Picasa Web Albums
Googles Flickr-Killer?
Google wird nicht müde. Erst kürzlich sorgte der Konzern mit seiner Online-Tabellenkalkulation Spreadsheets für Aufsehen, nun hat man sich scheinbar vorgenommen, den weltweit sehr verbreiteten Bilderdienst Flickr des Konkurrenten Yahoo! zu übertrumpfen.
Um mich von Vor- und Nachteilen des neuen Angebots zu überzeugen, habe ich mich schnell für einen Test der derzeit wegen Beta-Stadium nur per Einladung zu benutzenden Anwendung eingetragen. Was macht Google nun anders, was macht es besser?
Zunächst einmal ist die Installation einer Software auf dem heimischen Rechner notwendig: Picasa2. Und da liegt auch schon das größte Problem: das Programm gibt es nur für Windows. Apple-Nutzer lassen es entweder gleich sein, installieren sich mittels Boot Camp Windows oder warten, bis Google die Software auch für den Mac anbietet.
Die Funktionen von Picasa kennen Mac-Nutzer im Prinzip schon. Es ist eine Fotoverwaltungssoftware ähnlich iPhoto. Nur die dort zusammengetragenen Fotos können in das Picasa Web Album hochgeladen werden. Die Software funktioniert tadellos, auf Wunsch wird fix die gesamte Festplatte nach Bildern und Fotoordnern durchsucht.

Beim Hochladen erstellt man nach Bedarf neue Web Albums (entsprechen den Photosets bei Flickr) und kann die Auflösung der hochzuladenden Datei wählen. Anschließend stehen die Bilder online zur Verfügung, allerdings entweder für alle (Public Gallery) oder nur für den Benutzer allein sichtbar (Private Gallery), eine Abstufung durch „Friends“ und „Family“ wie bei Flickr scheint es nicht zu geben.

Die meisten der Funktionen von Picasa Web Albums sind bereits bekannt. RSS-Feeds sind ebenso vorhanden, wie die Möglichkeit Fotos in einem Album neu anzuordnen, ein Album mit einem Titelfoto zu versehen usw. Subjektiv fällt mir auf, dass sich Google bei der Gestaltung mehr Mühe gegeben hat. So gefällt mir die Aufteilung und das Design besser als bei Flickr.
Auch einige neue Features gibt es zu vermelden: so lassen sich die Vorschaufotos wie auch bei iPhoto und innerhalb von Picasa stufenlos vergrößern und verkleinern, um mehr oder weniger Bilder gleichzeitig anzuzeigen. Bei der Volldarstellung eines Fotos lässt sich in dieses hineinzoomen.
Es gibt natürlich die Möglichkeit, Kommentare zu Bildern zu hinterlassen, eine Bildunterschrift zu verfassen, Slideshows zu starten und einiges mittlerweile fast selbstverständliche Funktionen mehr. Die sinnvollste Neuerung ist meiner Ansicht nach die Möglichkeit, ganze Fotoalben in Picasa herunterzuladen. Eine ähnliche Funktion vermisse ich bei Flickr schon seit langem.

Was fehlt?
Anders als bei Flickr werden bei Picasa Web Albums nicht mehrere Größenversionen einer Datei erzeugt. Man hat also immer die, welche man hochlädt, kann nachträglich nur noch zum besseren Betrachten zoomen. Man kann innerhalb der Fotos keine Notes hinterlassen (allerdings ist das wohl auch eher eine Spielerei) und natürlich gibt es in der derzeitigen Beta-Phase noch keine Groups oder ähnliches. Am meisten verwundert hat mich das Fehlen von Tags. Ich habe jedenfalls keine Möglichkeit gefunden, Bilder mit Schlagwörtern zu versehen – eine der essentiellsten Funktionen bei Flickr. Momentan gibt es also noch kaum einen Grund, sich länger mit Picasa Web Albums zu beschäftigen.
Mit fortschreitender Entwicklungszeit könnte Googles neues Angebot allerdings zu einem Konkurrenten für Flickr werden, allerdings wohl nur für Neukunden. Flickr-Veteranen dürften wohl auch in Zukunft keinen wirklich zwingenden Grund sehen, zu wechseln – vor allem, weil dies ja auch mit gehörig Aufwand verbunden ist, wenn man nicht alle online abgelegten Fotos auch noch irgendwo lokal gespeichert hat. Zudem bietet Picasa Web Albums ebenfalls Limitierungen: in der kostenlosen Variante stehen 250 MB Speicherplatz zur Verfügung (nicht Traffic, wie bei Flickr!). Für 25$ erhält man für ein Jahr 6 GB Speicherplatz.
Wer eine GMail-Adresse hat, kann sich für den Beta-Test anmelden – eine eigene Einschätzung kann sicher nicht schaden.








