Tests

Produktiver dank Monitor?
Der EIZO FlexScan EV3285 im Test



Zugeordnete Tags Display | USB | DisplayPort
Bereiche

Bewertung
Perfekt für Büros
4

 Pro

  • Niedriger Stromverbrauch
  • Augenschonend
  • Extrem hohe Auflösung
  • Gute Bildqualität
  • Sehr gute Ergonomie
  • Attraktives Design

 Contra

  • Hoher Preis
  • Höhenverstellung schwergängig
  • Lautsprecher klingen sehr dünn

Ein guter Monitor ist das A und O am Computer. Er ist die Schnittstelle zwischen den Daten und dem Nutzer und entscheidend für die Produktivität. In vielen Büros findet man heutzutage daher Multimonitor-Setups. Optimal ist das nicht, denn mehrere kleinere Monitore bringen lediglich bei der Nutzung mehrerer Programme nebeneinander Vorteile. Möchte ich ein Bild bearbeiten, benötige ich hingegen einen großen Bildschirm — die Lücke zwischen zwei Displays würde stören.

Der EIZO FlexScan EV3285 füllt diese Lücke. Mit ganzen 31,5 Zoll Bildschirmdiagonale, 4K-Auflösung, einem äußerst flexiblen Standfuß sowie spannenden Konnektivitätsoptionen verspricht er, eine erstklassige Wahl für Büros und Home-Office-Plätze zu sein. Hinzu kommen zahlreiche Features, um die Betriebskosten gering zu halten.

Zumindest bei Windows ist es per Shortcut ein leichtes, mehrere Programme auf einem einzigen Bildschirm anzuzeigen. Mac-Nutzer müssen zu Drittanwendungen greifen. Mein Favorit? Spectacle. Und falls doch mehr Platz benötigt wird, sind die Display-Ränder so schmal, dass mehrere FlexScan EV nebeneinander Platz finden. In diesem Test versuche ich herauszufinden, ob der Monitor seinen stolzen Preis auch wert ist.

Lieferumfang

Für Firmen gedacht

Schnell wird mir klar, für wen der Monitor gedacht ist: Firmen. Alles ist auf höchste Effizienz ausgelegt und äußerst nutzerfreundlich. Die Trageöffnungen an der Seite des Kartons sind dank weicher Styropor-Polsterung, die auch den Monitor schützt, besonders angenehm — weder scharfe Karton- noch Plastikgriffe schneiden sich in meine Hände. Der Karton ist umweltschonend und funktional gehalten. Scheinbar verwendet EIZO dieselbe Umverpackung für unterschiedliche Modelle und bedruckt die braune Pappe lediglich mit allgemeinen Informationen. Um welches Modell es sich handelt, erfahre ich nur von Aufklebern.

Ich öffne die Verpackung und werde von einem Zettel begrüßt, der mir erklärt, wie ich den Monitor befreie. Erst nehme ich die oben aufliegende Styropor-Hälfte, die alle mitgelieferten Kabel beinhaltet, ab. Nun ziehe ich den Bildschirm am integrierten Griff heraus und stelle ihn auf den Boden. Schützende Folien sind schnell entfernt, Sekunden später steht er auf dem Schreibtisch und kann angeschlossen werden. Die Beschriftung auf der Rückseite gibt zudem genauen Auskunft über die Positionierung der Anschlüsse. Die sonst oftmals fummelige Montage des Standfußes kann ich mir sparen. Das spart Zeit und Nerven und schützt den wertvollen Bildprofi vor unsachgemäßer Montage. Ebenfalls begrüßenswert: Der Monitor ist frei von Werbeaufklebern, die die Qualitäten und Features des Bildschirms anpreisen. Das Ausrollen dieser Monitore an mehreren Arbeitsplätzen erledigen erfahrene ITler somit in wenigen Minuten.

