Tests

Apple AirPods Pro für einen Monat getestet - wo bleibt die Konkurrenz?



Zugeordnete Tags Bluetooth | In-Ear | Kopfhörer
Bereiche

Bewertung
Toller Start ins Noise-Cancelling
4

 Pro

  • ANC arbeitet zuverlässig
  • Bester Klang bei Apple Earbuds
  • Steuerung per Sprache
  • Kabelloses Laden

 Contra

  • Hoher Preis
  • Lautstärkereglung nur per Sprache

Der neueste Wurf im Bereich Kopfhörer aus dem Hause Apple heißt AirPods Pro. Was die True-Wireless-Earbuds mit aktiver Geräuschreduzierung, auch Active-Noise-Cancelling (ANC) genannt, in der Praxis bringen, habe ich einen ganzen Monat auf Herz und Nieren getestet.

Ob beim Sport, im Büro oder in der Bahn – überall waren die Apple AirPods Pro im Einsatz. Meine Erfahrungen, inklusive der Betrachtung von Vor- und Nachteilen, erfahrt ihr jetzt.

Hands on

Unboxing & Pairing

Apple-typisch erscheinen die AirPods Pro in einer minimalistischen Verpackung, die sich hochwertig anfühlt. Folie ab und Deckel runter – es präsentiert sich der Lieferumfang: Unter der Bedienungsanleitung liegen die AirPods Pro im Ladeetui. Darunter befindet sich noch zwei Paar weitere Silikonaufsätze für kleinere oder größere Ohren sowie ein Ladekabel USB-C zu Lightning. Es verwundert etwas, dass Apple hier ein USB-C-Ladekabel wählt. Dies vermag ich als Hinweis zu verstehen, dass zukünftig alle Kabel den neueren USB-Standard erhalten könnten.

Es fällt sofort auf, dass die AirPods Pro sehr leicht und kompakter als ihre AirPods-Vorgänger sind. Im Ohr spürt man sie fast überhaupt nicht, denn ihr Schwerpunkt ist sehr nah am Ohr gehalten, anders als beispielsweise bei den Bose SoundSport Wireless, deren Schwerpunkt etwas weiter außen positioniert ist.

Das erste Pairing der Kopfhörermit einem iPhone oder iPad ist denkbar einfach. Zuerst das Gerät entsperren und den Homescreen geöffnet lassen, dann das Etui mit den AirPods Pro nahe dem iPhone oder iPad öffnen – schon sind die Earbuds verbunden und können genutzt werden. Sofern Siri auf dem Device aktiviert ist, funktioniert die Sprachbedienung sofort. Ebenfalls können die AirPods Pro jetzt mit allen Geräten der gleichen Apple ID verwendet werden, ohne sie neu zu verbinden.

So nimmt man die Apple AirPods Pro am besten aus dem Case

Das Herausnehmen aus dem Case ist sehr einfach, wenn man den richtigen Griff herausbekommen hat. Mit dem Zeigefinger greift man über die Earbuds und schiebt diese in Richtung Daumen, der unter den Earbuds platziert ist. Sobald die AirPods Pro aus dem Wireless-Charging-Case genommen werden, verbinden sie sich einzeln oder auch gemeinsam mit dem Device.

AirPods Pro mit Case und kompletten Lieferumfang
Erfolgreiches Pairing der Apple AirPods Pro
AirPods Pro mit Case und kompletten Lieferumfang
Optik & Haptik

Aussehen, Verarbeitung & fester Sitz

Die Verarbeitung ist, wie auch schon bei den AirPods der ersten und zweiten Generation, auf einem hervorragenden Niveau. Mir gefällt die Form der AirPods Pro jedoch besser als die der Vorgänger. Endlich sehen sie nicht mehr wie Bürstenköpfe einer elektrischen Zahnbürste aus.

Schon immer hatte ich Probleme mit dem Halt von In-Ear-Kopfhörern ohne Silikonaufsätze. Dies war einer der entscheidenen Gründe, warum ich mir bis dato keine AirPods zugelegt hatte. Apple hat hier glücklicherweise mit der Verwendung der Silikonaufsätze nachgebessert. Wahrscheinlich ist dies notwenig geworden, da ohne einen festen Abschluss mit den Ohren die Geräuschreduzierung nicht gut funktioniert.

