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Jetzt bauen die auch noch Kopfhörer: Microsoft Surface Headphones im Test



Zugeordnete Tags Microsoft | Kopfhörer | Test
Bereiche

Bewertung
Nicht perfekt, aber ziemlich "geil"
4,5

 Pro

  • Absolut überzeugendes Bedienkonzept
  • Toller Sound in fast allen Genres
  • Gute Leistung bei Noise Cancelling & Verstärkung
  • Eigenständiges Design
  • Guter Komfort
  • Schnelles Aufladen
  • Gute Telefonie-Qualität

 Contra

  • Keine HiRes-Codecs
  • Nur Bluetooth 4.2
  • App nicht für Mobile verfügbar
  • Probleme bei der Sprachsteuerung

Und er so: „Die besten Kopfhörer baut Bose.“ Daraufhin sie so: „Pah, von wegen. Sennheiser, sonst nichts.“ Dann mischt sich auch noch der Kumpel ein: „Das kann auch nur jemand sagen, der Shure nicht kennt.“ Und dessen Freundin wiederum: „Wohl noch nie was von Bowers & Wilkins gehört?“ Unterdessen sitzt der audiophile Nerd grinsend in einer Ecke und streichelt seine FLAC-verwöhnten Beyerdynamics und Sonys – gleichzeitig. Das mag zwar etwas überspitzt sein, aber die soundaffine Kopfhörer-Gemeinde ist schon manchmal ein wenig eigen.

Da stellt sich doch die Frage: Wie mag die Gemeinde wohl reagiert haben, als Microsoft seinen ersten ernsthaften Kopfhörer – die Surface Headphones – angekündigt hat? Noch dazu einen Over-Ear, der in der gehobenen Mittelklasse mitmischen möchte und vom Steuerungskonzept bis zu Active Noise Cancelling einige zugkräftige Argumente in die Waagschale wirft. Wenn man bedenkt, dass sich Microsoft mit Surface Book und Co. bereits in einer anderen Geräteklasse unerwartet beeindruckend platzieren konnte, dann stellt sich doch die Frage: Warum sollte das bei Kopfhörern nicht klappen? Ich habe mir die Kampfansage an die Audio-Platzhirsche genauer angeschaut.

Lieferumfang

Das typische Microsoft-Unboxing

Der klassische Surface-Karton ...
... in besonders robuster Bauweise.
Das Transport-Case ...
... beinhaltet den Rest, außer die Beileger.
Headphones sowie USB- und Klinken-Kabel
Die Transporttasche macht einen hochwertigen Eindruck.
Und sie hat sogar einen Henkel :)
Kompakter werden die Surface Headphones allerdings nicht.
Der klassische Surface-Karton ...

Microsoft wäre nicht Microsoft, würden die Redmonder nicht schon beim äußeren Erscheinungsbild ihres Erstlings eigene Wege jenseits der Kopfhörer-Konkurrenz gehen. So erinnert mich bereits der Karton stark an die Verpackung eines Surface Laptop oder Surface Pro. Die Surface Headphones kommen in einer extrem stabilen Box daher, die derart robust und auch irgendwie ausladend ausfällt, dass ich nicht nur Kopfhörer darin erwartet habe.

Ich halte den Deckel der Box fest und lasse den Boden langsam herausgleiten. Das entschleunigt das Unboxing und baut Spannung auf – bewusst, würde ich sagen, denn ich kann nicht viel tun, um die beiden Hälften schneller voneinander zu lösen. Ist der Deckel endlich ab, offenbart sich mir ein keilförmiges graues Transport-Case, das tatsächlich annähernd so groß ist wie der Karton. Kompakter scheint es also nicht zu werden. Neben dem Case liegen noch ein paar Infoblättchen zu Garantie und Funktionen bei und im Case selbst finde ich ein USB-C-Kabel, ein Klinkenkabel und natürlich die Surface Headphones. Die liegen einfach flach im Case und sind nicht weiter arretiert.