Im Lieferumfang befindet sich ein Strom-, DisplayPort-, HDMI- und USB-C-Kabel mit jeweils zwei Metern Länge. Das USB-C-Kabel ist dabei auffallend dick und angenehm hochwertig. Kein Wunder, denn es muss das DisplayPort-Bild, jede Menge Daten und Strom übertragen. Außerdem ist noch eine Abdeckung dabei, die zum besseren Verstecken von Kabeln genutzt werden kann.

Gut und umweltbewusst verpackt.
Welches Modell im Karton steckt steht lediglich auf Aufklebern.
Da hat jemand mitgedacht. Sehr nützliche Anleitung darüber, wie der Monitor sicher entnommen wird.
Die Kabel sind alle leicht erreichbar an der Oberseite des Monitors verstaut.
Einfach nur am Lüftungsschitz nach oben ziehen, fertig.
Statt Folien schützt die Tüte vor Kratzern. Sie lässt sich einfach schneller entfernen.
Rundum gut geschützt.
Eingepackt berührt die Unterseite des Displays den Standfuß. Daher schützt eine Luftpolsterfolie vor Schäden.
Gut und umweltbewusst verpackt.
Design

Im Büro zuhause

Im ausgeschalteten Zustand ist der Monitor eine Wucht. Ein lediglich drei Millimeter messender Rahmen ziert die schwarze Bildschirmoberfläche, der untere Rand ist mit sieben Millimetern etwas größer. Glücklicherweise, denn dort finden sich die beiden Lautsprecher, ein Helligkeitssensor, kleine, unbeschriftete Markierungen sowie die Power-LED. Lediglich auf dem runden Standfuß finde ich ein geprägtes EIZO-Logo, welches kaum zu erkennen ist. Die Ränder sind sehr schmal und somit für ein Multimonitor-Setup geeignet.

An der Rückseite konnten sich die Designer dann endlich austoben. Ein raffinierter Schlitz, der mich an das Batman-Logo erinnert und auch bei den EIZO-Monitoren meiner Kollegen zu finden ist, dient als Transportgriff und versteckt gleichzeitig die Lüftungsschlitze. So soll weniger Staub in den Monitor geraten. Als ob der Mangel an Branding auf der Vorderseite kompensiert werden soll, ziert stolz ein großes EIZO-Logo in Silber das Gehäuse. Ebenfalls von hinten aus gesehen rechts finde ich zwei USB-3.0-Ports sowie eine Kopfhörerbuchse: die perfekte Büroausstattung. Den Nano-Empfänger meiner Logitech-Maus habe ich am oberen Port eingesteckt — ein Fehler, denn dort bekomme ich ihn nur mit viel Mühe wieder raus. Der untere Port ist dagegen vergleichsweise leicht zu erreichen. Bei regulären Steckern oder größeren USB-Sticks ist aber auch der obere auch kein Problem.

Der Standfuß verdient besondere Erwähnung. Neben einer Drehfunktion um 344 Grad ist er höhenverstellbar. In niedrigster Einstellung berührt der Monitor den Fuß, nach oben gezogen gewinnt er 14,9 Zentimeter dazu. Ist das Display gekippt, sind es sogar knapp 20 Zentimeter Unterschied zwischen beiden Extremen. Dabei sieht der Monitor sehr cool aus, denn der Standfuß ist in mehrere Segmente unterteilt. Mir ist der Mechanismus aber zu schwergängig.

Beim Herunterdrücken habe ich Angst, dass ich über das Ziel hinaus schieße und der Bildschirm auf seinen eigenen Standfuß knallt. Solche Szenarien hat EIZO aber natürlich berücksichtigt und beim Design des Monitors dagegen vorgesorgt. Um den Monitor in die umgekehrte Richtung anzupassen, muss ich so kräftig ziehen, dass ich über den Schreibtisch gebeugt Probleme damit habe und stattdessen von unten hoch schiebe. Pivot unterstützt der Bildschirm nicht, aber nutzt das überhaupt jemand bei dieser Größe? Dafür kann der Monitor um 5 Grad geneigt und um 35 Grad gekippt werden.

