Die ersten Cloud-Kriege!
Amazon steigt in den Ring…
Bereits Ende Januar verwies ich in einem Bericht auf den nächsten Mega-Trend in diesem Jahr: Musik aus der „Wolke“. Dies heißt, Musik auf die wir immer und überall zugreifen können, wenn wir nur eine Netzverbindung vorweisen können. Jetzt hat sich der erste Anbieter aus der Deckung gewagt und das Spiel eröffnet. Obwohl, dass ist so nicht ganz korrekt formuliert, denn im Grunde hat sich nun der erste große und wirklich ernstzunehmende Player auf dem Markt der Sache angenommen und letztlich Nägel mit Köpfen gemacht. Und zwar jemand, den man diesbezüglich vorher nicht wirklich auf dem Schirm hatte, der sich in den letzten Jahren unter anderem vom Bücher- zum Elektronik- bis hin zu einem Alles-Versender entwickelte und der zudem noch seine gigantische IT-Infrastruktur zur kostenpflichtigen Nutzung an Dritte anbietet: Amazon!
Was ist die Cloud?
Alle Marktbeobachter hatten zunächst nur Apple und Google im Visier – die beiden großen Platzhirsche, die sich derzeit mit ihren mobilen Betriebssystemen iOS und Android bekriegen. Doch es ist Amazon, die die Gunst der Stunde geschickt und zuerst nutzen und nun mit „Cloud Drive“ einen Service offerieren der unter anderem Musik-Streaming beinhaltet – wenn vorab auch nur in den USA. Was heißt dies nun genau? Das die CD und auch die DVD am Ende ihrer Marktsstellung sind, hat schon Steve Jobs richtig vorausgesagt und bspw. mit den Macbook Air und dem App Store für Mac OS X den Schlussstrich für die physische Distribution von Medien und Software gezogen. Inhalte werden im Netz gekauft, dort ausgeliefert und zur Nutzung vorgehalten. Damit entbindet man den Nutzer von der Notwendigkeit selber IT-Infrastruktur bereitzustellen und selbst zu administrieren und gegebenfalls auf die sich ändernde Nutzung anzupassen. Das wird alles von der Cloud übernommen, der Nutzer muss nur noch die gewünschten Daten hochladen bzw. kaufen und kann sie einfach nutzen. Er braucht sich fortan nicht mehr um die Gefahr durch Viren, die Aktualität der Daten etc. zu kümmern, sondern benötigt einzig und allein nur einen Netzzugang. Wenn jetzt jemand die Kosten hierfür anklagen möchte, dem sei gesagt, dass die entsprechenden Zugänge zum Internet, egal ob über DSL/Kabel oder mobil, inzwischen zu Schleuderpreisen und im Überfluss angeboten werden – zumindest hier in Deutschland.
Das Cloud Drive
Nach dem Ausflug in die Cloud kehren wir jetzt wieder zum „Cloud Drive“ von Amazon zurück. Die Cloud setzt auf der IT-Infrastruktur von Amazon auf und bietet erstmals jedem Amazon-Kunden (derzeit in den Staaten) 5 GB Online-Speicherplatz an – nicht ungewöhnlich. Wo liegt nun das Besondere? Interessant wird die Cloud genau dann, wenn man MP3s bei Amazon kauft. Denn die Musik wird neben dem Download auch in die Cloud des Nutzers kopiert und kann von dort gestreamt werden – egal ob über das Web oder über das Android-Smartphone. Somit benötigt man auch keinen großartigen Speicherplatz mehr auf seinem Smartphone oder muss sich die Musik vorher lokal aussuchen und kopieren, sondern kann ganz einfach über die Amazon-Streaming-App die gewünschte Musik aus dem Netz hören – mit einer Bitrate von bis zu 256 kbit/s.
Wie selbstverständlich, funktioniert dies auch nicht nur mit den bei Amazon gekauften Songs, sondern auch eigene DRM-freie Musikstücke können verwendet werden (Format: MP3 und ACC) Und da die Musiksammlung und weitere Daten der Anwender auch schon mal mehr Platz als die besagten 5 GB in Anspruch nehmen, hat der amerikanische Konzern auch noch weitere (kostenpflichtige) Angebote: 20 GB im Jahr kosten so gerade mal 20 Dollar, 100 GB 100 Dolalr. Zum Vergleich: Bei Dropbox.com zahlt man für 100 GB (mit erweiterter Funktionalität) 20 Dollar allein im Monat, spricht 240 Dollar im Jahr. Übrigens: Amazon weist zusammen mit dem Angebot der 100-GB-Variante des „Cloud Drive“ auch auf zukünftige Angebote hin, denn 100 GB Speicherplatz entsprechen bspw. bis zu 70 Stunden HD-Video.
Fazit
Auch wenn das Angebot momentan nur in den USA nutzbar ist, sie zeigen eine klare Linie und werfen Apple und Google den Fehde-Handschuh hin. Hierbei gilt festzuhalten, dass von den beiden letztgenannten, Google die schlechteste Position einnimmt, da sie das Feld derzeit noch mühsam von hinten aufrollen müssen. Google hat in dem Sinne keine „echten“ Kunden und somit auch keine ausreichend große Menge an Kreditkartendaten. Die Kunden bekommen von Google halt kostenfreie Produkte wie die Internetsuche etc., sind deshalb nicht konditioniert zu zahlen und Google hat keine Musik- oder Filmangebote. Das Angebot bei Apple und Amazon hingegen umfasst Musik, Filme und andere Dienste wie (kostenpflichtige) Apps. Amazon steigt mit seiner Größe und mit seinem starken Markennamen gleich eine Stufe höher ein, bietet ein vollständiges Paket und stellt sich der Konkurrenz. Für viele Kunden dürfte dies die erste Erfahrung mit der Cloud werden, die Technik wird so schrittweise selbstverständlich und letztlich Allgemeingut. Wir Konsumenten dürfen uns daran gewöhnen, dass nach dem Verschwinden der Datenträger demnächst wohl auch der eigentliche „Besitz“ von Musik obsolet wird.








