Tests

Multiroom-Lautsprecher & Hi-Fi-Anlage in einem? Yamaha MusicCast 20 & 50 im Test



Zugeordnete Tags Lautsprecher | Musik | Soundsystem
Bereiche

Bewertung
Kann gut klingen
4

 Pro

  • Mit Equalizer-Einsatz guter Klang
  • Besonders bei zwei MusicCast 50 tolle Stereo-Bühne
  • Unauffälliges Design
  • WLAN, Bluetooth & Ethernet
  • App ist leicht zu bedienen
  • Unterstützt viele Dienste

 Contra

  • Ab Werk unausgewogener Sound
  • Selbst nach Equalizer-Einsatz werden Mitten & Kickbässe zu stark betont
  • Equalizer nicht flexibel genug
  • Einzeln kein Stereo
  • Bässe könnten tiefer sein
  • Bluetooth funktioniert nicht mit jedem Smartphone

Man stelle sich vor: Der Wecker klingelt. Mit einer Berührung ist er deaktiviert. Ein weiterer Tastendruck und der Lieblingsradiosender — ein Heavy-Metal-Sender aus Finnland — spielt. Verschlafenen Auges schaue ich auf das Smartphone und erfahre, dass eine meiner Lieblingsbands ein neues Album veröffentlicht hat. Schnell ist Spotify gestartet und ich höre rein. Zeit für Frühstück, auf dem Smartphone drücke ich auf „Link“ und in der ganzen Wohnung ertönt die Musik — natürlich in bester Klangqualität. Abends wieder zuhause, springt mit dem Fernseher auch die Soundbar an und die große Abendshow erklingt im Surround-Sound. Mit dem Smartphone mache ich schnell lauter.

Eine Traumvorstellung? Yamaha sagt nein. Ob das stimmt, verrate ich euch in diesem Test. Im ersten Teil widme ich mich der App sowie dem Musikgenuss per MusicCast 20 und 50, im nächsten Teil geht es um Surround-Klänge dank MusicCast Bar 400 und derer Erweiterung per MusicCast 20 und 50 sowie den Multiroom-Features.

Noch ein Wort zu meinem Hintergrund: Das Hobby Hi-Fi packte mich vor 14 Jahren, derzeit genieße ich auf Nubert-Standlautsprechern vom Typ nuWave 85 samt passendem ABL-85-Modul Musik. Der AV-Receiver alleine, ein Harman Kardon AVR 5500, kostete seinerzeit fast dreimal so viel wie ein MusicCast 50. Meine Anlage ist jetzt sicherlich kein High-End — ich habe auch schon Equipment im hohen fünfstelligen Bereich gehört, da verschlägt es einem schon mal die Sprache —, aber trotzdem eine hohe Messlatte, die selbst Yamaha mit kleinen Wireless-Speakern unmöglich erreichen kann. Das heißt, ich bin eher kritisch und meckere im Kino schon mal über den schlechten Sound.

Lieferumfang

Funktionale Verpackung

Die Verpackungen zeigen einfach das Produkt und listen die Spezifikationen auf. Darin erwartet mich der Lautsprecher – gut gesichert dank Styropor. Darunter befindet sich das Stromkabel, das mit drei Metern Länge jede Menge Flexibilität bietet und in der Farbe des Lautsprechers daher kommt. Weiße Lautsprecher erhalten also ein weißes Kabel, schwarze Lautsprecher ein schwarzes.

Ein schickes Foto der MusicCast 20. Die Verpackung ist schon viel auf Reisen gewesen, ...
...die gute Verpackung sorgt aber dafür, ...
...dass alles gut geschützt ankommt.
Unten ist das Stromkabel versteckt, die Anleitung finde ich an der Seite.
Genauso aufgebaut: die Verpackung des MusicCast 50.
Erst die Anleitung, dann der Schutz, ...
...und dann der MusicCast 50.
Ich vermute: So wurde das Stromkabel nicht von Yamaha in den Karton gelegt.
Ein schickes Foto der MusicCast 20. Die Verpackung ist schon viel auf Reisen gewesen, ...
Design

Mal etwas anderes

Statt der sonst im Hi-Fi-Bereich so weit verbreiteten Türme setzt Yamaha auf schwarze und weiße Ovale — im Falle der MusicCast 20 eher hoch, im Falle der MusicCast 50 breit aber dafür flach. Beide Lautsprecher passen perfekt zusammen. Die Vorgängergeneration MusicCast 10 und 30, die jeweils eine Stufe kleiner ist — der MusicCast 30 passt perfekt zwischen 20 und 50 — sehen leider ganz anders aus.