Der 22,5 Zentimeter große Drehteller lässt viel Platz auf dem Schreibtisch und trifft die Balance zwischen Stabilität und Platzbedarf gut. So gibt der Monitor bei Berührung der kapazitiven Tasten nach, kann aber auch nicht umkippen. Alternativ kann den Bildschirm mit einer nach dem VESA-Standard (100 mal 100 Millimeter) genormtem Halterung montiert werden. Dafür existiert eine kleine Taste, die die Entfernung des Standfußes ermöglicht. Und auch eine optionale Halterung für Thin Clients existiert.

Interessantes Standfußdesign
Und nach vorne gekippt
Attraktives Design, aber die Passgenauigkeit einzelner Teile überzeugt mich nicht.
Stolz das große EIZO-Logo
Auf der Vorderseite ist es allerdings gut versteckt.
In der untersten Position sitzt der Monitor auf dem Standfuß.
Mit etwas Krafteinsatz kann er aber auch knapp 15 Zentimeter über dem Standfuß schweben.
Interessantes Standfußdesign
Technische Daten

Üppig ausgestattet & gut durchdacht

Ganze 31,5 Zoll misst der EIZO und bietet dabei eine Auflösung von 3.840 mal 2.160 Pixeln, landläufig 4K beziehungsweise UHD genannt. Verbaut ist ein IPS-Panel, das mit gutem Kontrast und Farben brilliert. Die Display-Oberfläche ist matt. Licht kann diese Entspiegelung zwar auch nicht schlucken, aber so verteilen, dass es nicht mehr stört. Einzig dunkle Bereiche werden in einem hellen Raum etwas aufgehellt — die starke Hintergrundbeleuchtung kann das aber locker ausgleichen.

Neben zwei HDMI-1.4-Eingängen, die natürlich die HDCP-Version 2.2 unterstützen und bis zu 60 Hertz bei 4K-Auflösung ermöglichen, besitzt der EIZO EV3285 auch einen DisplayPort. Das Highlight ist allerdings der USB-C-Anschluss.

Zum Ausprobieren schließe ich erst einmal ein Trekstor-Notebook per USB-C an. Sofort lädt es auf, das Bild erscheint und der Ton kommt aus den eingebauten Lautsprechern. Mein Windows-Tablet von Samsung funktioniert ebenfalls auf Anhieb und lädt mit voller Geschwindigkeit auf. Achtet aber darauf, dass eure Hardware „DisplayPort over USB-C“ unterstützt. Sonst erhält der Bildschirm kein Signal vom Computer.

Die beiden USB-3.0-Anschlüsse liefern genug Strom für externe Festplatten. In erster Linie sehe ich hier aber den Anschluss von Tastatur und Maus, eventuell noch einen Ethernet-Adapter. Spätestens mit einem günstigen USB-Hub reicht es dann aber auch für den gesamten Arbeitsplatz.

Der Monitor verfügt über keinen altmodischen USB-Eingang, über den er als Hub beziehungsweise KVM-Switch funktioniert. Sicherlich gibt es weniger Nutzer, die am Arbeitsplatz sowohl mit einem Desktop als auch mit einem Notebook arbeiten, aber für die wäre es ein großer Vorteil, per Knopfdruck zwischen beiden Computern zu wechseln und lediglich eine Tastatur, eine Maus und einen Monitor zu benötigen. Möchtet ihr das trotzdem, müsst ihr euch für Mäuse und Tastaturen wie die Logitech MX Master und die Logitech CRAFT Tastatur entscheiden, die sich mit mehreren Computern koppeln lassen.

Falls ihr daran denkt, euer Smartphone per USB-Port an der Seite aufzuladen: Per Menü müsst ihr dann auswählen, dass USB lediglich zur Stromversorgung dient. Ansonsten funktionieren die Anschlüsse nur, wenn ein Gerät mit dem USB-C-Port verbunden ist. Sobald ich den Stecker ziehe, sind die Ports deaktiviert. Ladet ihr allerdings ein Smartphone per USB-C auf, könnt ihr auch mit USB laden. Bei meinem LG V20 erscheint sogar das Smartphone-Bild auf dem Monitor, Tastatur und Maus werden vom Telefon erkannt und stehen zur Verfügung.

