Socl: Microsofts soziales Netzwerk geht in die offene Beta
Bekommt Facebook jetzt ernstzunehmende Konkurrenz?
Bereits seit Dezember 2011 wird Socl, das soziale Netzwerk aus dem Microsoft-eigenen Think Tank FUSE Labs, gründlichen Praxistests unterzogen. Bislang durften allerdings nur Mitarbeiter und enge Vertraute des Unternehmens auf der Plattform aktiv werden. Jetzt wurde Socl für die breite Öffentlichkeit freigegeben. Von dem an Facebook und Google+ orientierten Design ist nicht mehr viel geblieben, denn Socl gibt sich mittlerweile sehr bildlastig und versteht sich nunmehr als experimentelles Netzwerk für Menschen, die interessen- und themengebunden miteinander in Kontakt treten wollen – natürlich in der bei Microsoft gerade so angesagten Kacheloptik. Reicht das, um als neues Netzwerk gegen die Konkurrenz zu bestehen? Ein Praxistest.
Was ist Socl überhaupt für ein Netzwerk?
Auf den ersten Blick erinnert Socl stark an Plattformen wie Pinterest oder dribbble: Die Startseite bestimmt eine globale Endlos-Timeline, auf der die neusten Posts der Nutzer angezeigt werden und die sich beim Scrollen nach unten automatisch aktualisiert. Statt einzelner Bilder wie bei Pinterest oder dribbble sind die Posts bei Socl allerdings Collagen, die Links, Bilder, Nachrichten und Videos enthalten dürfen und thematisch frei sind. Von nackten Frauen über Sammlungen von Instagram-Blumenwiesen-Bildern bis hin zu David Guetta-Fancollagen mit YouTube-Links, Bildern und Verweis auf den entsprechenden Wikipedia-Eintrag setzen sich Posts aus so ziemlich jedem erdenklichem Interessengebiet zusammen – Nutzer können Collagen aus allem erstellen, was sie im Internet so finden. Das klingt auf den ersten Blick nach einer bloßen Spielerei, eröffnet aber spannende Perspektiven: Visuelle Tagclouds zu einem bestimmten Themengebiet, durch Bilder bereicherte Linklisten oder themenspezifische Nachrichtencollagen samt Fotomaterial sind denkbar.
twitter lässt grüßen: Profilangaben, Following, Shares
Ähnlich wie bei twitter definieren sich User bei Socl weniger über Profilangaben und Lebensdaten als vielmehr über die Collagen, die sie teilen: Ein Profilfoto, eine maximal 200 Zeichen lange Selbstbeschreibung und die Möglichkeit zur Verlinkung der eigenen Social Media-Profile auf anderen Plattformen müssen für die Individualisierung des Accounts reichen. Und noch ein anderes Konzept wurde von twitter übernommen: Statt Freund- und Bekanntschaften pflegt man bei Socl interessengebundene Neigungen und folgt Nutzern – ebenso können andere Nutzer natürlich auch dem eigenen Account folgen. Das Verfassen von Kommentaren und das Teilen von Collagen in der eigenen Timeline ist möglich und ähnelt stark dem Retweet-Prinzip von – natürlich – twitter. Einen eigenen Account kann man bei Socl übrigens nicht anlegen, der Login erfolgt über ein Facebook- oder Microsoft-Konto (ehemals Microsoft Live). Doch die wichtigste Frage bleibt noch ungeklärt: Wie teilt man denn nun eigentlich Collagen bei Socl?
Nichts einfacher als das: Ein Klick auf den Post-Button öffnet eine neue Seite, auf der links die Collage und rechts eine Eingabemaske zu sehen ist. Die Eingabemaske ist mit der Microsoft-Suchmaschine Bing verlinkt und zeigt sämtliche Suchergebnisse zum eingegebenen Wort an – es kann außerdem spezifisch nach Bildern, Nachrichten oder Videos gefiltert werden. Die Suchergebnisse können mit einem Klick zur Collage hinzugefügt werden und ordnen sich dort automatisch nach der Größe an. Auch Links können in die Suchmaske eingefügt und in die Collage übernommen werden – die Möglichkeit, den Linktitel zu editieren, besteht allerdings nicht. Mein Bemühen, eine Linkliste zu frei verfügbaren wissenschaftlichen Aufsätzen im PDF-Format zu erstellen scheiterte letztendlich daran, dass meine Collage aus unbetitelten Kacheln bestand.
Braucht die Welt Socl?
Und das Fazit? Natürlich wird Socl Facebook oder Google+ keine Konkurrenz machen – aber das ist auch gar nicht Sinn und Zweck des Netzwerks. Tatsächlich könnte Socl aber ein mächtiges Werkzeug werden, das die Funktionen von Diensten wie Pinterest, reddit und delicious auf einer Plattform vereint. Um wirklich professionell mit Socl arbeiten zu können, muss allerdings noch viel passieren: Erst wenn Nutzer gemeinsam an Collagen arbeiten können, der User Kacheln frei anordnen, Linktitel editieren und möglicherweise sogar eigene Inhalte von seiner Festplatte oder aus einer Cloud hinzufügen kann, wird der Einsatz von Socl als kollaborative Plattform und soziale Suchmaschine wirklich sinnvoll – bis dahin bleibt der Dienst eine gute Idee, die noch nicht ganz ausgereift ist. Wir bleiben gespannt und am Ball, was Microsoft aus dem Experiment lernt und wohin sich Socl entwickeln wird.
Die Socl-Collage aus den Screenshots findet ihr übrigens hier: Jakobs Cyberbloc-Berichte.