Sowohl bei MusicCast 20 als auch 50 wird die Front von einem Metallgitter dominiert. Darunter ein metallic-schwarzer oder im Fall der weißen Version silberner Streifen, der die Basis bildet. Damit der Lautsprecher auch bei hohen Lautstärken nicht vom Tisch tanzt — mir ist sowas schon mal passiert —, ist die Unterseite mit einem großen Gummifuß beklebt.

Die obere Kante besteht aus mattiertem Plastik, der hintere Bereich enthält die Status-LEDs. Beim MusicCast 50 sind dem gegenüberliegend die acht Touch-Tasten integriert. Die Oberseite ist aus glänzendem Plastik, welches vermutlich leicht zerkratzt und daher nicht als Ablage dienen sollte. Beim MusicCast 50 prangt hier lediglich das Yamaha-Logo, beim MusicCast 20 sind hier zudem die acht Touch-Tasten zu finden.

Neben der obligatorischen Power-Taste finde ich bei beiden Modellen drei frei programmierbare Presets, lauter und leiser sowie die Wecker-Taste. Taste Nummer acht ist beim MusicCast 20 für Play- und Pause, beim MusicCast 50 für die Quellenwahl vorgesehen. Verstelle ich die Lautstärke, zeigt eine kleine Knight-Rider-Animation, in welche Richtung ich gedrückt habe oder ob ich bereits das Limit erreicht habe. Einfach und effektiv.

Auf der Rückseite des MusicCast 20 finden sich die Anschlüsse sowie eine Vorrichtung, um den Lautsprecher wie ein Bild an der Wand aufzuhängen. Auch die Möglichkeit, den MusicCast 20 auf einem passenden Lautsprecher-Stativ zu montieren besteht.

Erinnert ein wenig an andere Wireless-Speaker, die einen ähnlichen Formfaktor besitzen.
Flacher als viele vergleichbare Konkurrenten: Der MusicCast 50, dieses Mal in weiß.
Alternativ gibt es den Lautsprecher auch in schwarz.
Die Bedienelemente sind von oben aus gesehen am unteren Rand...
...die Statusindikatoren am oberen Rand.
Erinnert ein wenig an andere Wireless-Speaker, die einen ähnlichen Formfaktor besitzen.
Anschlüsse

Mehr oder weniger umfangreiche Ausstattung

Bevorzugt werden beide MusicCast-Lautsprecher kabellos angebunden, das heißt per WLAN. Für den Fall, dass euer Netzwerk zu stark ausgelastet ist, bietet jeder Lautsprecher aber auch einen Ethernet-Port. Nun ist es möglich, dass euer WLAN-Router von den großen Datenmengen, die heutzutage hin und her geschubst werden leicht überfordert ist und es zu Tonaussetzern kommt — es aber auch nicht überall Ethernet-Ports gibt. Dafür bietet sich die „DFS-Option“ an: die Lautsprecher bauen dann untereinander ein eigenes WLAN-Netz auf, welches ungestört von den anderen Netzen auf einem eigenen Kanal funkt. Das hat bei mir die (seltenen) Aussetzer behoben und funktioniert einwandfrei. Der einzige Nachteil ist, dass das Koppeln mehrerer Lautsprecher sowie das Einschalten länger dauert.

Weiterhin sprechen beide Lautsprecher Bluetooth. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber Sonos, gerade für Gäste, die nicht mal eben eine App installieren möchten. Zudem ist es ohne Bezahlsoftware der einzige Weg, YouTube, Netflix und Games von Windows oder Android kabellos zu streamen. Auch das Senden an andere Bluetooth-Lautsprecher ist möglich — bedenkt aber, dass viele Lautsprecher etwas Lag haben und so eine Verzögerung im selben Raum sehr irritierend sein kann.

Weiterhin gibt es bei beiden einen proprietären Stecker sowie einen USB-Port. Die Anschlüsse dienen lediglich Service-Zwecken und sind nicht für den Endanwender gedacht.

Der MusicCast 50 fügt weitere Ports hinzu: Einen AUX-Eingang per 3,5-Millimeter-Klinkenstecker und einen per zweier Cinch-Stecker sowie einen optischen Eingang. Leider unterstützt letzterer nur PCM-Audio, also Stereo. Sehr schade, denn sonst wäre auch ein 4.0 oder 4.1-System denkbar und attraktiv.

