Nachgerechnet: Honeycomb-Apps
Was kaufen bei Mangel?
Bildquelle: Flickr; Autor Lithfin, veröffentlicht unter CC BY 2.0.
Als Steve Jobs höchstpersönlich das iPad 2 vorstellte, gab es erwartungsgemäß einige spitze Bemerkungen zur Konkurrenz in Sachen Tablets. An dieser Stelle sparen wir uns einfach mal das abgegriffene Argument der aktuellen Verteilung der Abverkaufszahlen zwischen Android-Tablets und dem iPad, sondern konzentrieren uns lieber auf folgenden Sachverhalt: Tablets an sich und unabhängig von der Plattform, sind toll und man kann damit bspw. großartig im Internet surfen. Aber was ich und ganz viele andere Menschen noch häufiger nutzen, sind die Apps. Daher entscheidet die Anzahl und Güte dieser Programme über den Erfolg der jeweiligen Plattform. Steve Jobs schätze im Zuge der iPad-2-Vorstellung die Zahl der Honeycomb-Apps – laut Google das erste echte Android OS für Tablets – auf knapp 100 Stück und verkniff sich selbstredend nicht, die Gegenüberstellung mit der weitaus größeren Anzahl von iPad-Apps (65.000). Wie sich nun herausstellt, war die Schätzung des Apple-Chefs noch zu hoch gegriffen – keine gute Ausgangslage für Android 3.0 aka Honeycomb, möchte man meinen.
Fauler Kompromiss: Smartphone-Apps für Tablets
Natürlich lassen sich auch auf Honeycomb-Tablets die meisten der bisherigen für Smartphones optimierten Android-Apps verwenden, genauso wie man dies auch mit iPhone-Apps auf dem iPad tut. Nur dann wirkt im Ergebnis alles pixelig und die Apps werden kurzerhand nur auf Tabletgröße „aufgeblasen“. Dies sieht letztendlich nicht schön aus und ist deshalb etwas sinnfrei. Niemand kauft sich für mindestens 500 Euro ein iPad oder ein anderes Tablet nur um darauf die bisherigen Anwendungen suboptimal ausführen zu können. Wenn ich mir schon ein Tablet zulege, dann möchte ich auch einen echten Mehrwert bekommen. Dieser wird nicht allein mit einem besseren Surferlebnis und dem erwähnten App-Kompromiss abgedeckt, sondern ich will schlicht eine große Auswahl an guten Programmen nutzen, die perfekt auf meinem Tablet laufen. Ein wenig erinnert mich diese Problematik an die Anfangszeiten des ersten iPads. Wirklich viele, native Apps gab es damals noch nicht und so mussten die stolzen Erstbesitzer eine gewisse Durststrecke überstehen. Ich erinnere mich noch genau an die Worte eines Kollegen, der sich das iPad aus den USA mitgebrachte: „Viele Apps gibt’s noch nicht“. Diese Situation war zunächst enttäuschend. Ich war vom iPad durchaus fasziniert, aber einen gefühlten Mehrwert habe ich damals ohne speziell angepasste Apps nicht erkannt.
Anzahl der Honeycomb-Apps
Doch zurück zu Honeycomb, wie viele echte Apps existieren derzeit im US-Marketplace (dem Android App Store) für den neuesten Hoffnungsträger der alternativen Tablets? Ich verweise hierfür zunächst auf die Website von carpeaqua – auf 20 Apps kommt Blogger Justin Williams, gemessen an seinen Kriterien. Hierfür nutzte er als Erhebungsbasis folgende Punkte: Als Tabletgrundlage wurde das Motorola Xoom gewählt und mangels einer geeigneten Möglichkeit den Marketplace dezidiert nach Honeycomb-Apps zu durchsuchen, musste er durch den Store browsen. Ob Mr. Williams auch wirklich alle Honeycomb-Apps gefunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. ars technica fand immerhin schon 50 für Honeycomb optimierte Programme – auch nicht viel mehr. Diese Zahlen vermitteln eine gute Vorstellung davon, wie lang noch immer der Weg für Android-Tablets ist, bis zu einem halbwegs vergleichbaren Ergebnis wie beim iPad.
Chancen
Meine persönliche Einschätzung? Im Jahre 2011 ist sicherlich nicht damit zu rechnen, das Honeycomb-Tablets in solchen Stückzahlen verkauft werden, die Entwickler die Möglichkeiten geben, ihre Programme und ihre Arbeit in bare Münze umzuwandeln. Dafür ist der bisherige Start zu langsam bzw. die Ankündigungen weiterer Tablets in weiter Ferne (Sommer), die Chipversorgung zu ungewiss und die Anzahl der Apps – wie schon erwähnt – zu gering. Aus all den Gründen werde ich sich sicherlich nicht die Befürworter von Android bewegen können, dieses Jahr ein iPad 2 zu erwerben, aber vielleicht gelingt es mir dennoch, den einen oder anderen normalen Käufer zu animieren, über die Entscheidung der Tabletwahl nochmals nachzudenken. Entscheidend für den Kauf sind nicht die bloßen technischen Spezifikationen und die Ankündigung verbunden mit bunten Bilder, sondern letztendlich die Möglichkeiten, die man nach dem Kauf mit dem Tablet hat – kurzum den Spaß an der Freunde mit dem Tablet täglich zu arbeiten. Da nützt es mir nichts, wenn das Display minimal mehr Pixel hat oder der Prozessor vermeintlich mehr Power besitzt, denn ohne Inhalte, ohne Apps die diese Features auch gekonnt nutzen, bleiben nur inhaltslose Merkmale zurück – ein wichtiges Element der oft beschworenen Post-PC-Welt.








