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Bowers & Wilkins Zeppelin iPod Soundsystem



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Bezaubernd schön – aber…
Tja, das ist eine schöne Bescherung. Pünktlich zum 24. Dezember trudelte bei mir mein letztes „Weihnachtspaket“ ein, gefühlte 8 kg schwer und 600 Euro teuer. Es ist das B&W-Zeppelin-Lautsprechersystem für den iPod (touch) und das iPhone. Bowers&Wilkins ist ein englisches Unternehmen, welches 1966 von John Bowers und Peter Hayward gegründet worden ist und sich auf die Entwicklung und die Produktion von Lautsprechern aller Preisklassen konzentriert – die Lautsprecher werden sowohl für den Heimgebrauch als auch für Studios entwickelt. Der B&W Zeppelin ist mehr ein modernes Kunstwerk als ein Lautsprechersystem der Extraklasse, wie es auch B&W gerne auf seiner Webseite beschreibt. Mit dem schwarzen Korpus, den Chromapplikationen und dem edlen iPod-Halter wirkt es wie ein Zeppelin, der in meinem Büro gelandet ist und darauf wartet mit meinem iPod touch in Kontakt zu kommen.
Doch zuerst – wie kann es bei technischen Geräten anders sein – erfolgt ein Software-Update. Die Software gibt’s sowohl für Mac als auch für Windows (Download), nach der Installation auf dem PC oder Mac wird der Zeppelin via USB (ein handelsübliches USB Druckerkabel reicht) verbunden, dann mit Strom versorgt und voila, das Softwareupdate ist schon installiert.

Nun mag man sich zu Recht fragen, warum man komprimierte Musik – die ja per Definition schon von schlechter Qualität sein soll auf einem 600 Euro Lautsprecher-System hören sollte – und ob man die einfache, auf 128 kbit komprimierte Musik im MP3-Format sich über eine solche Soundmaschine noch ruhigen Gewissens anhören kann – wenn das schon bei Kopfhörern in der Preisrange von 120 Euro nicht mehr klappt… Und um mal das erwartete Ergebnis vorwegzunehmen – nein, es klappt nicht, die Musik klingt wirklich grauenhaft und man fragt sich, warum man früher mit dieser Musikqualität zufrieden war.

Kommen wir nun aber mal zu den handfesteren Fakten über den B&W Zeppelin und beginnen wir mit dem

Design.
Das Design ist atemberaubend schön. Momentan ruht der Zeppelin auf meinem Schreibtisch, während ich hier diesen Testbericht schreibe ertappe mich dabei, wie ich gerne mal einfach rüberschaue und vor lauter Bewunderung vergesse in die Tasten zu hauen. Ganz entfernt erinnert mich der Zeppelin an eine alte Schuhpoliermaschine, wie man sie manchmal noch in einigen besseren Hotels vor einigen Jahren gekannt hat, es fehlt nur die Stange mit dem Knopf zum ein und ausschalten. Anstatt dieser Funktion ist das Design des Zeppelins aber dafür geschaffen mit dem iPod-Dock-Arm aus glänzendem Edelstahl und Chrom meinen iPod aufzunehmen und Musik abzuspielen. Einmal aufgesetzt ruht der iPod fast schwerelos vor dem Zeppelin. Der Einschaltknopf befindet sich oberhalb des iPod-Dock-Arms in dem glänzenden Metallring, welcher einmal rund um den Zeppelin verläuft, dahinter befinden sich die Lautstärketasten. Hinter dem mit schwarzem Stoff verkleideten Korpus des Zeppelins, befinden sich die Lautsprecher, die hochwertigen Hoch- und Mitteltöner, an der Rückseite befinden sich noch Öffnungen für den Subwoofer. Die gesamte Komposition wirkt edel und anmutig – bis Strom hinzugegeben wird. Dann leuchtet auf der linken Seite des Zeppelins unter dem schwarzen Stoff „Terminator-Like“ eine rote LED, die leider ganz und gar nicht zu dem gediegenen Bild des B&W-Kunstwerks passt. Aber das ist erst der Anfang und noch lange nicht das Ende. Der Fuß des Zeppelins wird separat verpackt mitgeliefert, aus hochwertigen Gummi gefertigt kann man den Zeppelin darauf sicher und zuverlässig platzieren, Auf Grund der Neigung sieht man den Fuß nur, wenn man einmal um den Zeppelin herumlinst. Es wird auch eine Fernbedienung mitgeliefert, sie ist leider nur aus (hochwertigen) Plastik, das glänzend jeden Fingerabdruck anzieht. Flach wie ein Kiesel, in Zeppelinform passt sie aber ganz gut zu dem Lautsprechersystem, ich hätte sie mir in Edelstahl und deutlich schwerer gewünscht.

