Erfahrungsbericht: iPad vs. Macbook Air – Teil 5 von 5
Finale Abrechung…
iPad oder kleines Macbook Air? Welcher dieser Kandidaten erfüllt am besten die Vorrausetzungen für ein kleines, leichtes und vor allem effizientes Rechnersystem für Unterwegs. In einem mehrteiligen Erfahrungsbericht gehe ich der Frage nach, wie viel Computer braucht der Mensch für die tägliche, mobile Nutzung. Muss es zwangsläufig ein ausgewachsener Rechenknecht sein, oder erfüllt auch eine Touchscreen-Flunder die gestellten Aufgaben nach Wunsch? Die finale Antwort darauf gibt es jetzt im abschließenden Bericht.
So, jetzt habe ich die beiden Geräte ausführlich genutzt und stehe am Ende der Entscheidung wie ich im Jahr 2011 die Anforderungen an meine Technik definieren möchte –getreu dem Motto „Kleiner, leichter, effizienter“. Beide Geräte liefern überzeugende Argumente, beide Geräte sind einfach nur toll und haben (unter Berücksichtigung ihrer Möglichkeiten) keine wirklichen Schwächen. Wahrscheinlich wird sich in den folgenden Kommentaren der eine oder andere darüber mokieren, dass das Air dies nicht kann, dass das iPad wiederum unfähig ist etwas anderes zu vollbringen. Doch man sollte bedenken: In meinem, persönlichen Nutzerprofil kommen viele Sachen heutzutage einfach nicht mehr vor, weil sie mir entweder zu kompliziert erscheinen oder einfach per se zu altmodisch sind. Ich selbst versuche mit der heutigen Zeit zu gehen, immer vorne mit dabei zu sein – insbesondere in Bezug auf die Technik die mich umgibt und die ich mir kaufe. Andererseits würde ich ja immer noch meinen erstes Notebook von vor über 10 Jahren besitzen oder gar meinen Rechner der vor über 20 Jahren in mein Leben kam nutzen. Nein, die Welt bewegt sich vorwärts, und so sollte man auch Leben. Apropos: In einem Vortrag, den ich vor einigen Tagen besucht habe, hat ein schlauer Mann folgendes gesagt. „Technologie ist nur das, was nach unserer Geburt erfunden wird“ – alles was bereits vor unserer Geburt vorhanden war ist daher einfach nur alt. Und auch wenn ich mein Geburtsjahr nicht verändern kann (und will), versuche ich meinen Anspruch an Technologie immer weiter nach vorne zu drängen. Bei mir schaut dies so aus: Privat besitze ich inzwischen nur noch Technik, die im Jahr 2010 auf den Markt kam. Der Rest ist mittlerweile verkauft bzw. verschrottet – Nostalgie an dieser Stelle ist nicht wirklich notwendig. Genug bezüglich meiner Kaufgewohnheiten, zurück zum Erfahrungsbericht. Schauen wir also auf meine gesammelten Erfahrungen und beginnen wir mit dem Herausforderer, der den Platz des Notebooks in meinem Leben beerben möchte: Dem iPad.
Funktionalität des iPads
Das iPad ist einfach nur gigantisch, wenn es um den Konsum von Medien geht – egal ob Blogs, News, eBooks und Apps zur Information oder Wissenserweiterung. Ich habe das iPad ständig bei mir und lese mehr als vorher. In fast jeder freien Minute kann ich mal eben schnell das iPad aus der Tasche nehmen, fix den Bildschirm einschalten und diverse Inhalte konsumieren. Entweder Content der offline bereits vorhanden ist oder Dinge die eine Internet Verbindung voraussetzen. Dank UMTS und Wifi bin ich in fast allen Fällen immer online und habe immer Zugriff. Zum Vergleich: Ich habe die Nutzungszeiten von Macbook Air und iPad aufgezeichnet – beim iPad habe ich unterm Strich immer mehr gemacht, war stets produktiver im Sinne von Input aufnehmen. Kurzum ich war wieder begeistert und habe mich selber nicht mehr verstanden. Zur meiner Verteidigung muss ich anführen, dass ich mich vor 12 Monaten in einer anderen Lebenssituation befand – diese haben sich mittlerweile geändert und stehen dem Nutzerprofil eines iPads nicht mehr im Weg.
Das iPad ist einfach so genial, weil es nicht wesentlich größer als ein Buch ist und weil ich es somit einfach in der Hand halten kann. Egal ob ich in der U-Bahn bin, im Bett liege, auf einem Sofa bei Starbucks sitze oder einfach unterwegs was nachschaue: Ich halte das Internet, die Informationen in einer Hand und kann einfach damit interagieren, die Informationen „berühren“ und nicht über ein Trackpad mit einem Mauszeiger ansteuern. Wie unpersönlich und langsam das doch ist, wie antik dies doch ist. Surfen mit dem iPad ist eine ganz andere Welt. Das kapazitive Display schafft es, dass man das Web direkt berühren kann, so dass man ganz Nahe dran ist. Das Gefühl ist ein ganz anderes als mit einem Notebook oder einem klassischen Computer – man sitzt halt mindestens immer ein paar Dutzend Zentimeter von Bildschirm entfernt und kann das Internet nur über Hilfsmedien wie Maus, Trackpad oder Tastatur bedienen. So ist man irgendwie distanziert und weit entfernt vom Medium. Mit dem iPad ist man einfach schneller, mal eben etwas vergrößern, woanders hinscrollen, das geht auf dem iPad wesentlich intuitiver und angenehmer für die Augen.
