HUAWEI MateBook X Pro: Das Notebook

von Daniel Wiesendorf

· 33 min Lesezeit

Was bedeutet Premium? Was bedeutet Luxus? Worauf legt ihr Wert? Sind Spezifikationen alles, was zählt, oder ist das gesamte Nutzungserlebnis wichtiger? Mit dem MateBook X Pro geht es HUAWEI um mehr als einfach nur schnelle Komponenten. Sichtbar wird das bereits beim selbstbewussten Preisschild. Geräte mit auf dem ersten Blick vergleichbaren Spezifikationen kosten teils deutlich weniger. Beispielsweise das MateBook 16s, das über einen schnelleren Prozessor verfügt und dennoch laut unverbindlicher Preisempfehlung (UVP) 500 Euro günstiger ist. Anderswo gibt es sogar noch billigere Notebooks mit ähnlicher Leistung. Nun sind die regulären MateBooks preiswert, aber nicht billig. Sie machen bereits einen angenehmen Eindruck, sind wertig und gut ausgestattet. Wie viel besser kann das Spitzenmodell also schon sein?

Da ich in einen ausgedehnten Urlaub verreisen wollte, sah ich mich auf dem Notebook-Markt um. Ein Kollege machte mich auf das MateBook X Pro aufmerksam – ein Modell, das ich leider nur selten bei Händlern entdecke. Die Spezifikationen beeindruckten mich: Ein starker Prozessor im schlanken Magnesium-Gehäuse, vereint mit einem kalibrierten und hochauflösenden Display. Der ideale Begleiter für (Hobby-)Fotografen also? Mein letztes Lieblings-Notebook hatte zwar mit superleichtem Gewicht brilliert, litt aber unter dem vergleichsweise schwachen Prozessor, der zudem zu wenig frische Luft bekam und so nochmals kastriert wurde (ganz abgesehen von der Lärmbelästigung kreischender Lüfter). Dazu die Displayauflösung, die eher zu einem Smartphone passen würde. Ob sich das MateBook X Pro in diesen Bereichen besser schlägt?

Wie mir das Notebook gefallen hat, wie HUAWEI sich im Premium-Segment positioniert, ob es ein MacBook Pro für Windows-Fans ist und warum es schade für HUAWEI ist, dass das Laptop nicht überall ausgestellt wird, erfahrt ihr in diesem Test.

Durchdachte Hardware & Premium-Feeling pur

Pro
  • Hervorragende Haptik dank Soft-Touch-Oberfläche
  • Leise, leicht & schlank für die gebotene Leistung
  • Gute Performance
  • Hervorragendes, hochauflösendes Display im 16:10-Format
  • Sehr gute Lautsprecher und Tastatur
  • Druckempfindliches Touchpad mit einprogrammierten Volume-Slider
  • Sehr gutes Kühlsystem
Contra
  • Haltbarkeit der Soft-Touch-Oberfläche unbekannt
  • Wenig Auswahl bei den Ausstattungsvarianten
  • Schlechte Webcam
  • Kein Local Dimming für besseres HDR
  • Lädt bei Nutzung sehr langsam
Unsere Gesamtbewertung5

Hardware: Die ideale Hardware für die Zielgruppe

Im HUAWEI MateBook X Pro ist ziemlich aktuelle Top-Hardware verbaut. So wird der Intel Core i7 1260P von 16 Gigabyte DDR5-RAM unterstützt. Eine vermutlich mit PCIe 3.0 angeschlossene und einen Terabyte große SSD ist ebenfalls an Bord. Das Touch-Display im praktischen 3-zu-2-Format löst mit ganzen 3.120 mal 2.080 Pixeln auf. Links befinden sich zwei Thunderbolt 4-Ports, rechts zweimal USB-C. Dazu kommt eine Kopfhörerbuchse. Zur kabellosen Anbindung an die Außenwelt dient ein Modul, das sowohl Bluetooth 5.2 als auch WiFi 6E unterstützt. Das bedeutet, das Notebook funkt, wenn euer Router es unterstützt, für maximale Übertragungsraten im 6-Gigahertz-Bereich.

Die obige Ausstattung ist meiner Meinung nach gut für reguläre Anwender und Power-User ausgewählt. AMD-Prozessoren wären vielleicht noch ein wenig schneller bei Workstation-Aufgaben, die Verfügbarkeit ist allerdings ein großes Problem. Als Basisausstattung empfinde ich die RAM-Größe als passend, Apple bietet optional aber nicht ohne Grund bis zu 64 Gigabyte. Da der Arbeitsspeicher nicht erweiterbar ist, schränkt HUAWEI die Zielgruppe meines Erachtens unnötigerweise ein. Das sieht scheinbar auch HUAWEI so, weswegen ihr die aktualisierte 2023er-Variante auch mit 32 Gigabyte kaufen könnt. Eine schnellere SSD bringt nur marginale Vorteile, deshalb kann ich darauf verzichten.

Übrigens: Im Test hatte ich das 2022er Modelljahr, vor kurzem hat HUAWEI aber die 2023er Version vorgestellt. Der Hauptunterschied ist, dass ihr jetzt beim Prozessor zwischen einem i5-1340P und einem i7-1360P wählen könnt – wobei ich die Variante mit i5 noch nicht auf dem Deutschen Markt entdeckt habe. Auch eine Variante mit 32 Gigabyte Arbeitsspeicher steht nun zur Verfügung.

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Varianten & Lieferumfang: Zwei HUAWEI MateBook X Pro, ein Name

Varianten: Achtung, beim Kauf genau hinschauen

Zwei verschiedene Varianten des MateBook X Pro der 2022er Modellreihe bietet euch HUAWEI an. Die Standard-Version setzt auf ein Aluminium-Gehäuse und ist Space Grey. Damit wiegt es 1,38 Kilogramm. In der Premium Edition, erhältlich in Weiß oder Blau, kommt es auf 1,26 Kilogramm. Ermöglicht wird das dank einer besonders leichten und stabilen Magnesium-Legierung, die in eine Soft-Touch-Lackierung gehüllt wurde. Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist die laut HUAWEI um ungefähr 60 Prozent verbesserte Entspiegelung des Displays. Ich teste die blaue Premium Edition.

