Zukunft in 3D? Teil 3: Fotos und Videos

von dirk-haase

· 7 min Lesezeit

Der dritten Dimension auf der Spur…
Nach den ein wenig enttäuschenden Besuchen im Kino und dem für die Augen anstrengenden Spielen mit anaglyphem 3D steht die Erzeugung von eigenem 3D-Material in Form von Fotos und Videos auf dem Plan. Fotos ließen sich bisher schon mit etwas Handarbeit erzeugen, was aber nur bei sich nicht bewegenden Objekten gelang, Videos dagegen waren ein Fall für teure Spezialhardware. Im September 2009 betrat ein erster Kandidat die Bühne – die Fuji Real 3D W1, eine 3D-Kamera im Kompaktformat. Seit September 2010 gibt es den Nachfolger zu kaufen, die Fuji Real 3D W3. Die Konkurrenz schläft aber nicht und so ist auch Aiptek mit einer 3D-Kamera vertreten.
Fuji Finepix Real 3D W3
Mit der W3 bringt Fujifilm bereits die zweite Generation der Real 3D-Kamera auf den Markt. Mit den mittlerweile erhältlichen 3D-tauglichen Monitoren und TV-Geräten ist eine große Basis an Vorführgeräten vorhanden, was bei der W1 vor einem Jahr noch nicht der Fall war. Der W3 genügt es, sie per HDMI-Kabel mit einem 3D-Fernseher zu verbinden um die Fotos und Videos wiedergeben zu können. Weitere Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger sind das größere Display (3,5 Zoll) auf dem die 3D-Aufnahmen ohne Brille betrachtet werden können. Dennoch wurde die gesamte Kamera etwas kleiner und leichter.

Im Gehäuse sind die beiden Optiken ganz außen untergebracht um einen guten 3D-Effekt erzeugen zu können. Je mehr der Linsenabstand der Kamera (75mm) dem der menschlichen Augen (76 mm bei mir) entspricht, desto realer wird der 3D-Eindruck. Es folgen die zwei Mikrofone für den Stereoton und direkt in der Mitte befindet sich das Blitzlicht. Mit beiden Objektiven werden Fotos jeweils mit 10 Megapixel und Videos in der kleinen HD-Auflösung (1280×720) aufgenommen. Beide Objektive können unabhängig voneinander den bis zu dreifachen optischen Zoom nutzen – für eine gleichzeitige Aufnahme im Weitwinkel und eine mit vollem Zoom. Laut Handbuch sind allerdings nur 150 Aufnahmen pro Akkuladung möglich, somit sollte ein zweiter Akku gleich dazu gekauft werden. In diesen beiden Punkten ist die Aiptek i2 im Vorteil, denn deren Akku lässt bis zu 1000 Aufnahmen (lt. Handbuch) zu und er kann per USB beladen werden. Videos werden als .avi gespeichert, Fotos als .mpo, wahlweise zusätzlich als jpg.

Auf der Rückseite finden sich neben dem großen Display, ein Modus-Wahlrad, eine 4-Wege-Wippe für die Navigation im Menü und vier Knöpfe (Wiedergabe, Umschaltung Foto/Video, Display und 3D/2D-Umschaltung). Zum Lieferumfang gehören neben der Kamera ein Akku (NP-50), ein Ladegerät, ein USB-Kabel, ein QuickStart-Guide, ein Handschlaufe und eine Software-CD. Schon das Handbuch (128 Seiten für einen Sprache) zeigt es, die Bedienung ist nicht so einfach wie die der Aiptek i2, dafür bietet die W3 aber auch wesentlich mehr. Für den Anfang sollte man wohl den Auto-Modus nutzen um ein Gefühl für die 3D-Fotografie und deren Tiefenwirkung zu bekommen. Neben den 13 Motivprogrammen, gibt es einige Modi für Fortgeschrittene: „Einzelverschluss 3D Modus“, „Parallaxen Kontrolle“ usw.

Wer seine Fotos ganz traditionell auch auf Papier haben möchte, für den bietet Fuji an, die Fotos mit 3D-Effekt zu entwickeln. Es ist aber sinnvoll nicht jedes Foto entwickeln zu lassen und vorher einen Blick in den Guide zu werfen. Bei einem Preis ab 4,49 EUR pro Bild schont das auf jeden Fall den eigenen Geldbeutel.