Neben den üblichen Streaming-Anbietern, derzeit sind das Spotify, Napster, Qobuz, Tidal und Deezer unterstützt MusicCast auch Web-Radio-Sender: in der App wähle ich aus einer schier unendlichen Zahl an internationalen und lokalen Sendern aus. Genial finde ich die Apple-AirPlay-Unterstützung, denn am Mac nutze ich die Lautsprecher so als Computer-Speaker. Unter Windows funktioniert AirPlay leider nur über iTunes — nutzlos für YouTube und Co. Auch auf NAS-Systemen (per DLNA) oder lokal auf dem Smartphone beziehungsweise Android- oder iOS-Tablet gespeicherte Musik spielt euer MusicCast-System ab, wobei diese per MusicCast-App gesteuert wird. Für YouTube und ähnliches bedarf es bei Windows oder Android einer Bluetooth-Verbindung.

Leider haben einige meiner Smartphones Probleme, ein paar der Lautsprecher zu sehen, geschweige denn eine Verbindung aufzubauen. Bei diesen Modellen klappt es einfach nicht. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, nur, dass auch andere vor dieser Herausforderung stehen.

Der Netzanschluss und die Wandhalterung. Ein externes Netzteil wird nicht benötigt.
Die weiteren Anschlüsse sind gut versteckt.
Erinnert mich fast an den Mac mini: die zahlreichen Anschlüsse des MusicCast 50.
Der Netzanschluss und die Wandhalterung. Ein externes Netzteil wird nicht benötigt.
App

Die Steuerzentrale

Die kostenlose MusicCast-App für Android und iOS dient als Steuerzentrale. Von der initialen Einrichtung über die Equalizer bis zur Musikwiedergabe läuft alles hierüber ab. Damit das frustfrei funktioniert, ist sie robust und recht logisch aufgebaut.

Zum Hinzufügen der einzelnen Speaker gehe ich in die Einstellungen und dann auf „Neues Gerät hinzufügen“. Einfache Anweisungen führen mich durch den restlichen Installationsprozess. So muss ich den neuen Lautsprecher einschalten, ihn in den Kopplungsmodus schalten und mich mit dessen WLAN-Netz verbinden. Danach sage ich in der App, mit welchem WLAN sich der Lautsprecher verbinden soll, wie ich ihn nennen möchte und mit welchem Bild er in der App auftauchen soll.

In den Einstellungen finde ich allerlei Optionen, von nützlichen Ideen wie die Lautstärke-Nachziehsteuerung — hierbei regelt der Lautstärkeregler schnell nach unten, steigt beim lauter machen aber nur langsam wieder an, um böse Überraschungen zu vermeiden —, bis hin zur Einrichtung von Amazon Alexa.

Eine nützliche Funktion ist es, mehrere Lautsprecher von einer Quelle beliefern zu lassen. Dafür gibt es mehrere Optionen: Entweder ihr nutzt die „Link“-Funktion, die temporär jeden beliebigen Lautsprecher mit einem anderen koppelt. Dann gibt es allerdings eine Verzögerung, die je nach Wunsch zwischen den Lautsprechern oder zwischen Quelle und Lautsprecher existiert. Oder ihr koppelt miteinander kompatible Lautsprecher, zum Beispiel je zwei MusicCast 20 oder 50 oder die MusicCast Bar 400 mit MusicCast 20 oder 50. Interessanterweise schafft es das System dann, Verzögerung zu vermeiden. Was mich auch verwirrt, ist, dass ich dafür in die globalen Einstellungen gehen muss.

Ist der Lautsprecher erst einmal eingerichtet, wird er auch auf anderen Smartphones mit der MusicCast-App angezeigt, sobald es sich im selben Netzwerk befindet. Jeder Lautsprecher, beziehungsweise jedes Lautsprecher-Set bezeichnet Yamaha als Raum. Dafür kann ich bis zu vier Raum-Presets abspeichern. Besonders nützlich finde ich das nicht, denn im Grunde genommen wird hier lediglich gespeichert, welcher Input eingestellt wurde und wie laut es sein soll. Wichtiger wäre es mir, wenn er speichern würde, welche Lautsprecher miteinander gekoppelt sind. So könnte ich einen Heimkino-Preset haben, bei dem die Soundbar mitspielt, aber auch einen Modus, bei der ich beispielsweise lediglich die Rear-Lautsprecher nutze.

Möchte ich auf dem Smartphone gespeicherte Musik abspielen, nutze ich den Media-Player der MusicCast-App. Hier sehe ich sowohl nach Künstler, Album oder Genre sortierte Musik, browse durch meine Ordnerstruktur oder nutze eine Suchfunktion. Playlists erzeuge ich ganz einfach, indem ich auf einem Song, Album oder Künstler gedrückt halte.