Lieferumfang: Das Nötigste angemessen verpackt

Bis auf einen coolen Kniff – das Notebook hebt sich beim Öffnen des Kartons um ein paar Millimeter an – handelt es sich um eine hochwertige, aber recht konventionelle Verpackung mit Golddruck auf einem schwarzen, texturierten Karton. Im Lieferumfang befinden sich ein kompaktes 90-Watt-Netzteil nach dem Power Delivery-Standard sowie das passende USB-C- zu USB-C-Ladekabel. Dazu kommt noch eine Schnellstartanleitung.

Design: MacBook Pro-Klon? Nein. MacBook Pro, weiterentwickelt

Wie man es dreht und wendet, die HUAWEI-Designer mögen das vorherige MacBook Pro-Design. Wer kann es ihnen verdenken? Mir gefällt es auch besser als die aktuellen MacBook Pro, bei denen Apple scheinbar den leicht geschmolzenen Klemmbaustein namens PowerBook G4 von 2003 wiederbelebt hat. So sinnvoll das Design sein mag, es fühlt sich einfach nicht besonders bequem an und sieht ziemlich plump aus.

Zwar lässt sich die Nähe zu den Macs schwer leugnen, schaue ich allerdings genauer hin, merke ich, dass es weit von einer Kopie entfernt ist. Stattdessen haben die Ingenieure das Design an zahlreichen Stellen überarbeitet und verbessert. Wie sagte Steve Jobs so schön? Good artists copy, great artists steal.

Das Gehäuse ist an den Ecken etwas abgeflacht, was das Notebook dünner wirken lässt, als es ist. Die Tastatur ist leicht nach innen versetzt und wird von zwei Lautsprecherleisten gerahmt.

Doch im Gegensatz zum „Vorbild“ nutzt HUAWEI eine hochwertigere und vor allem leichtere Magnesium-Legierung. So wiegt es statt 1,6 Kilogramm nur 1,26 Kilogramm – minimal mehr als ein MacBook Air mit kleinerem 13-Zoll-Display. Auch bei der Materialstärke scheint HUAWEI eine bessere Balance zu finden. Ja, wenn ich mich auf die Handballenablage stellt, wird es sich verbiegen und nachgeben, während sich beim MacBook Pro vermutlich meine Füße verbiegen. Aber ist das in irgendeiner Form für den Alltag relevant? Es ist immer noch sehr stabil, besonders die Basiseinheit ist angenehm verwindungssteif. Nur, wenn ich mittig auf die Unterseite drücke, gibt das Case nach, bis ich vermutlich den Akku berühre.

Das etwas nachgebende Gehäuse ist der einzige Schwachpunkt eines ansonsten fantastisch verarbeiteten Notebooks, bei dem an jedes Detail gedacht wurde. So sind die Spaltmaßen auf ein absolutes Minimum reduziert und jeglicher Berührungspunkt wurde abgerundet, um unangenehme Haptik zu verhindern.

Auf der Unterseite sorgen vier runde Gummifüße für Grip. Vollends überzeugen kann mich der nicht, das Notebook klebt nicht am Tisch. Andererseits ist das beim Entnehmen aus der Tasche sicherlich auch wieder von Vorteil. Unter diesen Füßen befinden sich ein paar Schrauben. Daneben gesellen sich, wie beim MacBook Pro, ein paar sichtbare Schrauben. Zur eigenen Wartung ist das MateBook X Pro allerdings nicht gedacht.

Das Display deckt im Vergleich zum MacBook Pro 14 einen größeren Teil der Front ab (92,5 statt 84,6 Prozent) und besteht fast vollständig aus Glas, anstatt einen dünnen Plastikstreifen an der Unterseite zu offenbaren. Trotz der schmaleren Ränder benötigt HUAWEI keine Notch, um die Webcam unterzubringen. Interessanterweise verzichtet HUAWEI außerdem auf jeglichen Abstandshalter aus Gummi oder Plastik: Das Display liegt direkt auf der Handballenablage und der Tastatur ab. Ob das so eine gute Idee ist? Immerhin hat sich die Tastatur bislang bei jedem meiner MacBook Pro und auch beim HP Spectre x360 permanent im Glas verewigt. Aber nach zwei Monaten sehe ich lediglich leichte Abdrücke, die sich mit einem Mikrofasertuch entfernen lassen. Dass das so bleibt, kann ich natürlich nicht garantieren, dafür habe ich das Notebook nicht lange genug genutzt. Auch sollte ich erwähnen, dass ich das Notebook aus Sicherheitsgründen nicht so oft in meiner Tasche mitgenommen habe.

Mir gefällt, wie das Display-Scharnier funktioniert. Ein Magnet hält das Gerät zusammen. Öffne ich es minimal, springt das Notebook etwas auf, was das Aufklappen erleichtert. Dabei hat sich HUAWEI auf einen Drahtseilakt eingelassen: Wäre die Kraft des Scharniers oder der verbauten Magneten nur minimal stärker, spränge das Notebook von alleine auf. Für eine kurze Zeit geschah genau das, inzwischen kann ich das Problem nicht mehr reproduzieren. Das Display hält seine Position gut, ein gewisses Nachwackeln ist trotzdem möglich. Hinzu kommt der relativ große Öffnungswinkel, der mein MacBook Pro schlägt. So finde ich stets eine angenehme Position.

