Klingt gut – Kopfhörer von Harman Kardon im Test

von Daniel Wiesendorf

· 36 min Lesezeit

Kann ein Produkt zu günstig sein? Diese Frage stellte ich mir, als ich eines meiner neuen Testgeräte, den Harman Kardon Fly ANC auspackte und aufsetzte. Seit einer Weile schaue ich mich nach Nachfolgern zu meinen Surface Headphones um, da diese größtenteils aus Plastik sind. Mehrere Risse zeigen, dass das nicht Microsoft’s beste Idee war. Die allseits beliebten Sonys gefallen mir persönlich nicht so gut, als dass ich sie mir kaufen würde. Was ich nicht auf dem Schirm hatte, obwohl ich selbst bereits einen AV-Receiver von der Marke einsetze und zufrieden bin? Die Harman Kardon Fly ANC. Sie lagen schlicht nicht in dem Preisbereich, den ich betrachtete, sondern waren mir mit unter 90 Euro zu billig. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

Neben den Fly ANC stellte man mir auch die Harman Kardon Fly TWS zur Verfügung. Während ersteres Over-Ears mit Active Noise Cancelling sind (daher der Name), sind letztere True Wireless In-Ears (TWS steht für True Wireless Stereo). Auch diese sind mit unter 70 Euro attraktiv bepreist. Warum mir beide Harman Kardon gut gefallen – und sie dennoch kein Hattrick sind, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Guter Sound, kleine Macken

Pro
  • Allgemein:
  • Guter, ausgewogener Klang
  • Klang lässt sich nach belieben verändern
  • Schlichtes, wertiges Design
  • Gute Haptik, Materialien & Verarbeitung
  • Macht robusten Eindruck
  • Sehr attraktiver Preis für das Gebotene
  • Fly ANC:
  • Verbindung mit zwei Geräten funktioniert reibungslos
  • Wechselt automatisch zum Gerät, das Audio ausgibt
  • Fly TWS:
  • Guter Sitz im Ohr
  • Für Voice Calls geeignet
  • Koppelt sehr schnell
  • Lautstärkeregelung des Smartphones per Touch-Gesten
Contra
  • Fly ANC:
  • Over-Ear-Konkurrenz bietet Ohren mehr Platz
  • Noise Cancelling schwach
  • Vereinzelt Bugs
  • Fly TWS:
  • Schaltet sich trotz Case oft nicht aus
  • Probleme beim Aufladen
  • Transparenz-Modus klingt unnatürlich
Unsere Gesamtbewertung4

Harman Kardon Fly ANC

Die Box der Over-Ear-Kopfhörer wird von einer matten Hülle aufgehübscht. Darauf dominiert ein Foto der Kopfhörer, ergänzt um die wichtigsten Features. Die Schachtel selbst ist schwarz und enthält das Hardcase der Kopfhörer. Darin stecken sowohl die Kopfhörer als auch das ganze Zubehör.

Das Hardcase hinterlässt einen guten Eindruck. Enthalten sind ein microUSB-Ladekabel, ein 3,5-Millimeter-Audiokabel für Notfälle sowie ein Adapter, um einen zweifachen 3,5-Millimeter-Monoanschluss nutzen zu können. Das ist zum Beispiel praktisch für Vielflieger. Aber Achtung: Am Kopfhörer ist eine 2,5-Millimeter-Klinkenbuchse. Das macht den Ersatz etwas schwerer.

Harman Kardon Fly TWS

Ähnlich ist auch der Aufbau der Verpackung für die In-Ear-Kopfhörer. Habe ich die bunte Papphülle abgenommen, schauen mich die Hörer durch ein Sichtfenster an. Das macht Lust auf mehr. Aufgeklappt erwartet euch dann eine Kurzanleitung mit Informationen zum Bluetooth-Pairing und der Bedienung. Darunter liegt das Ladecase sowie ein paar Schachteln, die zum Beispiel das kurze USB-C-Ladekabel, die Silikontips und die eigentlichen Kopfhörer enthalten.

Harman Kardon Fly ANC

Der ganze Kopfhörer fühlt sich wertig an. Sowohl die Ohrpolster, als auch das Kopfband und die Außenseite der Hörer sind vollständig in einem sich angenehm anfühlenden, veganen Leatherette gehüllt. Die Innenseite des Kopfbandes ist weich gepolstert, wobei ich schon üppigere Polsterung erlebt habe. Die Ohrpolster scheinen auf Memory Foam zu setzen und fühlen sich schön weich an, Marke „Lieblingssofa“.

Am Kopfband der Harman Kardon Fly ANC sind auf Ohrhöhe kleine, sechseinhalb Zentimeter große Kreise aus Metall befestigt, in denen vermutlich die gesamte Elektronik steckt. Dieser Teil kann in eine Richtung um 90 Grad gedreht und dann eingeknickt werden, um besser in die Transporttasche zu passen. Daran ist der eigentliche Hörer mit Lautsprecher und Polsterung flexibel befestigt, um sich nochmals besser an den Kopf anzupassen.

Das Kopfband lässt sich pro Seite um etwas über dreieinhalb Zentimeter herausziehen. Aber im Gegensatz zu Microsoft setzt Harman Kardon bei dieser stark belasteten Stelle auf Metall, sodass ich mir um Haltbarkeit keine Sorgen mache.

Zum Laden ist links ein microUSB-Port angebracht. Berührt ihr den Bereich um das Logo herum, könnt ihr eurem Google Assistant oder Amazon Alexa einen Befehl geben.

Die rechte Seite enthält neben der Kopfhörerbuchse und der Status-LED auch alle weiteren Bedienelemente – ob Power, Lautstärke, Play/Pause, Noise Cancelling oder Bluetooth-Pairing. Eine Entscheidung, die ich ungünstig finde, denn selbst gegen Ende des Tests habe ich die Position dieser Tasten nicht richtig verinnerlicht. Andere Modelle sind intuitiver aufgebaut.