B&W Zeppelin Realbilder“

Der Zeppelin macht sich überall gut, im modernen Arbeitszimmer, im antiken Wohnzimmer, die klassische Form und die edlen Materialien fügen sich gut in jedes Erscheinungsbild ein, sie verkünden von hochwertiger Technik und von einem aufregenden Erlebnis.

Weiter geht es nun mit den

Features.
Die inneren Werte versprechen viel. B&Ws hervorragende Aluminium-Dome-Hochtöner, die berühmte Nautilus-Technologie, die passive Frequenzweiche für den Hoch- und Mitteltöner, der 2 mal 25 Watt Verstärker für die Hoch- und Mitteltöner, der Basstreiber mit dem 50 Watt Verstärker – all das ist in der schönen Form untergebracht – und das hört man auch. Aber jetzt geht es erstmal weiter mit den Fakten. Auf der Rückseite gibt es noch weitere Anschlussmöglichkeiten, nicht nur für das USB-Kabel, sondern auch noch ein AUX-IN mit 3,5 mm Klinke für den analogen oder optischen (mit Adapter) Eingang, ein S-Video-Out-Signal und den Composite-Video-Out. Die „Terminator-LED“ habe ich schon erwähnt, Rot wenn der Zeppelin im Standby ist, und blau wenn er eingeschaltet ist. An dem iPod-Adapter haben sowohl der iPod nano als auch der iPod touch (jeweils die neuste Generation) problemlos Anschluss gefunden, aber es soll auch mit älteren iPods und auch mit dem iPhone (3G) gehen, dann geht das iPhone wohl in den Flugzeugmodus und schaltet die GSM/UMTS Sende- und Empfangseinheit ab. Leider hatte ich niemanden mit einem iPhone greifbar, um diese Funktionalität zu überprüfen.

Kommen wir nun, bevor wir uns langsam dem Ende des Testberichts nähern, zu der

Klangqualität.
Ich bin normalerweise nicht der Kostverächter in Sachen Klangqualität, lieber höre ich keine Musik, als dass ich mir schlechte Musik antue, allerdings muss ich dazu auch einschränkend sagen, dass meine Musik nur digital zubereitet vorliegt, in komprimierter MP3-Qualität mit mindestens 192kbp, allerdings habe ich auch aus Testgründen einige Musikstücke mit geringerer Qualität. Und ich kann über den B&W Zeppelin nur sagen, dass die Musik sensationell klingt. Sensationell – gerne wiederhole ich mich da auch mehrmals. Eine klare und strukturierte Qualität, die Musik wird ganz anders wahrgenommen als man es sich vorstellen kann. Und obwohl wir nur ein Monochassis haben, klingt die Musik räumlich getrennt, sehr sauber, es ist ein Sounderlebnis welches seines gleichen sucht. Natürlich kann man auch sagen, dass man das für 600 Euro verlangen darf, aber es gibt andere (US) Hersteller, die für weniger Soundqualität und dafür für mehr Soundengineering ähnliche Preise aufrufen. Und da sind wir dann bei B&W deutlich besser aufgehoben.

Nie hat es mir mehr Freude gemacht, der Musik meines iPods zu lauschen, als durch den Zeppelin – das ist mein persönliches Benchmark jetzt in dieser Klasse.

B&W Zeppelin Produktbilder“

Es wäre doch eigentlich alles viel zu schön um wahr zu sein, wenn wir jetzt nicht aufwachen würden und feststellen müssen, dass wir etwas zu verträumt die Sache angesehen haben. Jetzt kommen wir zu den

Nachteilen.
Diese haben mit der „Terminator-LED“ angefangen. Sie stört einfach nur – sie macht das schöne Gesamtbild letztendlich kaputt, im Dunkeln leuchtet sie wie ein Fremdkörper konstant auf, wenn der iPod die Musik abspielt leuchtet sie mich böse blau funkelnd an, in einer Hässlichkeit die ihres gleichen sucht. Warum kann man nicht einfach eine atmende Standby-Anzeige integrieren, ganz „Apple-Like“? Ein schönes, langsames und beruhigendes pulsieren, nicht zu intensiv und nicht zu dezent, nur so dass man es wahrnimmt. Damit hätte der Zeppelin gleich viel mehr Pluspunkte bei mir sammeln können und vielleicht sogar die restlichen Negativpunkte vergessen gemacht. Aber nein, ich bin noch nicht fertig mit dem meckern. Als nächster Punkt kommt das iPod-Dock an die Reihe. Für jeden Albumwechsel, für das Aktivieren der Genius-Funktion muss ich aufstehen und zum Zeppelin gehen und dieses manuell durchführen, die Fernbedienung schaltet nur den Zeppelin ein, springt einen Titel vorwärts oder zurück, pausiert oder wechselt auf den Aux-In-Eingang oder wieder zurück zum iPod. Auch hier sind wieder Punkte verschenkt – ich kann in jedem besseren Auto meinen iPod mittels Lenkradtasten steuern, die Informationen im bordeigenen Monitor ablesen und mich durch meine Musiksammlung zappen – warum geht das nicht hier mittels der Fernbedienung? Was für einen Sinn hat es, dass ich, der Kunde der 600 Euro gezahlt hat, aufstehen muss?

