
Ansprechende Bilder bei viel ...
... und wenig Licht.
Landschaftsbilder mit 70 Millimetern ...
... benötigen gebührenden Abstand
Hohe Dynamik, satte Farben
Schöne Unschärfe sorgt für Spannung
Auch die Schatten punkten mit Details.
Tiefen, Lichter & Klarheit nachträglich leicht angehoben.
Das 70-200mm fängt Stillleben ...

1,5 Kilogramm bringt das 70-200mm-Objektiv auf die Schulter, 650 Gramm kommen vom Body noch dazu. So gesehen sind die 2,2 Kilogramm für den Spiegelreflex-gewöhnten Wanderer nicht ungewöhnlich. Entsprechend macht es mit auch die Sony Alpha 7 III nicht allzu schwer, sie bei meinen Touren dabei zu haben. Was ich jedoch schnell feststellen muss: Die High-End-Linse ist keine Immerdrauf-Optik, weil ihr eben für die Landschaftsfotografie wichtige Brennweiten fehlen.

Allerdings spielt die Alpha gerade hier ihre Stärken hinsichtlich Dynamik und Farbsättigung aus. Tolle Kontraste auch bei feinen Farbnuancen, ein besonders dynamisch wiedergegebenes Farbspiel zwischen Licht und Schatten und die Möglichkeit, kreativ mit Schärfentiefe und Bokeh zu spielen: Die Kombi aus der Alpha 7 III und dem 70-200mm macht rundum Spaß, wenn man sich einmal damit angefreundet hat, dass man auf den Weitwinkel verzichten muss.

On Tour #3

Foto-Tour #3: Makro-Experimente zwischen Küche & Garten

Wunderschöne Farben, scharfe Details
Kiwis im Kunstlicht
Bis ins Detail gelungene Fotos mit schönem, weichen Bokeh.
Wer mit f/2.8 fotografiert, muss mit Unschärfe rechnen.
Klare Kanten ohne Farbsäume
So sehen die Hausspinnen also im Detail aus.
Auch Fliegen können eitel sein.
Wunderschöne Farben, scharfe Details

Es wird Zeit, dass ich das FE 90mm mit f/2.8 an die Sony Alpha 7 III klemme und nach Makro-Optionen suche. Wenngleich mir die Alpha mit ihrem schnellen Autofokus eine zuverlässige Hilfe beim Anvisieren des gewünschten Punktes ist, bin ich ziemlich schnell ein Fan des Fokusrings am Objektiv geworden. Wenn mir das Autofokus-Ergebnis nicht zusagt, schiebe ich den Ring zurück und sehe im Display oder Sucher eine Großaufnahme des Fokusfeldes, das ich dann mit beachtlich leichtläufiger und präziser Mechanik scharfstelle.

Da ich kein besonders großer Freund von langwierig geplanten Makros mit großem Ausleuchtungsaufbau bin, muss die Kombi aus Kamera und Objektiv möglichst spontan funktionieren. Dank f/2.8, geringem Rauschen oberhalb von ISO 3.200 und einer Naheinstellgrenze von 28 Zentimetern habe ich genügend Spielraum dafür zur Verfügung.

Die Ergebnisse wissen zu überzeugen: Schwierige Situationen wie das Insekt, das sich im schmutzigen Außenspiegel meines Autos begutachtet, fokussiere ich zielsicher manuell an und bilde es mit ordentlichen Details ab. Noch schärfer bekommt es die Alpha bei ruhigen Motiven in strahlendem Sonnenlicht hin und selbst harte, metallische Kanten werden ohne chromatische Aberrationen auf den Sensor gebannt. Auch Vignettierungen stellen kein Problem dar. Ich bekomme ein beachtlich scharfes Bild von links oben bis rechts unten und ein sanftes, geschmeidiges Bokeh.

On Tour #4

Foto-Tour #4: Konzertfotos mit dem FE 90mm

Wenig Licht, viel Stimmung
Der Autofokus arbeitet dennoch schnell.
Keine Angst vor hoher ISO.
Technik ist alles.
Was da auf der Bühne alles rumliegt.
Leichtes Gegenlicht, kein Problem
Wenig Licht, viel Stimmung

Post-Rock-Konzerte in eher kleinen Clubs können die besten Kameras an ihre Grenzen bringen. Wie sich die Sony Alpha 7 III schlägt, habe ich zusammen mit dem FE 90mm f/2.8 getestet. Und leicht hatte sie es wahrlich nicht: Stroboskopische Lichtgewitter haben den Autofokus über weite Strecken in den Wahnsinn getrieben, sodass das Fokussieren entweder zum Glücksspiel oder zur manuellen Herausforderung wurde. In der nächsten Minute versank die Bühne nahezu in Dunkelheit.