Insgesamt hinterlässt der Kopfhörer trotz kleinerer Schwächen in der Bedienung einen positiven Eindruck, gerade im Vergleich zu mancher Premium-Konkurrenz wie die Surface Headphones und die Sony WH-1000XM4. Auch meine neuen Dali IO-4 (knapp 300 Euro für reine Bluetooth-Hörer ohne Noise Cancelling) wirken billiger und setzen mehr auf günstiges Plastik. Immerhin retten die Sennheiser Momentum die Ehre des Premium-Segments.

Das mitgelieferte Hardcase hinterlässt einen guten Eindruck. Es ist so stabil gebaut, dass die Kopfhörer im Inneren gut geschützt sind. Das ist praktisch, da man es mit der Schlaufe zum Beispiel via Karabinerhaken am Rucksack befestigen kann. Der Reißverschluss ist so gestaltet, dass das wertvolle Innere trocken bleibt und nicht zerkratzt wird. Mein einziger Kritikpunkt ist das Zubehörfach für Ladekabel und Co., denn die Öffnung schließt nicht eng mit dem Gehäuse ab. So fällt der Inhalt ganz leicht aus dem dafür vorgesehenen Platz heraus und kommt mir beim Öffnen entgegen.

Übrigens: Wenn ihr euch die JBL Live 650BTNC anseht, könnte der Eindruck von Badge-Engineering aufkommen. In der Automobilbranche ist das eine gängige Praxis, bei dem ein und dasselbe Modell von verschiedenen Herstellern angeboten wird – nur mit anderem Logo und kleinen kosmetischen Änderungen. Nun besitzt Kollegin Maria zufälligerweise die JBL Live 650BTNC. Das Modell hat definitiv einen sportlicheren Look, setzt dabei aber auf deutlich mehr Stoff und Plastik. Positiv hingegen ist, dass die Ohrpolster im Inneren etwas mehr Platz bieten.

Harman Kardon Fly TWS

Selbst, wenn der Fly ANC ein Fall von Badge-Engineering ist, hat sich Harman Kardon Mühe gegeben, ANC und TWS aneinander anzugleichen. So ist die obere Hälfte des Ladecase mit demselben Leatherette wie der Over-Ear-Kopfhörer bezogen. Einen Zwilling konnte ich im Sortiment von Harman International nicht entdecken.

Das gesamte Gehäuse ist gut abgerundet, auch an den Kanten, an denen man die Hülle öffnet. Im Vergleich zu einem Billigmodell, das ich für Notfälle habe, ist das ein nettes Design-Detail. Einzig eine minimale Abweichung in der Größe beider Gehäusehälften fällt mir leicht negativ auf. Möglicherweise ist der Leatherette-Bezug schuld.

Ähnlich wie bei einem MacBook ist die untere Hälfte zudem in der Mitte eingedrückt, damit das Öffnen besonders leicht fällt. Das klappt auch, wobei ich die Taste samt Federmechanismus bei den Bose SoundSport Free bevorzugte.

Auf der Rückseite ist ein USB-C-Anschluss zum Aufladen. Daneben eine LED, die anzeigt, wenn das Case bald leer ist, gerade geladen wird oder bereits voll aufgeladen ist. Über Zwischenschritte werde ich nicht informiert.

Die Unterseite, die die Ohrhörer sowie den Akku beherbergt, ist vollständig aus matten Plastik gefertigt. Ich sehe hier zwei Löcher – eines ist die LED, die zum Beispiel den Bluetooth-Status anzeigt. Das andere Loch ist die Bluetooth-Kopplungs- und Hard-Reset-Taste, die etwas nach innen versetzt wurde und nur mit einem spitzen Gegenstand wie einer Büroklammer oder einem SIM-Karten-Tool erreichbar ist. Glücklicherweise geht das Pairing aber auch direkt am Hörer. Die App erklärt wie.

Das äußere Ende beider Hörer steht ungefähr einen Zentimeter weit von der Basis ab, sodass die Entnahme mit zwei Fingern sehr leicht fällt. Umgekehrt ist es auch ein Leichtes, diese wieder in die Hülle zu stecken. Einfach in das richtige Loch führen, Magneten kümmern sich um den Rest.

Die Ohrhörer selbst fassen das Design der Fly ANC wieder auf: Leatherette, das von einem silbernen Ring umrandet wird. Auf Logos verzichtet Harman Kardon jedoch. Auf der dem Ohr zugewandten Seite ist gut lesbar aufgedruckt, um welche Seite es sich handelt. Außerdem sehe ich die drei Ladekontakte. Insgesamt ein elegantes, wertiges Design.

Die Leatherette-Oberfläche ist berührungsempfindlich und wird zur Steuerung der Kopfhörer genutzt. Wische ich links nach vorne, kann ich entweder „TalkThru“ oder „Ambient Aware“ aktivieren, um mit anderen zu reden beziehungsweise Umgebungsgeräusche zu hören. Einmal, doppelt und dreifach tippen sowie gedrückt halten dient der Steuerung des Sprachassistenten. Auf dem rechten Hörer wische ich vor oder zurück, um die Lautstärke zu ändern. Einmal tippen startet oder pausiert die Wiedergabe, doppelt und dreifach springt zum nächsten oder vorherigen Titel. Und wische ich rauf, rauf, runter, runter… ok, ganz so schwer ist es nicht: tippe ich einmal kurz und dann halte dann gedrückt, bringe ich den Kopfhörer in den Kopplungsmodus.