Und jetzt springen wir noch flott zum letzten Nachteil, der mich etwas mehr aufgerieben hat. Ich höre mit meinem iPod touch nicht nur die Musik die ich auf meinem iPod habe, sondern nutze auch noch last.fm als mein persönliches Wunsch-Internetradio. Und das geht nicht zusammen mit dem Zeppelin. Obwohl es mit dem aktuellen Software-Update gehen sollte – aber nein, ich kann nur die Musik abspielen die ich auf meinem iPod habe. Und damit gibt’s die nächsten und letzten Minuspunkte für den Zeppelin.

Und zu guter Letzt schauen wir mal auf das

Fazit.
Fürs Ohr ist der B&W Zeppelin ein Hochgenuss wie kein zweites Lautsprechersystem für den iPod, aber fürs Auge nur, wenn er ausgeschaltet ist. Eingeschaltet stört mich die „Terminator-LED“, die absolut mangelhafte Umsetzung der iPod-Dock-Funktionlität und damit auch die mangelhafte Fernbedienung und die Unfähigkeit des Systems mit Internet-Streams umzugehen. Und damit muss ich bei aller Liebe zum Sound dem B&W Zeppelin eine Nicht-Empfehlung aussprechen, Weihnachten hin oder her, aber für 600 Euro stelle ich mir Besseres vor. Vielleicht sind auch nur meine Ansprüche überdreht, denn über die genannten Kritikpunkte habe ich keine anderen Reviews des Zeppelins im Internet gefunden, aber die genannten Punkte stören halt. Und jetzt schließe ich die Augen und lausche weiter meine Playlist, die einfach alle Titel die ich habe umfasst – damit ich nicht aufstehen muss um ein Album zu wechseln ;-).

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3 Kommentare

  1. dave schrieb am
    Bewertung:

    schade – als ich das Ding zum ersten Mal gesehen habe (jetzt hier im Blog) dachte ich mir – muss ich haben – aber nach dem lesen des testberichts lass ichs wohl lieber sein. Designtechnisch ists einfach, sorry die Wortwahl, nur Geil!

  2. Hannes schrieb am
    Bewertung:

    Ich kann zwar nur eine Kurze Begegnung mit dem Zeppelin vorweisen (Cyberport Store Dresden), aber dort klingt das Ding geradezu GRAUENHAFT, weit entfernt von jedem Anspruch auf HiFi oder ähnliches. Dies liegt keineswegs an an der fragwürdigen Ansteuerung (600€ System und dann nur analog einspielen… die meisten Systeme dieser Preisklasse können digital gefüttert werden (auch von MP3-Playern, Sony vollbringt hier Großes)), der miesen Raumakustik oder dem Lärm der in den Verkaufsräumlichkeiten herrscht.
    Sondern schlicht und ergreifend daran, das der eingebaute DSP-Soundprozessor die Musik aufs übelste Misshandelt und digitale Raumklangeffekte einrechnet die mit HiFi einfach Nichts zu tun haben. Zugegeben es mag einen fetten Sound geben ist aber an sich nur mieser Klang der ohne Design und Ipod-Dock im Planetenmarkt ab 80€ zu erwerben ist.

    Also bleibt meine Frage, ist dies einfach nur einem schlecht eingestelltem Gerät zu verschulden, oder ist es ein generelles Problem? Denn so wie die Beschreibung des Autors bezüglich des Raumklanges ist wird es wieder ein DSP verschandelter Pseudoraumklang sein.

    PS: Gute Boxen haben rein gar nichts auf Schreibtischen und/oder in Schränken zu suchen.

  3. Fritzlang schrieb am
    Bewertung:

    Also meine Antwort auf die angeblichen DSP Effekte usw.
    Kommt zwar Jahre später.
    Aber muss sein.
    Weil es Schwachsinn ist, hab den B&W Zeppelin seit Jahren im Einsatz.
    Da sind KEINE Effektpakete welche den Klang versauen am Werk.
    Totaler Quatsch was du dir in deinen Kommentar da völlig ahnungslos zammspinnst.
    Man merkt wie du selbst bereits geschrieben hast, das du niemals einen Zeppelin gehört hast, und schon gar keinen zuhause am wummern Hast.
    Und ums mal auf den Punkt zu bringen, manchmal würde ich mir grad n wenig mehr aufblasen erhoffen, da nlcht alle musik Aufnahmen gut sind, und der Zeppelin sehr ehrlich wiedergibt was das Quellmaterial hergibt.
    Ob dünn oder dick.
    Software Equalizer ist Pflicht wenn man den Sound anpassen möchte , da KEIN DSP ala Bose beim B&W Zeppelin den Klang verfälscht.
    Gruß

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