Und dann ist da die Oberfläche. Oh mein Gott. Was für ein Handschmeichler. Als ich das Gerät meinen Kolleginnen und Kollegen zeigte, wollten die meisten gar nicht aufhören, es zu streicheln. Dafür hat HUAWEI das MateBook X Pro in der Premium Edition in einen Soft-Touch-Lack gehüllt, der sich fantastisch anfühlt. Abnutzungserscheinungen habe ich bislang kaum feststellen können, wie das auf Dauer aussieht, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Display: Auflösung macht beim MateBook X Pro den Unterschied

Obwohl es sich nicht um ein OLED-Panel handelt, bereitet mir das Display große Freude. Als ich im Flugzeug (mit zugegebenermaßen leicht getönten Scheiben) auf den Malediven auf den Weiterflug in der prallen Mittagssonne wartend diese Zeilen schrieb, konnte ich sowohl mit nahezu ausgeschalteter Hintergrundbeleuchtung als auch bei voller Displayhelligkeit problemlos arbeiten. In ersterem Fall muss ich lediglich darauf achten, dass die Sonne im richtigen Winkel auf das Display trifft. Farbecht ist das freilich nicht – Weiß erscheint Grün. Je nach Anwendungsfall ist das aber okay, zum Beispiel, wenn ich einen Text schreibe. Erhöhe ich die Displayhelligkeit, wird aus Grün schnell Weiß und die Farben fangen zu leuchten an. Laut HUAWEI sind maximal 500 nits möglich.

Das 3:2-Format eignet sich hervorragend für Produktivaufgaben, denn ganz gleich, ob für die Bedienelemente bei Videoschnitt und Bildbearbeitung, oder einfach um mehr Text bei der Recherche oder beim Schreiben zu sehen, vertikalen Platz kann ich immer gut gebrauchen. Hinzu kommt die für ein 14,2-Zoll-Notebook meiner Meinung nach perfekte Auflösung von 3.120 mal 2.080 Pixeln. Bei einem Full-HD-Display kann ich die einzelnen Pixeln erkennen, 4K ist aber auch wieder Quatsch, denn den Unterschied sehe ich nur bei der verkürzten Akkulaufzeit. Leider bieten manche Hersteller lediglich Full HD oder 4K an, die wie ich finde sinnvolle Mitte lassen sie aus.

Erst aus großer Nähe werden die Pixel sichtbar.

Fotografen werden sich über die individuelle Werkskalibrierung mit laut HUAWEI einer Delta-E-Abweichung von unter 1 freuen. Im Anzeige-Manager wählt ihr zwischen dem nativen, sRGB- und DCI P3-Farbraum. Das Display passt sich der Umgebungsbeleuchtung auf Wunsch in Helligkeit und Farben an. Ich kann außerdem die Farbtemperatur per Preset oder ganz frei verstellen.

Drückt ihr Fn + R, wechselt ihr zwischen 60 und 90 Hertz Bildwiederholrate. Das macht es zwar nicht zum Gaming-Notebook, aber beim Scrollen durch Webseiten merke ich beispielsweise den Unterschied. Ich möchte es nicht mehr missen.

Bei der Blickwinkelstabilität und den Kontrasten habe ich wenig auszusetzen. Ein OLED-Display ist es zwar nicht, aber für einen LCD-basierten Bildschirm (LTPS-Panel) ist es sehr gut. Für viele sicherlich die bessere Option, denn OLED-Bildschirme am Computer sind eine Diva: wunderschön, aber sehr anspruchsvoll. Wenn ihr sie nicht richtig behandelt, trübt sich schnell das Bild. So ist der Stromverbrauch hoch und es besteht die Gefahr eines permanenten Burn-ins. Um Letzteres zu vermeiden, setzen die Hersteller auf Schutzmechanismen, die beispielsweise nach kurzer Zeit die Helligkeit stark dimmen – manchmal sogar, während man ein Video schaut.

Auch die Ausleuchtung ist ziemlich gleichmäßig, lediglich an den Rändern fällt mir eine ganz leichte Abschattung auf.

HDR kann das Display ebenfalls, wobei die an sich gute Hintergrundbeleuchtung leider kein Local Dimming beherrscht. Stattdessen regelt die Hintergrundbeleuchtung in Filmen vollständig nach: Ist ein Bereich des Bildes hell, werden alle schwarzen Bereiche grau. Standardmäßig deaktiviert sich HDR im Akkubetrieb, in den Systemeinstellungen kann ich das überschreiben.

Und weil das MateBook X Pro einfach fast alles bekommen hat, was möglich ist, besitzt es ein Touchdisplay. Dem stehe ich ein wenig zwiegespalten gegenüber. Auch wenn ich mich damit schwertue, den Bildschirm mit Fingerabdrücken zu bedecken, ist es hin und wieder praktisch. Beispielsweise, wenn ich den Mauszeiger nicht finde. Problematisch wird die Touchfunktion in Kombination mit dem beeindruckend schlanken Rahmen: Beim Aufklappen passiert es mir immer wieder, dass ich aus Versehen die rechte obere Ecke berühre und das aktuelle Fenster schließe, oder an eine andere Stelle auf der Seite springe, das Fenster wechsle, … Hier wäre eine Eckenerkennung wie beim Touchpad sinnvoll.

HUAWEI wirbt mit einer besonders hochwertigen Entspiegelung. Gut ist sie sicherlich, aber mein einziges Vergleichsgerät, mein 2018er MacBook Pro, kann mithalten. Trotzdem ist das MateBook X Pro gut entspiegelt, denn mein Smartphone reflektiert mehr Licht. Was mir positiv auffällt, ist, wie glatt die Oberfläche ist. Während sich auf dem MacBook die Reflexionen wellen, sind gerade Linien auf dem MateBook tatsächlich gerade. Das sorgt bei mir für weniger Irritation und Ablenkung.

Insgesamt finde ich den Bildschirm für ein Alltagsnotebook hervorragend. Lediglich die allerneusten MacBook Pro können dank Local Dimming noch mehr beeindrucken.

Eingabegeräte: (Beinahe-)Perfektion in der Windows-Welt

Tastatur: Lässt ThinkPads alt aussehen

Im Bereich der Tastaturen genießen Lenovos ThinkPads einen fantastischen Ruf, gefolgt von allen anderen Herstellern und dann als Schlusslicht die inzwischen etwas älteren Macs mit Butterfly-Tasten (von 2015 bis 2019). Danach hat Apple einen großen Schritt nach vorne (oder hinten) gemacht und wieder auf das ältere Scissor-Design gesetzt. Das reicht aber nicht: Im Vergleich zu meinem älteren Mac gefällt mir das MateBook X Pro ungefähr tausendmal besser. Auch die neuen Macs können damit wie ich finde nicht ganz mithalten, ebenso wenig wie mein ThinkPad T450.