Fujifilm stellt auf der Homepage zur Kamera auch Beispielfotos und Videos zur Verfügung, so das man auch ohne Kamera etwas experimentieren kann. Ebenso findet sich dort das umfangreiche Handbuch. Zusammen mit der Kamera wird die Windows-Software „MyFinePix Studio“ geliefert. Darüber lassen sich die Fotos und Videos von der Kamera importieren oder bereits lokal gespeicherte bearbeiten. In der aktuellen Version (2.0/4.1.1.1) gibt es leider noch keine Minivorschau für Videos, Fotos haben eine. Zu diesen sind auch Detailinformationen abrufbar. An der rechten Seite des Fensters gibt es mehrere Knöpfe, um die Fotos/Videos nach YouTube und facebook zu exportieren, die Detailinfos (nur für Fotos) anzusehen, Fotobücher zu erstellen (aktuell noch ohne Funktion) und ein Dialogfenster um Filme zu schneiden, zu exportieren und zusammenführen bzw. Fotos zu teilen (ein 3D-Bild in zwei 2D-Bilder) bzw. wieder zusammenführen. Das verarbeiten mehrerer Dateien scheint nicht möglich zu sein – bei Markierung mehrerer 3D-Fotos bleibt der Konvertierungsknopf inaktiv.

Über die untere Toolbar lässt sich eine Diashow starten, Fotos ausdrucken, verschicken oder auf CD/DVD sichern. Ebenso steht ein einfacher Fotoeditor zur Verfügung – zur Optimierung, Drehen, dem Entfernen roter Augen, zuschneiden und ein paar Effekten.

MyFinePix Studio – Hauptansicht
MyFinePix Studio – Detailinfo zum Foto
MyFinePix Studio – Toolbox
MyFinePix Studio – 3D-Film schneiden
MyFinePix Studio – 3D-Film schneiden
MyFinePix Studio“

Links:

  • Software
  • Handbücher

    Hinweis zu den Bildrechten: Alle in den Screenshots zu sehenden Fotos/Videos sind jene von der W3-Produktseite.

    Aiptek 3D i2
    Als „der erste kompakte 3D HD Camcorder der Welt“ wird die i2 von Aiptek beworben. Abweichend von den üblicherweise quer gehaltenen Kameras wird die i2 hochkant verwendet. Videos werden in 720p (1280×720 Pixel) und Fotos mit 5 Megapixel Auflösung gespeichert. Gegenüber den Real 3D W3 beschränkt sich die Bedienung auf wenige Knöpfe und Funktionen: Video aufzeichnen, Foto schießen, zwischen 2D und 3D umschalten sowie Foto/Video löschen. Weitere Optionen erschließt das Menü, welches über einen Minijoystick in der Mitte des Gerätes bedient wird. Im unteren Teil des Gerätes befindet sich ein ausfahrbarer USB-Stecker, ob man das Gerät überall direkt anstecken kann, wage ich auf Grund seine Länge zu bezweifeln. Eine miniUSB-Buchse hätte es sicher auch getan und ein USB-Kabel gehört zum Lieferumfang.


    Beispielvideo (für eine korrekte Wiedergabe musste ich zuerst im 3D-Menü des YouTube-Players in einen anderen Modus schalten und dann wieder zurück zu „Red/Cyan Glasses: Full Color“).

    Unterhalb der beiden Linsen befindet sich jeweils ein Mikrofon, damit der Ton in Stereo aufgezeichnet werden kann. Über den Minijoystick lässt sich der Wiedergabe-Modus aufrufen. Über das mitgelieferte HDMI-Kabel können die Aufnahmen direkt an einen 3D-Fernseher ausgegeben werden. Besitzt man nur einen 2D-Fernseher, werden die Aufnahmen als „Stereobildpaar“ wiedergegeben. Um eine Wiedergabe im anaglyphen Format zu erhalten, müssen die Aufnahmen an einem PC mit der mitgelieferten Software „TotalMedia HD Cam“ in die Rot-Grün-Variante konvertiert und anschließend auf die Speicherkarte in einen speziellen Ordner zurückkopiert werden. Der Akku hält laut Handbuch für 1000 Fotos oder 60 Minuten Video. 1000 Fotos sind beeindruckend, die Real 3D W3 soll nur 150 Fotos schaffen. Videos werden im .mp4-Format aufgezeichnet, Fotos als jpg – jeweils in der „Side-by-Side“-Variante (Videos bzw. Fotos werden nebeneinander gespeichert, siehe Bild 06). Der Camcorder kann SD-HC-Karten mit bis zu 32GB Kapazität aufnehmen und soll einen direkten Upload zu YouTube ermöglichen. Zum Lieferumfang gehören der Camcorder selber, je ein HDMI und USB-Kabel, Akku mit 1200 mAh Kapazität (wird per USB geladen), Tasche, 3D-Brille (anaglyph), Quick-Start-Guide und Software-CD. Der aktuelle Preis liegt bei unter 200 EUR.