Harman Kardon Fly ANC

Wenn man einen über lange Zeit bequemen Kopfhörer herstellen möchte, gibt es eine Grundregel: Der Hörer darf das Ohr nicht berühren. Ich bin an der Stelle sehr empfindlich, jeder noch so kleiner Kontakt irritiert mich auf Dauer extrem. Die meisten Firmen halten sich auch an diese Regel: Wenn es ein Over-Ear-Kopfhörer ist, lassen sie genug Platz für die Ohren, daher der Name. Bei den meisten Modellen, die ich ausprobiert habe, reicht es locker habe (Sony WH-1000XM4, Bose Noise Cancelling Headphones 700, Apple AirPods Max, Microsoft Surface Headphones, Beyerdynamics DT990). Irgendwie scheinen Harman Kardon (und Dali) das Memo aber nicht erhalten zu haben. Bis auf in einer speziellen Position schaffe ich es nicht, Kontakt zu vermeiden. Bewege ich den Kopf, verrutscht der Hörer dann auch prompt und es wird wieder unangenehm. So kann eine halbe Stunde reichen, bis ich eine kurze Pause brauche. Kollegin Maria hat hingegen keine Probleme – hier hilft leider nur ausprobieren.

Im direkten Vergleich mit meinen zweigeteilten Surface Headphones sind die Polster ähnlich geräumig, aber während bei Microsoft die Kontaktfläche mit dem Kopf die breiteste Stelle ist und nach innen hin mehr Platz zur Verfügung steht, wird das Polster der Harman Kardon erst einmal noch breiter. Übrigens, die größtenteils baugleichen JBL Live 650BTNC gehen meinen Lauschern etwas besser aus dem Wege.

Das ist alles sehr schade, denn am künstlichen Leder habe ich ebenso wenig wie an der sich sehr weichen Polsterung mit Memory Foam auszusetzen. Passen die Ohren, sind diese Kopfhörer richtig bequem.

Harman Kardon Fly TWS

Bei diesem Modell macht Harman Kardon es in puncto Tragekomfort deutlich besser, denn nachdem ich auf die kleinsten der drei mitgelieferten Silikonaufsätze gewechselt habe (bei den meisten In-Ears nutze ich die Mittleren), drückt es nicht mehr unangenehm im Ohr. Auch längeres Tragen funktioniert ganz gut, wobei dem – wie bei vielen anderen In-Ear-Kopfhörern – Grenzen gesetzt sind.

Zwar werden die Fly TWS nicht explizit als Sportkopfhörer beworben, aber da sie schweißresistent sind, probiere ich es trotzdem. Und siehe da: Ich kann eine Stunde joggen, ohne dass ich nachjustieren muss.

Harman Kardon Fly ANC

Sind die Fly ANC eher Kopfhörer für den kurzen Trip ins Büro, da der Komfort eine kleinere Rolle spielt? Für diese These spricht das kompakte Packmaß. Doch ist dabei das Noise Cancelling besonders wichtig, um Bahngeräusche auszublenden. Die Stärke des Noise Cancellings ist dem Preis angemessen, wobei Premium-Konkurrenten wie die deutlich teureren Sony WH-1000XM4, Bose Noise Cancelling Headphones 700 und Surface Headphones Umgebungsgeräusche besser entfernen. Wie bei der Konkurrenz rauscht es bei aktiviertem Noise Cancelling ein wenig.

Schalte ich das Noise Cancelling aus, verändert sich der Sound spürbar. Es wird luftiger, allerdings macht der Bass eine Zigarettenpause. Da der Equalizer aber auch ohne Noise Cancelling funktioniert, kann ich den verlorengegangenen Bass auch wieder zurückrufen.

Einen Transparenz-Modus hat Harman Kardon nicht implementiert.

Harman Kardon Fly TWS

Die In-Ears vertrauen auf die passive Isolation der Ohrstöpsel. Das klappt soweit ganz gut, bewirkt aber keine Wunder. Damit ich bei Bedarf besser höre, was um mich herum geschieht, kann ich „TalkThru“ oder „Ambient Aware“ aktivieren.

„TalkThru“ hilft ein wenig dabei, den Gesprächspartner zu verstehen. Einen natürlichen Sound wie bei manchen anderen Kopfhörern gibt es nicht, allerdings kosten die auch deutlich mehr. Ähnlich sieht es bei „Ambient Aware“ aus, das zum Beispiel beim Joggen im Straßenverkehr helfen soll. Die Stärke ist allerdings nicht einstellbar und eher subtil, sodass es nur eingeschränkten Schutz gibt. Die einzigen anderen Hörer mit dieser Funktion, die ich ausreichend kenne, sind die Surface Headphones und die Bose Noise Cancelling Headphones 700, deren Transparenz-Modus deutlich besser ist. Das sind aber auch Over-Ears.

Harman Kardon Fly ANC

In Zeiten von Home Office ist die Telefoniefunktion immer wichtiger, auch wenn sie von den Herstellern gern stiefmütterlich behandelt wird. So kann mich die Sprachqualität bei Sony zum Beispiel nicht überzeugen, während Bose bei den 700ern ganz Großes leistet. Und die Harman Kardon Fly ANC? Sie liegen vermutlich irgendwo dazwischen. Meine Gesprächspartner können mich verstehen, solange meine Umgebung nicht zu laut ist. Bei Meetings staubsaugen fällt daher weg (bei den Bose ist ein Telefonat möglich, lediglich leichte Hintergrundgeräusche kommen noch beim Gesprächspartner an).

Doch leider gibt es einen Haken: Während die Qualität mit meinem MacBook Pro gut genug ist, scheint mein Xiaomi Mi Note 10 Pro das falsche Bluetooth-Profil zu nutzen. Wer die ganz alten Bluetooth-Headsets kennt, mit denen wichtige Menschen die ganze Zeit telefoniert haben, hat eine Idee wie das hier klingt. Es klingt nach Telefonieren im C-Netz. Oder mit einem Wählscheibentelefon. Ich weiß nicht, woran das liegt, denn jede andere Kombination, ob das Xiaomi mit anderen Kopfhörern oder die Harman Kardon mit anderen Smartphones funktioniert einwandfrei.

Harman Kardon Fly TWS

Die kleinen Stöpsel funktionieren zuverlässig, auch wenn in Sachen Sprachqualität keine Wunder zu erwarten sind. Das Mikrofon ist eben weit weg vom Hörer. Die Kollegen beschweren sich nicht und verstehen, was ich sage, aber auch hier fehlt es an weiteren Mikrofonen zum Filtern der Störgeräusche.

