Produkttest: Canon EF 17-40mm F/4,0L USM Objektiv

von marcus-bohme

· 4 min Lesezeit

Produkttest: Canon EF 17-40mm F/4,0L USM Objektiv

Günstige Alternative für Reportage-, Reise- und Landschaftsfotografie
Vorwort: Beginnen möchte ich mit zwei Sätzen zu meiner Person und warum ich diesen Beitrag so schreibe, wie er ist. Ich arbeite seit ca. vier Jahren nebenberuflich als Fotograf und betreue meine Kunden in den Bereichen Produkt- und Imagefotografie. Seit Beginn meiner Tätigkeiten gehöre ich keinem Fanclub eines Kamera- oder Objektivherstellers an, nutze aber gute Technik, um damit eine gute Geschichte erzählen zu können. Technische Details werden somit ein wichtiger Bestandteil in diesem Beitrag sein, jedoch immer im Kontext: Am Ende drückt der Fotograf auf den Auslöser und nicht die Kamera. Für meinem ersten Gastbeitrag habe ich mir aus dem Hause Canon das Objektiv EF 17-40mm F/4,0L USM herausgepickt. Der Grund für diese Wahl ist, dass es für Landschaftsfotografen viel Spielraum für weitläufige Panoramabilder bietet und Reportagen einen eigenen Stil verleiht. Aber auch preislich ist es eine interessante Investition.
In der Produktbezeichnung erkennt man, dass es sich um ein Weitwinkelobjektiv handelt, welches als kleinste Blende f4 bereithält und mit einem L versehen ist. Das L steht dabei für Linsen, die besonders hochvergütet sind und eine sehr gute Abbildungsleistung versprechen. Ob sich dieses Versprechen auch in der Qualität der abgelichteten Bits und Bytes ablesen lässt, klären wir in diesem Beitrag.

Design und Handhabung
Als Set für die Analyse nutze ich eine Canon EOS 5D um das ganze Potenzial des Objektivs bewerten zu können. An einer APS-C Kamera würde ein Teil des Objektives durch den Cropfaktor nicht genutzt werden und bei einem Weitwinkelobjektiv will man gerade diesen Vorteil nutzen.

Canon EF 17-40mm“

Der Hersteller gibt rund 500 Gramm als Gewicht an und das ein wirksamer Schutz gegen Staub eingebaut ist. Beim Aufsetzen des Objektives auf das EF-Bajonett gleicht sich das Gewicht des Kamerabodys mit dem des Objektives angenehm aus, so dass die Kamera nicht nach vorn kippt. Durch den relativ kleinen Brennweitenbereich von 17-40 Millimeter werden weniger Linsenelemente benötigt, was Gewicht und Größe erklärt. Ungleich gilt, ein Objektiv mit einer großen Brennweitenabdeckung hat es immer schwer in allen Bereichen mit Qualität zu glänzen.

Der Staubschutz ist eine Gummiabdichtung am Bajonett und drückt sich beim Aufsetzen an den Body fest an. Beim Zoomen gleiten die Linsenelemente innerhalb des Objektivgehäuses, sodass in jeder Brennweiteneinstellung kein Gehäuseteil hervorragt. Zusammen mit dem sehr schnellen Fokusmotor für mich eine sehr angenehme Eigenschaft. Mitgeliefert wird noch eine Sonnenblende, die ich ohne Einschränkung empfehlen kann.

Insgesamt macht das Objektiv einen sehr ausgewogenen Eindruck und fühlt sich gut an.

Bildbeispiele
Nun wollen wir uns die Abbildungsqualität anschauen: Dafür habe ich eine Lichtsituation gewählt, unter der das Objektiv zeigen kann was es verspricht. Den es gilt: So lang gute Lichtverhältnisse vorhanden sind, kann jedes Objektiv gute Ergebnisse abliefern. Erst in schwierigen Situation wie z. B. bei wenig Licht, kommen die Stärken von guten Objektiven richtig zum Vorschein. Als Motiv dient das Blaue Wunder in Dresden bei Nacht, sowie das Umgebungslicht (auch als „Available-Light-Fotografie“ bezeichnet). Bewusst habe ich hohe Blenden genutzt, um die Tiefenschärfe bewerten zu können.

Canon EF 17-40mm: Beispiele“

In der Darstellung der Linien zeigt das Objektiv kaum Schwächen, wobei dieser Beitrag auch nicht denselben Anspruch wie ein Testlabor haben kann. Die Vignettierung ist minimal und im Gegensatz zum Canon EF 24-105mm nicht so ausgeprägt. Korrigieren kann man die Vignettierung im übrigen wunderbar mit Adobe Lightroom über die Objektivkorrektur, wobei diese Eigenschaft von Fotografen oft auch als bewusstes Stilmittel eingesetzt wird. Probiert es einfach mal aus! In den äußeren Bereichen der Bilder ist eine mittlere bis starke Verzerrungen zu erkennen, die bei Reportagen ebenfalls ein sehr beliebtes Stilmittel ist. Daher sind das Canon EF 17-40mm oder das 16-35mm die „Must Haves“ der Reise- und Reportagefotografen. Die Verzerrung wird besonders deutlich, wenn man sich dem Motiv nähert. Durch die relativ kleine Nahstellgrenze von nur 28 Zentimeter kommt fast ein Gefühl von einem Marko-Objektiv an der Kamera auf. Ich selbst fühl mich beim Betrachten durch den großen Weitwinkel beinahe wie mittendrin im Geschehen.

In der zweiten Beispielserie kann man die Abbildungsqualität unter Tageslicht bewerten: Ausgewogen finde ich die Details und die Tiefenunschärfe bei Blende f4. Feststellen musste ich, dass die Tiefen mir zu schnell und zu stark abfallen. Bei großen Kontrastunterschieden muss man sich somit entscheiden: Hohe Kontraste betonen – die Tiefen „saufen“ ab oder genau anders herum.

Hinweis: Wer sich noch für die EXIF-Daten der hier vorgestellten Bilder interessiert, der kann diese bei Flickr einsehen.

Resümee
Fangen wir mit den Negativen Punkten an: Als Manko stelle ich den fehlenden Bildstabilisator fest. Diesen könnte Canon ruhig gegen einen kleinen Aufpreis mitliefern und das würde die marginale Blende f4 noch weiter aufweichen. Die angesprochene Kontrastthematik sowie Lichtirritationen bei Gegenlicht könnten für viele Leser Nachteile darstellen, die ich bei dem Preis (derzeit 668 Euro bei Cyberport) in Kauf nehmen würde. Fakt ist, dass Canon in diesen Disziplinen bei anderen Objektiven bessere Ergebnisse abliefert.

Positiv: Für Portraits ist das Canon EF 17-40mm F/4,0L USM nicht geeignet, soll es aber auch nicht. Uneingeschränkt kann ich es für Landschaftsaufnahmen, für Reportagen und Reisen empfehlen. Durch das geringe Gewicht bläht es das Reisegepäck nicht unnötig auf und eine Blende 4 in Verbindung mit einem Stativ reicht für die meisten Einsätze vollkommen aus. Die gute Abbildungsqualität sowie die hohe Tiefenschärfe der L-Linse ab Blende f5.6 steht dem Platzhirsch Canon EF 16-35mm 2.8L bei gleichem Setting in Nichts nach. Der preisliche Abstand zeigt, dass Canon eine echte Alternative zum 1.200 Euro teuren Bruder anbietet. Wer also die negativen Punkte als kleine Mankos verbuchen kann spart hier richtig Geld. Geiz kann also auch Geil sein.

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