Online-Videorecorder
Videodienste im Internet
Fast jedes Unternehmen tut es, warum also nicht auch der Verbraucher? Die Rede ist vom Outsourcing, der räumlichen Verlagerung von Tätigkeiten. Diesmal betrifft es den heimischen Videorecorder, den drei Konkurrenten im Internet in Vorruhestand schicken wollen.
Das Grundprinzip von Save.tv, Shift.tv und dem Online-TV-Recorder ist identisch: Nach der Anmeldung kann der Nutzer in einer Online-Programmzeitschrift stöbern und die gewünschten Sendungen zur Aufnahme markieren. Kurz nach Sendungsende steht die Aufnahme zum Download bereit. Eine schnelle Internetverbindung ist empfehlenswert, denn die anfallenden Datenmengen sind enorm. Eine Stunde TV-Mitschnitt belegen beim Online-TV-Recorder und Shift-TV rund 275 MB, bei Save.tv gar 500 MB Speicherplatz. Der Grund für die Differenz: Während Save.tv in voller PAL-Auflösung aufzeichnet, bietet die Konkurrenz nur ein Viertel davon. Das Ergebnis: Eine dem LP-Modus von DVD-Recordern vergleichbare Qualität bei Save.tv, bei den anderen beiden deutlich darunter. Kompressionsartefakte, besonders bei schnellen Bildbewegungen, sind aber bei allen drei Diensten sichtbar.
Die Wiedergabe kann mit jedem Rechner, der über einen Microsoft Media Player verfügt, erfolgen. Pfiffig sind die Dienste auch als Filmlieferant für portable Videoplayer wie den iPod. Allerdings kann der Apple-Player die Aufnahmen erst nach einer Formatwandlung spielen. Andere Player, etwa die von Archos, Creative oder Cowon, spielen zumindest die Aufnahmen des Online-TV-Recorders ohne vorherige Formatwandlung ab.
Save.tv und Shift.tv verlangen für ihre Dienste monatlich fünf Euro. Darin sehen die Fernsehsender eine Verletzung der Urheberrechte und gehen juristisch gegen die Angebote vor. RTL hat vor kurzem ein Gerichtsverfahren gegen Shift.tv gewonnen, das dem Anbieter die weitere Aufzeichnung untersagt; Sender der RTL-Gruppe stehen nun nicht mehr zur Aufnahme bereit. Anders beim Online-TV-Recorder: Sein Firmensitz ist in der Karibik, geschützt vor den Mühlen der deutschen Justiz. Der Aufnahmedienst steht jedem Surfer kostenlos zur Verfügung, dafür ist die Nutzung etwas unkomfortabler als bei der Konkurrenz, denn der Download einzelner Sendungen erfolgt im verschlüsselten Container via Bittorrent oder Emule, das Umwandeln in einer Filmdatei erst auf dem eigenen Rechner.
Ein Ersatz für den Recorder im Wohnzimmer sind die drei Dienste unter dem Qualitäts- und Komfortaspekt also noch nicht. Ihre Vorteile spielen sie erst aus, wenn die Wiedergabe ohnehin auf dem Computer oder einem portablen Player erfolgen soll.








