Das kleine, Schwarze
Neues Apple TV vorgestellt
Es ist und bleibt wohl auch weiterhin ein Hobby der Firma aus Cupertino: Der Nachfolger der ersten Generationen des Apple TV heißt wider erwarten nicht iTV, sondern weiterhin Apple TV. Doch sonst ändert sich einiges: Ähnelte das alte Gerät bisher eher einem Mac mini, spendierten die Apple-Designer der neuen Streaming-Kiste ein völlig eigenständiges Design. Das Killer-Feature ist aber wohl der Preis: Was in Amerika 99 Dollar sind, sind neuesten Erkenntnissen nach in Europa 119 Euro. Aber selbst die sind durchaus vertretbar.
Man, ist das klein!
Vergleicht man die Größe des alten Apple TV mit der neuen Variante, fällt sofort ein gravierender Größenunterschied auf: Mit einer quadratischen Form und einer Seitenlänge von knapp 10 Zentimetern nimmt das Gerät ziemlich genau nur ein Viertel des Platzes der alten Variante neben dem Fernseher ein.
Streamteam
Die neue Größe rührt vor allen Dingen daher, dass beim neuen Apple TV auf einen internen Datenspeicher verzichtet wird. Auch mit dem Fehlen von USB- oder Firewire-Schnittstellen muss man sich arrangieren. Das impliziert vor allen Dingen Eines: Mit dem neuen Apple TV lassen sich Inhalte nur streamen, sei es aus dem Internet oder von einem Rechner. Hinzu kommt die Möglichkeit, dass man mit dem umbenannten Feature AirPlay (früher AirTunes) auch von iPad oder iPhone streamen kann. AirPlay wird im November erscheinenden iOS 4.2 für iPad, iPhone oder iPod touch integriert sein. Das coole: Man kann mit den frisch geschossenen Fotos in der Tasche nach Hause kommen, kurzerhand auf den AirPlay-Knopf drücken und schon sieht man eine Slideshow via Apple TV auf seinem Fernseher. Ebenso funktioniert das mit Filmen, die man beispielsweise auf seinem iPad hat.
Und die Inhalte?
Natürlich ist das Apple TV nicht nur ein „iTunes Extender“, welcher die Mediendaten vom Rechner auf den Fernseher bringt. Viel mehr versteht Apple die kleine Wunderbox als Anschluss ans Netz: Das in Amerika sehr beliebte Netflix lässt sich mit dem Apple TV ebenso benutzen, wie das auch in Europa verfügbare YouTube. Cool ist natürlich, dass man das Apple TV auch mit der kostenlosen Remote App für iPhone, iPad und iPod touch bedienen kann. Schließlich lässt sich eine YouTube-Suchanfrage mit der mitgelieferten Mini-Remote nur schwer umsetzen.
Ob sich mit der Einführung des Apple TV – zu Beginn erscheint das Gerät in Amerika, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Australien – auch etwas an den für uns Deutsche verfügbaren Inhalten ändern wird, bleibt abzuwarten. Das wir aber in den Genuss von vielen, aktuellen, werbefreien 99-Cent-Serien kommen werden, bezweifle ich sehr stark.
Die Technik?
iOS hin oder her – das neue Apple TV ist das nächste Gerät, dass technisch im Prinzip ein iPhone ist. Oder anders herum: Im Apple TV werkelt der gleiche Prozessor, der auch iPad, iPhone 4 und die neuen iPod Touches befeuert. Doch auch wenn der Apple-A4-Chip ein recht leistungsstarkes Stück Technik ist, reicht es nicht für FullHD-Filmchen: Laut technischen Daten schafft das neue Apple TV nur die Wiedergabe von 720p-Inhalten. Andererseits muss man auch bedenken, dass das Streamen von 1080p-Content über die Internetleitung in vielen Fällen alles andere als eine Freude wäre. Die positive Seite: Mit einem integrierten Netzteil, dass maximal 6 Watt zieht, ist das neue Apple TV ein echtes Stromsparwunder.
Fazit
Idee und Preis stimmen! Doch der Erfolg des neuen Apple TV steht und fällt mit den Inhalten. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Wir Deutsche sind ja nicht gerade gesegnet mit liberalen Ansichten, was den Vertrieb von Inhalten über dieses neue Medium, das Internet, angeht. Sollte sich hier mit dem Apple TV etwas ändern, wäre ich wohl ein glücklicher Käufer: Wie schön wäre es doch, über das iPhone für einen kleinen Obolus die aktuelle Bundesliga-Partie, den Boxkampf oder das Formel-1-Rennen auf den Fernseher zaubern zu können. Aber das wird wohl noch eine Zeit lang Wunschdenken bleiben.