Flache Tasten mit geringem Abstand zu den Rändern, damit möglichst wenig Dreck in die Tastatur kommen kann.

Der nötige Druck, um eine Taste auszulösen, wurde scheinbar genau für mich ausbalanciert (wie hat HUAWEI das geschafft?). Die Tastatur hat ein knackiges Tippgefühl, mit idealem Hub (1,5 Millimeter) und guter Bedämpfung am Ende des Weges. Beim alltäglichen Tippen gibt die Basiseinheit der Tastatur höchstens minimal nach. Dazu kommt ein vergleichsweise leises Tippgeräusch – nicht einmal die Leertaste klappert so richtig. Das fühlt sich hochwertig an und lädt zum schnellen und präzisen Schreiben ein. Ich schaffe auf dem Notebook mühelos mehr Anschläge als auf meiner mechanischen Razer-Tastatur oder dem MacBook Pro. Bei TyperA komme ich im deutschen 1-Minuten-Test auf 511, 517 und 514 Anschläge. Wäre ich mehr in Übung, sind vermutlich noch mehr drin.

Beim Layout geht HUAWEI die Extrameile und stellt für verschiedene Länder unterschiedliche Tastaturen her. Heutzutage ist das keine Selbstverständlichkeit, – immer häufiger sehe ich kreative Lösungen, die alle länderspezifischen Varianten abdecken wollen und bei denen dann lediglich der Aufdruck angepasst wird. Das ist kein Wunder, denn die innere untere Hälfte vom Notebook ist je nach Land eine andere – ein großer und vor allem teurer Aufwand.

Eine richtige (deutsche) Enter-Taste ohne Workarounds!

Die dezente Hintergrundbeleuchtung hat zwei Helligkeitsstufen und leuchtet weiß mit einem leichten Blaustich. In dunklen Situationen ist sie gut zu erkennen, wobei ich schon hellere Tastaturbeleuchtungen gesehen habe. Je nach Blickwinkel sehe ich allerdings die LEDs direkt statt gedimmt durch die Tasten. Bei vielen anderen Notebooks ist das ähnlich.

Oberhalb der Tastatur befindet sich die Power-Taste, die parallel als Fingerprint-Sensor dient und beide Funktionen mit Bravour meistert.

Touchpad: Mit Apfel-Aroma

Das Touchpad ist eine weitere Besonderheit. In der Windows-Welt handelt es sich dabei in der Regel um ein Modell mit Scharnier, das sich am unteren Ende einfacher drücken lässt als oben. Wer ein MacBook benutzt hat, weiß, dass es besser geht – viel besser. Glücklicherweise verfügt das MateBook X Pro über ein ähnliches Touchpad. So ist es fest mit dem Gehäuse verbunden und misst den Druck, den ihr auf das Touchpad ausübt, ganz gleich, wo. Wie stark der sein muss, damit es reagiert, könnt ihr selber in drei Stufen einstellen (allerdings könnte für meinen Geschmack auch die niedrigste Stufe noch etwas empfindlicher sein). Drückt ihr fest genug, fühlt es sich an, als ob ihr ein reguläres Touchpad heruntergedrückt habt. In Wirklichkeit sorgt allerdings ein Vibrationsmotor für die sehr realistische Illusion. Zum Markieren oder Verschieben könnt ihr den zweiten Finger nutzen, falls der Platz ausgeht.

Das Touchpad reicht bis an den Rand des Notebooks, um maximalen Platz zu bieten. Außerdem ist das Glas an der Kante angewinkelt, damit es sich nicht in die Hand schneidet.

Apropos Platz: Viel größer kann das Touchpad nicht sein, denn HUAWEI nutzt fast den gesamten Raum zwischen Leertaste und Gehäusekante – das Touchpad ist Teil der Einkerbung, die beim Öffnen des Notebooks hilft. Dabei habe ich keine Probleme mit versehentlichen Berührungen der Handfläche.

Das Touchpad setzt auf mattes Glas, was nicht nur gut aussieht und für einen tollen optischen Effekt mit Schatten und Aufhellungen sorgt. Es fühlt sich zudem gut an und ermöglicht leichtes Gleiten. So sind selbst kleine, präzise Bewegungen möglich. Außerdem nutzt sich Glas nicht so leicht wie Plastik ab, welches schnell speckig wird und dann klebt.

Hier wird gut sichtbar, wie die Glasoberfläche für schöne Lichtspiele sorgt.

Der Mausersatz besitzt ein paar coole Tricks, die von dem Vibrationsmotor Gebrauch machen. Bewege ich meinen Finger entlang des linken Randes, ändere ich die Display-Helligkeit. Am rechten Rand ist es die Lautstärke. Und am oberen Rand wechsle ich zwischen den Tabs meines Browsers oder scrubbe durch ein Video. Jede Stufe wird mit einem hör- und spürbarem Klick bestätigt. Das Feedback macht einen riesigen Unterschied aus. Auf Wunsch verkleinere ich zudem mit der linkeren oberen Ecke das aktuelle Fenster oder schließe es mit der rechten oberen Ecke. Und klopfe ich zweimal aufs Touchpad, erstelle ich ein Screenshot. Das funktioniert alles sehr gut und erleichtert mir den Alltag.

Insgesamt finde ich die Apple-Implementation dieser Technologie noch ein wenig ausgereifter, zum Beispiel, weil beim MateBook die Kraft, die zum Klicken benötigt wird, nicht konstant ist und weil der einstellbare Bereich nicht so groß ist. Es fehlt auch die Möglichkeit, durch festes Drücken eine zweite Aktionsebene auszulösen. Einmal hat es gehangen und die Pinch-to-Zoom-Bewegung hat mich scrollen lassen, statt zu vergrößern. Grundsätzlich fühlt es sich aber super an und funktioniert zuverlässiger, als ich es sonst bei Windows-Notebooks gewöhnt bin.

Sound & Webcam: Toll für Entertainment & Home Office, aber das Bild?

