Produkttest: Dell Streak 7 Tablet

von matthias-schleif

· 7 min Lesezeit

Produkttest: Dell Streak 7 Tablet

Trotz Android 2.2 ganz brauchbar…
Eigentlich sehe ich meine Hauptaufgabe hier im Blog ja darin, Testberichte über Notebooks zu verfassen, da diese aber in der Regel konzeptionell nicht sonderlich innovativ sind, dürstete es mich nach ein wenig Abwechslung. Und tatsächlich hat sich das Dell Streak 7 als dafür geeignet gezeigt, wovon ich nun ein wenig berichten möchte. Das System ist erst seit wenigen Wochen erhältlich und läuft noch unter Android 2.2, genau wie seine „kleinen Brüder“, die 5 Zoll großen Dell Streak 5. Wie ein rein zufälliger Vergleich ergeben hat, ist Dells 7 Zoll Tablet außerdem nahezu „baugleich“ mit Samsungs Galaxy-Tab, das aber bereits mit UMTS erhältlich ist.
Um es direkt vorweg zu sagen: Das Dell Streak ist kein iPad-Killer und darüber wird hier auch nicht berichtet. Zum Einen wird das zur Genüge von anderen gemacht und meine persönliche Meinung zu dieser Art Vergleiche hatte ich ja in der letzten Woche in einer Art Grundsatzartikel zusammengefasst; das muss reichen. Was erwartet einen also, wenn man sich ein Dell Streak7 kauft?

Hardware/Unboxing
Der recht stabilen und hochwertigen Verpackung aus Pappe kann man bereits entnehmen, mit welchen Anschlüssen das Modell ausgestattet ist. Hier wird der SD-Card-Slot und ein USB-Anschluss sowie die Funktechniken WLAN, Butooth und A-GPS gelistet. Leider prangt dort auch die Bezeichnung „3G“ in großen Lettern auf dem Karton, obwohl dieses Modell noch gar nicht für die Aufnahme von SIM-Karten geeignet ist. Den zugehörigen Slot versperrt ein Blindstopfen, aber eine eindeutige Angabe dazu findet sich auch in der Bedienungsanleitung leider nicht, so dass ich mir das tatsächliche Fehlen der UMTS-Funktion noch einmal von einer Software bestätigen ließ.

Die weitere Ausstattung umfasst einen Mikrofon- bzw. Kopfhörer-Anschluss, zwei kleine Lautsprecher an den Seiten, einen Ein- und Aus-Schalter und die Lautstärke-Wippe. Darüber hinaus ist das System mit diversen Sensoren zur Bestimmung der Beschleunigung, Helligkeit, Lage und Position sowie zwei Kameras ausgestattet, von denen die hintere mit 1,3MP und die vordere mit 5MP arbeitet. Selbstverständlich ist auch das Dell Streak 7 Zoll mit einem kapazitiven Display ausgestattet, an dessen Seite sich die drei Buttons „zurück“, „home“ und „list“ befinden. Die versprochenen Multitouchfunktionen konnte ich jedoch nur bedingt nachvollziehen…irgendwie steht Multitouch mit mir wohl auf Kriegsfuss, denn nicht zum ersten Mal vermisse ich dieses versprochene Feature an einem Testsystem, während andere Kunden damit scheinbar kein Problem haben. Dankenswerterweise gehört zur Ausstattung auch ein Reset-Knopf, ohne den ich wohl einige Male dumm da gestanden hätte. Zum Lieferumfang gehören außerdem eine passende Kopfhörer-Mikrofon-Kombination, die Bedienungsanleitung, der internationale Netzadapter und eine Kabelklemme.

Dell Streak 7 – Teil 1″

Der USB Anschluss eignet sich hauptsächlich zur Stromaufnahme bzw. um den Akku zu laden, was bedeutet, dass das Tablet bei Anschluss an einen PC lediglich als zusätzliches Speichermedium erkannt wird. Hier gibt es also nicht viel zu synchronisieren oder abzugleichen, weswegen Dell dann auch eine entsprechende Synchronisierungssoftware mit installiert (Dell-Sync), die Selbiges über das Internet erledigen kann (demnächst können soll…). Die passende Dockingstation kann natürlich mehr (PC-Sync, HDMI-out, Ladefunktion), kostet aber natürlich auch 50 Euro extra.

