U2 3D – Mittendrin statt nur dabei?

von sven-kaulfuss

· 3 min Lesezeit

Erlebnisbericht eines Kinobesuches
Ich sprach es ja bereits schon an, letzte Woche war es mir vergönnt einige freie Tage zu verleben, freie Tage die es galt mit allerlei Kurzweil zu füllen. Letzten Dienstag diente zu diesem Zweck ein ausgedehnter Kinobesuch der besonderen Art. Die cinematografische Landschaft unserer Heimatstadt Dresden besticht seit jeher aus einem bunten Mix zwischen Kommerz und intellektuellem Anspruch, man hat die Wahl zwischen vier Multiplexen und zahlreichen Programmkinos, seit letztem Jahr wird diese Vielfalt noch durch ein 3D-Kino aufgewertet.
Viele Jahre war das Dresdner Rundkino DAS Wahrzeichen der Prager Straße und zu DDR-Zeit DAS Vorzeigelichtspielhaus am Platz. Nach der Wende nistete sich die Ufa hier ein, später wurde der Komplex durch den neuen Kristallpalast noch erweitert. Im Jahre 2002 bescherte jedoch eine „kleine“ Flutkatastrophe dem Rundkino das Aus. Filme gab es fortan hier nicht mehr zu sehen, nur das Puppenspiel und ein amerikanisches Pizza-Restaurant überlebten. Seit einem Jahr indes kann man wiederum Filme auf der größten Leinwand Sachsens betrachten und das mit einem „kleinen“ Nebeneffekt. 3D-Filme sind eigentlich nichts generell Neues mehr, das Wörtchen IMAX dürfte den meisten Leuten hier noch ein Begriff sein im Gegensatz zu Cinemagnum, ein relativ neuer Name in der Kinolandschaft. Hinter dem Namen steht die Fantasia Film aus Nürnberg, die schon seit den 80er Jahren vor allem im Verleihgeschäft aktiv war.

Im Gegensatz zu IMAX findet man in den Cinemagnum-Kinos nur digitale Projektionen, der Trick mit der Polarisationsbrille bleibt indes erhalten. Neben zahlreichen Tierfilmen und weiteren meist kürzeren Produktionen findet sich seit März ein neues Spektakel im Programm: U2 3D. Wenn man es kurz zusammenfasst, ein Konzertmitschnitt der irischen Band U2, doch diese Umschreibung untertreibt wohl etwas. Kommen wir also zu meinem „Testbericht“. Da man ja etwas aufs Geld schauen muss, suchten wir uns den Dienstagnachmittag aus, da zu diesem Zeitpunkt die Preise des Kinotages für den Film galten (6,40 Euro, sonst 7,40 Euro [Mi, Do] bzw. 8,40 Euro [Fr, Sa, So]). Angekommen im Foyer erwarben wir unsere Tickets und zwei Frischgetränke. Die verbleibende Zeit bis zur Vorstellung verbrachten wir im Außenbereich mit der Teerung unserer Lungen, der dynamische Kartenverkäufer nutzte diese kleine Pause um uns mitzuteilen, dass er uns die benötigten Brillen gleich an der Theke geben wolle und nicht wie vorgesehen im Eingangsbereich des Kinosaales. Der Grund? So wie es aussah, sollten wir wohl zur Stunde die einzigen Gäste des Hauses sein. Auch nicht schlecht, eine komplette Privatvorstellung? Ganz so war es dann doch nicht, neben uns waren noch zwei weitere Pärchen anschließend im Saal. Bei einer Auslastung mit 6 Personen, eines mit 900 Sitzen ausgestatten Saales macht man sich allerdings Gedanken bezüglich der Wirtschaftlichkeit, auch wenn dieser Umstand sicherlich der untypischen zeit mitgeschuldet sein dürfte. Ein Grundproblem besteht hier sicherlich im Marketing, denn auch mir war nur wenige Wochen zuvor das Cinemagnum aufgefallen, und auch das nur weil ich gezielt nach solchen Angeboten über Google suchte. Hier besteht definitiv noch Nachholbedarf für die Betreibergesellschaft.

Das Filmerlebnis selbst war indes sehr beeindruckend, sicherlich an die Brille muss man sich die ersten Minuten gewöhnen. Jedoch nach ca. 15 Minuten achtet man nicht mehr darauf und versinkt mit den Bildern auf der Bühne. Zum Inhalt? Nun ja, Bono der alte Gutmensch schmettert in gekonnter Weise seine Botschaft unters Konzertvolk. Eben mit diesem fühlt man sich nahezu verbunden und vereinigt, so realistisch wirkt das Szenario. Allerdings sollte man schon einen Zugang zu U2 haben, was jedoch auf Grund der Popularität der gebotenen Songs keine sonderliche Schwierigkeit darstellen sollte. Auch wenn der Film einen Live-Konzertbesuch nicht ersetzen kann, so nah und preiswert war man diesem, echten Konzertgefühl noch nie.

Insgesamt ein schöner Nachmittag, wenn, ja wenn da nicht ein kleiner „Fehltritt“ meiner Freundin dazu führte, dass sie sich nach dem Film stürzend auf dem Boden des Kinosaales wiederfand. Vielleicht hätte sie die 3D-Brille doch aufbehalten sollen ;-].

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