Design

Sieht aus wie ein Surface Book in Kopfhörer-Form

Bei der Optik geht Microsoft eigene Wege.
Besonders auffällig sind die geschwungenen Bügel ...
... mit schön glänzendem Microsoft-Logo.
Bei der Optik geht Microsoft eigene Wege.

Wie schon beim Karton so braucht sich Microsoft auch beim Produktdesign nicht vorwerfen zu lassen, nicht seine weitestgehend eigenen und wiedererkennbaren Wege zu gehen. Denn wenn mich die Surface Headphones gleich auf den ersten Blick an etwas erinnern, dann sind es die Laptop- und Tablet-Geschwister aus der Surface-Familie. In modernem hellen Grau gehalten kann ich sie guten Gewissens als gleichermaßen stilvoll wie unaufgeregt bezeichnen. Die Over-Ears sind zwar optisch sicherlich nicht jedermanns Geschmack, allerdings dürften sie auf den meisten Ohren gut aussehen. Dazu trägt auch der geschwungene und ziemlich passgenaue Bügel bei. Das glänzende Microsoft-Logo an beiden Seiten und die Metallschiene im Bügel bilden zudem ansprechende Akzente.

An den verwendeten Materialien gibt es nichts zu meckern. Microsoft hat sich für eine fast durchgängige Kunststoffbauweise entschieden, die aber an keiner Stelle billig wirkt und gleichermaßen robust und leichtgewichtig durch den Kopfhörer-Alltag begleitet. Der Kopfbügel und die Ohrpolster sind angenehm weich und wirken ausreichend schmutzabweisend. Auch ein vorsichtiges Reinigen sollte bei Bedarf machbar sein, wenngleich sich die Ohrpolster – leider – nicht ablösen lassen. Schade ist auch, dass sich die Over-Ears nur um etwas mehr als 90 Grad drehen und wenige Grad neigen lassen. Besonders kompakt zusammenklappen kann ich sie damit nicht.

Beim Herumprobieren fällt mir gleich noch auf, dass an jeder Seite ein drehbarer Ring – eine Lünette – angebracht ist, über die ich mich nachher noch hermache. Außerdem sind in beiden Seiten Mikrofone verbaut und die rechte Muschel kommt noch mit zwei Knöpfen, dem USB-C-Anschluss und der Klinkenbuchse daher.

Bedienung

Ein Bedienkonzept ganz nach meinem Geschmack

An Steuerelementen gibt's so Einiges.
Aber sie alle erleichtern die Bedienung deutlich.
Mein Highlight: die Lünette an jeder Muschel.
An Steuerelementen gibt's so Einiges.

Kommen wir zu einem Punkt an den Surface Headphones, den ich sehr schnell richtig toll fand: die Steuerung. Zunächst sei erwähnt, dass das Pairing der On-Ears mit jedweder Bluetooth-Quelle reibungslos klappt. Dazu drücke ich lediglich den Einschalter ein paar Sekunden und höre zu, wie die Säuselstimme in den Surface Headphones mir die Verbindung bestätigt. Zugegeben, die Säuselstimme wechselt für die Ansage des Gerätenamens zu einer Roboterstimme. Aber hey, es funktioniert zuverlässig und flott. Auch kann ich mehrere Bluetooth-Quellen parallel verbinden und abwechselnd wiedergeben, ohne eines der Devices zu entkoppeln. Allerdings steht mir nur der überholte Standard Bluetooth 4.2 zur Verfügung. Für alle älteren Gerätschaften, die noch keine kabellose Kommunikation beherrschen, vertraue ich hingegen dem altbewährten Klinkenkabel.

