Testbericht: Saeco Aroma Chrom

von stefan-kremer

· 5 min Lesezeit

Testbericht: Saeco Aroma Chrom

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Es klingelt. Vor der Tür steht ein freundlicher Postmann, der die ersehnte Saeco-Espresso-Maschine von Cyberport ausliefert. Der muss denken, bei uns sei der Reichtum ausgebrochen. Eine Saeco! Bisher ein lange unerfüllter Wunsch. Bisher entsprang „Espresso“ (besser: ein dunkles Gebräu, das sich dafür hielt) diversen Zentrifugen oder Alukannen. Milchschaum wurde mit Pumpen, diesen batteriebetriebenen Minibohrmaschinen oder schlicht mit dem Schneebesen erzeugt.


Das gute Stück in voller Pracht

Also sofort in die Küche mit dem wohlklingenden Edelnamen und den Karton links gedreht. Meine Frau ergreift die Initiative und baut das Teil anhand der Bedienungsanleitung vorschriftsmäßig auf, installiert, befüllt, schließt an. „Ich muß nochmal kurz weg, schaffst du’s, den ersten Kaffee zu machen, bis ich wieder da bin?“, höre ich sie nur noch kurz, als sie überraschend zur Tür entschwindet. Na klar schaffe ich das! Auch mein erster Blick gilt der Bedienungsanleitung – ok, ist da. Nur für den Fall, dass ich mich doch blöde anstellen sollte. Ein paar Handgriffe, ein Druck auf die Taste mit der Kaffeetasse, es brummt, es zischt, ein herrlicher Duft macht sich in der Küche breit. Auch optisch macht der erste Espresso schwer was her: eine Crema wie aus dem Bilderbuch. Zweiter Test: Cappuccino. Milch aus dem Kühlschrank gezogen – hmm, und wo packen wir die jetzt am dümmsten rein? Direkt in die Tasse geht nicht – die Milch gehört oben auf. Also andere Tasse her und diese mit Milch halbvoll gegossen. Die nächste Taste, ein Griff nach dem Drehregler, es brummt, es zischt, es schäumt. Auf Anhieb ordentlicher Milchschaum. Auch wenn sich der Milchschaum nur mit etwas Verlust aus der Tasse befördern lässt. Aber halt, da war ja noch die olle Milchkanne, die ansonsten zum Nichtstun verdammt war. Damit klappt’s perfekt! Große Euphorie! Ein perfektes Extrakt aus Hitze, Druck und edlen Bohnen. Ein wirklicher Genuss!

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In Aktion

Jetzt noch einen Latte Macchiato! Es sollte der erste und letzte Versuch bleiben. Und die wirklich einzig große Enttäuschung. Aufgrund der Baugröße passen die Gläser nicht vernünftig unter das Dampfrohr, schon gar nicht unter den Siebträger. Und für ein oder zwei Macchiatos das halbe Kücheninventar durch Umfüllereien zu verwüsten, kommt dann auch nicht in Frage.

Jetzt erst der Blick in die Bedienungsanleitung (Ist es das, was Männer und Frauen unterscheidet?). Der Espresso hatte Crema, die Milch war vorschriftsmäßig geschäumt, das Befüllen und Entleeren des Siebträgers war unkompliziert – sollte ich tatsächlich auf Anhieb und intuitiv alles richtig gemacht haben? In der Tat, alles prima. Ich lerne aufgrund der Lektüre noch, dass die passende Schalterstellung von Kaffee- und Pannarello-Taste auch noch für die Erzeugung von Heißwasser, z.B. zur Teezubereitung, taugt. Insgesamt ist die Anleitung sehr detailliert, aber dennoch einfach und klar geschrieben. Ein Musterbeispiel!

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So soll ein ordentlicher Espresso ausschauen – steife Crema, in die der Zucker langsam einsinkt. Und so ein guter Cappu.

Am Nachmittag erscheint der erste Kunde. „Magst einen Kaffee, Espresso, Cappuccino?“ „Ja, gern. Einen einfachen Kaffee bitte!“ „Keinen Cappuccino?“ – Ich versuche sanft, dieser Entscheidung gegenzusteuern. „Nein, danke.“ Hmmpf, wie soll ich meinem Besitzerstolz mit dieser Anforderung Ausdruck verleihen? Dann genieße ich selbst wenigstens einen Cappu und zeige die Schaumkrone her.

