Quo Vadis Eee PC?

von sven-kaulfuss

· 2 min Lesezeit

Kleine Starthilfe für die Produktmatrix-Strategie
Asus gilt zu recht als Erfinder der boomenden Sparte der Netbooks, mit dem Modell 701 startete man Anfangs eine regelrechte Revolution. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Nachahmern, manche davon mit vielversprechenden Ambitionen. Daher verwundert es nicht, dass Asus seinen Vorsprung weiter ausbauen möchte. Aus diesem Grunde kommen fast wöchentlich neue Modelle auf den Markt bzw. werden angekündigt. Gestern erst wieder das Modell 1002HA, heute spricht man schon von einer speziellen Gamer-Edition mit wechselbarer Grafikkarte. Die Modellvielfalt ist kaum noch zu überblicken, man schaue sich nur dieses, im Web schon wohlbekannte, Bild der aktuellen und zukünftigen Eee-Matrix an. Man hat den Eindruck, dass Asus jede noch so kleine Nische besetzen möchte, bevor es die Mitbewerber tun. Dabei vergisst man, dass die neue Rubrik der Netbooks selber noch ein Nischenmarkt ist. Die Gefahr besteht, dass man sich zu sehr mit den einzelnen Serien verzettelt. Denn viele Modelle, verursachen letztendlich unüberschaubare Kosten in Planung, Produktion und Vertrieb. Nicht nur für den Kunden wird es schwieriger das passende Modell zu finden, auch für die Vertriebspartner wie uns, kann eine solche Produktstrategie zur Kostenfalle werden.
Für jedes einzelne Modell müssen wir einen Forecast erstellen, sprich Vorbestellungen auslösen. Wenn dann jedoch, wiederum ein neues Modell kurz danach angekündigt wird, ist es zunächst unser Problem den Lagerbestand an Altgeräten abzuverkaufen. Nicht selten treten wir hier in Vorleistung indem wir den Preis senken müssen, denn der Markt wartet nicht bis die Lagerwertausgleichszahlung des Herstellers erfolgt. Eine einfache Produktmatrix in Verbindung mit einem funktionierenden BTO-System (Build to Order) würde hier Abhilfe schaffen. Die Kosten würden fallen, die Margen für Hersteller und Händler steigen. Ich sage es ja nicht gerne, aber man kann vereinfacht feststellen: Von Apple lernen, heißt siegen lernen! Wenden wir diese Überlegungen doch einmal im konkreten Fall an, und geben Asus einige Tipps:

image

Zunächst sollte man sich auf zwei Volumenmodelle plus ein Imageprodukt beschränken. In diesem Zusammenhang fällt auch der Ratschlag, die Namen neu anzupassen. Niemand stellt eine echte Verbindung zu einer Zahlenfolge her (901, 1000H, S101, 1002HA, etc.): Nennen wir es doch einfach Eee! Das größere Modell mit 10 Zoll Display Eee Big, das Lifestyleprodukt Eee Fashion. Keine Zahlen oder andere kryptische Bezeichnungen mehr. Denn was für einen Produktmanager von Asus Sinn macht, interessiert den Kunden beleibe nicht. Des Weiteren sollten alle Modelle vom Start her mit Linux ausgestattet sein. Dies hat einen geringeren Einstiegspreis zur Folge. Wer Windows möchte, greift zum optionalen OEM-Pack in Form eines mit Win XP vorinstallierten USB-Sticks. Die Planung der Stückzahlen zwischen Win- und Linux-Version entfällt damit komplett. Zusätzlich könnte man es dem Kunden bei der Installation von Windows überlassen, ob er Linux komplett von der Platte haben möchte, oder aber ein Dual-Boot-System bevorzugt, ein entsprechender Assistent könnte hierbei behilflich sein. Andere Ausstattungsmodalitäten wie ein UMTS-Modul können im BTO-System hinzugefügt werden, es wird nur dass hergestellt, was auch verkauft wird. Dasselbe gilt für RAM und Festspeicher wie Festplatten bzw. SSDs. Auf diese Weise kann die Planung zielgerichteter erfolgen, die Kosten fallen, die Margen steigen. Auch wenn man es nicht gerne hört, Apple hat vorgemacht wie es funktioniert, die letzten Quartalszahlen belegen dies eindrucksvoll.

Ist es nun vermessen, wenn ich, als kleines Licht einem Hersteller wie Asus solche Ratschläge erteile? Ich denke nicht, es ist nur die Erfahrung bei Cyberport die aus mir spricht.

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