Lautsprecher: Klingt gut – die Lautsprecher des HUAWEI MateBook X Pro

Guter Sound kostet Geld – kein Wunder, dass hier bei Budget-Modellen gerne gespart wird. Guter Sound benötigt außerdem Platz – kein Wunder, dass schlanke Geräte daher ebenfalls gerne Abstriche machen. Umso begeisterter bin ich vom verbauten Lautsprechersystem des MateBook X Pro. Insgesamt sind sechs Speaker verbaut, denen ich selbst bei höchster Lautstärke kaum Verzerrungen anhöre. Und das, obwohl es ausreichend laut ist, um Musik zu hören und einen Film zu schauen. Der Klang ist relativ ausgewogen und vergleichsweise voll, mit etwas Tiefgang und einem recht guten Stereo-Effekt. Apple hat hier vielleicht die Nase noch etwas vorne, aber das MacBook Pro ist deutlich dicker und schwerer. Der eine oder andere kleine Bluetooth-Lautsprecher kann nicht mit dem HUAWEI mithalten.

Die Lautsprechergitter sehen nicht nur gut aus, sie sind auch angenehm groß, damit der Sound ungehindert entweichen kann.

In den HUAWEI-Einstellungen finde ich drei verschiedene Optionen, aus denen ich wählen muss – eine ist immer aktiviert. „Intelligente Optimierung“ scheint für mich die neutralste Variante zu sein und hat keine negativen Auswirkungen. Die Höhen sind klar, Bässe dezent, aber vorhanden. Bei „Ultra-Bass“ werden die Höhen zurückgenommen und die Tiefen ein wenig angehoben, inklusive etwas mehr Tiefgang. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass mit jedem Bass-Drum-Einsatz die restlichen Frequenzen für kurze Zeit leiser werden. „Turbo“ soll ein „weiträumiges und vielschichtiges Klangbild“ liefern, in erster Linie nimmt es aber die unteren Frequenzen weg und klingt seltsam.

Zum Spaß schließe ich meine Beyerdynamic DT990 Pro in der 250-Ohm-Version an. Der hohe Widerstand bedeutet, dass die Kopfhörer einen potenten Verstärker benötigen. Ein wenig erstaunt bin ich schon, denn auch, wenn es nicht sehr laut wird, reicht es mir. Auch der Klang ist in Ordnung, Störgeräusche fallen mir keine auf und es klingt so, wie ich es von den Kopfhörern gewohnt bin. HUAWEI hätte auch einen schwächeren Verstärker einbauen können. Einen dedizierten und hochwertigen externen Kopfhörerverstärker ersetzt das Notebook nicht, aber es ist schön, auch bei anspruchsvollen Kopfhörern nicht allzu viele Kompromisse machen zu müssen.

Die selben Optionen wie für den integrierten Lautsprecher existieren bei Verwendung eines Kopfhörers mit 3,5-Millimeter-Anschluss, mit dem Unterschied, dass „Intelligente Optimierung“ nun „TrueHD“ heißt und „Turbo“ den Sound tatsächlich räumlicher macht. Ich würde dennoch darauf verzichten, da es den Klang stark verändert.

Mikrofon: Seltsame Position, ordentlicher Klang

In Zeiten von Home Office und Online-Meetings ist natürlich auch die Tonqualität des Mikrofons relevant. Dafür hat HUAWEI ein Array von vier Mikrofonen verbaut, das, anders als bei vielen anderen Herstellern, zwischen Touchpad und Unterseite des Notebooks sitzt. Die Mikrofone zeigen also in Richtung Bauch. Das hat mich an ältere HUAWEI-Modelle erinnert, bei denen die Webcam in der Tastatur integriert war. Schön, dass Kollegen sehen konnten, ob ich Popel in der Nase habe. Das hat HUAWEI korrigiert, dafür können die Kollegen jetzt also hören, wenn ich hungrig bin. Aber Moment, eigentlich ist die Idee gar nicht so übel: Steht das Notebook auf dem Tisch, idealerweise auf einem Ständer, wie in einer üblichen Bürosituation, dann spreche ich fast direkt in die Mikrofone. Das Display ist weiter weg und zeigt ein wenig in Richtung Decke. Und nutze ich den Laptop auf meinem Schoß, spreche ich eher zum Touchpad als auf den oberen Displayrand. Ich kann mir zudem vorstellen, dass die Mikrofone weniger von den nach oben feuernden Lautsprechern einfangen werden.

So ist es wenig verwunderlich, dass die Sprachqualität ganz gut ist. Ein leichter Stereo-Effekt ist ebenfalls vorhanden. Musik oder einen Podcast würde ich damit zwar nicht aufnehmen, aber um mit Kollegen zu telefonieren, ist es ideal.

In den HUAWEI-eigenen Soundeinstellungen wählt ihr zwischen „Persönliche Stimmanpassungen“, um Hintergrundgeräusche während Anrufen über Kopfhörer wegzufiltern, „TrueVoice“, um allgemein Hintergrundgeräusche zu entfernen und „TrueHD“, das die Hintergrundgeräusche für einen möglichst ungefilterten, natürlichen Sound unberührt lässt.

Webcam: Qualität wird überbewertet

Beim Versuch, die Kamera auszuprobieren, bin ich erst einmal verwirrt. Die hell leuchtende weiße LED neben der Kamera leuchtet, ich sehe aber nur Schwarz. Die Lösung: Ich muss sie im HUAWEI Steuerfeld einschalten. Das ist meiner Meinung nach etwas irritierend und unerwartet. Im Nachhinein ist es aber gut, wenn ich in jedem Fall über die LED über dem Display gezeigt bekomme, wenn mich eine App einfangen möchte.

Genutzt wird die Webcam außerdem für Windows Hello. Dafür kann sie Infrarot-Aufnahmen machen. Zur Ausleuchtung sind Infrarot-Lichter neben der Webcam platziert. Während meines Tests klappt das zügig und zuverlässig.

Dank zusätzlicher Hardware dient die Webcam auch der sicheren Gesichtserkennung.