Ich komme nun zur Paradedisziplin der Harman Kardon und dem Grund, warum mich beide Kopfhörer ein wenig frustrieren. Hier schlummert Großes, was von diversen kleineren Schwächen heruntergezogen wird.

Zum Vergleich dient mir meine Hi-Fi-Anlage, bestehend aus dem Vollverstärker 6000A von Audiolab sowie den Focal Kanta N°1. Unterstützung gibt es im Tieftonbereich vom Bowers & Wilkins DB4S, der Zuspieler ist ein Raspberry Pi 4 mit Digi2 Pro Aufsatz. Zwischendurch setze ich auch, Spoiler, einen Bluesound POWERNODE als Verstärker und Streamer ein. Musikquelle sind sowohl Tidal als auch Apple Music, jeweils in der höchsten Qualitätsstufe. Zudem schließe ich meine Kopfhörer, die Beyerdynamic DT990 Pro 250 Ohm an den Audiolab an. Für ein oder zwei Lieder habe ich mir zudem die vermeintlich baugleichen JBL Live 650 BTNC meiner Kollegin Maria ausgeliehen. Auch meine neuen Dali IO-4 sollen Erwähnung finden.

Harman Kardon Fly ANC

Je nachdem, wie die Kopfhörer eingestellt sind und genutzt werden, ändert sich der Sound. Auch spielt es eine Rolle, ob ich meine Brille aufgesetzt habe oder nicht. Ich entschließe mich erst einmal, mit aktiviertem Noise Cancelling zu testen. Wie es ohne Noise Cancelling oder mit Kabel klingt fasse ich am Ende des Abschnittes zusammen.

Bei Little Sadie von Crooked Still ist die Sängerin Aoife O’Donovan ganz nah an mir dran. Rechts von ihr steht der Cellist, links ein Banjospieler. Das wirkt ausgewogen. Doch im Vergleich zu meiner Anlage verwischen die einzelnen Töne des Banjos ein wenig, sie könnten noch etwas feiner herausgearbeitet und voneinander getrennt sein.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Not a Woman von Rebekka Bakken. Der gesamte Sound ist gut, zum Beispiel die Bühne. Frau Bakken steht in der Mitte, ihre Backgroundsänger sind breiter aufgestellt, nehmen einen größeren Raum um die Mitte herum ein. Indes fehlt die luftige Leichtigkeit eines offenen Kopfhörers, der idealerweise auch noch den Sound vor den Hörer projiziert. Stattdessen spielt sich die Musik zwischen den Ohren ab. Es kristallisiert sich ein Muster heraus, denn auch hier geht es noch etwas detaillierter und lebendiger. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau.

Sultans of Swing der Dire Straits ist ein immer wieder gern gehörter Gast, wenn es darum geht, die Klangqualität zu evaluieren. Schließlich ist die Aufnahme nahezu perfekt, mit ausgewogenem Sound, einer tollen Bühne, vielen Details und Stereo-Effekten. Auf den Harman Kardon werden für meinen Geschmack die Mitten etwas zu sehr betont, mit einem Hauch zu aggressiven Gitarrenklängen. Allerdings profitiert Mark Knopflers Gesang, der – wie Stimmen allgemein – etwas klarer wirkt. Insgesamt wirkt alles leicht gepresst und hat nicht ganz die Spielfreude, den die Aufnahme an den Tag legt. Ähnlich geht es den locker leicht gespielten Gitarrenspielereien, die links und rechts der eigentlichen Musik immer wieder einzelne Klänge von sich geben. Alles ist da, löst sich aber nicht so gut in den Raum. Das können sowohl meine Anlage als auch, eingeschränkt, meine offenen Kopfhörer besser. Im oberen Bassbereich würde ich mir etwas Zurückhaltung wünschen – wobei das bei den Harman Kardon kein Problem ist, denn der Equalizer lässt selbst AV-Receiver im guten vierstelligen Preisbereich alt aussehen.

Creep von Radiohead ist ein Lied, dessen Drums je nach Anlage oder Kopfhörer richtig beißen können, weil sie etwas zu spitz aufgenommen wurden. Die Harman Kardon Fly ANC nehmen diese ein wenig heraus, sodass alles noch gerade so im sicheren Bereich bleibt. Die Beyerdynamic sehen die Schmerzgrenze, steuern genau darauf zu und rennen Stirn voraus mit Schwung durch. Das ist zwar sehr praktisch, wenn man im Studio ein Album abmischt und vermeiden möchte, dass es beißt. Für den regulären Musikgenuss gefällt mir der Ansatz von Harman Kardon aber besser. Was mir auch gefällt, ist der Crunch in den härteren Gitarrenpassagen. Ich kann jedes einzelne Strumming hören, schließlich bestehen die langen Töne aus vielen einzelnen Strums. Worin meine Anlage hingegen auftrumpft, ist, noch ein kleines bisschen natürlicher zu klingen. Die Harman Kardon hat im direkten Vergleich etwas von Konserve. Angesichts des enormen Preisunterschieds leicht verschmerzbar.

Ein weiterer fantastischer Demo-Song ist Hanuman von Rodrigo y Gabriela. Man stelle sich zwei Akustikgitarristen vor, die sich gegenseitig unterstützen und begleiten, ihre Gitarren als Trommel verwenden und mehr. Das macht ohne Zweifel Spaß auf den Harman Kardon. Es verhärtet sich allerdings der Eindruck, dass die Harman Kardon allgemein einen Hauch künstlicher und digitaler, klinischer klingen.

Den Bass teste ich mit Chameleon von Trentemøller. Egal wie tief es wird, die Ohren dürfen mitflattern.

