WiZ-Smart-Beleuchtung: Eine clevere Smart-Lighting-Alternative?

von Sebastian Kundisch

· 10 min Lesezeit

Ein cleveres Lichtkonzept lässt sich individuell erweitern, steuern und besteht – nach meiner Definition – aus mehr als nur einem Leuchtmittel. Daher teste ich für euch die Tischlampe „Squire“, den zwei Meter langen Lichtstreifen „LED Strip“ und zwei Lampen mit E27-Sockel sowie eine Fernbedienung „WiZmote“ der jungen Smart-Home-Marke WiZ. Die Produkte wurden mir von Cyberport für einen Testzeitraum zur Verfügung gestellt.

Gut & Preiswert - Smart Lighting von WiZ

Pro
  • Attraktives Preis-/Leistungsverhältnis
  • WiZ nutzt Know-How von Signify
  • Wunderbare Farben
  • Gelungene Produktqualität
  • Einfache App-Bedienung
Contra
  • Dimmbarkeit hat Grenzen
Unsere Gesamtbewertung4

Gründe für & gegen die Verwendung von WiZ-Smart-Lighting-Produkten

Normalerweise teste ich vorrangig Kopfhörer (zu meiner Autorenseite), doch im Zuge der Renovierung meines Wohnzimmers wollte ich mich tiefer mit Smart Lighting beschäftigen. Beim Gedanken an steuerbare Beleuchtung fällt mir zuerst die Marke Philips Hue ein. Lasst mich euch ein paar Gründe liefern, die etwas unbekanntere Marke WiZ ins Auge zu fassen. Eins vorab: Der Preis ist heiß!

Vom E27-Sockel über die Tischleuchte hin zur Lichtleiste: Einzelne WiZ-Leuchtmittel im Test

Alle getesteten Lampen sind entweder nicht für Feuchträume geeignet oder besitzen keine ausgewiesene Schutzklasse. Daher beschränkt sich deren Verwendung auf nicht nasse Innenräume. Die Lampen waren ausnahmslos gut verarbeitet und hinterließen einen hochwertigen Eindruck. WiZ setzt zur Steuerung der Leuchtmittel auf WLAN. Alle Lampen lassen sich in „Hey Google“, „Alexa“ und „Siri Shortcuts“ einbinden. Auf gehts zur Vorstellung der getesteten Leuchtmittel. Auf der Website von WiZ ist übrigens keine Außenbeleuchtung zu finden, anders als bei Philips Hue.

Lampe WiZ A60 Kunststoffglas & E27-Sockel im Kit mit Fernbedienung (gesamtes Farbspektrum)

Auf dem Karton steht „Ready to use / Right out of the box“: Ok – schnelle drehe ich die Lampe in die Fassung und lege Batterien in die Fernbedienung WiZmote ein. Die Lampe ist sofort eingeschaltet, doch Kommandos über die Fernbedienung nimmt sie noch nicht entgegen. Ein flüchtiger Blick in die beiliegende Schnellanleitung bestätigt meine Vermutung: Lampe und Fernbedienung müssen zuerst mit der WiZ-App bekannt gemacht werden. Also lade ich die App aus dem App Store und starte, ohne mir ein Nutzerkonto anlegen zu müssen. Dafür gibt es ein dickes Plus, schließlich möchte ich schnell zu sichtbaren Ergebnissen kommen und mich nicht erst registrieren müssen.

Sobald Lampe und Fernbedienung in der App eingebunden sind, ist die Bedienung kinderleicht. Mit einem Tastendruck können die Kommandos „Ein“, „Aus“, „Nachtlicht“, „heller“ und „dunkler“ sowie vier programmierbare Farbszenen an die Lampe gesendet werden. Richtig viel Spaß bereiten die Farbspiele, wenn mehrere Leuchtmittel einem Raum hinzugefügt werden, denn die Fernbedienung kann den kompletten Raum mit all seinen WiZ-Produkten steuern.