Apple zertifiziert die AirPods Pro mit der IPX4-Schutzklasse, wonach sie vor Wasser und Schweiß geschützt sind, sofern diese Nässe nicht dauerhaft besteht. Unterwasser oder beim Schwimmen sollte die AirPods Pro demnach nicht verwendet werden. Übrigens ist das Wireless-Charging-Case nicht vor Feuchtigkeit geschützt.

Dank des Silikonaufsatzes sitzen die AirPods Pro fest im Ohr
Vorderseite der AirPods Pro
Rückseite der AirPods Pro
Zahnbürstenkopf war gestern - die AirPods Pro wurden komplett neu designt ...
... und sehen meiner Meinung nach nun noch viel schicker aus.
Dank des Silikonaufsatzes sitzen die AirPods Pro fest im Ohr
Klang mit Technologie

Sound-Modi & Active-Noise-Cancelling (ANC)

Glücklicherweise konnte ich schon viele Kopfhörer ausgiebig testen (Link zu meiner Artikelübersicht), vor allem Over-Ear-Kopfhörer mit Active-Noise-Cancelling, kurz ANC. Sony, Bose, Bowers & Wilkins, Bang & Olufsen und weitere Kopfhörer anderer Marken hatte ich auf den Ohren. Apples AirPods Pro sind nun die ersten In-Ear-Kopfhörer mit ANC, die ich testen darf und ich war sofort begeistert, wie gut die Geräuschreduzierung arbeitet. Bisher konnte kein Kopfhörer alle Umgebungsgeräusche komplett eliminieren, aber die ANC-Kopfhörer von Sony, Bose und Apple liefern für mich die besten Ergebnisse.

Die AirPods Pro bieten drei Sound-Modi in Zusammenhang mit ANC. Geräuschunterdrückung (ANC an), Transparenz (Gegenteil von ANC) und ANC aus. Durch einen langes Drücken an einem der beiden Earbuds schaltet man zwischen zwei der Modi hin und her. Dies kann in den Einstellungen definiert werden.

Ist das ANC eingeschaltet, überlagern zuverlässig Resonanzfrequenzen die störenden Umgebungsgeräusche, sodass sie von den Ohren nicht mehr so deutlich wahrgenommen werden können. Als Resultat erhält man eine gewisse Abschirmung gegenüber der akustischen Umwelt und muss die Hörlautstärke nicht so laut einstellen, um Musik oder Sprache deutlich zu verstehen. Gerade im Großraumbüro oder in öffentlichen Verkehrsmitteln eignet sich dieser Modus.

ANC lässt sich ausschließlich nutzen, wenn beide Earbuds in den Ohren stecken. Mittels Sensoren erkennt das System, dass sich die AirPods Pro im Ohr befinden. Sobald ein Earbud entfernt wird, pausiert die Wiedergabe. Durch kurzes Drucken am verbleibenden Kopfhörer lässt sich die Wiedergaben jedoch fortsetzen, auch wenn der zweite Kopfhörer nun schweigt. Setzt man den zweiten Earbud wieder ins Ohr, erkennen dies die Sensoren und die Wiedergabe wird entweder fortgesetzt oder auf den zweiten Kopfhörer erweitert.

In den Einstellungen der AirPods Pro lässt sich ein ANC-Test starten, welcher erkennt, ob für das optimale Noise-Cancelling die richtigen Silikon-Aufsätze verwendet werden. Sollten diese zu klein sein, stellt dies das System fest und weist darauf hin.

Im Transparenz-Modus werden Außengeräusche von den AirPods Pro verstärkt ans Ohr weitergeleitet, sodass maximale Konzentration auf die Umwelt hergestellt wird. Für mich war dieser Modus im Straßenverkehr sehr sinnvoll nutzbar, wenn ich zu Fuß unterwegs war.

