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Produkttest: LaCie LaCinema Classic



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Eine Multimedia HD mit Startschwierigkeiten
Sagen wir’s mal so: Heimkino geht definitiv anders. Der glänzend schwarze Klavierlack verleiht der Multimedia Festplatte von LaCie auf den ersten Blick zunächst etwas Magisches. Ja, etwas richtig Geheimnisvolles. Bei weiterer Betrachtung ist die Black Box im edel glänzenden Plastikkleid jedoch allenfalls eine schnöde Festplatte mit jeweils einem Composite Video und HDMI-Anschluss. – Bei aller (Verarbeitungs-) Güte.
„Rewind“
Doch zurück auf Anfang: Wer einen günstigen Einstieg ins Multimedia-Heimkino-Erlebnis sucht, der wird für knapp über 100 Euro (1-TB-Modell) zunächst nicht viel falsch machen, und im Geschäft oder im Online-Versandhandel nach der Mulitmedia-Festplatte von LaCie zielsicher zugreifen. Ein analoger sowie digitaler Anschluss und zwei USB-Ports – wie gesagt – versprechen einen unkomplizierten Zugang zu vergnüglichen Stunden im heimischen Unterhaltungsbetrieb. Über die mitgelieferte Fernbedienung lässt sich die HD bequem vom Sofa steuern.

„A Tännschen blies“
Soweit so gut! Laut „Quick Install Guide“ wurde die LaCinema Classic Festplatte „als FAT32-Partition für Mac OS und Windows vorformatiert“. Doch Vorsicht: Wer auf die Idee kommen sollte, die Festplatte in einem anderen Dateisystem neu zu formatieren, erhält ein hochglänzendes Datengrab. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass dann „bei Anschluss an ein Fernsehgerät keine Dateien zur Verfügung“ stehen werden.

LaCie LaCinema Classic“

„Ctrl+C usw.“
Brav diese Anweisung befolgend, schließen wir die LaCinema Classic per USB-Kabel zunächst an den heimischen Computer an, um sie mit allerlei multimedialen Preziosen zu füttern. Wir finden ein vorinstalliertes Dateiverzeichnis, in das augenscheinlich die jeweiligen Daten bzw. Dateien kopiert werden können. Exakt formuliert: Vier Ordner liegen bereits auf der Festplatte: Movies, Music, Pictures und Update. Per „Copy & Paste“ sind die gewünschten Medien schnell in die jeweiligen Verzeichnisse transferiert. Fotos und Musikdateien kopiert der USB 2.0-Port im Handumdrehen. Größere Datenmengen, wie Filme in HD-Qualität dauern naturgemäß etwas länger. Es empfiehlt sich ein kleiner Nebenjob, um aus dem Kopiervorgang keine Geduldsprobe werden zu lassen. Eine „blaue“ LED-Lampe blinkt dabei nervös. Leuchtet sie endlich im Dauerbetrieb, ist die Multimedia Hard Disk abspielbereit.

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„Immer dieselben Gemüter“
Allen ungeduldigen Lesern sei jedoch gesagt, dass die Festplatte sauber vom Computer getrennt werden muss, damit es hinterher beim Abspielen zu keiner ungeliebten Überraschung kommt. Die Übung „Die Hardware sicher entfernen“ gehört ja mittlerweile zum Repertoire jedes Computerkurses.

„Das Dilemma Inside“
Per HDMI schließen wir die Black Box an unseren LCD-TV an und siehe da: Das Benutzermenü stammt aus einer Zeit vor der Erfindung des Apple TV. Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund und vier Piktogramme für Filme, Musik, Fotos und Update (Daten) suggerieren den perfekten und simplen Einstieg ins Home-Entertainment.

„Quelle Surprise“
Zu unserem Erstaunen findet sich im Film-Ordner von vier transferierten Filmen nur ein einziges Divx-Filmchen wieder. Eine mp4-Datei und zwei m4v-Dateien zeigt die LaCinema, diese Diva, erst gar nicht an. Was läuft da falsch? – Ein Blick auf die Verpackung verrät: Der Heimkino-Speicher versteht neben dem DivX-Format nur AVI und XviD. Das MPEG-2-Format oder ähnliches wird nicht unterstützt.

„Quel Dommage!“
Wie könnte es anders sein: Im Musikbereich akzeptiert die LaCie nur MP3- und WMA-Files. Auffällig, um die MP3-Daten abspielen zu können, muss im La-Cinema Menü erst umständlich in den Musikwiedergabemodus gewechselt werden, bevor die Songs erklingen. Zwar zeigt uns die Verzeichnisstruktur die Musikdaten an, aber abspielen lassen sich die Files nur, wenn sie über den Player gestartet werden. Ein simpler Klick auf die jeweilige Datei funktioniert nicht.