Die Lampe A60 erzeugt ein flimmerfreies Licht in den Lichtemperaturen 2.200 Kelvin bis 6.500 Kelvin und erreicht laut Hersteller eine Lichtmenge von maximal 806 Lumen. Dabei benötigt sie bis zu 8 Watt Leistung und ersetzt somit eine 60 Watt Glühbirne. Diese Werte können sich meiner Meinung nach sehen lassen, ebenso wie der sehr gute Farbwiedergabeindex (CRI) von 90. Für ein Arbeitsplatzlicht darf es etwas mehr Leuchtkraft oder eben mehrere Lampen A60 sein, um eine ergonomische Beleuchtung zu schaffen.

Lampe WiZ A60 Filament Amber mit E27-Sockel (einstellbares Weiß)

Einen optischen Leckerbissen stellt diese Lampe im Vintage-Design dar. Sie kommt mit echtem Glas daher, das leicht golden getönt ist, und zeigt ihren Betrachtern schräg angeordnete Leuchtelemente an. Ist die Lampe eingeschaltet, sieht sie einer klassischen Glühbirne sehr ähnlich und ist daher ein Hingucker, selbst ohne Lampenschirm. Über die abwechselnd angeordneten gelben und orangen Lichtelemente kann ich die Lichtfarbe einstellen. Sind nur die orangefarbenen Elemente aktiv, lassen sich 2.000 Kelvin erreichen und wenn nur die weißen eingeschaltet sind, werden 5.000 Kelvin erreicht. Ein Mix aus allen Leuchtelementen stellt die Zwischentemperaturen stufenlos ein.

Das ebenfalls flimmerfreie Licht erreicht bis zu 640 Lumen Lichtstärke bei 7 Watt Leistung, das bei einer damaligen Glühbirne mit 50 Watt gleicht. Die geringere Lichtstärke im Vergleich zur ersten Lampe begrenzt auch den Einsatzrahmen des Leuchtmittels auf Wohnbereiche, in denen kein Arbeitslicht benötigt wird. Das Leuchtmittel ist vor allem für dekorative Zwecke ideal geeignet. Auch diese Lampe besitzt mit einem CRI von 90 einen sehr guten Farbwiedergabeindex.

Tischleuchte WiZ Squire mit Dual-Zone (gesamtes Farbspektrum)

Raffiniert sieht sie aus, die Tischleuchte Squire von WiZ. Die Leuchte ist eiförmig, wenn WiZ das „Ei“ nicht schräg geköpft hätte. Circa im 45 Grad Winkel wurde oben eine diffuse, michglasähnliche Leuchtfläche aufgebracht. Am Fuß der Leuchte ist ebenfalls eine Leuchtfläche vorhanden. Der Clou: Beide Leuchtflächen können in separaten Farben erstrahlen. Es sieht interessant aus, wenn der Boden der Leuchte beispielsweise in Rot leuchtet und vom Kopf der Leuchte grünes Licht ausgeht. Mit dem oberen Leuchtmittel strahlt man so etwa eine Wand an, während der Boden, auf dem die Wiz Squire steht, ebenfalls in ein diffuses Licht getaucht ist.

Einziger Minuspunkt: Die Farben der beiden Leuchtflächen können manuell nicht unterschiedlich angesteuert werden, sondern nur über voreingestellte Lichtszenen. Laut WiZ soll sich das in Kürze aber ändern. Dafür lässt sich jetzt schon die Intensität der beiden Lichtquellen über einen Schieberegler in der App anpassen.

Maximal erreicht die Lampe eine Lichtmenge von 620 Lumen, die ohne Flackern und wunderbar diffus ausgestrahlt wird. Lichttemperaturen von 2.200 bis 6.500 Kelvin erzielt die WiZ Squire und benötigt dabei maximal 9 Watt Leistung. Der Farbwiedergabeindex ist mit guten CRI von 80 angegeben. Die Leuchte eignet sich ausgezeichnet dafür, beispielsweise von einem Beistelltisch oder einer anderen wandnahen Anhöhe eine Wand indirekt zu bestrahlen, jedoch nicht als Arbeits- oder Schreibtischlampe.