Das Display gefällt mir wie bei bisher allen Dell-Systemen ziemlich gut, was außer für den visuellen Eindruck auch für das Ansprech- und Reaktionsverhalten gilt. Es ist mit 800 x 480 Pixel auf 7 Zoll etwa so gut aufgelöst wie mein Netbook mit 1024 x 600 auf 10 Zoll und wird mit sogenanntem „Gorillaglas“ geschützt. Im Innern glänzt das Dell Streak für derzeit 336 Euro mit 16GB Hauptspeicher, 512MB Arbeitsspeicher und einer NVidia Tegra1-CPU (T20) mit 1GHz Taktung und integrierter Grafikeinheit, die bspw. bei Online-Videos erst ab 720p-Qualität an ihre Grenzen gerät.

Eindrücke
Haptisch gesehen hat mir das Streak ebenfalls gut gefallen, da es schön griffig und nicht zu schwer ist. Bezüglich des Formfaktors an sich kann man ja unterschiedlicher Meinung sein, aber diese Zwischengröße empfinde ich als deutlich einfacher zu handhaben, als die größeren 10-Zoll-Modelle, von denen mir beispielsweise das Msi WindPad immer wieder aus der Hand zu rutschen drohte. Die Lautsprecher machen erwartungsgemäß nicht besonders viel Krach, zeigen bei der Alarm-Funktion jedoch, was sie so können…davon wird man wach. Das Bild der vorderen Webcam entspricht den Erwartungen an eine 1,3MP-Webcam, die hintere 5MP Kamera hat mich allerdings ein wenig enttäuscht. Ein flaches und fades Bild ohne viel Farbanteil ist nicht grad das, was man sich bei der Angabe von fünf MegaPixel vorstellt, auch wenn das Ganze eh nur mit bis zu 1280 x 720 Punkten Auflösung arbeitet. Die Zoomfunktion offenbart dann die Schwäche der Kamera vollends, weil es immer pixeliger und pixeliger bis nahezu unerkennbar wird, je näher man heran zoomt. Mit ein wenig Feinjustage kann man die Bildqualität zwar leicht verbessern, an eine 5MP-Digitalkamera reicht das Bild dann aber trotzdem noch nicht…hätt mich auch gewundert bei dem kleinen Kameraauge.

Schön ist natürlich, wie intuitiv bedienbar das Dell Streak 7 ist, was ein „fluffiges“ Ansprechverhalten voraussetzt. Diese „Fluffigkeit“ nimmt in etwa in dem Maße ab, wie man das System mit Apps vollballert. Hier gibt es kleine Hilfstools zum Killen oder verschieben einzelner Apps auf SD-Card, zum Aufräumen des RAM oder zur Löschung der History, ohne die sich Android recht schnell an den Hintergrundprogrammen verschluckt. Multitasking muss schon sein, logo, aber vielleicht sollte man die Anzahl der im Hintergrund laufenden Programme mal auf ein sinnvolles Maß beschränken, z.B. bezogen auf die RAM-Größe. Hier hätte ich für den unbedarften User eine größere, systemeigene Umgebungsstabilität erwartet, aber vermutlich hätte das nur wieder einen Aufstand wegen der vermeintlich dadurch eingebauten „Unfreiheit“ gegeben.