HUAWEI hat zudem ein paar nützliche Funktionen implementiert. So wird mein Gesicht dank Beauty-Funktion subtil verschlankt. Alternativ werden meine Augen leicht verschoben, damit ich Blickkontakt halte, während ich auf das Display schaue. Es ist erschreckend, wie gut das funktioniert. Wenn ihr eine Konferenz-App nutzt, die den Hintergrund nicht ersetzen kann, habt ihr bei HUAWEI Glück: Dann übernimmt der Treiber diese Aufgabe. Im Vergleich zu Teams auf dem Mac finde ich die Qualität der Freistellung auch besser.

Leider verwendet die Webcam aufgrund der geringen Platzverhältnisse eine sehr kleine Kamera, bei der die Bildqualität leidet.

Leider kann ich nicht nur Positives berichten – ein kleines, eher unwichtiges Detail trübt das Bild: Wie oben bereits erwähnt, hat HUAWEI die nicht so sinnvolle Idee, die Kamera in einer der F-Tasten zu verstecken, aufgegeben. Egal, wie gut die verbaute Webcam dank des üppigen Platzes sein kann, der Blickwinkel ist einfach problematisch. Stattdessen sitzt die Kamera im Displayrahmen. Den hat HUAWEI aus gutem Grunde möglichst schlank gehalten. Darum versteckt sich hier eine winzige Kamera, was für die Bildqualität nicht unbedingt förderlich ist. Trotz der niedrigen Auflösung von 1.280 mal 720 Pixeln muss das Bild stark entrauscht werden. Viel Licht hilft auch nur eingeschränkt – der Versuch eines Fotos aus meinem Fenster heraus sieht ebenfalls nach einem Wassergemälde aus, denn scheinbar wird einfach die Belichtungszeit verkürzt statt den ISO-Wert zu senken. Für eine Videokonferenz reicht es noch gerade so, Streamer sollten sich eine externe Webcam kaufen.

 

Trotz vergleichsweise gutem Licht im Raum ist die Bildqualität durchwachsen.

Software: Das HUAWEI MateBook X Pro zeigt: Es geht auch ohne Bloatware

Bei meinem Testgerät, das sicherlich zuvor bereits im Einsatz war, aber zurückgesetzt wurde, konnte ich keine Bloatware entdecken. Soweit ich das recherchieren konnte, entspricht es aber auch dem Zustand out of the box. Installiert sind lediglich ein frisches Windows 11 Home samt ein paar HUAWEI-Anwendungen, um zum Beispiel Display-Einstellungen und die Performance zu steuern. Dazu kommen Anwendungen für Kunden im HUAWEI-Ökosystem. So kann beispielsweise ein HUAWEI-Tablet als externes zweites Display genutzt werden.

Virenscanner in einer „kaufe bitte die Vollversion“-Variante, ungewollte Spiele und Co. fehlen. Daran sollten sich andere Hersteller ein Vorbild nehmen, die selbst bei Premium-Geräten versuchen, mit gebundelter Software die Kassen aufzubessern und dabei das Nutzendenerlebnis opfern.

Schön finde ich, dass der Hersteller in der HUAWEI PC Manager-Anwendung auf die Möglichkeiten zur Geräterhaltung hinweist. Sollte etwas defekt sein, erhaltet ihr die Ersatzteile zu einem vernünftigen Preis – zumindest bei älteren MateBooks, die außerhalb der Garantie sind. Toll ist das besonders beim Akku, den HUAWEI für knapp 100 Euro wechselt.

Akkulaufzeit & Ladegeschwindigkeit: MateBook X Pro – hält lange, lädt länger

Akkulaufzeit: Wird das MateBook X Pro genutzt dauert das Laden lange

Grundsätzlich gilt bei Notebooks immer: Die Akkulaufzeit hängt extrem von der Nutzung ab. Wird der starke Intel-Prozessor erst einmal aktiv, kann er im Namen der Geschwindigkeit durstig werden. Immerhin helfen die Effizienz-Kerne dabei, Daueraufgaben mit niedriger Last abzufangen – Intel-Prozessoren ab der 12. Generation setzen auf ein paar schwache Kerne für Hintergrundtasks, die diese möglichst stromsparend erledigen, während die Performance-Kerne für ein blitzschnelles Nutzererlebnis sorgen.

Wie gut das funktioniert, hängt stark davon ab, wie gut Windows und die Programme wissen, was eine zeitkritische Aufgabe ist und möglichst schnell erledigt werden sollte und was Zeit hat. Hier ist noch Potenzial vorhanden.

Mit dem knapp 60 Wattstunden fassenden Akku erreiche ich üblicherweise mindestens zwei Stunden Laufzeit, selbst bei intensiver Nutzung. Klar, das klingt nicht nach viel, aber je nach Nutzung kann es auch deutlich mehr sein. Beispielsweise wenn ich einen Artikel schreibe, nicht mit der Displayhelligkeit übertreibe und keine leistungsschluckenden Tabs und Tasks betreibe. Auf genaue Laufzeittests verzichte ich – das ergibt für mich nur Sinn, wenn ich mehrere Geräte unter exakt denselben Bedingungen testen könnte.

Das, inklusive Kabel, 240 Gramm leichte Netzteil ist trotz der hohen Leistung von 90 Watt angenehm kompakt und reisefreundlich – vor nicht allzu langer Zeit waren einfache Smartphone-Ladegeräte ähnlich groß. Alternativ könnt ihr damit auch euer Smartphone oder Tablet laden. Da das Kabel nicht fest ist, könnt ihr es bei Verlust problemlos durch eines ersetzen, das beidseitig USB-C-Schnittstellen besitzt und für mindestens 90 Watt geeignet ist.

Was ich großartig finde: Das Notebook ist beim Netzteil nicht wählerisch und nimmt sogar 5-Volt-Netzteile und Powerbanks. Etwas, das ich so nicht von Windows-Notebooks kenne. Jedes Ladegerät, das ich probierte, hat funktioniert. Allerdings hat das Modell mit 5 Volt und 2 Ampere nur 5 Watt geliefert (eigentlich schafft es 10 Watt), was für eine enorme Ladezeit von 3 Stunden für 20 Prozent sorgte (bei ausgeschaltetem Notebook). Aber das proprietäre Xiaomi-Netzteil meines Smartphones lieferte 30 Watt – etwas, was es bislang sonst nur beim Telefon geschafft hat. Und natürlich schafft das HUAWEI auch, die 45 Watt aufzunehmen, die mein Monitor in Richtung Notebook schickt, während das Notebook über dasselbe Kabel ein Bild überträgt.