Zuletzt kann das ANC auch ausgeschaltet werden. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, wann ich diese Option je praktisch verwendete. Wie unterscheidet sich dieser Modus jedoch vom Transparenz-Modus? Während bei abgeschalteten ANC die passive Geräuschreduzierung durch die physische Tonabsorption der Earbuds vorhanden ist, werden beim Transparenz-Modus die Außengeräusche bewusst verstärkt an den Hörer weitergeleitet.

AirPods Pro im ÖPNV
AirPods Pro im ÖPNV
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit: 5 Minuten laden für eine Stunde Musik

Die Akkulaufzeit der AirPods Pro beträgt vier bis fünf Stunden und das Nachladen geht so schnell, das bereits nach fünf Minuten Ladezeit im Etui wieder eine Stunde Hörvergnügen möglich ist. Über das Case können die Kopfhörer nochmal gut vier Mal aufgeladen werden, sodass ihr eine Musikwiedergabezeit von insgesamt 24 Stunden zur Verfügung steht.

Das leere Wireless-Charging-Case benötigt via Ladekabel ziemlich genau zwei Stunden bis wieder hundert Prozent der Batterie zur Verfügung stehen. Dann kann es die Kopfhörer wieder rund vier Mal aufladen. Zudem kann das Ladeetui kabellos via Qi-zertifizierten Ladematten aufgeladen werden.

Einstellungen

Suche nach den Setup-Möglichkeiten

Zuerst war ich nach dem Pairing etwas ratlos, wo ich die Einstellungen an den AirPods Pro vornehmen kann. Jeder andere Kopfhörer, den ich bisher testete, hatte eine eigene App und auch meine Apple Watch hat eine solche. Die AirPods Pro kommen ohne separate App aus, da man sie in den Bluetooth-Settings einstellen kann.

Dazu öffnet man auf iPhone und iPad die Einstellungen und dort dann den Listenpunkt „Bluetooth“. Die AirPods müssen aus dem Case genommen sein und erscheinen dann als Verbunden in der Bluetooth-Liste. Rechts neben dem Schriftzug „Verbunden“ drückt man auf das eingekreiste „i“ und gelangt nun in ein Menü, in welchem der Name der AirPods Pro, die Geräuschkontrolle und die Button-Steuerung geändert werden können. Weiterhin lässt sich dort der Passtest für die Ohreinsätze starten, die automatische Ohrerkennung editieren und die Mikrofoneinstellungen verwalten. Alles relativ selbsterklärend.

Neben dem beschriebenen Setup lässt sich die Geräuschkontrolle auch aus dem Kontrollzentrum einstellen, indem man dort lange auf den Lautstärkeregler drückt. Hier kann schnell zwischen ANC-an/aus oder Transparenz-Modus ausgewählt werden.

Beide Earbuds haben ein Mikrofon verbaut, sodass sowohl Sprachsteuerung, also auch Telefonate ohne Probleme funktionieren, selbst wenn nur ein Earbud im Ohr sitzt. Die AirPods Pro eignen sich sehr gut als Headset, da das Verstehen der Gesprächspartner als einwandfrei bezeichnet werden darf.

Lautstärke und Active-Noise-Cancelling der AirPods Pro
Hauptmenü der AirPods Pro Optionen
Passtest für Ohreinsätze Teil 1
Passtest für Ohreinsätze Teil 2
Passtest für Ohreinsätze Teil 3
Passtest für Ohreinsätze Teil 4
Lautstärke und Active-Noise-Cancelling der AirPods Pro
Vom anderen Stern

AirPods oder AirPods Pro & der Preis

Sofern man sich AirPods kaufen möchte, sollte man sich die Frage stellen, ob man die AirPods mit oder ohne Pro benötigt. Ich würde die AirPods Pro wählen und erkläre jetzt warum.

Zu den Vorteilen zählt für mich ganz klar die Geräuschunterdrückung der AirPods Pro, welche die vorigen AirPods nicht an Board haben. Weiterhin überzeugt mich der Klang, der sich gegenüber den AirPods deutlich satter und kräftiger anhört. Auch sehen die neuen AirPods Pro in meinen Augen deutlich besser aus als die AirPods oder andere Earbuds. Aktuell ziehe ich die AirPods Pro jedem anderen In-Ear-Kopfhörer vor, ob der gerade beschriebenen Vorteile. Einziger Wermutstropfen ist der hohe Preis und auch die Kosten bei Verlust der True-Wireless-Earbuds.