Einen ersten Härtetest hat die Maschine zwei Tage später: Die Verwandtschaft hat sich zur Einschulung unseres Ältesten eingefunden und nach der dritten Tasse wird klar, warum ausdrücklich und deutlich „nicht für den professionellen Gebrauch“ in der Gebrauchsanleitung zu lesen steht. Der Apparat kommt mit Durchheizen, Druck aufbauen und Pulver verarbeiten nicht mehr hinterher, die Wartezeiten steigen.

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Spaß-Ende: Die schönen Latte-Gläser sind einfach nicht unter den Siebträger zu bewegen und selbst beim Panarello wird’s schwierig.

Etwas weniger Stress hat das Gerät im täglichen Einsatz in der Früh; durch unterschiedliche Einsatzorte und -zeiten ist unser Frühstück etwas zerrissen. Als erste Amtshandlung wird die „Höllenmaschine“ in Gang gesetzt und zaubert meiner Frau einen Milchkaffee, bevor sie sehr frühzeitig das Haus verlässt. Danach arbeitet sie an meinem Morgen-Cappu, dem Tee für den Großen und die Heiße (na ja, warme) Schokolade für die Kleine. Sind die aus dem Haus, kommt mein zweiter Kaffee, bevor sie in den Ruhezustand geht und erst zur Mittagspause wieder zum Leben erweckt wird. Für diesen Einsatz sind die Einzelportionen absolut genial. Bisher schmurgelte der Filterkaffee bis zur letzten Tasse zweieinhalb Stunden auf der Warmhalteplatte. Der kleine Kochpott musste hintereinander für Heißwasser und Milch herhalten – eines der Kinder war immer zum Warten verdammt. Das alles löst sich mit der Saeco sehr elegant.

Im Laufe dieses täglichen Gebrauchs treten dann auch die Tücken etwas mehr in den Vordergrund, z.B. die, dass der Aufstellungsort sehr sorgfältig gewählt werden sollte. Niedere Hängeschränke und der schlanke, hohe Wassertank mögen sich nämlich gar nicht. Ein ziemliches Gefummel. Auch Tassen oder Gläser, die eine bestimmte Bauhöhe überschreiten, mögen mit der Maschine nicht so recht Freund werden. Selbst beim Dampfrohr fängt – zumal mit der aufgeschäumten Milch drin – das Jonglieren an; an den Kaffeeauslauf ist dann schon gar nicht mehr zu denken. Zum einen ragt der Milchaufschäumer recht weit nach unten, zum anderen sitzt er auch sehr nahe am Gehäuse – die Grenzen der kompakten Bauweise.


Der Aufstellort sollte gut gewählt sein!

Das Gehäuse selbst macht mit seiner Edelstahloptik einen sehr soliden Eindruck, wenn auch einige Ränder fast schon zu scharfkantig erscheinen (Verletzt hat sich bisher jedoch noch keiner!). Ein Umstand, der erst beim Reinigen richtig auffällt. Die Reinigung ist recht unkompliziert. Insbesondere das Pannarello lässt sich durch seine mehrteilige Bauart nach jedem Gebrauch sehr schnell und leicht reinigen. Hier zeigen sich sehr große Unterschiede zu den mir bisher bekannten Maschinen, die nach kurzer Zeit verklebte Milchreste in allen Ecken und Enden des Milchschäumers aufwiesen. Nur einmal gab es einen (erstmal) unverständlichen Totalausfall. Auch das ließ sich nach Lektüre der sehr guten Bedienungsanleitung und der dortigen Fehlerbeschreibungen auflösen. Ein einfaches Dampfablassen ließ auch kurz danach den Kaffee wieder fließen.

Optional kann die Maschine auch mit Kaffee-Pads umgehen, den entsprechenden Einsatz haben wir jedoch nicht getestet. Zum einen sind die Tassenpreise der Kaffeepads deutlich teurer und damit in einem Bereich, in dem man schon locker die Luxusmischungen aus kleinen Edelrösterreien bekommt. Den Müllaspekt mal nur ganz nebenbei erwähnt. Keine Option für uns!