Wie bereits in meinem Grundsatzartikel bemerkt, kommt ohne die Anbindung an das Internet eine Menge Spaß leider gar nicht erst auf. Im Gegensatz zu dem ebenfalls mit Android 2.2 gelieferten Toshiba AC100 sind die Streak-Modelle von Dell allerdings mit den Google-Diensten verbandelt, wozu auch ein vernünftiger Marketplace gehört. Hier findet man dann die vielen kleinen Hilfsmittel (Apps), die sich die eingebauten Sensoren und Funkdienste zu Nutze machen, sofern sie zur Verfügung stehen. Mit dem eingebauten A-GPS-Modul kann man aber lediglich den aktuellen Standort bestimmen und so ein wenig Navigation betreiben, ein bidirektionaler Datenaustausch – wie beispielsweise beim Geocaching – würde aber wieder eine Netzanbindung voraussetzen, so dass man eben mit halber Funktion und halbem Spaß unterwegs ist. Es mutet insgesamt schon etwas komisch an, dass von nahezu allen Tablet-Herstellern erst einmal Versionen ohne 3G in den Handel gebracht werden, obwohl der Unmut darüber in den Kommentaren der Leser bei jedem dieser Produkte zu finden ist…aber genug der „Grantelei“.

Dell Streak 7 – Teil 2″

Die bei anderen schmerzlich vermisste Fähigkeit zur Wiedergabe von Flashvideos und -spielchen ist seit einer Weile auch unter Android 2.2 kein Problem mehr, da Adobe einen passenden Flash-Player entwickelt hat. Überhaupt steht und fällt das Android-OS mit der Auswahl der Apps, von denen es mittlerweile auch schon in etwa „unendlich viele“ geben soll, was eben einer der Knackpunkte am Toshiba AC100 war (außerdem keine Sensoren etc.). Dennoch sollte man dies Flash-Feature mit etwas Vorsicht genießen, denn die Ressourcen-hungrige Technik zieht euch unter Umständen Ruckzuck den Akku leer. Dieser hält bei intensiver Nutzung ohne Flash das System für etwa sechs Stunden am Leben; mit Flash jedoch gerade mal für drei Stunden. Diese „Dienstzeit“ kann man natürlich noch um einiges verlängern, indem man unnötige Ressourcenfresser abschaltet oder den Flugmodus (ALLE Funkadapter aus) benutzt, so oft es geht. Wie sinnvoll das ist muss mal wieder jeder für sich entscheiden, denn – wie gesagt – kommt ohne Netzanbindung ja nur die halbe Freude auf.

Fazit
Das Dell Streak 7 hat eigentlich die perfekte Größe und ist dennoch entbehrlich. Es passt so gerade noch in die Innentasche, zerrt dann aber kräftig an der Jacke, ist also als „Telefon“ zu groß und als Netbook-Ersatz wegen der fehlenden Tastatur nur bedingt brauchbar, sollte für Tablet-Fans aber genau die richtige Größe sein. Alles, was das Dell Streak 7 Zoll kann, können gute Smartphones (siehe Schwanzvergleich) mittlerweile auch, nur in kleiner. Das gilt zwar nicht nur für das Dell-Tablet, aber ich will mich jetzt nicht wieder in der Grundsatzkritik verstricken. Wenn es ans Schreiben geht oder ein Video geschaut werden soll sind mir 7 Zoll nun mal zu wenig, sodass ich dafür wohl doch lieber weiter zum Net- oder Notebook greifen werde. Vielleicht bringt mich der am Wochenende anstehende Test des Dell Streak als Reisebegleiter durch Amsterdam ja nochmals zu einer anderen Meinung, aber bis dato bräuchte ich nicht unbedingt ein Tablet…auch wenn ich mittlerweile sogar ganz gern eins hätte. It’s just a want-have, not a must-have!

Pro:

  • Usability
  • Haptik
  • Flash-fähig

    Contra:

  • kein UMTS (Testmodell)
  • schwache „FaceTime“-Kamera
  • Multitasking kann System überlasten
  • Kommentare

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    Gepostete Kommentare

    I. Straubing 19.08.2011, 17:06 Uhr

    Schöner Bericht, das fehlen von UMTS Modulen bzw. Telefonie-Funktion bei Tablets fand ich auch immer störend. Das Galaxy Tab kann zum Glück beides. Allerdings ist nach fast einem Jahr irgendwie der Drang nach etwas kleinerem größer. Und da heutzutage alle guten Android Geräte Theathering Unterstützen und als W-LAN AP dienen können, ist das wohl nicht mehr so wild. Aber 7" Geräte sind wirklich praktisch, groß genug für ein großes Display, klein genug für die Sakkotasche.

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