Jetzt, da der Sound vom Smartphone läuft, brauche ich eigentlich nur noch die Headphones. Einmal auf dem Kopf kann ich alles Relevante darüber steuern. Einmal tippen auf die Muschel startet oder pausiert die Wiedergabe, zwei- oder dreimal tippen skipt zum nächsten beziehungsweise vorhergehenden Titel. Auch Anrufe nehme ich bequeme per Doppel-Tipp an oder beende sie. Stummschalten und Anruf ablehnen klappt ebenso reibungslos per Taste oder Tipp. Zudem sind die Kopfhörer so clever, dass sie die Wiedergabe automatisch pausieren, wenn ich sie vom Kopf nehme. Dabei erkennen die Over-Ears den Unterschied zwischen Kopf und anderer Oberfläche ziemlich zuverlässig. Denn selbst, wenn ich sie mit den Treibern nach unten auf den Tisch drücke, startet die Musik nicht erneut. Clever gemacht.

Mein absoluter Steuerungs-Favorit sind aber die beiden Lünetten an den Muscheln. Mit dem Ring an der rechten Seite steuere ich die Lautstärke, an der linken Muschel reduziere oder verstärke ich das Noise Cancelling. Beide geben ein sehr angenehmes haptisches Feedback und sind nicht zu leichtläufig. Kurzum, es macht einfach Spaß, die Soundwiedergabe über die Headphones zu steuern.

Software

Ein Königreich für eine App … und funktionierende Sprachsteuerung

Eine App gibt's nur für Windows ...
... und sie kann eine ganze Menge.
Eine App gibt's nur für Windows ...

Ein bisschen weniger spaßig ist die Geschichte mit der App. Ja, es gibt eine App für die Surface Headphones, die sogar ziemlich viel kann. In ihr sehe ich zum Beispiel den Lautstärke-Regler, auf welche Stufe die Geräuschreduzierung eingestellt ist und wie viel Akkuladung noch verfügbar ist. Gut, Letzteres sagt mir der Kopfhörer beim Einschalten auch an. Aber den Rest habe ich nur über die App zur Verfügung, ebenso wie einen recht guten EQ, Einstellungen zur Sprachsteuerung und Software-Updates. Aber wo ist denn dann das Problem? Tja, die App gibt es nur für Windows und muss damit am PC installiert werden, obwohl sie eindeutig für den Viewport Smartphone gestaltet ist. Das verbaut die vielen schönen Details doch für so manchen potenziellen Nutzer.

Auch bei der Sprachsteuerung setzt Microsoft natürlich auf Cortana und – wie sollte es anders sein – eine entsprechende App. Die gibt’s allerdings nur in den USA und ganz ehrlich: Ich hab schon Google und Alexa auf dem Telefon, was will ich da mit noch einem weiteren Sprachassistenten. In anderen Tests habe ich dann immerhin gelesen, dass die On-Ears auch Befehle für Google und Alexa übermitteln können. Bei mir können sie das allerdings scheinbar nicht, zumindest habe ich keinen Kniff gefunden, mit dem es funktioniert hätte. Mal abgesehen davon, dass das Smartphone zu dicht an den Kopfhörern lag und von sich aus reagiert hat.

Ergo: Bei den Apps sollte Microsoft dringend Optionen für die OS-Platzhirsche an den Start bringen, umso mehr jetzt, nach der Abkündigung des eigenen Mobilbetriebssystems. Denn was als Surface Headphones App schon da ist, hat es verdient, auf allen mobilen Geräten genutzt zu werden.

Tragekomfort

Surface Headphones: guter Sitz dank guter Polster

Der Bügel lässt sich in recht feinen Stufen verstellen.
Die Headphones sind alles in allem ziemlich komfortabel ...
... und passen noch ganz gut unter den Hoodie.
Der Bügel lässt sich in recht feinen Stufen verstellen.

Ein in klaren Stufen ausziehbarer Bügel und ausreichend justierbare Kopfhörermuscheln – die Surface Headphones sind schnell an meinen Kopf angepasst und liegen gut an. Die Ohrpolster umschließen meine Ohren komplett und liegen angenehm weich auf. Dabei brauche ich meist kein großes Justieren, um den richtigen Sitz hinzubekommen – aufsetzen und fertig.