Also ziehe ich die ISO hoch bis 1.600 und wähle aus den Serienbild-Funktionen den High-Modus aus, mit dem 10 Raw-Bilder pro Sekunde drin sind. Meine 64-Gigabyte-SD Class 10 kommt mit den gut 50 Megabyte großen Raws zwar nur mäßig klar, dafür puffert die Kamera bis zu 90 Raws und schreibt sie nach und nach weg. Währenddessen ist die Alpha nur bedingt ansprechbar, sodass ich in der Praxis bis zu 20 Sekunden warten muss, bis die letzten 10 Raws safe sind.

Bei der Bildschau danach bin ich aber durchweg beeindruckt: Das Bildrauschen fällt kaum ins Gewicht und tritt erst bei deutlicher Vergrößerung relevant zu Tage. Von Farbrauschen ist keine Spur und der anfokussierte Punkt wird trotz geringen Lichts beachtlich scharf abgebildet. Die Sony Alpha schafft durchweg lebhafte Bilder, die bei Kontrasten und Farbstimmung durchweg überzeugen.

On Tour #5

Foto-Tour #5: Starke Performance bei Low-Light

Langzeitbelichtung Dresden #1 . Bildstörungen entfernt.
Langzeitbelichtung Dresden #2
Langzeitbelichtung Dresden #3
Der automatische Weißabgleich macht bei Langzeit einen Blaustich.
Langzeitbelichtung Dresden #4 . Tiefen & Lichter angehoben
Low Light aus dem Handgelenk ...
... bringt rundum gute ...
... und stimmungsvolle Ergebnisse ...
... mit ordentlichen Details.
Langzeitbelichtung Dresden #1 . Bildstörungen entfernt.

An sich war mein Ausflug zum Konzert ja schon ein Low-Light-Erlebnis par excellence. Dennoch komme ich in der Praxis doch des Öfteren gewollt oder ungewollt an die Dämmerlicht-Grenze.

Szenario 1: Es wird düster, aber ein Stativ macht keinen Sinn. Hierfür bietet die Sony Alpha 7 III nebst lichtstarkem Objektiv die bereits bei den Konzertfotos erwähnten Pros: Geringes Rauschen bei hohen ISO-Werten, lichtempfindlicher Vollformatsensor und ein einigermaßen unzittriges Händchen reichen absolut für Schnappschüsse abends im Restaurant. Am nächsten Tag im dunklen Meeres-Aquarium liegt der Fall schon ein wenig kniffliger, denn das Brechungsverhalten von Salzwasserbecken weiß den Autofokus durchaus zu verwirren. Im manuellen Modus des 90-mm-Makros klappt’s jedoch ziemlich gut und die Ergebnisse überzeugen selbst noch bei der Bildschau auf einem 42-Zoll-Fernseher.

Szenario 2: Langzeitbelichtungen mit Stativ. Bei den Dämmerungs-Langzeitaufnahmen regle ich auf Blende 22 herunter und belichte 20 bis 30 Sekunden. Kleine Flusen und Dreckpartikel kommen auf den finalen Bildern dabei deutlich zum Vorschein, aber das ist bei diesen Einstellungen nichts Ungewöhnliches. Was eher ungewöhnlich ist: Der automatische Weißabgleich liefert bei Langzeitaufnahmen unter Low Light unerwartet blaustichige Ergebnisse. Hier muss ich definitiv manuell nachjustieren. Danach sieht alles schick aus und ich bekomme wunderschöne, detailreiche und realitätsnahe Ergebnisse.

ISO

ISO-lein, ich seh dich kaum rauschen

ISO-Vergleich: Bis 12.800 durchweg brauchbare Ergebnisse.
Bei manchen Aufnahmen fällt ISO 25.600 deutlicher auf.
Bei anderen Motiven steuert die Kamera gegen.
ISO-Vergleich: Bis 12.800 durchweg brauchbare Ergebnisse.

Chromatische Aberrationen, Farbsäume, Fehlpixel – von all dem blieb ich beim Test der Alpha 7 III uneingeschränkt verschont. Höchste Zeit also, dass ich mir die ISO-Leistung der Vollformat-DSLM noch einmal im Detail anschaue. Als Standard-ISO-Bereich bringt die Kamera 100 bis 51.200 mit, erweitert geht’s sogar von 50 bis 204.800. Genutzt habe ich den erweiterten Bereich kaum und auch für den ISO-Vergleich habe ich mich auf die Standardwerte beschränkt.

