What comes next: LTE

von joerg-pittermann

· 3 min Lesezeit

Kein Stillstand im Mobilfunkmarkt
Die Innovationen der letzten 10 Jahre in der Mobilfunkbranche sind durchaus beachtlich, wenn man alleine hierfür die Geschwindigkeit der Datenübertragung als Indikator hinzuzieht. Ein Rückblick: Anfang des Jahrzehnts lagen knapp typische Modemgeschwindigkeiten an, die mit HSCSD und später mit GPRS erreicht wurden. Später gab es den ersten Schub mit UMTS, dass eine sechsfach höhere Geschwindigkeit ermöglichte. Nun zum Ende des Jahrzehnts können bundesweit fast alle Netzbetreiber Geschwindigkeit von bis zu maximal 7.2 Mbit ihren Kunden anbieten, bei o2 im Testgebiet München wird dieser Wert sogar mit der dreifachen Geschwindigkeit von knapp 22 Mbit getoppt.
Hierbei versteht sich, dass in der Fläche nicht immer diese erwähnten Geschwindigkeit erreicht werden können und vor allem die Stadtgebiete besser ausgebaut sind, jedoch im Regelfall kann auch auf dem flachen Lande und in Randgebieten mit EDGE die knapp dreifache ISDN-Geschwindigkeit erreicht werden. Ein weiterer Ausbau diesbezüglich wird auch hier in den nächsten Jahren stattfinden. Mit der digitalen Dividende sollen die letzten Breitbandlücken letztlich gestopft werden und mit UMTS im 900-MHz-Bereich und HSPA+ wird die Kapazität und die verfügbare Bandbreite generell erhöht. Trotzdem schaut schon die nächste Mobilfunkgeneration um die Ecke: LTE!

LTE steht für Long Term Evolution und ist der generelle Oberbegriff für die neue Mobilfunkgeneration, teilweise wird auch der Begriff „3GPP Long Term Evolution“ oder „High Speed OFDM Packet Access“ verwendet. Das 3GPP-Konsortium, dass 1998 mit dem Zweck gegründet worden war, neue Mobilfunktechnologien auf Basis von GSM zu entwickeln, ist auch für LTE verantwortlich. Dem Konsortium gehören europäische, asiatische, amerikanische und andere Mobilfunkverbände an, die wiederum die lokalen Telcos repräsentieren. Warum nun wurde LTE entwickelt, wenn doch die Anschlüsse der aktuellen Mobilfunkgenerationen schon teilweise schneller sind als herkömmliche DSL-Verbindungen? Hierzu muss man wissen, dass die Übertragungsstandards von LTE auf den aktuellen Richtmaßen von UMTS und HSPA basieren, jedoch können mit LTE im Gegensatz dazu eine Vielzahl mehr Frequenzbänder effizienter angesprochen werden. Somit können auf gleichen bzw. ähnlichen Frequenzen mehr Daten übertragen werden, was natürlich auch die Bereitstellung vereinfacht. Weiterhin wird mit LTE die sogenannte OFDM (Orthogonal-Frequency-Division-Multiplexing) Technologie eingesetzt, die eine bessere Skalierbarkeit der Bandbreite ermöglichen kann.

Somit können Übertragungsraten erreicht werden, die um den Faktor 15 bis 20 schneller sind als eine aktuelle UMTS-Verbindung. Demzufolge steigt natürlich auch die Geschwindigkeit des Uploads und der Ping sinkt um ein Vielfaches. Der Anwendungsbereich von LTE wird natürlich nicht nur die Übermittlung von Sprache beinhalten, sondern verständlicherweise und wie schon erwähnt, die Möglichkeit bereitstellen, Daten schneller und effizienter zu übertragen. Bereits heute sind drei Prozent der iPhone-User in den USA für ca. 40 Prozent der Datenlast auf dem AT&T-Netzwerk verantwortlich und die Zahl derer, die das iPhone (oder ein anderes Smartphone) noch häufiger nutzen wird mit der Bereitstellung von etwaigen Streaming-Diensten noch weiter massiv ansteigen. Mit LTE ist wird es zukünftig möglich sein, besagten Flaschenhals zu erweitern – ganz auflöst wird er sicherlich nie, wie die Geschichte der Telekommunikation uns aufzeigt.

Die Umsetzung der LTE-Technologie in Deutschland ist nicht ganz so einfach. Erstmal müssen hierzu die passenden Frequenzen gefunden werden. Hierbei sei angemerkt, dass niedrigere Frequenzen höhere Reichweiten erlauben, aber in niedrigen Frequenzen sind Vergleichsweite nur schmale Bänder frei, die umgewidmet werden können. Wenn man sich den Streit anschaut, der alleine bei der Umwidmung der 800-MHz-Frequenzen entstanden ist, die im Rahmen der Digitalen Dividende frei geworden sind, so kann man sich ausmalen, was uns noch ins Haus steht. Die beste Option wäre die Nutzung der GSM-Frequenzen im 900er-Bereich, aber auch hier muss geprüft werden, wie viel Frequenzen für die Sprachvermittlung noch frei bleiben und wie viel für LTE genutzt werden kann. Somit wird LTE anfangs in die hohen Frequenzbereiche oberhalb von UMTS & Co gesetzt werden müssen. Nachteilig ist jedoch in diesem Zusammenhang die geringe Reichweite, die damit notwendige, höhere Standort-Anzahl und somit selbstredend die höheren Erschließungskosten. Natürlich darf auch nicht vergessen werden, dass LTE neue Handys, Smartphones und Datenkarten voraussetzt, die am Anfang sicherlich mit einer Extraprämie bezahlt werden dürfen, so wie auch zu Beginn der Markteinführung von UMTS. Nicht zu schweigen von neuen Tarifen, die sicherlich nochmals einen Aufpreis gegenüber den aktuell bekannten Daten-Paketen beinhalten werden. Die Auktion zur Versteigerung der Frequenzen beginnt am 12. April in Mainz und alle vier aktuellen Mobilfunkbetreiber sind auch für diese Auktion zugelassen. Lassen wir uns überraschen – das nächste Jahrzehnt wird spannend.

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