Mit meinem Spotify-Premium-Account nutze die Spotify-App. Sobald der Lautsprecher einmal hinzugefügt wurde, kann ich sowohl aus der Desktop- als auch aus der Mobile-App heraus den Lautsprecher auswählen und die Lautstärke einstellen. Das funktioniert sehr gut. In der MusicCast-App sehe ich dann, welches Lied gerade abgespielt wird und verfüge über rudimentäre Kontrollen wie Play, Pause, Vor, Zurück sowie die Lautstärkesteuerung.

Das Einstellungsmenü. Hier werden unter anderem neue Lautsprecher hinzugefügt.
Leicht verständliche Anweisungen...
...führen durch den Installationsvorgang.
Nachdem ich mich mit dem WLAN-Netz des Lautsprechers verbunden habe, sage ich dem Lautsprecher mit welchem Netzwerk er sich verbinden soll und wie das Passwort lautet.
Wo steht der Lautsprecher? Wie soll er heißen?
Und mit welchem Foto soll er angezeigt werden?
Alphabetisch sortierte Lieder... na super.
Funktionales Interface.
Mehr Kontrolle habe ich aus der MusicCast-App heraus nicht, wenn über Spotify Musik läuft. Aber dafür gibt es ja die Spotify-App.
Bei Spotify wähle ich aus, auf welchem Gerät die Musik abgespielt werden soll.
Das Einstellungsmenü. Hier werden unter anderem neue Lautsprecher hinzugefügt.
Klang

Die Auf- & Einstellungen machts

Auch wenn mir Yamaha hier kleine WLAN-Lautsprecher zur Verfügung gestellt hat: meine Erwartungen sind hoch. Schließlich besteht das Yamaha-Logo aus drei Stimmgabeln. Mit 131 Jahren Erfahrung ist Yamaha mittlerweile der weltweit größte Hersteller von Musikinstrumenten.

MusicCast 20:

Beats. Als erstes schießt mir Beats durch den Kopf. In Hi-Fi-Kreisen wahrlich kein Lob. Der obere Bassbereich um 100 bis 150 Hertz dominiert den Sound. Auch die Mitten sind zu präsent, so gehen die Höhen unter. Der Sound ist dumpf. Echten Bass vermisse ich ebenfalls, angesichts der Dimensionen kann ich das aber verkraften. In der Hoffnung nach verstellten Settings erkunde ich die App — schließlich bin ich nicht der Erste, der diese Lautsprecher ausgepackt hat.

Erleichtert entdecke ich das Vorhandensein eines Equalizers und einer „Bass Boost“-Funktion. Aber der ist ja noch gar nicht aktiviert gewesen und die Klangregler befinden sich in der Mittelstellung? An sich habe ich Bauchschmerzen damit, den Klang per Equalizer anzupassen, besonders bei einem Testbericht. Bei meiner eigenen Anlage ist alles in Mittelstellung — so haben die Entwickler es schließlich vorgesehen.

Was solls, dann versuche ich eben, mit Daft Punks Random Access Memory erst einmal eine vernünftige Grundeinstellung zu finden. Erst aktiviere ich „Bass Boost“. Unten rum geht viel mehr, viel zu viel sogar. Aber auch die Höhen hören sich klarer an. Eigentlich passt die Bezeichnung „Loudness“ besser.

Dem stark mittenbetonten Sound stelle ich eine leichte Anhebung der Höhen, eine starke Rücknahme der Mitten und eine fast ebenso starke Rücknahme des Basses entgegen. Schon viel besser, denn gerade „Low“ scheint sich eher um den Bereich um 100 bis 150 Hertz zu kümmern. Damit entferne ich, soweit es geht, übertriebene Kickbässe. Stellenweise sind mir die Höhen zu harsch und so ist meine mehr oder weniger finale Einstellung, die Höhen um einen Punkt unter der Mitte, bei den Mitten auf 2 Stufen und bei den Bässen auf 3 Stufen über Minimum zu stellen.

So richtig satt klingt es trotzdem nicht, also greife ich zu Trick 17B: Ich stelle den Lautsprecher direkt an die Wand. Eine solche Aufstellung betont für gewöhnlich Bässe, endet aber schnell in Dröhnen und schwammigem Sound. In diesem Fall dröhnen für mich die Stimmen zu sehr, auch wenn der Tieftonbereich tatsächlich dazu gewinnt. Letztendlich landet der Lautsprecher in ein paar Zentimeter Abstand zur Wand auf dem Lowboard — ein Kompromiss, mit dem ich leben kann und eine Platzierung, die üblichen Wohngegebenheiten entgegenkommt.

