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Kindle Touch im Test



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Lesen per Fingertipp
Der Kampf um das Ökosystem der E-Books ist dieses Jahr nun vollends entbrannt. Wer mit dem besten (und billigsten) E-Book-Reader seine Kunden einfängt, der hat auf lange Sicht diesen voll im Griff. Nicht nur das der Kunde seine Kreditkartennummer hergibt, er wird auch nicht so schnell zu einem anderen Unternehmen wechseln, weil er bereits viel eingekauft hat – siehe iPhone, siehe iTunes, siehe Amazon Kindle. Deshalb beschreitet Amazon derzeit einen aggressiven Weg – nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Filmen, Spielen, Android-Apps und der Cloud. Amazon gibt ganz die Copycat von Apples Geschäftsmodell, mit Ausnahme des Preises. Mit dem Kindle in den vergangenen Jahren hat Amazon schon den richtigen Weg eingeschlagen, um jetzt nochmals mit neuen Produkten auf die Tube zu drücken – der Kindle , der Kindle Touch, der Kindle Classic, der Kindle DX oder der Kindle Fire. Nach dem Kindle der vierten Generation ohne Touchscreen und dem Tablet Kindle Fire, existiert mit dem Kindle Touch ein weiterer E-Book-Rader. Grund genug doch einmal eine Testrunde mit dem neuen E-Book-Reader zu drehen und zu schauen, ob Amazon mit dem Kindle Touch die Kunden begeistern kann.
Design
Wie der Kindle ist der Kindle Touch zunächst einfach nur grau und langweilig. Auch die Kindle der früheren Generation sahen nicht besonders schick oder stilecht aus – Amazon legt stets darauf wert, dass beim Kindle das Lesen im Vordergrund steht und sich der Kunde voll auf das Buch konzentrieren kann. Mit dem neuen Kindle Touch ist Amazon diesem Ziel sehr nahe gekommen, hier sind lediglich noch zwei Buttons übriggeblieben, nachdem die Tastatur auch wegrationalisiert wurde.

Einmal der Home-Button an der Vorderseite und dann noch der Power-Button an der Unterseite, neben dem MicroUSB-Anschluss und der 3,5 mm Klinke. Der Home-Button ist – anders als bei Apple oder Samsung – nicht rund oder eckig, sondern geriffelt, hier soll man sich an ein Bücherregal erinnert fühlen, denn mit dem Home-Button ruft man die geladenen Bücher und Zeitungen auf. War der Kindle mit der Tastatur und der einfache Kindle noch wirklich schlank, so kommt der Kindle Touch etwas pummeliger daher – und etwas schwerer. Aber das ist erst im ersten Moment ein kleiner Minuspunkt, beim Lesen und beim Halten kommt das mehr an Dicke dem Leser zugute, denn er kann den E-Book-Reader deutlich besser halten und somit angenehmer lesen.

Dem leicht pummligen Design ist auch geschuldet, dass ich nicht viel über die Batterielaufzeit schreiben kann – hier kann man bei der Wifi-Version des Kindle Touch mehrere Monate erwarten – also nichts über was man sich Gedanken machen müsste.

Kindle Touch“

Display
Das Display an sich ist der gleiche Bildschirm den es schon in anderen Kindles gibt – hier hat Amazon nicht das Rad neu erfunden, sondern profitiert von der bewährten Technologie und von den Skaleneffekten beim Einkauf. Um dem E-Ink-Pearl-Display die notwendige Touchfähigkeit zu verleihen, wurde einfach die hierfür notwendige Technologie in den Rahmen rund um das Display eingebracht. Deshalb ist der Rahmen auch etwas dicker und der Kindle etwas pummliger. Vorteil der optischen Toucherkennung ist, dass man auch im Winter mit Handschuhen den Kindle bedienen kann und nicht wie beim iPhone die Handschuhe ausziehen muss. Das ist doch manchmal etwas praktisch, wenn man häufiger in öffentlichen Nahverkehr oder am Bahnhof unterwegs ist.

Soweit so gut – das E-Ink-Display ist im Vergleich zu Tablets perfekt zum lesen, kann aber natürlich einem echten Buch nicht das Wasser reichen. Aber das sehe ich nicht als das große Problem an, schließlich ist der Kindle deutlich leichter. Und natürlich fehlt beim E-Ink-Display auch die Beleuchtung und man muss abends oder bei Dunkelheit das Licht einschalten – oder aber das iPad nehmen, dank Amazon Whispernet kann man genau dort beim Gerätewechsel weiterlesen, wo man gerade vorher aufgehört hat.