Lichtstreifen WiZ LED Strip (gesamtes Farbspektrum)

Der zwei Meter lange WiZ LED Strip hat ebenfalls einen guten CRI von 80. Er punktet aufgrund ihrer Länge, einer transparenten Ummantelung sowie einer Leistung von bis zu 20 Watt mit einer deutlich höheren Lichtmenge von 1.600 Lumen. Die Farbtemperaturen befinden sich im Bereich zwischen 2.700 und 6.500 Kelvin. Da eben keine diffuse Abdeckung zu den LEDs vorhanden ist, blickt man direkt auf die Lichtquellen. Meiner Meinung nach beschränkt sich daher der Einsatz des flexiblen Lichtstreifen auf Bereiche, auf die man nicht direkt schauen kann, beispielsweise hinter einem Fernseher, unter Regalen oder hinter Möbelstücken.

Im hier vorliegenden Starter-Kit ist ein Netzteil und ein Vorschaltgerät inkludiert. Separat erhältliche Verlängerungen können den Lichtstreifen mit diesem einen Netzteil auf bis zu zehn Meter verlängern. Aller 12,5 Zentimeter sind Schnittmarken auf dem LED Strip zu sehen, wodurch sich die gewünschte Länge auch mit einer Schere zuschneiden lässt.

Steuerung ohne Bridge: Wie sich WiZ-Leuchtmittel bedienen lassen

WiZ-Lampen lassen sich vorrangig über die hauseigene App schalten und müssen über diese ins Smart-Lighting-System integriert werden. Dazu ladet ihr euch die WiZ-App aus eurem App Store herunter und erstellt eine Zone – in meinem Fall „Wohnzimmer“. In diese Zone könnt ihr dann nacheinander oder gesammelt eure WiZ-Lampen registrieren. Das funktioniert einfach und ist in der App ausführlich beschrieben. Sollte die automatische Integration fehlschlagen, gibt es auch eine manuelle Vorgehensweise. Ich hatte weder bei den Lampen noch bei der Fernbedienung Schwierigkeiten bei der Einrichtung. In der App seht ihr dann jede einzelne Lampe mit einem Symbol angezeigt und könnt entweder die komplette Szene oder jede Lampe separat steuern.

Da die WiZ-App eure Schaltzentrale ist, lassen sich dort die Farben oder dynamischen Farbrotationen auswählen und anpassen. Mit einem Touch könnt ihr zeitabhängige Rhythmen, das Nachlicht oder die Helligkeit regulieren. Dynamische Szenen finde ich besonders interessant, da hier die Farben in eurer gewünschten Stimmung und Geschwindigkeit wechseln. Leider lassen sich hierbei keine eigenen Szenen erstellen, doch das Angebot der voreingestellten ist recht groß. Einzelne Farben pro Leuchtmittel könnt ihr einfach durch Auswahl auf einem Farbkreis definieren.

Nachdem die Fernbedienung WiZmote im System registriert wurde, lassen sich ihre vier Szenen-Tasten frei mit einer Farbe oder mit einem dynamischen Farbspiel belegen. Zudem bekommt ihr die Möglichkeit, die Ein- und Ausblendegeschwindigkeit in 0,25-Sekundenschritten anzupassen. Die Fernbedienung ist eine empfehlenswerte Erweiterung für den Schnellzugriff auf eure Smart-Lighting-Installation und eure beliebtesten Lichteinstellungen. Neben dem Lichtschalter von WiZ, ist die Fernbedienung die haptische Alternative zur App-Bedienung.

Fernbedienungs-Shortcuts sind auf vier frei programmierbaren Tasten erreichbar.

Eine weitere smarte Methode zur Steuerung der WiZ-Lampen ist eine Integration in ein Sprachsteuerungssystem, wie in meinem Fall mit Amazon Alexa. Nachdem ihr den Alexa-Skill in der Alexa-App installiert habt und in der WiZ-App die Integration namens Alexa aktiviert habt, können beide Systeme miteinander verknüpft werden. Dazu ist sowohl ein Amazon-Konto als auch ein WiZ-Account notwendig. Ihr könnt danach die Lampen ein- und ausschalten, die Helligkeit einstellen, die Lichtfarbe auf Kaltweiß ändern oder eigene Szenen auswählen. Mehr ist derzeit leider nicht mit dieser Sprachsteuerung möglich. Somit steht für die Steuerung meines Systems fest, dass sie entweder über die WiZ-App stattfindet oder über die Fernbedienung. Den Alexa-Skill halte ich für wenig nützlich, auch wenn er jederzeit funktionierte.