Das Ergebnis sind Streicher mit seidigen Höhen. Dazu kommt ein Schlagzeug, dessen zischende Hi-Hats von einer dynamischen Snare Drum komplementiert werden. Ich erahne sogar die Melodie des recht komplexen Bassspiels — wobei bei den Standlautsprechern noch deutlich mehr im Basskeller passiert.

Nun ist es bei Sonos so, dass der Play:5 für guten Klang vertikal aufgestellt werden muss. Dann schaltet der Lautsprecher in den Stereo-Modus. Um auszuprobieren, ob Yamaha das ähnlich macht, koppel ich den MusicCast 20 mit seinem mir ebenfalls mitgelieferten Zwillingsbruder. Und in der Tat: Ich habe den Eindruck, etwas ändert sich beim Klang. Nicht so extrem wie bei Sonos, deswegen bin ich mir nicht sicher, ob es lediglich daran liegt, nun in Stereo zu hören. Der Bass scheint mir aber definitiv satter zu sein und dicker aufzutragen — per Equalizer korrigiere ich letzteres. Leider erfahren auch die Mitten eine etwas stärkere Betonung. Durch den Stereo-Effekt gewinnt der Lautsprecher aber deutlich dazu, die Bühne gefällt mir.

Was mich nicht umhaut, ist die maximale Lautstärke. Laut wird er nicht besonders, da bin ich selbst von kleineren Modellen mehr gewöhnt.

MusicCast 50:

Auch beim MusicCast 50 missfällt mir die Grundeinstellung. Erneut ist es mitten- und kickbasslastig, die Höhen halten sich zu sehr im Hintergrund und auch der Tiefbass fehlt. Nachdem ich beim MusicCast 20 sämtliche Skrupel verloren habe, mache ich mich gleich am Equalizer zu schaffen. Die für mich richtige Einstellung zu finden fällt mir schwer. Letztendlich belasse ich die Höhen in Mittelstellung, nehme die Bässe fast vollständig heraus und nehme die Mitten stark zurück, ohne sie komplett zu entfernen.

Ich probiere zwei Aufstellungen: Einerseits ein MusicCast 50 alleine mitten im Raum als Computer-Lautsprecher, also quasi in einer Nahfeld/Monitor-Aufstellung. Andererseits zwei nebeneinander im Wohnzimmer. Dabei lasse ich ein wenig Abstand zur Wand, ähnlich wie bei den MusicCast 20.

Der Lohn der Mühen? Die MusicCast 50 spielen ein Stück tiefer und kräftiger als die MusicCast 20 und schieben gerade bei höheren Lautstärken ordentlich Luft. Der Klang ist vergleichsweise ausgewogen und arbeitet Stimmen gut heraus. Trotzdem beschleicht mich das Gefühl, dass Yamaha hier Potenzial verschenkt. Hätte ich einen aktuellen Yamaha-AV-Receiver mit YPAO zur Hand, würde ich mir den Spaß machen, den Lautsprecher einzumessen und so elektronisch zu begradigen. Probeweise spiele ich die Musik per Bluetooth über mein Smartphone ab, damit ich den Klang per weiterem Equalizer nochmals verbessern kann. Das funktioniert wunderbar. Für den weiteren Verlauf des Tests ignoriere ich das aber.

Richtig begeistert mich die Bühne, die die Lautsprecher aufbauen. Mit ausreichend Abstand aufgestellt — ein Stereodreieck sollte es schon sein, sprich der Abstand zwischen den Lautsprechern sollte dem zum Hörer entsprechen — verlässt die Musik die Speaker, schwebt stattdessen im Raum. Eine fantastische Räumlichkeit entsteht, bei der die Leadsängerin genau vor mir steht, während ihre Band um sie herum platziert wurde. Ich höre, wie der Konzertflügel zu groß ist, um aus einer Richtung zu kommen. So sind die hohen Töne weiter rechts als die tiefen.

Im Vergleich zum MusicCast 20 spielt der MusicCast 50 deutlich lauter — ein Vorteil der beiden Tiefmitteltöner pro Lautsprecher.

