Zeitraffer und die Bildbearbeitung mit LRTimelapse

von Daniel Barantke

· 6 min Lesezeit

Zeitraffer und die Bildbearbeitung mit LRTimelapse

Professionelle Zeitraffer erstellen wird zum Kinderspiel
Immer öfter sieht man im Fernsehen und im Internet Zeitrafferaufnahmen in hoher Qualität. Das kann der Wetterbericht sein, der den vergangenen Tag eindrucksvoll in wenigen Sekunden zeigt, oder ein Video von einem Stadtfest, in dem man die Besucherströme vorbeiziehen sieht. In Dokumentationen werden häufig Zeitraffer eingesetzt, um bestimmte Situationen schneller abzuspielen. So kann man eine Blume in wenigen Sekunden wachsen sehen oder den Gezeitenwechsel an der Nordsee in rasender Geschwindigkeit beobachten. Aber auch immer mehr Fotografen nutzen diese Technik inzwischen, um stimmungsvolle Bilder zu zeigen. Besonders spektakulär sind dabei Aufnahmen von Sternen, die sich über den Nachthimmel bewegen. Darum, wie man solche Videos mit LRTimelapse erstellt, soll es pünktlich zum Start der Photokina im Folgenden gehen.
Wie entstehen Zeitraffer?

Die Annahme liegt nahe, dass man eine Situation mit der Videokamera über Stunden festhält und das fertige Video dann beschleunigt abspielt, um es als Zeitraffer ansehen zu können. Diese Art und Weise ist durchaus machbar, aber sie bringt schnell Probleme mit sich: Der riesige Speicherbedarf und die sehr schlechte Bearbeitungsmöglichkeit der Videos machen ein gutes Resultat unmöglich, außerdem kann man viele Szenen mit einer Videokamera praktisch nicht einfangen. So kann eine Videokamera keine echten Sternenbilder aufnehmen, da die Belichtungszeit viel zu kurz ist. Also heißt es umdenken und sich etwas anderes überlegen. Besser ist es, mit einer Fotokamera über mehrere Stunden hinweg die gewünschte Szene zu fotografieren und die fertigen Bilder in einer Software zusammenzufügen. Diese werden dann ähnlich wie ein Daumenkino abgespielt. So lassen sich fast unbegrenzt lange Zeiträume festhalten und es gibt sehr gute Bearbeitungsmöglichkeiten, die besonders nachts auch nötig sind.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt Fotograf Gunther Wegner in seinem Video:

Canary Skies – time lapse movie featuring the beautiful island of tenerife – lrtimelapse.com from gwegner.de on Vimeo.

Zeitrafferfotografie in der Praxis

Grundvoraussetzung für jeden Zeitraffer ist der sichere und stabile Standpunkt, um Bildverwackler zu vermeiden. Ein stabiles Stativ auf festem Untergrund versteht sich da von selbst. Für qualitativ hochwertige Aufnahmen wird natürlich auch eine SLR-Kamera benötigt sowie eine große Speicherkarte und ein programmierbarer Fernauslöser. Letzterer ist wichtig, um im vorgegebenen Intervall präzise auszulösen. Ein manuelles Auslösen würde zu leichten Erschütterungen führen und das Video wäre später nicht flüssig. Nikon-SLR-Kameras haben bereits eine passende Option dafür in den Einstellungen und brauchen dies nicht. Andere Kameras lassen sich teilweise sogar über einen Laptop steuern. In meinem Fall tat es eine einfache programmierbare Fernbedienung, die im vorgegebenen Intervall auslöst. Nachdem das Motiv gefunden ist und alles steht, kann es losgehen und die Fotos werden gemacht. Tipps für die optimalen Einstellungen gibt Gunther Wegner selbst in seinem Blog. Wichtig ist es natürlich auch, vorher für genug Speicherplatz zu sorgen. Eine 16-GB-Speicherkarte sollte man dringend verwenden, besser gleich mehrere, die man bei Bedarf schnell wechselt.

Bildbearbeitung als größte Hürde

Adobe Lightroom ist wohl die bekannteste Software, wenn es um Bildbearbeitung geht. Der kleine Bruder von Adobe Photoshop ist speziell für die Bearbeitung von Fotos optimiert und wird fast von allen Fotografen verwendet, da es alle nötigen Optionen zu einem geringen Preis bietet. Über diese Software wurde hier im Cyberbloc schon mehrfach berichtet, ich möchte somit nicht ausführlich darauf eingehen. Wir importieren die fertigen Fotos in Lightroom und fangen mit der Bearbeitung an. Nun kann man nicht jedes Bild einzeln unterschiedlich bearbeiten, da es dann zusammengefasst als Video zu Sprüngen und Flackern kommen würde; ein unschönes Ergebnis. Also bleibt uns nur übrig, ein Bild so zu bearbeiten, wie wir es gern hätten, und alle Einstellungen auf die anderen Bilder zu synchronisieren. Dies ist die einfachste, aber auch langweiligste und nicht fehlerfreie Methode, um einen Zeitraffer aus Bildern zu erstellen. Wie man daraus ein Video macht, erkläre ich später.