Ein weiterer Punkt: Die Bildschirmauflösung. Das iPad bietet genug Platz für die meisten Webseiten, ohne das man zuviel Scrollen muss oder das man den Text vergrößern müsste. Auf einem 27-Zoll-Display surfe ich dagegen gänzlich anders: Erstens muss ich zwangsweise an einem Schreibtisch/Tisch sitzen und irgendwie werde ich für das Surfen mit solchen Displaygrößen nicht wirklich warm – die Webseiten hängen etwas verloren im Raum. Wenn ich mir meine privaten Mails anschaue, dann finde ich selten lange Textwüsten, sondern eher E-Mails mit Fotos, Videos, Links oder kurzen Kommentaren. Ich möchte das ungern mit Twitter oder SMS vergleichen, aber in die Richtung geht es schon und dafür ist natürlich die Mail-App des iPads hervorragend geeignet. An der linken Hand findet man den entsprechenden Ordner der Postfächer, tippt man auf eine Mail wird der Inhalt der E-Mail auf dem kompletten Display angezeigt und ich kann wieder mit den Fingern über die E-Mail fahren, mir Bilder anschauen, Texte lesen oder schnell mal eben zurückschreiben – ein paar Worte, ein schneller Kommentar. Perfekt umgesetzt: Schnell und einfach, so wie das Mailen eigentlich sein soll.
Im iPhone nutze ich die Kalender-App nicht wirklich gerne, ich lasse mich lieber an Termine erinnern und trage die Termine in meinem Exchange-Kalender ein. Beim iPad ist die Kalender-App dagegen etwas ganz anderes, hier schaue ich gerne rein, hier ist mit viel Liebe ein guter und nützlicher Kalender visualisiert worden – kurzum, hier macht das Lesen und Bearbeiten des Kalenders einfach nur Spaß.
Der Konsum von Multimedia kann aus kurzen Youtube-Videoschnippseln bestehen oder Filmklassiker wie Casablanca beinhalten. Natürlich machen letztere auf einem 50-Zoll-Display einen besseren Eindruck und lassen sich auch mit Freunden schauen, aber wenn man mal eben schnell was schauen ansehen möchte, dann ist das iPad schneller zur Hand, dazu noch ein Klick auf die entsprechende App, die mir Multimediaangebote feilbietet (oder einfach iTunes) und schon kann man auch mal entspannt im Bett oder auf dem Sofa Multimedia genießen. Google und Wikipedia helfen in (fast) allen Lebenslagen weiter, wenn es darum geht Informationen zu finden und darzustellen. Aber irgendwie sind manchmal Apps doch besser – egal ob man sich über das Periodensystem informieren möchte oder einmal einen Spaziergang durch das Sonnensystem unternimmt – mit Apps gibt’s mehr Wissen in schicker Datenvisualisierung. Selbiges gilt auch für das Lesen von Texten und Informationsschnipseln: Das Lesen von kompletten Büchern auf dem LCD-Display ist nicht sonderlich sinnvoll, aber wenn man hingegen mal kurz Informationshappen lesen möchte, dann schlägt die Stunde des iPads. Egal ob PDF, Apps oder Internet, mit dem iPad ist man immer näher dran und kann in fast jeder Lebenslage schnell mal was nachschlagen – in der U-Bahn oder im Auto würde ich mal eben nicht den Laptop aufklappen und warten bis das OS verfügbar ist. Mit dem iPad ist dies aber schnell erledigt.
Wie schon auf dem iPhone haben auf dem iPad die Spiele-Entwickler mit Multitouch und Lagesensoren komplett neue Möglichkeiten. Die Games werden auch anders wahrgenommen, sind intensiver und finden halt nicht ein paar Meter Entfernung auf dem Fernseher oder in ein paar Dutzend Zentimeter Distanz auf dem Computerbildschirm statt, sondern sind direkt in der Hand und können auch wieder überall gespielt werden. Und das ist wieder etwas, was nur das iPad bzw. entsprechende Tablets ermöglichen. Und das zu einem verhältnismäßig kleinen Preis, wenn man einfach mal Nintendo-DS- oder Sony-PSP-Spiele mit denen eines iPads vergleicht.