Dank relativ leichter Bauweise versprechen die Surface Headphones auch einen hohen Tragekomfort, den ich mit kleinen Einschränkungen bestätigen kann. Mein Hauptkritikpunkt ist dabei, dass meine Ohren an manchen Punkten an der dünnen Treiberabdeckung und damit weitestgehend ungepolstert an den Treibern anliegen. Das hat vor allem am Anfang meines Tests und nach zirka zwei Stunden ununterbrochenen Tragens zu einem unangenehmen Druckgefühl geführt. Nach ein bisschen Herumjustieren an den Ohrpolstern legte sich das zwar recht schnell, dennoch ist das etwas, was ich bei Kopfhörern in dieser Preisklasse nicht erwarte.

Noise Cancelling

ANC - wenn die Welt drumherum nervt

Natürlich können die Headphones auch Noise Cancelling.
Natürlich können die Headphones auch Noise Cancelling.

Active Noice Cancelling ist inzwischen fast schon ein alter Hut. Daher wundert es nicht, dass auch der Microsoft-Erstling mit der Stumm-Taste für die Außenwelt daherkommt. Wobei es ja hier keine Taste sondern eine Lünette ist, die entgegen den Uhrzeigersinn gedreht die Geräuschunterdrückung maximiert und im Uhrzeigersinn gedreht die Außengeräusche im Kopfhörer verstärkt. Dazwischen liegen ca. 45 Grad Drehwinkel und 13 Noise-Cancelling-Stufen, die man bei genauem Hinhören gut unterscheiden, aber eben nur mit sehr viel Feingefühl (und App-Support) passgenau einstellen kann. Sei’s drum, mir hat meist die komplette Ausgrenzung oder Verstärkung der Geräusche gereicht.

An sich machen die beiden Extreme einen guten Job. Bei aktivem Noise Cancelling und ausgeschalteter Musik höre ich nur noch 80 Prozent des Gebrabbels um mich herum. Auch bei mittleren und hohen Frequenzen kommen die Surface Headphones gut klar, wenngleich etablierte Konkurrenten wie Bose und Sony hier die Nase weiter vorn haben. Bei Verstärkung der Umgebungsgeräusche bekomme ich im Gegenzug dazu jedes Tastenklackern in mehr als Lebensgröße aufs Trommelfell gedrückt und die Kollegen haben auf einmal auch eine Ecke mehr Bass in der Stimme.

Klang

Headphone-Erstling fast ohne Sound-Schwächen

Die 40-Millimeter-Treiber ...
... verstecken sich hinter fest verbauten Polstern.
Aber der Sound, der da rauskommt, ist super.
Die 40-Millimeter-Treiber ...

Reden wir zuerst einmal darüber, was die Surface Headphones nicht können: AptX, AAC und LDAC. Wer also HiRes-Audio hören will, muss um die Microsoft-Kopfhörer einen Bogen machen. Was die On-Ears allerdings ziemlich gut können, ist ausgewogen und mitreißend zu klingen aus ihren 40-Millimeter-Treibern. Und das habe ich mir an diversen Beispielen vorführen lassen.

Allgemeine Ausgewogenheit: Radiohead – The National Anthem
Diesen Titel hatte ich schon bei meinem neulichen Test des Sonos Move gewählt, um das generelle Klangbild zu beurteilen. Die Surface Headphones meistern den Song ungleich besser als der Bluetooth-Speaker. Dabei sind die Drums hier das zurückhaltenste Element und kommen vor allem in den Höhen gut durch. Die Tiefen werden dominiert vom Bass, dazwischen passiert mit Gesang und diversen Bläsen so Einiges und die Kopfhörer nehmen die einzelnen Spuren und Frequenzen schön mit, ohne zu verwaschen.

