Glasfaser gestern und heute

von joerg-pittermann

· 3 min Lesezeit

Lichtgeschwindigkeit voraus…
Bildquelle: Wikipedia, Autor: Srleffler, veröffentlicht unter CC-Lizenz in der Version 1.0, 2.0, 2.5 und 3.0.

Glasfaser ist das Gute und das Böse in einer Person. Ohne Glasfaserkabel würde es heute kein so schnelles Internet geben und gleichzeitig gibt es in Ost- und Westdeutschland noch Gebiete, die dank Glasfaser keinen DSL-Anschluss, sprich keine schnelle Internetverbindung bekommen können. Warum ist das so? Um die Frage ordentlich zu beantworten und um die Zukunft von Glasfaser beschreiben zu können, muss man doch etwas weiter ausholen: Telefonleitungen bestanden zum größten Teil aus Kupfer, hier werden die Signale elektrisch mit Strom übertragen. Das funktioniert wunderbar, wenn die Kabel nicht zu lang sind, denn das Material dämpft das Signal stark ab, d.h. je länger das Kabel desto geringer die Leistung die hinten rauskommt.
Auch sind Kupferkabel, die zu nahe aneinander liegen auch gegenseitigen Störungen ausgesetzt – d.h. die Signale auf den einem Kabel können die Signale auf dem anderen Kabel verfälschen. Mit Glasfaser gab es einen neuen und interessanten Ansatz, den die Deutsche Bundespost und andere, große Telekommunikationsgesellschaften in der ganzen Welt in den 80er Jahren verfolgt haben. Glasfaser wird aus geschmolzenem Glas gewonnen, dass in dünne Fäden gezogen wird. Mit Glasfaser werden Informationen nicht mittels Strom übertragen, sondern mittels Licht, das hat den absoluten Vorteil dass die Bits und Bytes nicht verloren gehen, weil das Kabel zu lang ist, und die Informationen können parallel laufen, ohne sich zu beeinflussen. Ein weiterer, wichtiger Punkt bei Glasfaser sind die hohen Übertragungsraten von mehr als 100 Gigabit/s. Zum Vergleich, ein DSL-Standardanschluss kann 2 Mbit/s übertragen. Die Technik wurde Mitte der 80er Jahre von der Deutschen Bundespost in den Regelbetrieb übernommen und die sogenannten Backbones mit Glasfaser ausgebaut.

Die Anschlüsse der Vermittlungsstellen zum Kunden wurden noch weiterhin in Kupfer gelegt, denn kein Mensch konnte sich damals die Dimension ausmalen, welchen Einfluss das Internet heute auf unser Leben hat. Mit der Wende war die Deutsche Bundespost mit der Aufgabe vertraut worden, das unterentwickelte Telefonnetz der untergegangenen sozialistischen Republik grundlegend zu erneuern, und die Bundespost entschied sich damals für die neueste Technologie: Glasfaser, denn Kupfer bot zur damaligen Zeit nur Nachteile. Auch hatte sich der Einsatz von Glasfaser in einigen westdeutschen Städten wie Kaiserslautern z.B. schon als erfolgreich herausgestellt. Mit dem Internet- und DSL-Boom der ersten Jahre des neuen Jahrtausends stellte sich aber heraus, dass die schnellen Internetanschlüsse nur mit Kupferkabel, aber nicht mit Glasfaser funktionierten. Bis weitere Technologien entwickelt wurden, dies es ermöglichten, dass auch mittels Glasfaser DSL genutzt werden konnte, verging einige Zeit und an manchen Orten hat die jetzige Deutsche Telekom teilweise auf Kupfer wieder rückgebaut.

Aber Kupferkabel zeigen bei steigenden Bandbreiten immer mehr Schwächen auf, so können z.B. auf Grund der Dämpfung die schnellen 16-Mbit-Anschlüsse nur in relativer Nähe zu einer Vermittlungsstelle angeboten werden, je weiter ein Anschluss von einer Vermittlungsstelle entfernt ist, desto höher ist die Dämpfung und desto geringer ist die Leistung. Auch können viele Orte nicht an das schnelle Internet angeschlossen werden, weil die Vermittlungsstelle zu weit weg ist, dass sind die sogenannten weißen Flecken. Und so erlebt Glasfaser seine Renaissance, Glasfaser muss über die Vermittlungsstellen hinaus näher zum Kunden kommen. Hier gibt es verschiedene Ansätze die letztendlich darauf hinzielen, dass Glasfaser bis hin zum direkten Kundenanschluss verlegt wird, so dass der Anwender quasi direkt Zugang zu den schnellen Internetleitungen hat – Bandbreiten von 100 Mbit/s sind somit keine Utopie mehr. Aber dieser Technikvorsprung hat natürlich auch seinen Preis, Glasfaser ist in der Summe immer noch teurer als Kupfer und die meisten Kunden können mit der hohen Bandbreite von 100 Mbit/s noch nichts anfangen, da der Bandbreitenbedarf noch nicht gegeben ist. Auch sind viele Server natürlich noch nicht auf einen so schnellen Zugriff ausgelegt. Aber wie jede gute Firma planen die Telekommunikationsunternehmen einige Jahre im Voraus, genauso wie wir Kunden jetzt das Internet über einen DSL-Anschluss bekommen, werden in Zukunft die Telefonate, das Internet, Fernsehsendungen und noch mehr Dienstleistungen allesamt aus dem Glasfaserbündel kommen, dass wohl bald Standard in der Wohnungsausstattung werden wird.

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