Zwei USB-Ports und eine Kopfhörerbuchse, leicht erreichbar an der Seite.
Zweimal HDMI, einmal DisplayPort und einmal USB-C.
Der Kaltgeräteanschluss und der Netzschalter, der die Stromzufuhr vollständig kappt.
Die vormontierte Kabelhalterung
Ganz einfach in der Handhabung, allerdings bleiben die Kabel sichtbar.
Im Lieferumfang ist aber auch eine richtige Abdeckung enthalten.
Erst wird ein Teil am Monitor befestigt, dann die Kabel dran halten und den zweiten Teil aufsetzen.
Schon ist es viel ordentlicher hinter dem Monitor.
Zwei USB-Ports und eine Kopfhörerbuchse, leicht erreichbar an der Seite.
Einstellungsmöglichkeiten

Klar strukturiertes Interface

Per dedizierter Taste wechsel ich zwischen den Inputs, eine weitere dient zur Auswahl des Farbprofils. Dabei stehen zwei frei einstellbare Nutzerprofile, sRGB, Paper (ähnelt einem starken Blaufilter), Movie und DICOM zur Verfügung. Letzteres ist unter anderem für Radiologen von Interesse.

Alle auf das Bild bezogenen Optionen finde ich unter Farbe: Neben den Standards wie Helligkeit und Kontrast sind auch speziellere Einstellungen wie die Farbtemperatur und der Gamma-Wert hier zu finden. Hinzu kommen noch Bildschärfe, Farbton und Sättigung. Als Gain-Einstellungen bezeichnet EIZO übrigens die getrennte RGB-Steuerung.

Gamer interessieren sich besonders für die Overdrive-Funktion, die die eher lange Umschaltzeit und somit die Schlierenbildung des IPS-Panels deutlich reduziert. Das geschieht in drei Stufen: Aus, Standard und Verbessert. Bei Standard merke ich keine Artefakte, bei Verbessert lässt es sich nicht ausschließen, denn hier schießt der EIZO Flexscan EV3285 für kurze Zeit bewusst über das Ziel hinaus.

Unter Signal wähle ich, ob der Monitor bei Inputs unter 4K skaliert oder ich lieber einen schwarzen Rahmen bevorzuge. Zudem entscheide ich beispielsweise, ob das Eingangssignal in RGB oder YUV kommt. Und stört mich die Power-LED, finde ich selbst dafür die passende Option.

Ob oben...
...in der Mitte...
...oder unten...
nach vorne geneigt...
oder nach hinten. Die Flexibilität ist beeindruckend.
Nach hinten gekippt geht der Monitor sogar noch weiter runter.
So ist sicher gestellt, ...
...dass der Nutzer...
...wirklich an jedem Schreibtisch...
...die optimale Position findet.
Ob oben...
Stromverbrauch

Da freut sich die Umwelt

Laut Datenblatt gönnt sich der Monitor über sein integriertes Netzteil bis zu 160 Watt. Das ist ja halb so viel, wie mein Plasma haben will — wie soll das gehen? Also messen wir mal.

In einem Word-Dokument, also bei überwiegend weißem Hintergrund, lese ich bei niedrigster Helligkeitsstufe 20 Watt ab. Erhöhe ich die Leuchtkraft auf 140 Candela pro Quadratmeter, sind es 30 Watt. Und wenn mich der Monitor blenden soll, sind es 48 Watt. Seltsam wird es, wenn ich auf voller Helligkeit ein schwarzes Bild anzeigen lasse. Da die Hintergrundbeleuchtung unverändert weiter strahlt, müsste der Verbrauch gleich bleiben. Stattdessen zeigt mein Messgerät aber nur 43 Watt an. Und mit weißem Hintergrund steigt der Verbrauch sogar auf 50 Watt. Anscheinend reagiert der Bildschirm dynamisch und verändert den Stromverbrauch je nach angezeigtem Bild deutlich — wohlgemerkt bei deaktivierten Sparfunktionen.