Die Bedienelemente des MusicCast 20...
...und die des MusicCast 50.
Meine Einstellungen: MusicCast 50.
Meine Einstellungen: MusicCast 20.
Die Bedienelemente des MusicCast 20...
Klang

Um auch kleine klangliche Unterschiede herauszufinden, vergleiche ich anhand mehrerer Lieder die MusicCast-Lautsprecher sowohl einzeln als auch im Paar mit meinen Nubert-Speakern, die mir als Referenz dienen. Bei der Aufstellung habe ich die einzelnen Lautsprecher im Nahfeld aufgestellt, die Stereo-Paare stehen im Stereo-Dreieck. Daneben meine großen Lautsprecher, allerdings mit größerem Abstand zur Wand, denn sonst würde es viel zu stark dröhnen.

Ich fange mit der dänischen Künstlerin Agnes Obel an, die bei The Curse lediglich von Cello, Piano und Violine begleitet wird. Mit den melancholischen Soundscapes und ihrer wunderbar gehauchten Stimme weckt sie auf dem MusicCast 20 eine Gänsehaut. Er legt besonders Wert auf die Vocals. Auf dem MusicCast 50 hört es sich aber besser, voluminöser und echter an. Die Mitten halten sich mehr zurück. Als Paar gewinnen die MusicCast 20 besonders beim Tiefgang viel dazu, was sich besonders beim Cello bezahlt macht. Sie machen in dieser Disziplin fast dem einzelnen MusicCast 50 Konkurrenz, bieten dafür aber viel besseren Stereo-Klang. Mich erinnert es an kleine Regallautsprecher. Schalte ich auf meine Standlautsprecher, höre ich aber nochmals einen Unterschied. Agnes tritt einen Schritt zurück, die Instrumente klingen nochmals natürlicher und realistischer.

Auf ihrem 2017er Album French Touch steigt Carla Bruni direkt mit einem absoluten Brett ein: Einer Coverversion von Enjoy the Silence. Eine vielschichtige Produktion, mit jazzigem Schlagzeug, Piano, Akustikgitarre, Bass, Streicher und sogar einer E-Gitarre. Zum Einstieg wieder der einzelne MusicCast 20. Er hebt Carla Brunis Stimme auf ein Podest und stellt sie in den Mittelpunkt. Die Bassläufe erkenne ich gut, wobei sowohl das MusicCast-20-Paar als auch der MusicCast 50 hörbar tiefer spielt. Was mir allerdings missfällt, ist, dass beide Paarungen die Mitten dann doch ein wenig anheben. Brunis Stimme kommt aber in jedem Fall perfekt zur Geltung.

Bleiben wir bei Musik, die auch bei Stromausfall funktioniert: Rodrigo y Gabriela mit ihrer Coverversion von Stairway to Heaven. Zwei Akustikgitarren, virtuos gespielt, gar als Percussion-Instrument zweckentfremdet. Das hohe Tempo ist keine Herausforderung für den MusicCast 20. Diese Geschwindigkeit kommt bei Yamaha gut rüber. Es klingt, als ob ich auf einem Konzert bin, die Musiker 10, 20 Meter vor mir in einem eher leeren Raum. Beim noch dynamischeren MusicCast 50 rücke ich etwas näher an die Band heran und die Gitarren gewinnen an Volumen. Der Wechsel zu meinen eigenen Lautsprechern zeigt hier ganz deutlich, wie anders der Fokus von Yamaha gesetzt ist. Während die Standlautsprecher mehr auf das Gesamtbild wert legen, dabei gerade zu bassarm sind und die Hauptmelodie einen Schritt nach hinten macht, hebt Yamaha die Melodie in den Vordergrund. Und auch basslastiger scheint der Sound, denn der tiefe Frequenzanteil der Gitarren passt perfekt zu dem betonten Bereich. Yamaha macht mir hier sogar mehr Spaß, bewegt mehr. Sowohl Eigenheiten, wie die Art, in der Saiten angerissen werden als auch der Percussion-Aspekt kommen besonders bei der MusicCast 50 toll rüber. Dafür klingt es bei meinen Großen so, als ob die Künstler in meine Wohnung gekommen sind und direkt vor mir stehen.

Wo wir bei Classic Rock sind: Die Dire Straits dürfen nicht fehlen. Erst mein Favorit, Sultans of Swing. Den Anfang macht wieder der MusicCast 20. Ich ertappe mich dabei, mitzuwippen. Mark Knopflers Stratocaster singt hier regelrecht. Das Schlagzeug gibt schön dynamisch und mit Schlagkraft den Rhythmus vor. Bei der MusicCast 50 wird die Stratocaster sanfter und John Illsleys Bass gewinnt an Druck und Volumen. Hi-Hats, Cymbals und Co. klingen brillant, ohne harsch oder unangenehm zu sein. Auf meinen Standlautsprechern klingt alles etwas entspannter. Schwer zu sagen, was mir besser gefällt. Ich mag alle drei Stereo-Kombos bei diesem Lied sehr, wobei sich der Aufpreis für die großen Yamahas bezahlt macht.

