Technikwissen und Praxistest: AGPS vs. GPS

von joerg-pittermann

· 3 min Lesezeit

Die Auflösung…
Vor einiger Zeit gab es eine Debatte über die Definition von AGPS (Assisted GPS) an dieser Stelle. Auslöser dieser Diskussion in den Kommentaren war die Aussage von Matze, dass AGPS lediglich die Mobilfunkdaten zur Positionsbestimmung nutzt, nicht aber die Satellitendaten. Auch Wikipedia war sich zum Zeitpunkt des Artikels wohl nicht ganz sicher. Teilweise gab es in den letzten Tagen diesbezüglich schon den einen oder anderen Kommentar der zur Aufklärung beitrug. Nichtsdestotrotz, trage ich zur Thematik gerne nochmals mein Wissen und einen Praxistest nach, den ich dieser Tage unternehmen konnte.
Zunächst zur theoretischen Betrachtung: GPS ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsmessung und Zeitbestimmung. Satelliten senden regelmäßig ein Positions- und ein Zeitsignal aus, dass der GPS-Empfänger bekommt und somit die Position berechnen kann (Vorraussetzung: genüg Satelliten sind im Horizont sichtbar). Der Satellitenfix dauert je nach Empfindlichkeit und Größe des Empfängers einige Zeit. Früher habe ich bei einigen Erstfixen teilweise 30 Minuten oder länger draußen gestanden und gewartet dass der Empfänger endlich weiß wo er ist.

AGPS ist – wie der Name schon sagt – ein Assisted-GPS. Das heißt, dass ein Helferlein dem GPS beisteht. Dieses Helferlein in Form von z.B. GSM/UMTS versorgt den GPS-Empfänger mit einer halbwegs genauen Ortsangabe, so dass der Satellitenfix, d.h. das Berechnen des exakten Standorts schneller vonstatten geht. Das heißt nicht, dass lediglich eine Kreuzpeilung von drei Mobilfunkmasten durchgeführt wird, die eine ungefähre Örtlichkeit erfasst, sondern es ist der „Real-Deal“, die echte Position +/- der gegebenen Toleranz.
Warum ist nun AGPS nützlich, wenn GPS dieselbe Funktion übernimmt? Mit AGPS geht es faktisch schneller, der Empfänger braucht nicht mehr perfekt an der richtigen Stelle zu sitzen (Beispielsweise bei Nokia N85 oder N95 ist der reine GPS-Empfang hundsmiserabel und erst mit AGPS wird’s besser) und der Kunde ist letztendlich zufriedener, weil die Technik funktioniert, bzw. schneller arbeitet und nicht vermeintlich defekt ist, wie der Kunde meist dann vermutet, wenn er die Geduld verloren hat.

Soviel zum theoretischen Hintergrund, jetzt zum Praxistest. Im Test ein Dell Latitude E6400 mit dem Dell 5530 HSDPA Modul. Eigentlich ist das Dell 5530 HSDPA Modul ein Ericsson F3507 3G HSPA Modul, aber das spielt jetzt nicht die entscheidende Rolle. Dieses Modul verfügt ebenso über eine AGPS-Funktionalität. Im Laptopdeckel sind neben 3G- auch GPS-Antennen verbaut. Weiterhin ist das Dell GPS-Utility installiert. Hier kann zwischen den Betriebsmodi AGPS und GPS unterschieden werden. Als Betriebssystem wird Windows 7 64 Bit Prof. genommen. Der Erstfix wurde bereits durchgeführt, d.h. alle weiteren Positionsbestimmungen erfolgen deutlich schneller.

Der Ort des Tests ist ein Zimmer im Dachgeschoss, das Fenster in einer Gaube mit einem Überbau von ca. 30 cm über dem Fenster. Als erster Testdurchlauf erfolgt eine Messung des GPS-Signals mit Mobilfunkunterstützung, hier wurde ein Satellitensignal in relativ kurzer Zeit gefunden, d.h. innerhalb von ca. zwei Minuten. Der zweite Testdurchlauf erfolgt im reinen GPS-Mode, hier dauerte es für den Satellitenfix schon ca. fünf Minuten.

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Der Unterschied ist in den vergleichenden Screenshots sichtbar. Ich habe die Grad-Zahlen von Longitude und Latitude vom Screenshot entfernt, diese waren beide sowohl bei GPS als auch bei AGPS identisch. Ebenso sind die Minuten austauschbar, erst bei den Sekunden gibt es eine Abweichung von 349 (GPS) zu 370 (AGPS) – diese ist aber auf Grund der GPS-Toleranz als vernachlässigbar anzusehen. Die Höhe stimmt ungefähr (diese ist mit GPS eh nicht so einfach und nur bis zu einem gewissen Grad genau zu ermitteln – jedenfalls für uns Zivilisten) und ob jetzt vier oder fünf Satelliten gesehen werden – einen großen Unterschied macht das nicht aus.

Somit kann man festhalten, dass AGPS genauso genau wie GPS ist – lediglich mit dem Unterschied dass AGPS schneller und somit zügiger dem Satellitenfix auf die Sprünge hilft. Natürlich sollte noch erwähnt werden, dass bei AGPS letzten Endes Daten übertragen werden und somit Kosten anfallen können. Diese Übertragungen sind jedoch im KB-Bereich anzusiedeln und kosten somit meist nur wenige Cent. Der eigentliche Fortschritt verbunden durch die Zeitersparnis den AGPS bringt, ist dennoch unbestritten. Bleibt nur noch die Frage warum es überhaupt GPS im Laptop gibt – ich selber habe noch keine passende Anwendung dafür gesehen – aber mein iPhone (oder auch jedes andere Smartphone) ist für eine sinnvolle Anwendung sicherlich besser geeignet als mein Laptop ;-].

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