Aber wie ausgewogen ist der Bass? Dafür greife ich zum nächsten Lied: Axel ThesleffBad Kharma. Es fängt leise, mit allerlei Geräuschen an – Schallplattenknistern, verzerrten Tönen, die schnell von Seite zu Seite pendeln. Keine große Herausforderung für die Fly ANC. Und dann kommt der Bass hinzu. Der ist leider zu präsent, überdröhnt Feinheiten im Mix und wird leicht unangenehm. Um fair zu bleiben, sind die Kopfhörer dennoch vergleichsweise schlank abgestimmt. Andere bieten noch mehr Bass, von Sony würde ich gerade bei Trentemøller sogar Kopfschmerzen und Übelkeit erwarten.

Außerdem hängt es vom Einsatzzweck ab: Unterwegs, gerade zu Fuß oder im Bus, gibt es jede Menge tiefe Frequenzen, die subtile Bässe überdröhnen würden. Da hilft die Bassanhebung. In einem stillen Raum ist das hingegen für mich zu viel – aber dafür gibt es ja den Equalizer, mit dem ich das Problem in den Griff kriegen kann. Die Popularität der Sony WH-1000XM4 zeigt zudem klar, dass viele auf Bassduschen stehen.

Wie sieht es mit der Geschwindigkeit aus? Infected Mushroom’s Becoming Insane fängt mit sehr abrupt gespielten Akustikgitarren an, die Noten tauchen schlicht aus dem Nichts heraus auf. Auch die anderen Sounds, die hin und her wandern sowie ein knallhart stampfender Kickbass sind direkt davor mucksmäuschenstill. Diese Dynamik der einzeln zusammengeklickten Klänge kommt bei Harman Kardon sehr gut rüber, während meine Anlage ein wenig träger ist. Erst, wenn ich die Lautstärke auf ungefähr 100 bis 105 Dezibel anhebe – Werte, die man sonst von Konzerten kennt – wirkt es genauso flott. An diesem Punkt ein Gruß an die Nachbarn.

Für meinen Geschmack klingen die Harman Kardon ziemlich gut, wenn ich zu Hause in Ruhe Musik genießen möchte. Immer wieder ertappe ich mich beim Mitwippen. Der Sound ist fein und ausgewogen, klingt aber etwas gepresst, komprimiert und leicht künstlich. Dennoch schlägt er auch die teurere (kabellose) Premium-Konkurrenz, und das für unter 90 Euro. Und sollte euch der Sound nicht gefallen, kein Problem. Dank unglaublich fein einstellbarem Equalizer könnt ihr die Kopfhörer ganz nach Wünschen anpassen.

Aber wie sieht es nun ohne Noise Cancelling aus? Erst einmal denke ich, dass die Bässe weg sind. Stimmt aber nicht, sie sind in erster Linie nur subtiler, ein wenig zu schlank. Ziehe ich meine Brille aus, schafft es der Kopfhörer, meine Ohren vollständig zu umschließen und es klingt wieder ausgewogener und satter, auch wenn der Unterschied klein ist. Den Effekt kennt ihr vielleicht von In-Ears, wenn sie nicht perfekt im Ohr stecken. Dank des Equalizers muss ich aber nicht wie ein Maulwurf durch die Gegend rennen, sondern hole mir den Bass einfach durch eine leichte Anhebung zurück. Ich wende wie bei den Fly TWS den Trick an, eine gerade Linie zwischen den tiefsten und den höchsten Frequenzen zu ziehen. So wird der Bass satter, ohne dass der Rest des Klangs leidet.

Viel mehr muss ich nicht tun. Der Sound ist etwas luftiger als zuvor, mit klareren Höhen und weniger Anstrengung. Ich mag es. Ob richtig tiefe Bässe bei Trentemøller, schnelle Sounds und detailverliebte Klang-Spielerei bei Undone von Spaces und Sarah De Warren oder die Natürlichkeit einer Liveaufnahme wie Mediterranean Sundance von Al Di Meola, John McLaughlin und Paco de Lucía. Ja, es geht immer noch etwas mehr, aber die Kopfhörer profitieren vom deaktivierten Noise Cancelling.

Der Vergleich zu den Dali IO-4 zeigt, dass diese nochmals mehr unter der Brille leiden, der Verlust des Basses wird richtig deutlich. Und mangels Equalizer bleibt nur der Versuch, durch Drücken doch noch eine gute Verbindung mit dem Kopf aufzubauen. Oder auf Kontaktlinsen zurückzugreifen. Dafür brilliert der obere Mitteltonbereich sowie die Höhen mit einer beeindruckenden Auflösung und Klarheit. Dagegen wirken die Harman Kardon und viele andere Kopfhörer dumpf. Aber: Zumindest teilweise kann ich das wieder durch vorsichtigen EQ-Einsatz ausgleichen – ganz erreiche ich die Qualität der Dali allerdings nicht. Und nach einigen Tagen weicht das Material soweit auf, dass gute Isolation möglich ist.

Und dann besteht noch die Möglichkeit, die Kopfhörer mit Kabel zu betreiben. Das funktioniert ebenfalls gut, besser als ich es von anderen Modellen gewöhnt bin. Ich würde sagen, dass es dem Sound ohne Noise Cancelling und ohne Equalizer ähnelt. Vorausgesetzt, die Kopfhörer sind aus. Schalte ich sie ein, gefällt mir der Sound etwas besser.

Harman Kardon Fly TWS

Zusammengefasst gefallen mir die Großen schon einmal gut, aber wie sieht es mit den Kleinen aus?

Wie so oft steige ich mit 5 pm von Die Happy ein – das mag auch daran liegen, dass es in meiner Playlist ganz oben ist. Aber der Song hat auch vieles, worauf ich achte. Er ist gut aufgenommen, hat dank des Schlagzeugs klare, spitze Höhen, der Bassist spielt deutlich hörbare und schön melodische Basslinien. Die Fly TWS weigern sich, auf die Bass-Tube zu drücken. Bildlich gesprochen, bekommen wir hier kleine Portiönchen in einem 5-Sterne-Restaurant statt XXL-Schnitzel mit Pommes und jeder Menge Soße. Qualität statt Quantität. Diese Zurückhaltung gefällt mir, denn es nervt nicht. In den Höhen scheppert es schon mehr, wirkt gedrängter, nicht mehr so sauber. Feinheiten bei der E-Gitarre gehen manchmal ein wenig unter.

