Nachgerechnet: Honeycomb-Apps

von joerg-pittermann

· 3 min Lesezeit

Was kaufen bei Mangel?
Bildquelle: Flickr; Autor Lithfin, veröffentlicht unter CC BY 2.0.

Als Steve Jobs höchstpersönlich das iPad 2 vorstellte, gab es erwartungsgemäß einige spitze Bemerkungen zur Konkurrenz in Sachen Tablets. An dieser Stelle sparen wir uns einfach mal das abgegriffene Argument der aktuellen Verteilung der Abverkaufszahlen zwischen Android-Tablets und dem iPad, sondern konzentrieren uns lieber auf folgenden Sachverhalt: Tablets an sich und unabhängig von der Plattform, sind toll und man kann damit bspw. großartig im Internet surfen. Aber was ich und ganz viele andere Menschen noch häufiger nutzen, sind die Apps. Daher entscheidet die Anzahl und Güte dieser Programme über den Erfolg der jeweiligen Plattform. Steve Jobs schätze im Zuge der iPad-2-Vorstellung die Zahl der Honeycomb-Apps – laut Google das erste echte Android OS für Tablets – auf knapp 100 Stück und verkniff sich selbstredend nicht, die Gegenüberstellung mit der weitaus größeren Anzahl von iPad-Apps (65.000). Wie sich nun herausstellt, war die Schätzung des Apple-Chefs noch zu hoch gegriffen – keine gute Ausgangslage für Android 3.0 aka Honeycomb, möchte man meinen.
Fauler Kompromiss: Smartphone-Apps für Tablets
Natürlich lassen sich auch auf Honeycomb-Tablets die meisten der bisherigen für Smartphones optimierten Android-Apps verwenden, genauso wie man dies auch mit iPhone-Apps auf dem iPad tut. Nur dann wirkt im Ergebnis alles pixelig und die Apps werden kurzerhand nur auf Tabletgröße „aufgeblasen“. Dies sieht letztendlich nicht schön aus und ist deshalb etwas sinnfrei. Niemand kauft sich für mindestens 500 Euro ein iPad oder ein anderes Tablet nur um darauf die bisherigen Anwendungen suboptimal ausführen zu können. Wenn ich mir schon ein Tablet zulege, dann möchte ich auch einen echten Mehrwert bekommen. Dieser wird nicht allein mit einem besseren Surferlebnis und dem erwähnten App-Kompromiss abgedeckt, sondern ich will schlicht eine große Auswahl an guten Programmen nutzen, die perfekt auf meinem Tablet laufen. Ein wenig erinnert mich diese Problematik an die Anfangszeiten des ersten iPads. Wirklich viele, native Apps gab es damals noch nicht und so mussten die stolzen Erstbesitzer eine gewisse Durststrecke überstehen. Ich erinnere mich noch genau an die Worte eines Kollegen, der sich das iPad aus den USA mitgebrachte: „Viele Apps gibt’s noch nicht“. Diese Situation war zunächst enttäuschend. Ich war vom iPad durchaus fasziniert, aber einen gefühlten Mehrwert habe ich damals ohne speziell angepasste Apps nicht erkannt.

Anzahl der Honeycomb-Apps
Doch zurück zu Honeycomb, wie viele echte Apps existieren derzeit im US-Marketplace (dem Android App Store) für den neuesten Hoffnungsträger der alternativen Tablets? Ich verweise hierfür zunächst auf die Website von carpeaqua – auf 20 Apps kommt Blogger Justin Williams, gemessen an seinen Kriterien. Hierfür nutzte er als Erhebungsbasis folgende Punkte: Als Tabletgrundlage wurde das Motorola Xoom gewählt und mangels einer geeigneten Möglichkeit den Marketplace dezidiert nach Honeycomb-Apps zu durchsuchen, musste er durch den Store browsen. Ob Mr. Williams auch wirklich alle Honeycomb-Apps gefunden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. ars technica fand immerhin schon 50 für Honeycomb optimierte Programme – auch nicht viel mehr. Diese Zahlen vermitteln eine gute Vorstellung davon, wie lang noch immer der Weg für Android-Tablets ist, bis zu einem halbwegs vergleichbaren Ergebnis wie beim iPad.


Aktuelle iPad-Werbung: Konzentration auf den Inhalt, nicht auf reine Features.

Chancen
Meine persönliche Einschätzung? Im Jahre 2011 ist sicherlich nicht damit zu rechnen, das Honeycomb-Tablets in solchen Stückzahlen verkauft werden, die Entwickler die Möglichkeiten geben, ihre Programme und ihre Arbeit in bare Münze umzuwandeln. Dafür ist der bisherige Start zu langsam bzw. die Ankündigungen weiterer Tablets in weiter Ferne (Sommer), die Chipversorgung zu ungewiss und die Anzahl der Apps – wie schon erwähnt – zu gering. Aus all den Gründen werde ich sich sicherlich nicht die Befürworter von Android bewegen können, dieses Jahr ein iPad 2 zu erwerben, aber vielleicht gelingt es mir dennoch, den einen oder anderen normalen Käufer zu animieren, über die Entscheidung der Tabletwahl nochmals nachzudenken. Entscheidend für den Kauf sind nicht die bloßen technischen Spezifikationen und die Ankündigung verbunden mit bunten Bilder, sondern letztendlich die Möglichkeiten, die man nach dem Kauf mit dem Tablet hat – kurzum den Spaß an der Freunde mit dem Tablet täglich zu arbeiten. Da nützt es mir nichts, wenn das Display minimal mehr Pixel hat oder der Prozessor vermeintlich mehr Power besitzt, denn ohne Inhalte, ohne Apps die diese Features auch gekonnt nutzen, bleiben nur inhaltslose Merkmale zurück – ein wichtiges Element der oft beschworenen Post-PC-Welt.