Die Sprachintegration der WiZ-Steuerung ist unter anderen mit dem Alexa-Skill möglich.

Teilen:

Unser Fazit

WiZ: Günstigere Alternative zu Philips Hue, wenn auch nicht in jeder Situation

Welche Kunden adressiert das Unternehmen Signify mit seiner Marke WiZ also in meinen Augen? Ganz klar diejenigen Leute, denen Philips Hue zu kostspielig ist, da die WiZ-Produkte nur einen Bruchteil davon kosten. Gleichzeitig steht die Qualität des Lichts und der Verarbeitung der WiZ-Produkte denen von Philips Hue in keiner Weise nach. Ich kann dies recht gut beurteilen, da ich ansonsten Smart-Lighting-Produkte von Philips Hue verwende. Wäre ich schon eher mit der Marke WiZ vertraut gewesen, hätte ich mich möglicherweise dafür entschieden.

Positiv erwähnen will ich hier außerdem, dass WiZ als erste smarte Lichtmarke bereits matter-fähig ist. Sollte der Smart Home-Standard sich wie geplant durchsetzen, ist das ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen Herstellern und definitiv ein Kaufargument.

Was sind meine Kritikpunkte? WiZ bietet für Innenräume eine gute Auswahl, vor allem im Bereich der Leuchtmittel mit Standardsockel, wie E27, E14 oder GU10. Auch ein paar Deckenleuchten, Spot-Strahler, Lightbars sowie Tisch- und Stehleuchten befinden sich im Portfolio. Mir fehlen vor allem Hänge- und Pendelleuchte in der Produktpalette, damit ich eine komplette Wohnung mit WiZ-Lampen ausrüsten könnte. Alles das bietet Philips Hue an, jedoch deutlich kostspieliger. Auf der anderen Seite ist die Marke wie bereits erwähnt noch recht jung und brachte in der Vergangenheit in hohem Tempo Neuheiten heraus. Das Portfolio wird also auch in Zukunft weiter anwachsen.

Aus den oben genannten Vorzügen und Limitationen würde ich WiZ derzeit für Akzente in der Wohnung einsetzen, nicht jedoch für deren komplette Beleuchtung. Empfehlen kann ich die Produkte für Einsteiger im Bereich Smart Lighting, da kein teures Zubehör für die Steuerung der Lichtanlage benötigt wird und die Handhabung sehr einfach gehalten ist. Ihr erhaltet stimmungsvolles Licht mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis, das sich einfach erweitern lässt. Ich werde die Marke WiZ ab jetzt und aus genannten Gründen auf dem Radar behalten.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Lautsprecher & Kopfhörer im Test

von Daniel Wiesendorf

Der Bowers & Wilkins Zeppelin im Test: In 20 Tagen um die Welt oder doch eher Hindenburg?

Laptops & PCs im Test

von Mario Petzold

Dell XPS 13 Plus 9320 im Test: Viel Kraft in kompaktem Gewand

Laptops & PCs im Test

von Mario Petzold

KMU-Netzwerk-Switch Aruba Instant On im Test: Leichte Handhabung, viele Möglichkeiten

Lautsprecher & Kopfhörer im Test

von André Nimtz

Sound ohne Ende: Urbanista Los Angeles Kopfhörer mit Solarladefunktion im Test

Haushaltsgeräte im Test

von André Nimtz

Campingsaison olé: Dometic CFX3 55IM Kompressorkühlbox im Test

Tablet & Smartphone im Test

von André Nimtz

Immer noch ein Flagship-Killer? OnePlus 10 Pro 5G im Smartphone-Test

Lautsprecher & Kopfhörer im Test

von Maria Klipphahn

Philips Smart Speaker mit Ambilight im Test: Das perfekte Match zum TV?

Laptops & PCs im Test

von André Nimtz

Zu günstig um gut zu sein? ASUS Vivobook E410 im Notebook-Test

Lautsprecher & Kopfhörer im Test

von Daniel Wiesendorf

Klingt gut – Kopfhörer von Harman Kardon im Test