Für meinen Geschmack könnten sich die Höhen etwas zurückhalten. Aber das liegt dank des Equalizers ja in meiner Hand. Probehalber habe ich einfach einen glatten Verlauf von 32 zu 16.000 Hertz eingestellt, sodass die höchsten Frequenzen 2 Dezibel leiser sind als die tiefsten. Der Effekt ist subtil, hilft aber dabei, meine Nerven zu schonen und Feinheiten sauberer herauszuarbeiten. So gefallen mir auch andere Rocknummern wie Stop the Clocks der Donots gut. Übrigens, möchtet ihr mehr Bassfundament, kann es reichen den niedrigsten Punkt um ein oder zwei Dezibel anzuheben. Der Vorteil ist, dass ihr dabei nicht deutlich verfärbt, sondern der Sound lediglich subtil satter wird.

Rebekka Bakken’s Downtown wird nie alt und eignet sich ebenfalls sehr gut zur Evaluierung von Audio-Equipment. Ob dynamisches Schlagzeug, das nicht im Mix untergeht, interessante, raue Stimme oder schreiende Trompeten. Ein rundes Gesamtpaket, das mir auf den Fly TWS Spaß macht.

Dieses Mal möchte ich auch einen Herren dazu nehmen: James Darren, „Star Trek“-Fans vielleicht als Vic Fontaine bekannt. Auf This Ones from the Heart holt er seinen inneren Sinatra heraus. Dieser Big-Band-Sound erfordert es, dass die Kopfhörer viele Instrumente, die quer über die Bühne verstreut sind, klar und getrennt voneinander abspielen. Erkenne ich bei It’s only a Paper Moon ganz links ein Xylophon? Tiefe Noten auf dem Piano sind eher links zu verorten, die hohen Töne kommen von rechts. Und bei I’ve got the World on a String wandert die Trompete in die Mitte links. Da stehen auch die Streicher. Eigentlich sollte ich auch mal auf meine Anlage umschalten, aber das macht gerade zu viel Spaß. Als ich es doch mache, schafft sie es nochmal eine Spur besser, Feinheiten zu zeigen und Musiker zu platzieren. Variationen im Spiel, zum Beispiel beim Schlagzeuger, sind auffälliger.

Streicher, Piano, E-Gitarre, Bass, Synthiesounds und dazu eine sanfte Stimme, die die Welt gesehen hat: Âme fifties von Alain Souchon deckt ein breites Feld ab. Bei den Fly TWS entgeht mir nichts. Aber es fehlt auch etwas an Volumen. Ich habe nicht den Eindruck, als ob Souchon in meinem Wohnzimmer steht.

Für tiefe Frequenzen packe ich den Dampfhammer aus: Sub Bass Excursion von Bassotronics und Bass Mekanik. Lautsprecher sind bei diesem Lied grundsätzlich überfordert, die kleinen Ohrstöpsel nicht. Ich habe fast das Gefühl, dass es in meinem Kopf vibriert.

Harman Kardon Fly ANC

Harman Kardon gibt eine Akkulaufzeit von 20 Stunden bei aktiviertem Noise Cancelling an. Ist es deaktiviert, sind es sogar 30 Stunden. An diesen Zahlen habe ich keinen Zweifel, gefühlt halten die Kopfhörer Ewigkeiten durch.

Die hervorragende Akkulaufzeit wird mir einmal sogar zum Verhängnis, als ich die Kopfhörer aufgrund eines Bugs nicht ausschalten konnte. Doch dazu später mehr.

Müsst ihr doch irgendwann aufladen, geschieht dies über eine microUSB-Buchse. Gut, dass das Kabel mitgeliefert wird, denn ich bin eigentlich längst auf USB-C umgestiegen. Beachtet auch, dass sich die Kopfhörer beim Ladevorgang ausschalten.

Harman Kardon Fly TWS

Angegeben sind sechs Stunden Wiedergabezeit der Hörer sowie weitere 14 Stunden von der Ladebox. Die Werte erscheinen mir realistisch und sind für meinen Alltag ausreichend.

Nähert sich der im Case eingebaute Akku null Prozent, fängt die LED in der Nähe der USB-C-Buchse rot zu blinken an. Beim Aufladen leuchtet sie dann durchgängig rot. Ist der Ladevorgang beendet, bleibt die LED aus.

Leider ist es mir auch schon passiert, dass ich den Kopfhörer für ein Meeting aus der Hülle genommen habe und feststellen musste, dass der Akku so gut wie leer ist. Fünf Minuten später schaltet das Smartphone auf den eingebauten Lautsprecher. Also wieder rein ins Case. Wenige Sekunden später merken die Kopfhörer, dass sie wieder Strom haben, kriegen aber nicht mit, dass sie im Case sind. Das Ergebnis: Ich höre meine Kollegen nicht mehr, denn der Ton dringt nun leise aus dem Case. Strom hatte dieses übrigens mehr als ausreichend, denn als ich die Hörer eine halbe Stunde später herausnehme sind sie bereits voll aufgeladen.

Um beide Kopfhörer zu nutzen braucht ihr keine App, trotzdem empfehle ich die Installation der „Headphones“-App von Harman Kardon. Sie ermöglicht die Steuerung fortgeschrittenerer Funktionen wie dem Noise Cancelling, dem Pass-Through-Modus, die Einrichtung eines Sprachassistenten und des Equalizers.

Sowohl die initiale Einrichtung als auch das erneute Verbinden beim Start der App klappen reibungslos. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit.

