Preisentwicklung bei Apple: Ein Hoch auf den Euro

von sven-kaulfuss

· 3 min Lesezeit

Apple-Produkte sind heutzutage verdammt billig…
Die immer wiederkehrende Frage der Preiswürdigkeit in Bezug auf Produkte des kalifornischen Herstellers Apple, ist nach wie vor ein beliebter Streitgegenstand. Erst im Februar thematisierte unser Autor Joerg Pittermann in seinem Artikel „Preispolitik: Für ein Apple und ein Ei“ besagtes Phänomen. Seiner Argumentation folgend, unterliegt die wahrgenommene Preisdifferenz oftmals subjektiven Eindrücken – abgesehen von der aggressiven Preisgestaltung des iPads, die auch objektiv für den Kunden und die Wettbewerber nachzuvollziehen ist. Unbetrachtet dessen blieb indes ein, auf den europäischen Raum begrenzter, meiner Meinung nach noch viel wichtigerer Grund für eine tatsächliche, nach unten zeigende Preisspirale: Die allgemeine Währungsentwicklung!
Vor zehn Jahren erwarb ich einen neuen Rechnerschatz: Es sollte das erste iBook mit Combo-Laufwerk (CD-Brenner/DVD-Player) werden. Trotz Cyberport-Einkaufspreis musste ich hierfür über 4.000 DM (2.000 Euro) berappen. Heutzutage kostet das kleinste MacBook dagegen nur ca. 900 Euro – gut die Hälfte des damaligen Preises. Für meine damalige Investition würde ich heute das Topmodell des MacBook Pro erhalten, für das ich zu jener Zeit einen noch wesentlich höheren Betrag veranschlagen hätte müssen. Doch abseits der technisch und Herstellungsbedingten Gründe, existiert noch ein weiteres Motiv für einen solchen Preisabsturz.

Apple, wie auch ein jedes andere Wirtschaftsunternehmen im internationalen Raum, orientiert sich seit jeher am US-Dollar als Leitwährung. Doch Amerika hat es schwer gehabt in den letzten 10 Jahren, die eigene Währung geriet unter Druck und verlor so zunehmend an Wert. Geld beschafft man sich mittlerweile bei den Chinesen und auch zukünftig dürfte es der derzeitigen letzten Supermacht schwer fallen wieder auf Zielkurs zu gelangen. Aktuell steht US-Präsident Obama vor dem Staatsinfarkt und der Dollar gibt nach. Für die amerikanische Außenwirtschaft mag dies kurzfristig beflügelnd wirken, langfristig betrachtet ist diese Entwicklung allerdings mit Skepsis zu sehen. Der Euro hingegen erfreut sich, trotz einiger Sperrfeuer aus Griechenland und Co, an seiner Stärke. Im Ergebnis werden Konsumgüter aus dem Ausland für uns günstiger. Hingegen wird diese positive Tatsache wiederum aufgefressen durch steigende Energiekosten, Mieten etc. Doch zurück zum ursprünglichen Thema.

Bezogen auf die allgemeine Währungsentwicklung, sind Apple-Produkte und weitere Elektronikartikel so günstig wie nie zuvor in Europa. Um dies zu veranschaulichen, greife ich auf eine Beispielrechnung zurück. Als Basis dient uns der offizielle Preis für das kleinste iPad 2: 479 Euro respektive 499 Dollar. Kalkulieren wir zunächst den annähernden Apple-Umrechnungskurs. Es ist anzunehmen, dass Apple die Preisfestlegung für den europäischen Raum Mitte März vornahm. Am 14. März 2011 erhielt man für ca. 70 Euro-Cent einen US-Dollar. Demzufolge beträgt der Netto-Umrechungskurs für ein iPad 2 runde 349,30 Euro. Hinzu kommt noch die deutsche Mehrwertsteuer (19 Prozent) – Zwischenergebnis 415,67 Euro – und der Apple-Risiko-Aufschlag, der demzufolge 63,33 Euro (ca. 15 Prozent) beträgt.

Verlassen wir nun das Jahr 2011 und werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit. Am 19. März des Jahres 2001 musste man für einen US-Dollar runde 1,12 Euro zahlen. Legt man nun obiges Rechenbeispiel zugrunde, so würde Apple heutzutage für ein iPad 2, gemessen an den damaligen Währungsmaßstäben, 764,83 Euro verlangen bzw. man hätte es auf 769 oder 759 Euro gerundet. Mit anderen Worten, wäre der US-Dollar heute so stark wie vor zehn Jahren, müssten wir in Deutschland knappe 300 Euro mehr für ein iPad 2 bezahlen!

Auch wenn solche Monopoly-Spiele derzeit reine Makulatur sein mögen, so veranschaulichen sie doch auf eindrucksvolle Art und Weise, wie die regionale Preispolitik Apples (fairerweise sei gesagt, und natürlich auch der anderen Hersteller) von der vergangenen Währungsentwicklung abhängig ist und der europäische Kunde bisher in den letzten Jahren davon profitierte. Sollte der US-Dollar allen Unkenrufen zum Trotz, eines Tages seine alte Stärke wiedererlangen, wird es für uns Tech-Jünger ein böses und vor allem teures Erwachen geben.

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