Klarheit bei filthy sounds: Rage Against the Machine – Killing in the Name
Ein Neuzugang in meiner Test-Playlist, den ich bislang ungerechterweise nicht auf dem Schirm hatte. Der über weite Teile recht „dreckige“ und verzerrte Sound kommt richtig gut auf den Surface Headphones. Das Schlagzeug ist über die gesamte Spielbreite akzentuiert hörbar, die Toms setzen nochmal Druck nach und die Riffs toppen das Ganze glasklar und brillant. Wow, das macht Spaß ohne Ende. Da schiebe ich gleich noch eine Audioslave-Scheibe nach und drehe voll auf – ohne dass die allgemeine Klangqualität leiden würde.

Rhythmus und zu viel Fläche: 65daysofstatic vs. Massive Attack
Präszise Rythmen, Staccato-Samples, verzerrte Flächen – und das alles teilweise in sehr abrupten Wechseln. Bei Prisms von 65daysofstatic müssen die Headphones sauber arbeiten. In der ersten Hälfte des Songs klappt alles noch sehr ordentlich. Der Sub drückt gehörig aufs Trommelfell, die Synthies brechen sauber dazwischen und zuweilen entsteht sogar der Eindruck einer Bühne. In der Mitte des Songs allerdings nehmen die Flächen Fahrt auf und die zuvor noch akribisch verzahnte Sampelei verschwindet im Hintergrund. Hier bekommen die Mitten zu viel Raum und die mögliche Wirkung des Songs verblasst. Da muss ich mit Massive Attack und Angel nachspülen, denn hier passt wieder alles. Details und Fläche, räumliche Trennung und akkumulierte Tiefe – Massive Attack können die Over-Ears.

Maximale Dynamik: George Gershwin – Rhapsody in Blue
Bei Gerschwin kommt ziemlich viel zusammen – von tragenden Streichern und lästernden Trompeten über stampfendes Blech und raggendes Klavier bis hin zu unvermittelten Ausbrüchen des gesamten Orchesters. Die Instrumente an sich klar und charakteristisch rüberzubringen ist schon eine ordentliche Herausforderung, die die Surface Headphones ziemlich gut meistern. Hinzu kommt noch die beachtliche Dynamik von leise verspielt zu pompös scheppernd. Hier müssen die Kopfhörer auf Anhieb ansprechen und den Wechsel sauber über die Bühne bringen. Auch das gelingt den Over-Ears beachtlich gut.

Bühne frei für Bob Marley – Turn Your Lights Down Low
Wie kommt man eigentlich auf Bob Marley bei einem Kopfhörer-Test? Nun, besagtes Stück ist prädestiniert dafür abzuschätzen, ob Kopfhörer einfach alles rausbrettern oder eben die Instrumente dort auf der Bühne verorten, wo der Produzent sie hingemischt hat. Bei Marley und den Surface Headphones funktioniert das brillant. Das Schlagzeug verteilt sich von links nach rechts, Cowbells leicht links von der Mitte, Gitarre mittig rechts, Orgel leicht links, Backing Vocals hinten rechts, das Pseudo-Wurlitzer etwas zurückversetzt links. Alles erklingt schön differenziert, mit ordentlichem Bass, ausgewogen und herrlich räumlich. Hier liefern die Headphones hervorragend ab.

Und weil wir gerade bei Bühne sind: Die Surface Headphones klingen auch beim Filmschauen sehr angenehm. Hier kommt letztlich alles zusammen – von hoher Dynamik über gezielt erzeugte Räumlichkeit bis hin zu Ausgewogenheit über alle Frequenzbereiche hinweg. Das Gesamtbild der Kopfhörer passt und es macht einfach Spaß, mit den Over-Ears Filme zu schauen.

