Warenagenten leben gefährlich
Agenten, sind das nicht die coolen Typen die in zivil verkleidet Geheimaufträge erledigen und schließlich für Ordnung und Sicherheit sorgen sollen? Zugegeben: Beim ersten Lesen klingt „Warenagent“ irgendwie ganz lässig und erinnert an den beim britischen MI6 operierenden James Bond. Aber mal davon abgesehen, dass selbst regierungsnahe Agenten nicht immer Ordnung stiften, haben auch „Warenagenten“ und ihre Auftraggeber keine weiße Weste.
Da auch wir von Cyberport bereits Opfer dieser kriminellen Organisationen wurden und uns die Polizei hin und wieder um Mithilfe gebeten hat, wollen wir euch kurz erklären, worum es geht.
Nebenjob: Agent
Es klingt verlockend und ähnelt als Jobangebot eher dem eines Homeoffice-Postboten: Pakete annehmen, Inhalt prüfen, neu labeln, weiter verschicken, Geld kassieren. Das Problematische ist nur, dass sich in den Paketen meist kriminell erstandene Waren befinden, deren Verbleib durch die Warenagenten verschleiert werden soll. Das heißt: Kriminelle Organisationen erstehen mit geklauten Kreditkartendaten Waren und lassen sie an den Warenagenten schicken. Dieser nimmt das Paket an und leitet es an das von den Organisationen vorgegebene Ziel weiter. Oft sind zudem mehrere Warenagenten hintereinander geschaltet, um den eigentlichen Empfänger zu vertuschen. Es ist damit nichts anderes als eine Form der Geldwäsche.
Laut des Bundeskriminalamts kommen derartige Anfragen häufig per Mail und haben in etwa folgenden Inhalt:
„Betreff: 7858 pro Monat ist vorstellbar. Anlieferer gesucht!!! Auch fuer Fruehrentner geeignet! Ein Fahrzeug kann gestellt werden. Bewerbung bitte an xxx“
Nehmen die Empfänger solcher Mails das Angebot an, sollen Provisionen von rund 30 Euro pro Paket und zusätzlich die Versand- und Benzinkosten möglich sein. Da neben diesen lukrativen Offerten die Verträge außerdem recht seriös wirken (telefonisches Vorstellungsgespräch, Arbeitsvertrag, …), fallen immer wieder Leute darauf hinein und geraten nicht selten in Kontakt mit der Polizei. Entweder, weil sie aufgrund ausbleibender Zahlungen selbst skeptisch werden und sich bei den Behörden melden, oder weil die Polizei ihnen zuvor kommt und ihnen Geldwäsche und Beihilfe zu Straftaten unterstellt. Weil das Unwissen über die eigene Mittäterschaft dann nur schwer zu beweisen ist, müssen die Betroffenen mit den entsprechenden Strafgeldern und Freiheitsstrafen rechnen.
Lasst euch nichts vormachen
Das Geschäft lohnt sich also nur für die kriminellen Organisationen, nicht für den Warenagenten. Und selbst wenn tatsächlich mal eine Überweisung eintreffen sollte, sei geraten: Seid skeptisch, lehnt das Angebot im Zweifel eher ab oder informiert euch vorab bei behördlichen Stellen, ob es sich um einen real existierenden Arbeitgeber handelt.
Zum einen ist das Risiko des Erwischtwerdens recht hoch und zum anderen ist eine Kooperation mit Kreditkartenbetrügern, Hehlern oder sonstigen Auftraggebern auch aus moralischer Hinsicht fragwürdig. Schließlich kann man nie wissen, welche dubiosen Wirtschaftszweige mit der eigenen Arbeit gefördert wird. Seid also wachsam.