Und wie schon beim Vorgänger muss ich sagen: Selbst bei hohen ISO-Werten fallen die Bildergebnisse sehr lange sehr rauscharm aus. Bis ISO 6.400 sind die Resultate fast bis in die Details noch absolut brauchbar, wenngleich das Luminanzrauschen hier schon deutlich zu erkennen ist. Die Nutzbarkeit von ISO 25.600 und 51.200 hängt vom Motiv ab. Bei manchen Bildern fällt das Rauschen bis zur 50-Prozent-Ansicht nur mäßig auf, manche Bilder wirken hingegen richtig unscharf. Alles in allem ist das Ergebnis aber überaus respektabel, vor allem, da ich wirklich nur Luminanz- und nie Farbrauschen feststellen konnte.

Video

Der Video-Laie staunt

Wer mich und meine Testberichte kennt, weiß, dass ich kein wirklicher Videograf bin. Und bevor ich gestümperte Dies-und-das-Clips veröffentliche, schildere ich lieber meinen Eindruck und überlasse den Rest den Profis: Die Sony Alpha 7 III liefert gestochen scharfe Videos mit Auflösungen bis 4K, die mich persönlich vor allem in Farben, Kontrasten und Details überzeugt haben. Die Audioqualität geht für meinen Geschmack in Ordnung, kann aber bei allzu lauten Konzerten nicht mit Detailreichtum punkten. Im Gegenzug liefern die aufgezeichneten Video bei leiseren Surroundings zahlreiche Details, die lediglich von einem konstanten mechanischen Hintergrundsurren überlagert werden. Dafür nehmen die verbauten Kamera-Mikros das Fokussier-Geräusch nicht wahr. Allein das ist schon eine andere Liga im Vergleich zu meiner Nikon.

Akku

Eine Akku-Offenbarung im Vergleich zum Vorgänger

Ein letzter großer Punkt, der mich seinerzeit an der Alpha 7 II gestört hat, waren Akku und alles, was dazugehört. Hier hat Sony mit der dritten Generation, was das Gesamtergebnis angeht, ordentlich nachgebessert. Zwar wird der Akku immer noch in der Kamera geladen beziehungsweise gibt es ein externes Netzteil nur separat, dafür hat Sony die Leistung der Batterie von 1.240 auf 2.280 Milliamperestunden angehoben.

Generell scheint mir die Kamera deutlich effizienter mit ihren Ressourcen umzugehen als ihre Vorgängerin. Statt der vorherigen 350 Aufnahmen sollen jetzt 610 möglich sein, während meines Test war es aber vielmehr so, dass die DSLM gut und gerne vier bis fünf Tage Fototour mit jeweils 200 Fotos und den jeweiligen Experimenten drumherum mitgemacht hat. Das ist Welten besser als das, was die 7 II schaffte. Dementsprechend kann ich es auch leichter verschmerzen, dass ich den Akku über Nacht in der Kamera laden muss.

Außerdem erfreulich: Neben miniUSB steht auch ein USB-Typ-C-Anschluss zur Verfügung, über den die Alpha ebenfalls geladen werden kann. Typ-C-Kabel und Powerbank habe ich ohnehin immer dabei, damit ist auch im Notfall für Saft gesorgt.

Fazit

Zum ersten Mal verliebt in eine DSLM

Nach gut einem Monat musste ich die Sony Alpha 7 III wieder abgeben und spätestens nachdem ich meine Nikon zum ersten Mal wieder in der Hand hatte, habe ich sie schmerzlich vermisst. Die Alpha macht einfach viel zu viel richtig, um mich in meiner Pro-DSLR-Überzeugung nicht wanken zu lassen. Knackscharfe Bilder, ein brillantes Fokussystem, exzellentes Rauschverhalten und zahlreiche wichtige Details wie der zweite SD-Slot, der bessere Akku und die an den wichtigsten Punkten optimierten Bedienelemente setzen ein sehr deutliches Zeichen. Die Alpha 7 III hat es sogar geschafft, dass ich digitale Sucher toll finde.

Was bleibt da noch zu wünschen übrig? Vielleicht ein paar Kleinigkeiten: Ich wünsche mir eine funktionale Optimierung des kleinen Steuerkreuzes für die Fokusfelder. Ich hätte gern ein dreh- und schwenkbares Touch-Display, das mehr Touch-Funktionen bietet. Außerdem finde ich immer noch, dass ein externes Ladegerät bei dem Preis einfach ins Zubehör gehört. Ob mehr Megapixel Sinn machen, darüber lässt sich sicher streiten, aber vielleicht kann die 7R ja die nächste Generation inspirieren. In diesem Sinne: Chapeau, Sony Alpha 7 III. Du bist eine rundum hervorragende DSLM, bei der ich den recht stattlichen Preis von 2.300 Euro (Body) durchaus angebracht finde.

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