Um sowohl Umwelt als auch Augen zu schonen, verfügt der EV3285 über die Auto-EcoView-Funktion: Dank gut funktionierendem Helligkeitssensor wird so die Leuchtkraft auf Wunsch der Umgebung angepasst. Dabei merkt sich das Display, ob ich es eher hell oder dunkel mag, was die Funktion deutlich aufwertet. So sehe ich tagsüber problemlos, ohne den Bildschirm anzupassen, und nachts blendet er mich nicht. Im Menü wird mir zudem angezeigt, wie viel Watt die Funktion spart und wie viel CO2 das entspricht.

Möchte ich der Umwelt noch mehr gutes tun, aktiviere ich den EcoView Optimizer 2. Dann erkennt der EIZO, ob überwiegend dunkle Inhalte angezeigt werden und dimmt dann die Hintergrundbeleuchtung. Im Gegenzug wird das angezeigte Bild aufgehellt, damit es dennoch wie gewünscht aussieht. Bei 100 Prozent und vollständig schwarzem Bild senke ich den Verbrauch so von 43 auf 34 Watt. Die Verbrauchsanzeige zeigt mir allerdings — sobald er überhaupt drosselt — stets 4 Watt Ersparnis an.

Der Effekt erinnert mich an LED-Fernseher, die ohne Local Dimming versuchen, den Schwarzwert zu verbessern. Nur, dass die Implementation von EIZO hervorragend ist. Zur Bildbearbeitung würde ich es zwar nicht einsetzen, aber im regulären Büroalltag spricht wenig dagegen. Der Kontrast leidet zwar ein wenig, denn helle Bereiche leuchten nicht mehr so sehr, aber die Lesbarkeit hat im Test an keinem Punkt gelitten. Um ehrlich zu sein, habe ich die Funktion die letzten Wochen aktiviert gelassen und es nicht einmal bemerkt.

Im Stand-by braucht der Monitor ungefähr 0,5 Watt, soll der Verbrauch noch weiter gesenkt werden, existiert auf der Rückseite ein richtiger Schalter. Der USB-C-Port versorgt selbst im Stand-by andere Geräte mit Strom, schalte ich den Bildschirm mit dem Netzschalter aus fließt erwartungsgemäß kein Strom. Aber auch, wenn ich die Power-Taste betätige, zeigt mir mein Messgerät null Watt an. Sehr schön.

Um auf die eingangs erwähnten 160 Watt zu kommen müsst ihr euch aber sehr bemühen: Erst, wenn ihr ein Notebook mit 60 Watt auflädt, die USB-Ports an der Seite ebenfalls zum Aufladen nutzt, alle Eingänge belegt habt, der Bildschirm auf voller Helligkeit weiß darstellt und die Energiesparoptionen deaktiviert sind kann er so viel verbrauchen. Im Alltag ist der Bildschirm sehr sparsam.

Reguläre Einstellung.
Minimale Leuchtkraft...
...und bei voller Helligkeit.
Reguläre Einstellung.
Bildqualität

Muss ein Office-Monitor überhaupt so akkurat sein?

Die FlexScan-Serie ist für Büros gedacht. Fotografen, Grafiker und Co. mit höchsten Ansprüchen greifen lieber zur ColorEdge-Reihe. Aber keine Sorge, als EIZO-Monitor weiß auch der EV3285 zu begeistern. Für einen Office-Monitor ist er schon ab Werk gut eingestellt und setzt natürlich auch auf ein hochwertiges Panel.

Der Monitor deckt 100 Prozent des sRGB- und 79 Prozent des Adobe-RGB-Farbraums ab. Respektable Werte, die die ColorEdge-Bildschirme aber locker überbieten.