Mein Highlight ist der Equalizer, der alle, die ich bisher gesehen habe, übertrifft. Einzige Ausnahme sind Anwendungen wie Audacity oder Adobe Audition, die zur Bearbeitung von Musik gedacht sind. Es handelt sich um einen parametrischen Equalizer mit einer scheinbar unbegrenzten Anzahl an Punkten, die ihr per Touch hinzufügt beziehungsweise verschiebt. Das heißt, ihr stellt die Frequenzen ein, die ihr anheben oder absenken möchtet. Und zwar ganz nach eurem Wunsch. Zwischen den Punkten wird eine Kurve gezeichnet, damit es nicht so abrupt ist. Solange euer Finger das Display berührt, wird am Rand sowohl die genaue Frequenz in Hertz als auch die Stärke in Dezibel angezeigt.

Das Ergebnis? Ihr könnt selber die Abstimmung der Kopfhörer vornehmen. Anstatt das Gerät nach eurem Geschmack auszuwählen, oder sich gar dem Kopfhörer anpassen zu müssen, erhaltet ihr genau den Sound, den ihr euch wünscht. Aber bereits ab Werk klingen die Kopfhörer neutraler als die meisten Konkurrenten, besonders bei deaktiviertem Noise Cancelling. Zudem gibt es ein paar fertige Profile, zum Beispiel Jazz, Vocal und Bass. Auch bei der Anzahl der eigenen Klangprofile finde ich keine Grenze, bei 15 habe ich aufgegeben. Den meisten sollte das in jedem Fall ausreichen.

Die letzten aktivierten Einstellungen bleiben in den Kopfhörern gespeichert, sodass ihr natürlich auch zwischen den Quellgeräten wechseln könnt und die App nur zum Ändern benötigt. Leider scheint sich aber hin und wieder etwas aufzuhängen – dann werden die Einstellungen beim Tweaken nicht übernommen, bis ich die „Headphones“-App neu starte.

Harman Kardon Fly ANC

Starte ich die App und wähle die Fly ANC aus, wird mir der Ladestand angezeigt und angeboten, das Noise Cancelling zu deaktivieren. Und natürlich steht mir der Equalizer und der Check nach Updates zur Verfügung.

Harman Kardon Fly TWS

Die App ist identisch aufgebaut, bietet jedoch ein paar andere Optionen. So gibt es hier „TalkThru“, das beim Sprechen mit anderen helfen soll und „Ambient Aware“, das allgemein Umgebungsgeräusche ins Ohr leitet.

Wie weiter oben erwähnt, kann die Musik pausieren, wenn ein Hörer aus dem Ohr genommen wird. Wenn ihr wollt, könnt ihr dieses Feature aber auch deaktivieren, ebenso wie die Funktion, die Kopfhörer bei Nichtgebrauch automatisch auszuschalten.

Und falls ihr eure Kopfhörer verlegt habt, existiert eine Suchfunktion bei der Geräusche mit maximaler Lautstärke abgespielt werden. Gerade im Case braucht ihr dann aber sehr empfindliche Ohren und einen leisen Raum.

Damit komme ich zu einem meiner Hauptprobleme mit den Kopfhörern. Leider haben sich einige Bugs eingeschlichen, die auch bei der zum Testzeitpunkt neusten Firmware-Version noch nicht behoben wurden.

Harman Kardon Fly ANC

Grundsätzlich kann ich wenig Negatives berichten. Die Kopfhörer funktionieren, switchen zwischen verschiedenen Endgeräten und sind schnell gekoppelt.

Doch einmal habe ich die Kopfhörer ausgeschaltet, weil ich meinen Ohren eine Pause gönnen wollte, und stattdessen über das Smartphone gehört. Ein paar Sekunden später ist der Ton aber aus und ich höre leise Stimmen aus den Kopfhörern. Habe ich sie doch nicht ausgeschaltet? Verwirrt betätige ich den Schieberegler erneut. Das Smartphone ist nicht mehr gekoppelt, der Ton kommt aus dem internen Lautsprecher. Für ungefähr 15 Sekunden, denn dann sind die Kopfhörer wieder an und nehmen sich den Sound erneut. Dieses Spiel ging so lange, bis ich entnervt Bluetooth am Smartphone deaktiviert habe. Ich musste dann warten, bis der Akku leer war – was aufgrund der guten Akkulaufzeit sehr lange gedauert hat. Hätte Harman Kardon mal einen Schiebeschalter verbaut, der die Kopfhörer richtig vom Strom trennt… Auf die Möglichkeit, die Kopfhörer zurückzusetzen kam ich allerdings nicht.

Außerdem bleibt das System auch manchmal beim Einstellen des Equalizers hängen. Da hilft dann nur, die App neuzustarten.

Richtig gut finde ich hingegen, dass ich zwei Devices gleichzeitig mit den Kopfhörern verbinden kann. Das geht wie ich finde sehr reibungslos. Spiele ich etwas Musik auf dem Smartphone ab, kommt der Ton vom Telefon. Pausiere ich das und starte ein Video auf dem Notebook, wechseln die Kopfhörer automatisch – und das mit minimaler Verzögerung. Dali kann sowas zum Beispiel nicht, und kostet dabei je nach aktuellen Angeboten zwei- bis viermal so viel.

Ebenfalls cool: Trotz SBC sind die Kopfhörer lippensynchron, sie eignen sich daher für Serien und Filme. Das ist gut (und leider nicht selbstverständlich), denn einige aktuelle Fernseher bieten inzwischen die Möglichkeit, den Ton unkompliziert via Bluetooth an Kopfhörer auszugeben.

Harman Kardon Fly TWS

Mit den Fly TWS macht Harman Kardon etwas Interessantes. Während In-Ears sich sonst erst mit der Entnahme aus der Ladeschale aktivieren, geschieht dies bei den Fly TWS bereits beim Öffnen der Hülle. Das hat den Vorteil, dass sie bereits gekoppelt sind, wenn ich sie ins Ohr setze. Und sind sie mit der App gekoppelt, erscheint beim Öffnen kurz auch der Akkustand pro Seite. Wie bei den AirPods pausiert die Wiedergabe, wenn ich sie aus dem Ohr nehme und geht weiter, wenn ich sie wieder einstecke. Das finde ich alles sehr praktisch.