Butter bei die Fische – Nachhaltigkeit & Kosten

Leider kann aufgrund der extrem kompakten Bauweise die Batterie der AirPods Pro nicht getauscht werden. Ein entsprechender Batterieservice kostet bei Apple komplett 165 Euro und pro Earbud einzeln 55 Euro. Bei Verlust sind deutlich höhere Kosten pro Ersatzteil einzurechnen.

In meinen Augen ist der AppleCare+ (Protection Plan) für 39 Euro eine gute Option, um die Folgekosten in den ersten zwei Jahren gering zu halten. Zwei Beschädigungen sind abgedeckt und eine Selbstbeteiligung von 29 Euro pro Beschädigung werden maximal berechnet. Der Batterieservice ist bei AppleCare+ komplett kostenfrei (Quelle: Apple Website).

Willst du mit mir gehn'?

Zwischen Äpfeln & Androiden

AIRPODS PRO MIT APPLE

Apples neuste AirPods erfordern Devices mit mindestens iOS oder iPadOS 13.2, beziehungsweise watchOS 6.1, tvOS 13.2 oder macOS 10.15.1. Geräte mit älteren Betriebssystemen werden nicht unterstützt.

AIRPODS PRO MIT ANDROID

Erfreulich und nicht selbstverständlich ist, dass die AirPods Pro auch an Android-Geräten funktionieren. Leider muss man als Nutzer hier Einschränkungen in Kauf nehmen. Zwar lässt sich die Geräuschreduzierung verwenden, nicht der Transparenz-Modus oder die Sprachsteuerung, da das Menü hier nicht angeboten wird.

AirPods Pro im Case
AirPods Pro neben Case
AirPods Pro im Case
User Experience

Bedienung mit kleinen Schwächen

Nutzerfreundlichkeit schreibt sich Apple stets groß auf die Fahne und hat auch bei den AirPods Pro geliefert. Die Kopfhörer sind sehr gut verarbeitet und auch gut bedienbar. Die Sprachsteuerung funktioniert sehr gut, selbst bei einem hohen Lautstärkepegel der Umwelt. Die Tastensteuerung für die Geräuschkontrolle lässt sich einfach drücken und die Kommandos werden zielsicher umgesetzt.

Eine Sache vermisse ich jedoch, nämlich die Lautstärkereglung an den Earbuds ist nicht physisch vorhanden. Lauter und leider kann nur via gekoppelten Device oder per Sprachsteuerung gestellt werden. Hier hätte ich mir entweder Wisch- oder Klopfgesten zur Steuerung gewünscht, da die Lautstärke für mich zur elementaren Bedienung bei True-Wireless-Kopfhörern gehört.

Explosionsdarstellung der AirPods Pro. (Quelle: Apple)
X-Ray-Ansicht der AirPods Pro. (Quelle: Apple)
Explosionsdarstellung der AirPods Pro. (Quelle: Apple)
Fazit

Die Liebe mit Wehmut

Nach wie vor hadere ich mit mir, ob ich nach dem Test ein Paar AirPods Pro kaufe. Vielleicht daher noch ein paar Worte zu der Preis- und Leistungsgestaltung und dem dafür gebotenen Gegenwert der Apple AirPods Pro.

Während die True-Wireless-Earbuds von Sony WF-1000XM3 ebenfalls über 200 Euro kosten, bieten sie zwar laut vieler Meinungen einen etwas besseren Klang, jedoch kein besseres Noise-Cancelling und scheinen Probleme mit Verbindungsabbrüchen zu haben. In meinem einmonatigen Test blieben die AirPods Pro davon verschont und müsste ich zwischen Bose und Apple wählen, sind die AirPods Pro die Earbuds meiner Wahl. Den relativ geringen Mehrpreis wäre ich zu zahlen bereit. Funktionsumfang und Klang der kleinen ANC-Kopfhörer haben mich beeindruckt.

Ich hoffe, dass ich einen guten Eindruck vermitteln konnte und wünsche gegebenenfalls viel Spaß mit den neuen Apple AirPods Pro!

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