Zum Aufladen könnt ihr übrigens jeden der vier USB-C-Buchsen nutzen, je nachdem, welche Seite gerade leichter zu erreichen ist. Einen Unterschied in der Ladegeschwindigkeit konnte ich nicht feststellen.

Leider kommen wir damit zur für mich größten Schwachstelle des Gerätes. Ist das Notebook mehr oder weniger im Leerlauf und das Display aus, erreiche ich mit dem Originalnetzteil bis zu 62 Watt. Das ist ordentlich.

Nutze ich das MateBook X Pro hingegen, sehe ich so gut wie nie mehr als 46 Watt. Bei typischer Nutzung des Gerätes sind 34 Watt die Obergrenze, häufiger sind es aber 17, 11 oder bei intensiver Nutzung wie einem Benchmark gar 5 Watt. Im schlimmsten Fall dauert es daher einige Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Nach dem Benchmark erholt sich die Ladegeschwindigkeit wieder von 5 über 11, 17, 33 bis hin zu 46 Watt – vorausgesetzt das Notebook hat nichts zu tun. Am Verbrauch während des Betriebs kann es nicht liegen, denn obwohl das Netzteil am MacBook Pro 90 Watt aus der Steckdose zieht, sind es beim MateBook X Pro teilweise deutlich weniger.

Meine Vermutung ist, dass HUAWEI den Akku nicht mit voller Geschwindigkeit aufladen möchte, wenn er aufgrund der restlichen Hardware sowieso bereits warm ist. Das ist nachvollziehbar im Sinne der Akkupflege. Dagegen spricht, dass es nichts gebracht hat, das Notebook mit einem Standventilator abzukühlen. In jedem Fall wäre ein optionaler „Schnelllademodus“ nützlich, wenn man beispielsweise nur kurz Zugriff auf eine Steckdose hat, währenddessen aber weiterarbeiten muss.

Performance & Kühlung: Leise & schnell – das HUAWEI MateBook X Pro

Performance: Hohe Leistung für den Alltag

Das HUAWEI MateBook X Pro 2022 gibt es ausschließlich mit dem Intel Core i7-1260P, einem 28-Watt-Prozessor, der im MateBook üblicherweise mit 25 Watt betrieben wird. Per Tastenkürzel Fn + P kann das auf 30 Watt angehoben werden, – vorausgesetzt, das Notebook hängt am Netzteil. Für kurze Zeit sind sogar 64 Watt drin. Bei anderen Notebook-Modellen kann der Prozessor auch mit mehr oder weniger als 25 Watt genutzt werden, was sich auf die Leistung auswirkt.

Die Alltags-Performance war hervorragend. Für die üblichen Anwendungen wie im Internet Surfen ist das Gerät fast schon Overkill, auch bei der Bildbearbeitung in Lightroom Classic flutscht es. Die integrierte Xe-Grafik würde sich sogar für einfaches Gaming eignen.

Das schlanke und leichte MateBook X Pro hat dank guter Kühlung und starkem Prozessor keine Probleme mit alltäglichen Aufgaben.

Benchmarks an sich sind für mich nicht so spannend und finden sich sicherlich ausreichend, ich möchte allerdings am Beispiel von Cinebench R23 zeigen, wie sich der Stromverbrauch auf die Performance und Lautstärke auswirkt.

Im Energiesparmodus drosselt das Notebook den Prozessor auf 15 Watt. Das bedeutet 1,4 Gigahertz im Multicore-Test. Dabei erreicht es trotz nahezu lautlosem Betrieb lediglich 58 Grad. Das Ergebnis sind 5.015 Punkte. Single Core sind es sogar lediglich 9 Watt bei 2 Gigahertz und 1.039 Punkte. Nutzbar ist dieser aber erst, wenn der Akku fast leer ist.

Stellt ihr in Windows auf Energiesparen, begnügt sich das System mit 20 Watt, was für 7.511 Punkte gesorgt hat.

Im regulären Modus geht es Multicore mit einem kurzen Boost auf 65 Watt los, um dann auf 28 Watt abzusinken. Nach einer Weile setzt der Prozessor seine Arbeit mit konstanten 25 Watt fort. Das reicht für 1,8 bis 1,9 Gigahertz bei 73 Grad, wobei noch Reserven da wären – das Rauschen der Lüfter ist sehr dezent und stört mich nicht. Das Gehäuse wird sowohl an der Ober- als auch an der Unterseite maximal lauwarm. 7.835 Punkte sind das Resultat, also deutlich mehr als bei 15 Watt. Singlecore schwankt der Takt stark zwischen 2,5 und 3 Gigahertz, bleibt aber meistens am oberen Ende. Der Prozessor gönnt sich dabei 25 Watt und hält eine Temperatur von 69 Grad. Der signifikant höhere Verbrauch wird mit 1.535 Punkten belohnt. Hier merkt man, dass ab einem gewissen Takt deutlich mehr Strom benötigt wird, um eine kleine Steigung zu erreichen. Gerade unterwegs lohnt sich das möglicherweise nicht.

Im Performance-Modus, der nur bei angeschlossenem Netzteil freigeschaltet wird, wird das Notebook dank eines 30-Watt-Limits lauter, denn auch hier versucht es die Temperatur bei 73 Grad zu halten (innerhalb der Boost-Phase sind es bis zu 88 Grad). Für maximale Performance im Multicore-Betrieb kann sich das durchaus lohnen, denn der Prozessor schafft 8.815 Punkte bei 2 bis 2,1 Gigahertz. Singlecore kommt er immerhin auf 28 Watt und 71 Grad Celsius. 1.650 Punkte sind das Ergebnis.