Auch die Lippensynchronität ist lobenswert, denn einige Bluetooth-Kopfhörer und -Speaker tun sich damit schwer.

Doch leider beschränkt sich die Familienzugehörigkeit nicht nur auf das Design – denn fehlerfrei sind auch diese Hörer nicht. Eigentlich sollen die Kopfhörer aus gehen, wenn ich sie wieder in das Case stecke. Bedauerlicherweise klappt das öfters nicht. Dann bleiben sie an und musizieren weiter. Das Problem haben zwar auch die Bose SoundSport Free gehabt, aber nur, wenn der Akku der Hülle leer ist. Bei den Fly TWS passiert es aber in jeder Situation. Entnehmen und wieder einsetzen hilft.

Bei den Fly-Modellen von Harman Kardon tue ich mich schwer. Einerseits klingen sie für mich gut, besser noch, als alles, was ich in dieser und der darüberliegenden Preisklasse erwarten würde oder erlebt habe. Der Equalizer ist fantastisch und schlägt sogar alles, was ich bisher gesehen habe um Meilen. Auch fühlen sich beide Modelle wertig an. Andererseits werden sie aber von kleinen Bugs und weiteren Kleinigkeiten geschwächt.

Harman Kardon Fly ANC

Sind die Fly ANC nun Over-Ear-Kopfhörer mit Fokus auf mobile Nutzung oder eher für den Heimgebrauch gedacht? Mir scheint, als ob JBL einen schicken Kopfhörer für unterwegs entwickelte, mit eher kompakten Maßen. Beim Versuch, daraus einen Premium-Kopfhörer für Anspruchsvolle zu machen, hat Harman Kardon aber die Ohrpolster zu gut gestopft – so sehr, dass meine Ohren nicht mehr richtig reinpassen. Die an sich nahezu baugleiche JBL-Variante sitzt daher für mich etwas bequemer. Ansonsten gewinnt das Harman-Kardon-Modell aber locker. Bereits das Zubehör ist umfangreicher und hochwertiger, insbesondere das Hardcase, das JBL weggelassen hat. Die Materialwahl wirkt spürbar edler und auch das Soundtuning gefällt mir besser. Was mich dabei auch beeindruckt: Würde man die deutlich kostspieligeren Dali IO-4 und Harman Kardon Fly ANC nebeneinander halten, würden letztere als das teurere Modell identifiziert werden.

Gegen den Outdoor-Einsatz spricht ein wenig das Noise Cancelling, denn es ist nicht besonders effektiv. Das können ein paar Premium-Konkurrenten besser. Zuhause schlägt sich das Feature hingegen gut, denn es filtert das Föhnen meines MacBook gut heraus.

Ähnliches gilt für den Sound, denn die Soundtüftler bei Harman Kardon haben den Fly ANC einen recht neutralen Klang entlockt. Das ist perfekt, wenn man sich nicht bewegt, denn sonst übertönen tiefe Außengeräusche die feinfühlige, subtile Basswiedergabe – sei es durch einen laut brummenden Diesel im Bus oder durch das „Thump“ bei jedem Schritt. Dank des Bass-Profils oder eigener Settings passt ihr die Hörer aber auch wieder auf den Outdoor-Einsatz an.

Herausragend wird der Klang, wenn das Active Noise Cancelling deaktiviert ist. Dann wird es ziemlich neutral und die 40-Millimeter-Treiber können freier Atmen. Ob dieser Sound gefällt ist natürlich Geschmackssache, die Harman Kardon sprechen Hi-Fi-Enthusiasten und Audiophile mit eingeschränktem Budget an, die Wert auf flachen, natürlichen Sound legen und idealerweise keine Brille tragen. Wenn doch, hilft der Equalizer.

Ich finde das gut, denn es ist immer einfacher, einem neutralen Kopfhörer bei Bedarf mehr Bass oder Höhen zu geben, als einem unausgewogenen Kopfhörer die Bass-Flausen auszutreiben.

Insgesamt bleibt also ein hochwertiger Kopfhörer, der sich auf das Wesentliche, also guten Sound, statt auf allerlei Zusatzfeatures konzentriert. Leider wird das Bild aber von diversen Bugs getrübt, wie dem falschen Bluetooth-Profil für Voice-Calls (aber nur bei meinem Xiaomi-Smartphone) oder das eine Mal, als sich die Kopfhörer immer wieder von selbst eingeschaltet haben. Dennoch: Zum Preis von unter 90 Euro erhaltet ihr hier Kopfhörer, die was hermachen und gerade anspruchsvollen Musikfans mit kleinem Budget gefallen könnten.

Harman Kardon Fly TWS

Die Fly TWS sind für die Nutzung unterwegs konzipiert, auch wenn es dafür ebenfalls mehr Bass geben dürfte. Am Klang habe ich ansonsten wenig auszusetzen. Und falls ihr doch Wünsche habt, hilft die leistungsstarke „Headphones“-App.

Den Transparenz-Modus würde ich wohlwollend als funktional bezeichnen, denn es klingt überhaupt nicht wie die Realität. Dafür schlägt sich die Telefonie-Funktion gut.

Ebenfalls finde ich es gut, dass die Hörer, obwohl sie nicht explizit als Workout-Kopfhörer beworben werden, dafür geeignet sind. Schließlich sind sie schweiß- und wasserresistent und bleiben auch bei längerem Joggen im Ohr. Und das trotz Verwendung regulärer Silikontips und ohne unangenehmes Drücken.

Auch hier also ein Konzentrieren auf das Wesentliche: Guter Sound, lange Akkulaufzeit und guter Halt im Ohr statt netter Gimmicks. Das sehe ich auch so. Und der Preis von weniger als 70 Euro stimmt.

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