Betriebssystem und „Touch“
Das Betriebssystem des Kindle bewährt sich schon lange sehr gut – kein Rebooten auch bei Langzeitnutzung, keine Hänger – eine schnelle Bootzeit – gar nichts was man dem OS anlasten kann. Die Synchronisation über Wireless LAN und Whispernet ist einfach und schnell. Wer möchte kann den Kindle auch mittels E-Mail oder USB füttern. Die Integration der Touchfunktionalität ist problemlos gelungen. Mit einem Fingerstrich oder einem Tippen kann man ganz einfach und schnell den Kindle bedienen oder ein Buch durchblätttern. Der größere Teil der rechten Displayhälfte dient dem Vorwärtsblättern, rückwärts blättert man mit einem Fingerstrich auf dem linken Drittel des Displays. Ist man in einem Buch, so kann der Anwender mittels eines langen Fingerdrucks Text markieren. Zum Tippen (um beispielsweise innerhalb eines Buches zu suchen) ruft man schnell ein Touchscreen-Keyboard auf – das lässt sich problemlos und einfach bedienen. Einzig stört die fehlende Autokorrektur, aber vielleicht liefert die Amazon bei einem Firmwareupgrade nach.

Beim Kindle Touch gibt es aber einige Features, welche die anderen Kindle nicht haben – hier zeigt sich Amazon mal wieder sehr innovativ und beweist, welche Möglichkeiten in einem E-Book-Reader noch stecken.

X-Ray
Mit einem einfachen Touch kann man eine grafische Darstellung von Worthäufigkeiten aufrufen – ist man beispielsweise gerade bei der Steve Jobs Biografie, so werden auf der gerade offenen Seite Steve Wozniak und Steve Jobs genannt. Mit dem Feature „X-Ray“ kann man grafisch feststellen wo die beiden Namen später im Buch auftauchen – der Name „Steve Jobs“ taucht über das gesamte Buch sehr häufig auf, während über Wozniak mehr an Anfang und ab und an zwischendrin berichtet wird.

Browser
Der Browser beim Kindle hat noch nie das Experimental-Stadium verlassen und wird es sicherlich auch auf kurze Sicht nicht tun. Aber zusammen mit dem Touchscreen hat Amazon ein perfektes kleines Gerät geschaffen, um mal schnell eine Information aus dem Internet zu holen – insbesondere wenn man sich nur auf Webseiten aufhält die für die mobile Nutzung ausgelegt sind.

Spiele & Apps
In Deutschland sind leider noch keine Spiele für den Kindle erhältlich und die Spiele im US-Shop von Amazon sind eher dürftig. Aber mit dem Touchscreen wird es hier sicherlich auch bald mehr Angebote geben, genauso wie Apps, hier wird Amazon sicherlich versuchen den einen oder anderen Entwickler auf das Kindle Ökosystem zu ziehen – als Anwendungen könnte ich mir beispielsweise ein Adressbuch oder einen Kalender vorstellen, der mittels Exchange oder Whispersync synchronisiert wird.

MP3-Player
Beim Kindle Touch hat Amazon wieder einen MP3-Player (und eine 3,5 mm Klinke) integriert, wenngleich ich es nicht verstehe warum man unbedingt einen MP3 Player im Kindle haben muss. Es wird sicherlich den einen oder anderen Usecase dafür geben.

Werbung
Mein Kindle Touch ist mit dem Feature „Special Offer“ versehen. Was heißt das? Es wird Werbung eingeblendet, dafür habe ich 39 Dolalr beim Kauf gespart. Die Werbung wird nicht während des Lesens eines Buchs eingeblendet, es wird lediglich im Standby-Modus Werbung angezeigt (anstelle eines schönen Fotos) – und im Home-Screen, hier wird am unteren Rand ein kleiner Banner eingeblendet. Ich komme mit der Werbung gut klar, sie stört mich nicht und ich habe Geld gespart.

Fazit
Mit dem Kindle Touch hat Amazon das Kindle-Konzept konsequent weitergetrieben und gibt mir als Kunde weitere Vorteile in die Hand. Preiswert Bücher lesen und kaufen und Inhalte per E-Mail auf den Kindle schicken – und dabei noch das Endgerät mit dem Finger und Touch bedienen. Deshalb ist der Kindle Touch meine E-Book-Reader-Empfehlung und der bessere Kindle.

Bildquelle: „Hand Vintage“, Autor: designContest, veröffentlicht unter CC BY 3.0.

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1 Kommentar

  1. Technikfaultier schrieb am
    Bewertung:

    War sowohl vom Kindle 4 als auch vom Kindle Fire sehr angetan. Der Touch ist mir irgendwie weder Fleisch noch Fisch ;o)

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