Telefonie

Telefonieren kann er auch

Machen wir noch einen kurzen Ausflug zur Telefonie-Funktion. Solange ich mit Bluetooth verbunden und innerhalb der Reichweite des 4.2-Standards bin, kann ich mit den Surface Headphones sehr angenehm telefonieren. Anruf annehmen, beenden, stummschalten und ablehnen klappt fast immer auf Anhieb. Manchmal muss ich mich noch ein wenig überwinden, etwas derber zu tippen, damit die Kopfhörer den Befehl auch richtig interpretieren. An der Stimmübertragung gibt’s auch nichts zu meckern. Die Mikrofone senden ein sehr klares Sprachbild an meinen Gesprächspartner und ich bekomme ein ebenso deutliches Ergebnis in die Treiber gespielt.

Akku

Ausreichend lange hören, schnell laden

Ein USB-C-Kabel zum Laden liegt bei, ein Netzteil nicht.
Ein USB-C-Kabel zum Laden liegt bei, ein Netzteil nicht.

Mit der Herstellerangabe von 15 Stunden Musikwiedergabe platzieren sich die Surface Headphones von Microsoft nicht gerade unter den Ausdauerläufern ihrer Gattung. Allerdings müssen sie sich nicht nachsagen lassen, diese 15 Stunden in der Praxis nicht auch zu schaffen. Im Test sagten mir App und Kopfhörer nach fünf Stunden, dass noch zehn Stunden Akku übrig sind. In der App wurden mir zudem noch 70 Prozent Restladung angezeigt, ebenso wie in den Bluetooth-Einstellungen am Smartphone. Das passt also soweit.

Nach gut 15 Stunden war dann tatsächlich Schluss und die Headphones mussten ans Ladegerät. Ich hätte jetzt auch einfach während des Ladens weiter hören können, habe den Over-Ears aber die Off-Time gegönnt und konnte nach gut 110 Minuten die vollständig geladenen Soundlieferanten wieder aufsetzen. Das geht ordentlich flott und zuweilen schneller als bei manchem Konkurrenten. Ein wenig gleicht das die fehlenden Akkustunden immerhin wieder aus.

Fazit

Ein richtig guter Erstling mit Spielraum für Generation 2

Da ist er also, der erste Kopfhörer aus dem Hause Microsoft. Und was soll ich sagen, er ist richtig gut. Zuerst das Design: Ja, das ist Geschmackssache, aber die Surface Headphones gehen ihren eigenen Weg und überzeugen mit einer individuellen Surface-Optik. Dabei stimmt auch die Verarbeitung. Dann der Sound: Auch wenn die Over-Ears keine HiRes-Codecs verstehen und bei Bluetooth nicht auf Höhe der Zeit sind, klingen sie in nahezu jedem Genre und über alle Frequenzbereiche hinweg sehr gut bis beeindruckend. Und schließlich wäre da noch die Steuerung: Die Kombi aus Touch und Lünetten ist einfach phänomenal und absolut funktional. Dadurch hat die Nutzung der Headphones gleich doppelt so viel Spaß gemacht. Ach ja, auch das Noise Cancelling passt für meinen Geschmack.

Für die Generation 2 würde ich mir dennoch ein paar Updates wünschen. Zunächst wäre es schon einmal cool, wenn die bereits verfügbaren Apps auch auf Android und iOS funktionieren würden. Auch die Sprachsteuerung könnte noch ein wenig Reife vertragen und sich ein wenig mehr von Cortana lösen. Ja, ich weiß, es ist nunmal Microsoft. Aber Windows Mobile ist tot und damit auch eine wichtiges Szenario für Cortana-Kopatibilität von Kopfhörern und Smartphone. Vielleicht kann Microsoft auch noch ein wenig am Komfort und der Akku-Ausdauer schrauben und natürlich auf das dann aktuelle Bluetooth updaten. Vielleicht sitzt dann ja irgendwann auch der Audio-Nerd in seiner Ecke und streichelt die Surface Headphones. Bis dahin und bei einem momentanen Preis von 189 Euro im Sale sind die Microsoft-Kopfhörer definitiv eine Alternative für die Alltags-Headphone-Nutzer mit Sinn für guten Sound.

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