Mein Fazit zu dem iPad ist ganz simpel: Ja es ist ein geniales Gerät für den Medienkonsum, für das Lesen, für das Videoschauen, für das Surfen und für die kleinen Aufgaben des privaten Home-Offices. Und es ist eine ideale Ergänzung zum iPhone: So kommt das iPhone mit wenn ich mal am Wochenende unterwegs bin, wenn ich mal kurz skypen möchte, wenn ich schnell mal was nachschauen möchte. Wenn ich etwas mehr lesen möchte, wenn ich wirklich konsumiere, dann ist das iPad die richtige Wahl. Möchte ich hingegeben etwas schreiben, also etwas Erzeugen, dann ist das iPad nahe dran am dem perfekten Formfaktor: Klein leicht und dank des Apple Keyboard Docks ausreichend mit einer Tastatur bestückt um mal etwas zu schreiben. Alles was darüber hinaus geht erfordert hingegen ein Notebook, jedoch alles was darüber hinaus geht mache ich persönlich in meinem Fall des Privatlebens nicht wirklich und deshalb kann ich darauf verzichten. Wer noch immer an der Idee des iPads zweifelt, der soll sich einfach die Frage stellen, ob im Jahr 2011 diese Beschränkungen wirklich noch stören oder ob man einfach mal umdenken sollte und auf neue Lösungsansätze zugeht.
Funktionalität des MacBook Air 11 Zoll
Für sich betrachtet ist das MacBook Air eine Zierde – eine Designikone unter den Laptops. So klein, so leicht, so kraftvoll und doch so „altmodisch“ wenn man es neben ein iPad legt. Wenn man es aufklappt, und benutzt, dann ist es natürlich nicht das gleiche wie ein iPad – es ist kein Buch, man kann es nicht richtig in der Hand halten und man kann auch das Internet nicht mit den Fingern berühren. Für mich persönlich wäre dies schon ein Killerargument – wie schon erwähnt, bin ich einfach nur fasziniert von der Leichtigkeit des Surfens mit dem iPad.
Das MacBook Air hingegen punktet beim Tippen von Texten wie diesem hier – hier ist das Air absolut ungeschlagen gut. Wenn ich mir noch eine weitere Eigenschaft überlege die das MacBook Air dem originalen iPad voraus hat und die ich auch wirklich benötige, dann ist es Skype bzw. die iSight Kamera. Aber ich kann ja mein iPhone benutzen oder das neue iPad 2 erwerben. Würde ich mit dem MacBook Air häufiger unterwegs sein, dann könnte ich letztendlich auch all die Dinge erledigen, für die ich bisher ein größeres MacBook Pro mit 13 Zoll benötigte – vielleicht keine CDs oder DVDs rippen und andere Aufgaben die einen schnelleren Prozessor und bessere Hardware brauchen, aber genau das mache ich nicht (mehr) mit meinen Notebooks. Vor die Frage gestellt ob ich das Air als alleiniges Notebook akzeptieren würde (und ich nicht die Wahl zwischen Air und iPad hätte), dann würde mir das Air in fast allen Belangen ausreichen. Allerhöchsten noch ein netter Monitor von Apple mit 27 Zoll und eine Tastatur dazu – dann wäre das Gesamtpaket für Zuhause und für die Reise gut geschürt.
Ein anderer Punkt, den ich an dieser Stelle noch ansprechen muss ist der Preisvergleich. Ein Macbook Air 11 Zoll in der Grundausstattung ist doppelt so teuer wie ein iPad in der Grundausstattung (natürlich kann es auch mehr) aber nicht unbedingt das was ich benötige, es wird für mich persönlich nicht der Mehrwert geboten den ich gerne und bereitwillig zahlen würde. Und am Ende würde mir dann doch ein iPad fehlen, welches ich dann trotz des MacBooks Air kaufen würde.
Mein Fazit zu dem MacBook Air ist genauso simpel wie für das iPad: Ja, es ist ein wunderbares Gerät für die Medienerstellung (wenn man nicht gerade wirklich Performancehungrige Sachen macht). Aber für den reinen Medienkonsum gibt es bessere Gerätschaften wie eben das iPad.
Fazit
So liegt es schlussendlich wie so oft am Nutzer zu entscheiden was er machen möchte – Medienkonsum oder Medienerstellung. Mit dem Wissen, das es zwei Geräte gibt, die jeweils eine Disziplin perfekt beherrschen ist es schwer sich genau für eins zu entscheiden und glücklich zu sein. Der geneigte Leser wird sich an dieser Stelle bereits an seinen zehn Finger abzählen können, wie meine Entscheidung ausfallen wird – pro iPad. Ja, aber trotzdem gehen beide Geräte zurück und ich warte auf das iPad der zweiten Generation, das nochmals alles besser kann als das originale iPad. Vor zwei Jahren hätte ich mich anders entschieden, dann wäre auch nicht mal das MacBook Air in die engere Wahl gekommen weil es für mich nicht Leistungsstark genug wäre. Aber jetzt, mit meinen Ansprüchen ist das Macbook Air der komplette Overkill, es kann zwar theoretisch mehr als ich persönlich benötige aber trotzdem weniger – Stichpunkt Bedienung und Nutzerverhalten. Deshalb ist das iPad die perfekte Wahl für mich: Es macht genau das was ich will, für einen geringeren Preis, ist kleiner und insgesamt effizienter.