Für Money for Nothing, lediglich 6 Jahre später aufgenommen, entwickelten die Dire Straits einen völlig anderen Sound. Die Drums sind sehr trocken und hart. Und durch einen glücklichen Zufall entstand der kratzig dreckige, fast digitale Gitarrensound aus Knopflers Les Paul. Wie für den MusicCast 20 gemacht. Die Dynamik der Snare Drum haut mich um, die Gitarre beißt im Ohr. So muss das sein. Im Paar finde ich die MusicCast 20 softer und etwas angenehmer. Der MusicCast 50 lehnt sich nochmals zurück, auch ein toller Sound, aber der Kleinere passt hier besser. Bei beiden kommt die Verachtung für Rockstars in Knopflers Stimme gut rüber. Meinen großen, obwohl sie auch dynamisch können, mangelt es an Biss, wobei der warme, satte Bass auch seine Vorzüge hat. Und Brothers in Arms klingt wunderschön auf dem MusicCast-50-Paar.

Mit Das Spiegel von den Chemical Brothers teste ich den Stereo-Effekt und die Dynamik der Lautsprecher. Ich habe den Eindruck, als ob der Tiefmitteltöner des MusicCast 20 kurz vorm Übersteuern ist, überhaupt fällt der übertriebene Kickbass hier besonders negativ auf. Ansonsten kann ich nicht viel meckern, nur, dass der hervorgehobene Frequenzbereich bei diesem Lied nicht hilft. Besser klappt es mit zwei Lautsprechern. Hier kommt dann auch der räumliche Klang zur Geltung. Ähnlich eines Atmos-Soundtracks wurden hier unzählige Klänge im Raum platziert. Der MusicCast 50 kommt deutlich tiefer und bringt meinen Tisch zum vibrieren. Insgesamt klingt er ausgewogener. Scharfe, digitale Sounds kommen richtig intensiv rüber. Auf einen Stereo-Effekt braucht ihr bei einem einzelnen MusicCast 50 aber nicht zu hoffen. Den gibt es mit einem zweiten MusicCast 50 — dann aber so richtig. Mehrmals pro Sekunde wechseln Klänge die Seite und ich kann die Bewegung mitverfolgen. Ein schräges Lied, das man erlebt haben muss.

Die untersten Register der Tonleiter teste ich mit Trentemøllers Chameloen. Erwartungsgemäß fehlt bei den MusicCast 20 nahezu der ganze Bass, dafür werden die Kickbässe völlig übertrieben abgespielt — das Ergebnis ist übersteuern auf voller Lautstärke. Die MusicCast 50 kommen dem Aufgenommenen schon deutlich näher. Das aber immer noch etwas fehlt, beweisen meine Standlautsprecher. Dann höre ich ein dauerhaftes Wabern, das durch Mark und Bein geht. Wer diesen Sound von Yamaha möchte, muss seine MusicCast 20 oder 50 vermutlich um einen MusicCast Sub 100 erweitern oder auf einen potenten Verstärker mit MusicCast-Funktion samt passender Lautsprecher setzen.

Als letztes lege ich einen locker leichten Song über eine Serienmörderin auf: Bellyache von Billie Eilish. Der MusicCast 20 gibt dem Lied mehr Druck als nötig wäre und die Bass Drum poppt vor sich hin. Das klingt leider etwas angestrengt und der Chor im Hintergrund geht unter. Luftig wird es beim MusicCast 50, der deutlich souveräner bei der Basswiedergabe wirkt. Weniger, dafür tiefer, wäre mir trotzdem lieber. Und auch hier fällt der Chor beinahe weg.

Trotz allem, nach Anpassungen bin ich von den MusicCast-Lautsprechern in Anbetracht des Preises und des WAF (Wife-Acceptance-Factor) durchaus beeindruckt. Fair ist mein Vergleich schließlich nicht, Standlautsprecher mit geradezu winzigen Lautsprechern zu vergleichen, die dazu auch noch günstiger sind. Wer tatsächlich auf kleinste Nuancen achtet und das Optimum an Klangqualität haben möchte, wem es nichts ausmacht, große Türme im Wohnzimmer aufzustellen und wer das nötige Kleingeld besitzt, der findet in den MusicCast-fähigen Receivern und AV-Receivern einen würdigen Partner und stellt sich vielleicht ein Paar MusicCast 20 ins Schlafzimmer oder einen MusicCast 50 in die Küche.