    Link:

  • Downloads (Handbuch, Software, Firmware)

    Durch das Side-by-Side-Verfahren auch für Videos wird den Kommentaren in diversen Foren im Internet zufolge die horizontale Auflösung halbiert, damit würden von den 1280 Pixeln in der Breite nur noch 640 bleiben. Und damit wäre das Video nicht mehr wirklich HD. Da Aiptek im Gegensatz zu fujifilm keine echten Beispielaufnahmen zur Verfügung stellt, lässt sich das leider ohne reale Hardware schlecht beurteilen. Die Videos bei YouTube überzeugen mich jedenfalls nicht. Ebenso bietet der i2 kein Blitzlicht, was Innenaufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen erschwert.

    Alternative Weiterbearbeitung
    Der StereoPhotoMaker ist eine Kombination aus Konvertierungsprogramm und Bildbetrachter. Das Programm beschränkt sich nicht auf ein 3D-Format, sondern kann mehrere verschiedene öffnen (Nebeneinander, Interlace, SIS, Tri-Delta, L-R-L, Übereinander und Anaglyph). Über den Menüpunkt „Stereo“ und dem entsprechenden Untermenüpunkt kann zwischen den verschiedenen Anzeigeformaten umgeschaltet werden. Die wichtigsten sind per Taste aufrufbar, zum Beispiel [F7] für die farbige anaglyphe Darstellung. Fotos lassen sich in mehreren 3D-Formaten speichern, so das eine Wiedergabe auf dem eigenen Gerät kein Problem mehr sein sollte. Mit der Mehrfachkonvertiertung lassen sich die Fotos eines ganzen Urlaubs in einem Rutsch konvertieren – die Parameter werden im Export-Dialog eingestellt.

    Wer mit der 3D-Wirkung nicht zufrieden ist, kann im Justage-Dialog eine Feinabstimmung durchführen und die beiden Teilbilder neu zueinander ausrichten. Im Hilfe-Menü versteckt sich noch ein kleines „Easter-Egg“ – mittels Google Earth-Plugin kann von der aktuell dargestellten Postion ein 3D-Bild erzeugt werden. Diese Funktion steht auch als einzelnes Programm, als Stereo GE Browser zur Verfügung. Ebenso bietet das Programm die Möglichkeit 3D-Text und ein Logo hinzuzufügen, damit kann die Diashow komplett in 3D erfolgen.

    Tipp: Um einfach und schnell 2D-Fotos zu erhalten wählt man im Datei-Menü die Mehrfachkonvertierung und als Dateityp Zieldatei „Linkes Bild“ (oder „Rechtes Bild“). Oder ganz einfach – nachdem ein Backup oder ein Kopie des Fotos erstellt wurde – die Dateiendung von .mpo in .jpg ändern.

    StereoPhotoMaker – Hauptfenster
    StereoPhotoMaker – Mehrfachkonvertierung
    StereoPhotoMaker – Justage
    StereoPhotoMaker – (c) Google Earth 3D
    StereoPhotoMaker – (c) Google Earth 3D
    StereoPhotoMaker“

    Das Gegenstück für Videos ist der StereoMovie Maker. Dieser kann allerdings erst nach der Installation eines passenden „mjpg-Video-Codecs“ genutzt werden. Nach dem Öffnen eines 3D-Videos kann dieses in verschiedenen Verfahren angezeigt, wiedergegeben und gespeichert werden (siehe Bild 13). Verwundert hat mich die breite Unterstützung von Windows98SE bis zu Windows7. Die Windows98SE-Rechner sind mit Sicherheit „etwas“ zu schwach um vernünftig mit dem Programm arbeiten zu können. Mehrere Tutorials sind am unteren Ende der Projektseite verlinkt und erleichtern den Einstieg in das Programm.

    Vom selben Programmierer gibt es viele weitere interessante Programme. Zum Beispiel DVD2StereoAVI um normale DVDs mit 3D zu versehen. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich auf jeden Fall.

    StereoMovieMaker – Hauptfenster - Color Angraph View
    StereoPhotoMaker – Hauptfenster - Side-by-Side-View
    StereoMovieMaker – Ansichtsmenü
    StereoMovieMaker – Export
    StereoMovieMaker – Export
    StereoMovieMaker“
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