Verbaut ist eine SSD mit ca. 3,3 Gigabyte pro Sekunde Lese- und 2,8 Gigabyte pro Sekunde Schreibgeschwindigkeit. Die Plattform würde auch noch doppelt so schnelle SSDs mit PCIe 4.0 unterstützen, allerdings kostet der Verzicht im Alltag nicht so viel Leistung. Übrigens: In der 2023er Version sollte eine PCIe-4.0-SSD verbaut sein, die daher schneller ist.

Mit h2testw kann man testen, ob ein Speichermedium hält, was er verspricht. Schwerer als der Verzicht auf PCIe 4.0 wiegt das übliche Problem, dass die SSD nicht besonders lange diese hohe Schreibgeschwindigkeit durchhält und dann mit 400 bis 500 Megabyte pro Sekunde weiter macht. Das ist immer noch ausreichend flott für die meisten Anwendungen. Nach einer Weile fällt die Schreibgeschwindigkeit nochmals ab, – um diesen Punkt zu erreichen, muss man aber schon ziemlich viele Daten auf die SSD schreiben. Oder die SSD ist bereits sehr voll. Darunter leidet auch die Leistung und Lebensdauer, daher ist es gut, dass recht üppige 1 Terabyte Standard sind.

Kühlung: Gut gekühlt ist leis gewonnen

Das MateBook X Pro wird von zwei Lüftern gekühlt, die über zwei üppig dimensionierte Schlitze an der Unterseite frische Luft ansaugen. Da sich diese am Rand in einem abgerundeten Bereich befinden, werden sie von den meisten Blockaden wie den Beinen oder einem Tisch ferngehalten. Das kann sogar auf einem Sofa oder Bett funktionieren, auch wenn eine so staubige Umgebung allgemein gemieden werden sollte. Laut HUAWEI gibt es einen dritten Lufteinlass, den ich aber nicht identifizieren konnte. Möglicherweise handelt es sich dabei um die Tastatur. Gut erwärmt entweicht die Luft dem Notebook auf der Rückseite. Wichtig ist daher, dass hier nichts im Weg ist.

Wenn euch dieser Aufbau bekannt vorkommt: richtig, denn Apple nutzt ihn auch. Meiner Meinung nach verbessert HUAWEI das Design aber, denn die brutal scharfen Kanten, die sich in die Beine schneiden könnten, sind abgerundet und somit nicht mehr schmerzhaft. Die Ansaugöffnung ist zudem größer, was mehr Luft in das Gehäuse lässt. Und die Platzierung scheint mir noch etwas besser zu sein, besonders im Vergleich zu den PowerBook G4 – Verzeihung, ich meine den MacBook Pro der neusten Generation.

Im regulären Betrieb ist das Lüftergeräusch angenehm leise, maximal ein leichtes Rauschen kann ich vernehmen. Auch bei Volllast bleibt es bei einem (lauteren) Rauschen. Der Performance-Modus hebt diese Geräuschkulisse an, die allerdings wenig nervt. Die Lüfter höre ich nicht – ganz im Gegensatz zu meinem letzten Testgerät, das mich stets mit einem hochfrequenten Ton angekreischt hat. Es hilft eben, wenn die Designer den Luftstrom nicht mit winzigen Löchern blockieren.

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Die Oberseite bleibt auch bei intensiver Nutzung stets ausreichend kühl, die Unterseite ist sogar noch kälter. So macht auch die Nutzung auf nackten Beinen Spaß. Im Gegensatz dazu kann ich auf meinem MacBook Pro oberhalb der Touch Bar Spiegeleier zubereiten oder Tiefkühlpizzen in kürzester Zeit auftauen.

Möglichkeiten zur Lüftersteuerung oder einen Silent-Modus hat HUAWEI nicht implementiert. Aber da das Gerät sowieso immer leise ist, habe ich diese Option nie vermisst.

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Unser Fazit

Anfangs habe ich gefragt, wie HUAWEI den gehobenen Preis rechtfertigen will. Die Antwort ist einfach: Indem das Notebook einfach konsequent bis zum Ende durchdacht wurde und auf Qualität setzt. Indem man versucht hat, das perfekte Notebook für die anvisierte Zielgruppe zu bauen.

Ob das kalibrierte, gestochen scharfe und helle Display, der gute Sound mit – für ein Notebook – tiefen Bässen, die perfekte Tastatur oder das tolle Touchpad: Das sind alles Aspekte, die kaum in den Spezifikationen auftauchen, für die Zufriedenheit aber äußerst wichtig sind. Auch das stabile und dennoch vergleichsweise leichte Gehäuse überzeugt. So ein verwindungssteifes Notebook erlebe ich selten. Die Lackierung aller Oberflächen fühlt sich fantastisch an und scheint langlebig zu sein. Die Verarbeitung und Spaltmaße lassen sich nur als germanisch penibel bezeichnen. Als Beispiel sei die Power-Taste erwähnt, die trotz integriertem Fingerprint-Sensor so präzise eingearbeitet wurde, dass sie weder wackelt noch ein Spalt ersichtlich ist. Der Deutsche in mir ist begeistert.

Natürlich können auch die inneren Werte überzeugen. Der leistungsstarke Prozessor ist allen alltäglichen Aufgaben gewachsen und eignet sich zur Bildbearbeitung. Das Kühlsystem hat leichtes Spiel mit den verbauten Komponenten und ist dementsprechend angenehm leise im Betrieb. Und in der neusten Generation könnt ihr sogar mit noch mehr Leistung rechnen. Wenn ihr also auf der Suche nach einem hochwertigen und durchdachten Notebook seid, solltet ihr euch das HUAWEI MateBook X Pro auf jeden Fall ansehen.

Kommentare

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Gepostete Kommentare

Marcel 14.12.2023, 18:16 Uhr

Hallo Daniel, für mich als eingefleischten HUAWE MateBook X Pro-Fan ein toller und aufschlussreicher Artikel! Was ich allerdings nirgendwo finden kann, ist das aktualisierte 2023er-Matebook Pro x mit 32 Gigabyte RAM, von dem du sprichst - weder bei Cyberport im Shop (auch nicht unter deinem Link), noch bei anderen, gängigen Hardware-Anbietern. Kannst du die Quelle nennen, von der diese Information stammt? Vielen Dank.

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