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„Diashow zum Abgewöhnen“
Bei der Fotoschau glänzt der Multimedia Kasten ebenso wenig. Die Fotos skaliert der integrierte Player nicht Bildschirm füllend auf die gesamte Displayfläche. Im Brustton der (selbstüberschätzenden) Überzeugung verkündet die Packungsaufschrift zwar JPEG und HD-JPEG für „verbesserte Rendering Qualität“. – Meine Damen und Herren von LaCie! Da sind wir vom Apple TV seit Jahren schon etwas anderes gewohnt. Tut uns leid, das so ausdrücklich sagen zu müssen: Bitte um Nacharbeit!

„Remote in Not“
Das Konzept der Fernbedienung könnte dabei auch gleich überarbeitet werden. Über die Vierwege-Wippe hangelt sich der Nutzer durch das schlicht gestaltete Benutzermenü. Anwählen lassen sich die gewünschten Daten nur über die Playtaste. Wir vermissten nach wenigen Sekunden bereits die Knöpfe oder Buttons für „ENTER“ und „RETURN“.

„Solide Langeweile“
Keine Frage! Die Hard Disk LaCinema Classic ist solide verarbeitet und macht im Standy-Betrieb keine Geräusche, anders als ein Apple TV der 1. Generation. Das spart Strom und Nerven. Danke! Dafür ist die Black Box im Betrieb aber auch fast doppelt so laut. Wer ernsthaft überlegt, sich eine mobile Multimedia-Lösung für den Filmabend bei Freunden oder zuhause zuzulegen, sollte vorher prüfen, ob solch ein Gerät auch mit der Geräte-Peripherie konfliktfrei zusammenarbeitet. Wir hatten im letzten Herbst bereits das Apple TV der 2. Generation vorgestellt. Obwohl wir damals beklagten, dass jene Multimedia-Lösung keine Hard Disk mehr bietet (nur extern via USB). Aber anders als das Angebot von LaCie ist eine unkomplizierte Medienwiedergabe im Apple-Universum auf Anhieb möglich. Apple bietet zudem für nahezu gleiches Geld ein drahtloses Abspielen von Medieninhalten, ob Fotos, Musik oder Videos. Airplay sei Dank! Eigentümer von Geräten wie einem iPhone, iPad oder eines iPod touch wissen, wovon die Rede ist.

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Fazit
Keine Angst! An dieser Stelle erklingen nicht länger die Abwaschgesänge eines Apple-Fans. Kein Gezeter also! Von niemandem, bitte! Wer auf die Mitnahme von Multimedia-Dateien auf einer Festplatte im Rucksack steht oder aus finanziellen Gründen zurückgreifen will und muss, der kann sich für knapp über 100 Euro mit der LaCie LaCinema Classic eine lässige Speicherlösung mit einem Volumen von einem 1 Terrabyte gerne zulegen, die obendrein als Zugabe noch über einen HDMI-, Composite Video und Stereo-Anschluss verfügt. Als weiteres Bonbon legt LaCie sogar noch eine Fernbedienung und die notwendigen Kabel sowie ein Netzteil bei. Wer nicht als „Old School“ Sitzenbleiber gelten möchte, sondern bereits im Zeitalter von „Post-PC“ in der „Cloud“ angekommen ist, der lässt lieber die Finger weg vom „Datengrab“ à la LaCinema Classic.

Bekanntlich ist das Bessere der Feind des Guten. Und der angebissene Apfel steht immer noch für den Inbegriff der Ursünde: Die menschliche Gier! Wer sich dennoch im Paradies auf Erden wähnen möchte, gehe bitte durchs Fegefeuer der eitlen Sparsamkeit, lege sich monatlich ein paar Silberlinge zurück und kaufe sich zu gegebenem Zeitpunkt „etwas G’scheits“, wie der Schwabe gewöhnlich zu sagen pflegt. Denn der geile Geiz liegt auf der hohen Kante.

Hinweis: Neben dem hier getesteten Modell mit einem TB Speicher, existiert noch eine weitere Version mit zwei TB. Darüber hinaus offeriert der Hersteller die LaCinema Classic HD mit echtem Full-HD (nicht nur Upscaling), Ethernetanschluss und einem integrierten DLNA-Media-Server – alternativ auch als 2-TB-Modell.

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