In der rechten Ecke mit einem Kampfgewicht von je 20,5 Kilogramm: der Nubert nuWave 85.
In der Mitte mit einem Kampfgewicht von 4,5 Kilogramm: der Yamaha MusicCast 50.
Und in der linken Ecke mit einem Kampfgewicht von 2,2 Kilogramm: der Yamaha MusicCast 20.
In der rechten Ecke mit einem Kampfgewicht von je 20,5 Kilogramm: der Nubert nuWave 85.
Stromverbrauch

Sparsam & effizient

Auch wenn die Rückseite der Lautsprecher etwas warm wird, der Stromverbrauch liegt weit unter dem, was mein großer Verstärker schluckt. So gönnt sich der MusicCast 20 ausgeschaltet knapp zwei Watt — dabei kann er per WLAN eingeschaltet werden. Deaktiviere ich die Funktion, wäre der Verbrauch noch niedriger. Eingeschaltet, aber stumm oder auf niedriger Lautstärke, benötigt er vier Watt, auf voller Lautstärke sind es bis zu zwölf Watt. Der MusicCast 50 bringt es ausgeschaltet ebenfalls auf zwei Watt, eingeschaltet auf knapp sieben Watt. Auf voller Lautstärke habe ich maximal elf Watt gemessen.

Yamaha MusicCast 20 macht auch als ...
... Computer-Lautsprecher eine gute Figur.
Yamaha MusicCast 20 macht auch als ...
Fazit

Klingt gut — aber nicht ab Werk

Sowohl MusicCast 20 als auch MusicCast 50 erweisen sich als flexible Multiroom-Lautsprecher mit viel Potenzial. Leider wird dieses von Yamaha erst einmal verschenkt, denn die Grundeinstellung ist meiner Meinung nach überhaupt nicht gut. Zum Glück ermöglicht es der eingebaute Equalizer, den Klang größtenteils zu begradigen. Und mit den richtigen Settings klingen die Lautsprecher ziemlich gut, besonders in Anbetracht des Preises.

Das trifft besonders auf Genres wie Klassik und Jazz zu. Auch Rock-Musik funktioniert gut – kurz gesagt: natürliche Instrumente. Außerdem heben die Lautsprecher Gesang deutlich hervor. Aufgrund der Größe von Tiefmitteltöner und Gehäuse ist dem Bass aber Grenzen gesetzt. Um das Fehlen richtig tiefer Frequenzen zu kaschieren, werden die noch reproduzierbaren Töne deutlich angehoben — ein oft genutzter Trick.

Ein Equalizer mit mehr Flexibilität wäre eine tolle Sache, oder, besser noch, eine ausgewogene Einstellung ab Werk. Es ist schließlich deutlich einfacher, ausgewogenen Sound seinem Raum und Wünschen anzupassen als schwer verzerrten Klang mit nur drei Reglern in Ordnung zu bringen.

Meine Empfehlung lautet: Für Musik lieber zwei MusicCast 20 als einen MusicCast 50 für den deutlich besseren Stereo-Effekt zu kaufen. Auch ist der Bassbereich hier deutlich besser als bei einem einzelnen MusicCast 20. Die einzige Ausnahme ist, wenn ein zweiter MusicCast 50 bereits im Warenkorb liegt oder geplant ist. Meine Empfehlung funktioniert natürlich nur, wenn der Platz für zwei Lautsprecher vorhanden ist und eine Stereo-Aufstellung sinnvoll ist. Denn auch als Ersatz für die Hi-Fi-Anlage sind die Lautsprecher denkbar. Aber möchte man zum Beispiel in der Küche Musik genießen, empfehle ich nach Möglichkeit einen MusicCast 50.

Das MusicCast-System unterstützt zahlreiche Möglichkeiten, Klänge und Musik auf die Lautsprecher zu übertragen. Am bequemsten und vielseitigsten ist dabei sicherlich Bluetooth und Apple AirPlay. Zudem bietet das System zahlreiche Komfort-Features, wie zum Beispiel eine Quelle in mehreren Räumen gleichzeitig abzuspielen.

Ein weiterer Grund, auf MusicCast zu setzen, ist die Flexibilität des Systems. So wird MusicCast inzwischen von Soundbars und Kompaktanlagen wie der PianoCraft-Reihe über AV-Receiver, Stereo-Receiver und kompakten Verstärkern bis hin zu CD-Playern, Plattenspielern und sogar Pianos unterstützt. Ihr könnt also euer ganzes Haus vernetzen.

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