Konsequent weicht der Monitor laut Spyder4Pro etwas von den Einstellungen ab. So ist der Gamma-Wert stets um 0,1 höher als eingestellt, also zum Beispiel 2,3 statt 2,2. Das Ergebnis ist, dass dunklere Bereiche nochmals etwas dunkler sind. Ebenfalls messe ich stets 200 Kelvin mehr — steht im Menü 5.000 Kelvin, sind es 5.200 Kelvin. Das Bild ist also immer etwas kühler als gewünscht. Große Auswirkungen hat das aber nicht.

100 Prozent sRGB, 79 Prozent Adobe RGB. Respektabel, aber nicht umwerfend.
Die Gamma-Kurve bei 2,2 und 5.000 Kelvin, eine kleine Abweichung sehe ich hier.
Und das gleiche bei 6.500 Kelvin.
100 Prozent sRGB, 79 Prozent Adobe RGB. Respektabel, aber nicht umwerfend.
Farbwiedergabe

Sogar (eingeschränkt) zur Bildbearbeitung geeignet

Mit DisplayCAL messe ich den unkalibrierten Monitor im User-Modus, eingestellt auf 5.000 Kelvin. Das Ziel ist herauszufinden, ob der Bildschirm die gewollten Farben auch tatsächlich einhält. Das Ergebnis ist beeindruckend, besonders für einen Office-Monitor, der eigentlich gar nicht für die Bildbearbeitung gedacht ist: Die Delta-E94-Abweichung beträgt im Durchschnitt lediglich 1,77. Die größte Abweichung beträgt 5,14. Das merkt man kaum.

Abgesehen vom reduzierten Kontrast ist die Blickwinkelstabilität aber hervorragend. Ganz gleich, aus welchem Winkel ich auf den Bildschirm schaue, die Farben driften nicht davon.

Die Messergebnisse von DisplayCAL im Überblick...
...und im Detail.
Die Blickwinkelstabilität im Überblick: Die Kameraeinstellungen bleiben stets gleich.
Die Messergebnisse von DisplayCAL im Überblick...
Leuchtkraft & Co.

Hier kommt die Sonne

Mit gemessenen 345 Candela pro Quadratmeter (bei 6.700 Kelvin, bei 5.200 Kelvin sind es 319 Candela pro Quadratmeter) reicht die Leuchtkraft für fast jede Situation. Ohne jegliche Farbkorrektur (7.200 Kelvin) sind es sogar 356,9 Candela pro Quadratmeter, mehr als im Datenblatt angegeben. Das Minimum liegt laut dem Spyder4Pro bei einem halben Candela pro Quadratmeter, was absurd dunkel ist. Selbst in der finstersten Nacht fällt es da schwer, mehr als nur grobe Konturen zu erkennen — sowas habe ich bisher bei noch keinem Monitor gesehen. Ob das nötig ist, sei dahin gestellt, aber so findet ihr garantiert eine Einstellung, bei denen sich eure Augen wohl fühlen. Dem zu Hilfe kommt, dass jede Helligkeitsstufe von 0 bis 100 nochmals unterteilt ist — ihr habt so 200 Helligkeitsstufen zur Verfügung. So ist es auch nicht schlimm, dass, je nach Farbtemperatur, der Monitor erst bei 77 oder 80 von 100 bei 140 Candela angekommen ist.

Auf 140 Candela pro Quadratmeter eingestellt, messe ich bei schwarzem Bild 0,2 Candela pro Quadratmeter — ein Wert, von dem mein eigener Monitor nur träumen kann. Der gemessene Kontrast beträgt 700:1. Und solange der EV3285 nicht deutlich heller als die Umgebung ist, sieht es auch tatsächlich stets fast Schwarz aus. Auf höchster Helligkeitsstufe sind es 0,45 Candela pro Quadratmeter. Allerdings trifft das nur bei frontaler Betrachtung zu: schon an den Rändern merke ich, wie Schwarz ins Graue abdriftet.