Einsatz von LRTimelapse

Nun möchte man nicht ein starres Bild ansehen und vielleicht auch mal einen Sonnenuntergang festhalten. Dann wird es nötig, die Belichtungszeit oder den Weißabgleich während in der Aufnahme anzupassen. Mit LRTimelapse kein Problem. Wir importieren alle Fotos in Lightroom und bearbeiten wieder das erste Bild so, wie wir es uns wünschen. Dazu setzen wir den Weißabgleich und wählen einen Bildausschnitt auf der linken Seite. Danach synchronisieren wir die Einstellungen auf alle Bilder. Jetzt nehmen wir das letzte Bild und bearbeiten dieses neu, setzen einen anderen Weißabgleich und wählen den Bildausschnitt etwas weiter rechts. Nun werden die angewendeten Einstellungen im Bild gespeichert. Genau diese Metadaten erkennt nun LRTimelapse und versucht, einen fließenden Übergang vom ersten zum letzten Bild zu erzeugen. Es verändert dabei jedes Bild zwischen den zwei selbst bearbeiteten so minimal, dass ein sanfter Übergang entsteht. Diesen Übergang kann man mit beliebigen Grafikkurven frei definieren. So kann man einen linearen Übergang erzeugen oder eine spezielle Kurve. Danach speichert man diese Einstellungen in LRTimelapse und lädt sie in Lightroom wieder hoch. Schon sieht man in den Vorschaubildern den sanften Übergang zwischen den Einstellungen. Nun ist der Weißabgleich überall perfekt angepasst und wechselt ganz allmählich vom ersten zum letzten Bild. Aus dem Bildausschnitt, der sich von Bild zu Bild minimal verändert, entsteht im Video eine flüssige Bewegung, als ob die Kamera sich bei der Aufnahme gedreht hätte. Jetzt wirkt das Video viel dynamischer und somit spannender.

Ein weiteres Video, das mit LRTimelapse erzeugt wurde

Weitere Highlights in LRTimelapse

Nun kann man diese Optionen nutzen, um spezielle Stimmungen und Bewegungen zu erzeugen, die Videos spannender machen. Auch Sprünge in der Belichtung, etwa bei einem Sonnenuntergang, lassen sich so ausgleichen. Eine andere Funktion von LRTimelapse nennt sich Deflicker. Wenn sich die Helligkeit der Bilder minimal ändert, weil die Kamera durch vorbeiziehende Wolken oder andere Lichter beeinflusst wurde, kann LRTimelapse auch diese ausgleichen. Hier genügt oft schon die automatische Einstellung, um ein perfektes Ergebnis zu erhalten. Das Flackern im Bild verschwindet völlig und ein hochwertiges Video kann entstehen.

Bilder zum Video zusammenfügen

Eine Option ist es, die fertigen Bilder in einer HD-Auflösung zu exportieren und in einem Programm zur Videobearbeitung zusammenzufügen und als Video zu speichern. Noch einfacher geht es aber mit Lightroom selbst, da das Programm eine Funktion liefert, um eine Diashow zu erstellen. Genau genommen ist dies nichts anderes, als was wir vorhaben. Allerding gibt es ein kleines Problem, den wir wollen ja nicht jedes einzelne Bild fünf Sekunden lang sehen, sondern alle Bilder schnell hintereinander abspielen, um ein Video zu erhalten. Dafür werden bekanntlich 24 Bilder pro Sekunde benötigt. Hierfür liefert Gunther Wegner die passenden Vorlagen für Lightroom, die man nur importieren muss. Schon kann man direkt in Lightroom das fertige Video im MP4-Format speichern.

Fazit und Empfehlung

Für jeden Fotografen, der sich für Zeitrafferfotografie interessiert, ist LRTimelapse ein Muss. Es gibt einfach keine nennenswerten Alternativen und das Programm ist ebenso simpel wie genial. Zusammen mit Adobe Lightroom ist es die perfekte Kombination für fantastische Videos und sogar recht preiswert erhältlich. Regelmäßig erscheinen neue Versionen, die einen noch größeren Funktionsumfang liefern und die bestehenden Optionen verbessern. Das Programm ist ausschließlich auf LRTimelapse erhältlich und zusammen mit Adobe Lightroom ist ein Muss für jeden mit einer Kamera. Adobe Lightroom ist bei Cyberport bereits für 70 Euro in der Studenten-Version erhältlich.

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