Fazit
Für unseren Gebraucht taugt die Saeco Aroma Chrom sehr. Nachdem wir die Grundfunktionen einigermaßen drauf haben, versuchen wir uns jetzt an der höheren Kaffee-Kunst, damit wir mal an einer Latte-Art-Meisterschaft teilnehmen dürfen.

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Kommentare

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Gepostete Kommentare

Oliver 27.09.2006, 11:11 Uhr

Ähhm, ich will ja Deine Euphorie nicht schmälern, aber eigentlich gehört Saeco nicht gerade zu den Edelmarken unter Espressobrauern :)) Aber egal.... Noch ein Tipp zur Herstellung von Latte Macciato: Zuerst die Milch im Glas schäumen, dann einen Espresso in einer normalen Espressotasse zubereiten und diesen ganz laaaaaaangsam auf die Milch giessen. Wenn Du's richtig gemacht hast, sieht man eine deutliche Grenze zwischen Milch und Espresso.

Stefan Kremer 27.09.2006, 11:36 Uhr

Hi Oliver, mir ist Saeco edel genug ;-). Aber das Milchschäumen im Glas ist schon eine akrobatische Leistung. Und beim Umfüllen des Espressos bleibt leider ganz viel von der Crema auf der Strecke :-(-

merscho 27.09.2006, 11:37 Uhr

Der link zu Latte Art ist sehr schön, Danke dafür. Ansonsten hätte ich mir mehr zum Espresso selbst gewünscht. Bedienung und Funktionalität ist das eine aber für mich ist das wichtigste bei eine Machina zunächst mal der Geschmack. Hier hätte mich schon interessiert ob die Aroma Chrom gustatorisch mit Gaggia, Demoka und Konsorten mithalten kann, preislich stellt sie ja durchaus eine Alternative zu den günstigen Modellen der oben genannte Herstellern dar. Aber vielleicht ist man mit derlei Begehrlichkeiten auch in einem Espressoforum besser aufgehoben. Ansonsten ein netter Artikel, auch wenn die Crema zu großporig ist >;-)

Oliver 27.09.2006, 12:04 Uhr

@Stefan: Eigentlich schäumt man ja auch mit einem Edelstahlkännchen, welches die Wärme gut leitet, damit die Milch nicht zu heiss wird. Und das mit der Crema ist ja bei einer Latte eher zweitrangig, oder? Wichtig ist, dass der Espresso heiss genug ist für die klare Grenze zur Milch. Sorry für die Korinthenkackerei, aber ich bin auf Entzug. Meine Gaggia ist in der Wartung und das schon seit 2 Wochen, weil ein @#!?@-Ersatzteil aus Italien nicht beikommt. Ich wünsch Dir weiterhin viel Spass mit der Saeco, aber Vorsicht, Du wirst keinen normalen Kaffee mehr mögen :)

max 24.10.2006, 16:18 Uhr

hallo stefan, hast du eigentlich schon ne mühle? nu is ja bald wieder weihnachten, da wär das der nächste schritt in der "kaffeevolution": kleine demoka 203 o.ä. + traditioneller siebträger von saeco + billiger 53mm tamper, mit etwas glück für knapp 200 mäuse. ich selbst hab die rancilio rocky und kann mir ein leben ohne nicht mehr vorstellen....! gruß, max ach ja, den tank lass ich meistens drin, nehm ihn nur zum reinigen raus und fülle sonst immer mit nem messbecher ein, ist einfacher als tank rausnehmen...

Stefan Kremer 24.10.2006, 18:28 Uhr

Hi, das mit dem Messbecher hab ich mir zwischenzeitlich auch so angewöhnt. Mühle hab ich mich mal nach umgetan, bin da aber noch nicht wirklich mit irgendwas glücklich geworden. Bisher kommt noch das fertiggemahlene Pulver in die Kiste. Gruß Stefan

Peter 05.11.2006, 18:42 Uhr

mit dem Original-Siebträger wird die Crema besser; habe noch ein altes passendes Dampfrohr ohne unnötigen Pinarello, das ist handlicher; ansonsten super Maschine: Vorgänger bei mir 15 Jahre gelaufen!