Die Hintergrundbeleuchtung ist größtenteils gleichmäßig. Lediglich am unteren rechten Rand sehe ich deutlich, wie LEDs durchscheinen.

Helligkeit und Schwarzwerte bei 6.500 und 5.000 Kelvin.
Die Hintergrundbeleuchtung ist bei weißem Bild angenehm gleichmäßig.
Der schwarze Bildschirm in der Langzeitbelichtung: Ein äußerst homogenes Bild.
Blickwinkel bei frontaler Betrachtung: Die Kameraeinstellungen bleiben im Folgenden identisch.
Helligkeit und Schwarzwerte bei 6.500 und 5.000 Kelvin.
Features & erwähnenswertes

Im Büro zuhause

Der EIZO FlexScan EV3285 erlaubt es, bis zu vier Eingänge gleichzeitig zu nutzen. Jeder wird dann mit Full HD angezeigt. Alternativ gehen auch zwei Eingänge. Dann sagt der Monitor Windows, dass seine Auflösung 1.920 mal 2.160 Pixel beträgt. Zu guter Letzt existiert auch noch die Bild-in-Bild-Funktion. Alle Varianten haben in meinem Test einwandfrei funktioniert.

Zwei kleine Lautsprecher verstecken sich in Schlitzen, die nach vorne zeigen. Für mich die einzige optische Schwäche an diesem sonst sehr attraktiven Bildschirm. Leider rechtfertigt der Klang die prominente Position nicht: Von Smartphones bin ich deutlich besseres gewöhnt.

Viele Monitore steuern die Helligkeit per Pulswellenmodulation. Das kann ein Flimmern erzeugen, welches zu Kopfschmerzen führt und generell eher unangenehm ist. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera, dem Sony Xperia XZ3, filme ich den Monitor mit 960 Bildern pro Sekunde bei verschiedenen Helligkeitsstufen. Flimmern kann ich nicht erkennen — eine beeindruckende Performance, die EIZO durch eine Kombination aus extrem schneller Pulswellenmodulation und gedimmter Leuchtkraft realisiert.

Apropos Wellen: Ungewollte Schallwellen kann ich keine vernehmen. Ganz gleich, welche Helligkeit ich einstelle, der Monitor ist lautlos. Auch das schont in einem leisen Büro die Nerven.

Mit EIZO Screen InStyle stelle ich ein, dass beim Start von Kodi der Movie-Modus aktiviert wird. Switche ich zu Chrome, wählt der Monitor sRGB. Circadian Dimming ändert im Laufe des Tages die Farbtemperatur. Das schont meine Augen und lässt mich nachts gut schlafen. Auch ändere ich per Shortcut, welche Quelle aktiv ist oder synchronisiere die Einstellungen mehrerer unterstützter EIZO-Monitore. Dazu muss der PC, auf dem Screen InStyle läuft, per USB angeschlossen sein.

Die Tasten und einer der Lautsprecher
Der Helligkeitssensor
Die Tasten und einer der Lautsprecher
Im Alltag

Perfekt für Adleraugen

Zum Einschalten wische ich einfach von rechts über den Tastenbereich. Sobald ich die kaum sichtbare Power-Taste erreiche, geht der Monitor an. Die restlichen Eingaben ignoriert er einfach. Eingeschaltet leuchtet eine dezente weiße LED — die ich deaktivieren kann. Möchte ich ausschalten, swipe ich wieder über den Bildschirmrand oder drücke direkt neben die LED. Das ist übrigens die einzige Taste, die sofort eine Reaktion auslöst. Berühre ich eine andere, zeigt mir der Monitor erstmal an, welche Taste darunter liegt. Daher ist es kein großes Problem, dass die Tasten aus Design-Gründen kaum beschriftet sind, sondern lediglich über eine kleine Erhebung markiert sind.

