Die Brombeere aus Kanada
BlackBerry – die Alleskönner für unterwegs
BlackBerry – ein Name, der Emotionen auslöst: ein Manager fühlt das wohlige Kribbeln, immer und überall erreichbar zu sein und die knapp bemessene Zeit produktiv nutzen zu können; der süchtige BlackBerry-User (auch „CrackBerry“ genannt) giert nach einer weiteren Ration seiner Lieblingsdroge; der Power-User freut sich darüber, dass E-Mails nicht auf dem heimischen Rechner warten, sondern schon vor Feierabend abgearbeitet sind; und Otto Normalbürger fühlt sich, vielleicht, von einer elektronischen Fußfessel überwacht. Und natürlich gibt es verschiedene Studien: Die einen belegen, dass BlackBerry-Nutzer aufgrund der ihrem Gerät geschuldeten Störungen weniger effizient arbeiten; die anderen rechnen vor, um wie viel produktiver ein Mitarbeiter aufgrund ständiger Erreichbarkeit ist, weshalb eine kanadische Gewerkschaft sogar forderte, die Arbeitsverträge von Mitarbeitern mit einem BlackBerry im Einsatz neu zu verhandeln. Kurz, ein BlackBerry ist weit mehr als ein normales Handy.
Die kanadische Firma Research in Motion (RIM) brachte 1998 den Inter@ctive Pager auf den Markt. Mit diesem Gerät konnten Nachrichten empfangen werden, die etwa eine Telefonnummer für den Rückruf enthielten, und später sogar Textnachrichten – quasi die SMS der Urzeit, jedoch ohne die Möglichkeit, direkt zu antworten. 1999 stellte RIM allerdings ein revolutionäres Gerät vor, mit dem der persönliche E-Mail-Verkehr auch unterwegs zu erledigen war. Das Sensationelle daran: Die E-Mail musste nicht umständlich manuell abgerufen werden, sondern gelangte mittels Push-Dienst direkt auf das Gerät. Mit dieser Art eines mobilen Kommunikationssystems schaffte sich RIM eine Geschäftsgrundlage, die bis heute Wachstumsraten aufweist, die Manager anderer Branchen schwindlig werden lässt. Doch nicht nur das Prinzip der Push-E-Mail und die damit verbundene Client-Server-Architektur wurde von RIM perfektioniert, vielmehr produziert das milliardenschwere Unternehmen (Umsatz 2007: 3,04 Mrd. USD) sowohl Software als auch Endgeräte selbst.
Die BlackBerry-Zielgruppe nun besteht aus Geschäfts- und zunehmend aus Privatkunden. In der Geschäftswelt erfolgt das Synchronisieren von E-Mails, Kontakten und Terminen mit einem Push-fähigen Endgerät vom firmeneigenen Server über einen weiteren Server, den BlackBerry Enterprise Server, und über das Mobilfunknetz. Dabei können die Administratoren des BlackBerry-Servers das Endgerät steuern und beispielsweise darüber bestimmen, ob und wie die Bluetooth-Schnittstelle genutzt werden darf; im Falle eines Diebstahls ist es sogar möglich, Daten per Fernzugriff zu löschen und das Gerät zu sperren.
Privatkunden – die aufgrund stagnierender Zahlen in der Geschäftswelt als neuer Markt „entdeckt“ wurden – haben mangels eigenem Server hingegen deutlich weniger Möglichkeiten. Die Grundfunktionalitäten (E-Mail) werden über den BlackBerry Internet Service abgewickelt; hierbei kann sich der Nutzer bei RIM ein E-Mail-Konto einrichten, in dem die eigene(n) E-Mail-Adresse(n) hinterlegt werden. Trifft neue elektronische Post ein, wird diese auch hier via Push auf das Endgerät geschoben. Termine und Kontakte allerdings müssen sich Privatkunden per Software, Outlook und USB auf das Gerät holen, was aber – ganz im Gegensatz zu ähnlichen Diensten anderer Mitbewerber – einwandfrei funktioniert.
Denn BlackBerry als Softwarelösung läuft auf verschiedenen Smartphones: Einerseits natürlich auf den als „BlackBerrys“ bezeichneten, hauseigenen Smartphones von RIM, andererseits auf Windows- oder Nokia-Smartphones; allen gemein ist die Tatsache, in jedem Mobilfunknetz zu funktionieren, das einen Datendienst wie GPRS anbietet. Ein weiterer Vorteil der BlackBerry-Technologie: Sämtliche Daten werden auf Servern in Kanada und England aufbereitet und können somit bei minimaler Größe und geringem Kostenfaktor schnell übertragen werden. Natürlich könnte man RIM die problematische Datensicherheit anlasten, schließlich laufen sämtliche E-Mails durchs RIM-Datencenter, doch bisher konnte kein Vergehen gegen Datenschutzrichtlinien nachgewiesen werden.
Und so bleibt unterm Strich, dass RIM mit einer Idee einen neuen Markt geschaffen hat und sich anschickt, die althergebrachten E-Mail-Gewohnheiten umzukrempeln – nämlich immer und überall auf E-Mails zugreifen und diese beantworten zu können.