Peter 08.12.2006, 09:18 Uhr

hallo, ich habe so ein ähnliches Modell wohl älterer Bauart u. Bezeichnung heisst: "Saeco crema" habe diese maschine gerade über ebay aus Österreich ersteigert-und möchte mich nun im gebrauch dieser nähern - finde dazu keine Anleitungen im www mehr. Laut Auskunft vorheriger Nutzer ist diese maschine nur für Pads geeignet - ist das so richtig oder benötigt mán nur einen anderen Einsatz für Pulver (wenn ja wo gibt es diesen) freue mich über eine mitteilung

Peter 10.02.2007, 17:06 Uhr

kommt auf den Siebträger bzw. Einsatz an; normalerweise Einsatz raus und Sieb rein; wenn das Sieb fehlt, dann nachkaufen im Fachhandel!! für Gastromaschinen Wohnort?

Guido 21.04.2007, 09:51 Uhr

Hey Jungx, sehr interessante statements - ein guter Freund hat eine Aroma Chrom, und die fällt regelmäßig aus, d.h. für ihn Totalwartung beim Reparateur...nun hat er nicht gerade fleissigst entkalkt, daher meine Frage: Habt ihr Erfahrung mit - Totalausfall der Maschine, d.h. es kommt gar kein Kaffee mehr, nur noch Dampf? - regelmäßigem Entkalken, wenn ja wie oft und woran merkt man dass es Zeit wird? Thanx a million für die Hilfe, bin selber Vollautomaten-Freak, meine sagt mir jeden Handgriff vor - sonst wäre sie sicher längst am A... >;-)

Peter 09.05.2007, 10:17 Uhr

Hallo Guido, -kalkarmes Wasser nehmen, ansonsten Billigwasser ohne Kohlensäure aus der Plastikflasche z.B. Cristaline -entkalken nur mit Originalentkalker nach Anleitung; ich mache das so alle 3-6 Monate, dann aber äußerst sorgfältig; den Tank öfter mit was weichem säubern; -nach dem Espressozapfen den Filterträger sofort abnehmen und eine Sekunde nachspülen; bleibt der Träger mit dem Espresso nach dem zapfen dran, zieht Kaffeeöl durch die Kapillarwirkung in den Kessel, besonders wenn die Maschine weiter betriebsbereit ist und dein Kessel wird schlammig innen, auch wenn du entkalkst!!! Man sieht überall, daß Leute nach dem zapfen den Träger mit dem verbrauchten Espressomehl dranlassen! Das ist sehr schlecht!!! Das geht so weit, das sich das Öl aus den Dichtungen überall rausdrückt, wenn die älter werden....schöner Effekt.... -das Sieb unter dem Kessel zum säubern öfter mal abschrauben; die Dichtung für den Filterträger säubern - dafür gibt es Spezialkratzer, aber es geht auch mit einer Zahnbürste -ansonsten kann man das Ding auch selbst auseinandernehmen und reinigen, wenn man etwas schrauben kann und die Kabel vorm auseinanderbauen beschriftet; wenn Dichtungen hart werden (Kessel, Dampfrohr), dann diese wechseln; der Dreck sitzt im Kessel - durch entkalken geht dieser nie weg; wer den Kessel mal von innen sieht, weiß Bescheid; im Internet gibts auch Foren mit entsprechenden Bildchen... -der Vorgänger meiner aroma chrom hatte in 15 Jahren zwei Servicereinigungen a 60€, obwohl ich ca. 8 Jahre immer den Filterträger dranließ, weil ich es nicht besser wusste; Totalausfall in kurzen Abständen wie bei deinem Freund könnte falsche Handhabung und mangelnde Pflege bedeuten

Guido 09.05.2007, 16:40 Uhr

Hey, super vielen Dank - werde Deine Tipps mal mit ihm an der Macchina durchexerzieren - ich nehme an es mangelt ihm einfach am Verständnis für die Gute... >;-) Nochmals - vielen Dank!

Peter 10.05.2007, 09:51 Uhr

gerne - viel Erfolg Bildchen mit viel Kalk: http://www.coffeemakers.de/component/option,com_wrapper/Itemid,78/ viele Tipps (Vollautomat): http://saeco-support-forum.de/thread.php?threadid=3469

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