Obwohl nur 60 bis 70 Zentimeter zwischen mir und dem EV3285 liegen, ist die hohe Auflösung bereits eine Herausforderung. Ohne ausreichend Kontrast und damit Helligkeit kann ich manche Bedienelemente in Windows nicht mehr eindeutig erkennen. Glücklicherweise skalieren sowohl Windows 10 als auch OS X 10.12 das Bild wunderbar hoch. So genießt ihr, wenn ihr möchtet, gestochen scharfe Texte wie ihr es vom Premium-Smartphone bereits gewohnt seid und könnt trotzdem alles gut lesen.

Ich persönlich habe mich für die 100 Prozent Darstellung ohne Vergrößerung entschieden, mich näher an den Bildschirm gesetzt, ihn etwas nach hinten gekippt und in die unterste Position gebracht. Dank der hohen Blickwinkelstabilität kein Problem. So ist meine sonst gut gefüllte Taskleiste nicht bis zum Anschlag gefüllt und Firefox zeigt mir sogar 36 Tabs samt Seitentitel an.

Richtig Spaß macht es bei Lightroom: Da ich in der Bibliothek bis zu 444 Fotos gleichzeitig sehen kann, finde ich schnell das richtige. Aufgrund der hohen Auflösung brauche ich nicht mal reinzuzoomen, um zu erkennen, ob das Foto scharf ist. Bilder meiner alten DSLR werden sowieso 1:1 angezeigt. Und auch die Bildqualität überzeugt mich.

Zwar ist der EV3285 nicht für Spiele oder Filme gedacht, aber zumindest in meinen Spielen habe ich keine Beeinträchtigungen bemerkt. Mich störende Schlieren konnte ich selbst in der Standardeinstellung nicht erkennen. Auch Filme meistert der Monitor mit Bravour.

Bedenkt allerdings, dass euer Computer auch entsprechend Leistung benötigt, um die hohe Auflösung beliefern zu können. Auf meinem Firmencomputer, einem MacBook Pro 13” (2015) mit Intel Core i7, merke ich in Photoshop einen deutlichen Performance-Unterschied im Vergleich zum WQHD-Bildschirm. Und als Gamer benötigt ihr eine leistungsstarke Grafikkarte, um bei hohen Einstellungen nicht ins Stottern zu geraten. Forza 6 geht mit meiner NVIDIA GeForce GTX 1060 noch gerade so, aber allgemein sollte es schon mindestens eine 1070 oder besser noch 1080 sein. Selbstverständlich besteht noch die Notlösung, den Monitor mit Full HD anzusteuern. Das funktioniert zwar, nativ sieht es aber definitiv besser aus.

Übrigens: Skaliert Windows auf 150 Prozent hoch, entspricht das angezeigte Bild ungefähr WQHD, also 2.560 mal 1.440 Pixel. Und das bei gestochen scharfer Darstellung.

Fazit

Qualität & Komfort haben ihren Preis

Schlicht und elegant, so passt der EIZO FlexScan EV3285 auf jeden Arbeitsplatz, ...
...auch in Bereichen mit Kundenkontakt.
Schlicht und elegant, so passt der EIZO FlexScan EV3285 auf jeden Arbeitsplatz, ...

Die konsequente Auslegung auf erstklassige Ergonomie und gute Bildqualität sowie das attraktive, seriöse Design sorgen dafür, dass der Monitor perfekt in Architekturbüros, Banken und Agenturen passt. Toll finde ich auch, wie leichtgängig und weit sich der Monitor drehen lässt. Ein Feature, das ich mir auch von meinem Büro-Monitor wünschen würde, denn das erleichtert die Zusammenarbeit.

Sicherlich ist der Preis des EIZO FlexScan EV3285 als ambitioniert zu bezeichnen. Andererseits ist es ein Monitor, der die Produktivität steigert, Gesundheitsprobleme vorbeugt und zudem Strom spart. Die fünfjährige Garantie inklusive Vor-Ort-Austausch-Service sorgt zudem für Sicherheit vor überraschenden Ausgaben und minimiert Ausfallzeiten. Damit amortisiert sich hoffentlich die hohe initiale Investition. Jetzt muss ich nur noch meinen Chef davon überzeugen.

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