Kommentare

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Gepostete Kommentare

Robdg 05.04.2011, 14:44 Uhr

Da Apple kein Flash unterstützt kann ich viele Seiten des Internet letztendlich nur über Apps nutzen. Damit bin ich bei Apple von den Apps abhängig. Hingegen habe ich bei den Android Tablets auch Zugang zu sehr vielen WebApps, die Flash basiert sind.

René 05.04.2011, 21:48 Uhr

Die Tage nativer Plattform Apps sind gezählt. Das Web steckt voller Apps. Ob nun in HTML5 oder Flash ist egal. Das sind die Inhalte, die wahres Vergnügen bereiten. Schon mal probiert, eine iPad/iPhone/iPod App auf mehrere iPads/iPhones/iPods zu installieren? Umständlicher geht es nicht. Immer wieder mit dem Kabel ans Notebook und iTunes starten. Ist doch sowas von Oldschool. Mit ner WebApp ist das alles kein Problem.

jaja 06.04.2011, 11:40 Uhr

Lieber René. Man kann auf allen iPads/iPhones/iPods die unter derselben appleID laufen alle (egal womit) gekauften Apps beliebig runterladen ohne nochmal dafür zu bezahlen, also nix mit Kabel und iTunes. Wenn man das regelmäßig machen muss, besorgt man sich das iPhone-Konfigurationsprogramm (was auch mit iPads und iPods läuft) und kann so auch tausende Geräte parallel konfigurieren. Für Mac: http://support.apple.com/kb/DL851?viewlocale=de_DE Für Windows: http://support.apple.com/kb/DL926?viewlocale=de_DE Für Fragen dieser Art kann man den hervorragenden und kostenlosen Apple-Support bemühen, oder wenigstens mal Google befragen, bevor man die Foren mit Käse füllt. Zum Thema HTML5 oder APP ist gerade für Firmen von großer Bedeutung, ob Daten auf irgendwelchen ominösen Servern gelagert werden, die den 'Kunden' per Cookie erkennen, oder ob man alles im Gerät behält, welches nicht von Dritten getrackt wird.

Torsten 06.04.2011, 20:22 Uhr

...warum muss ein Artikel über "Honeycomb-Apps" mit dem iPad2 beginnen und auch sonst viele nutzlose Querverweise zu Apples Produkten enthalten? Auch die durchaus interessante Frage nach der "echten" Anzahl dieser Apps wurde weder selbst noch einigermaßen genau beantwortet. Viel Text, wenig objektiver Inhalt - schade.

Erdi 08.04.2011, 14:21 Uhr

Natürlich geht es nicht für den normalen Consumer um die reinen Specs... Apple PR ist an dieser Stelle doch eher ungebracht, denn die Vergleiche und Aussagen von Stevie Boy sind nicht immer das wahre... Ich sehe eine ähnliche Entwicklung mit Honeycomb wie auf dem Smartphonemarkt mit Android und iOS und dort war der Start aufgrund der Apple Dominanz auch nicht leicht, aber die "Offenheit" und Flut an Produkten wird der Schlüssel sein! Auf die specs mal zurück zu kommen: iPad2 ist soweit technisch UptoDate, aber in enigen Belangen wieder hinten dran, sei es Auflösung,Ram,beschnittenes Multitasking, Cameras sind wohl nen Witz schlecht hin(ich habe damit paar Spassbilder geschossen, da frage ich mich wozu überhaupt eingebaut(Rearcamera!!!, nicht Facetime)!?^^) Trotz allem ist das iPad 2 ein wirklich geiles Tablet, aber das Acer Iconia 500 oder viel mehr Asus Transformer werden gute und günstige Alternativen sein, bei denen ich zumindest, bei mir als Hauptnutzungsprofil, den Multimediakonsum( bis zu 1080p in verschiedenen Containerformaten, miniHDMI) und das volle Webbrowsing(HTML5+Flash) genießen kann. Auf dem iPad 2 habe ich vllt 5 wirklich tolle optimierte Spiele+ 10-15 Apps die ich vllt wirklich aktiv nutze, aber sonst ist mir das Browsen,Podcast, Videoschauen doch meine Vorstellung von nem Tablet. So toll iMovie oder Pages oder wie sie alle heißen sind, erschliest sich mir der Sinn solcher Apps bei einem für mich definierten reinen Content- und Konsumprodukt! Es bleibt ein Zweitgerät für den ich doch nicht 100 000 Apps fürs Couchsurfing brauche^^

Henrytroy 12.05.2011, 20:01 Uhr

Vielen Dank für diesen Bericht, vor allem aber an Erdi, Dein Kommentar war sehr interessant! Ich habe mir das iPad 2 bestellt , benutzte jetzt aber bis zur Lieferung ein Iconia A 500 und muss zugeben das ich (da bisher kein Vergleich vorhanden) schon sehr zufrieden bin mit dem Couchsurfing und den vorhandenen Apps. Stellt sich die Frage ob ich 799 € für ein iPad 3G 64 GB ausgeben will oder mich einfach mit meinem Iconia A 500 für 499 € zufrieden gebe, immerhin kann ich den USB Stick nutzen, eine Mini SD Karte reinschieben und wenn ich wirklich mal außerhalb meines WLan Netzes ins Internet möchte, kann ich via eigenem Handy meine Hotspot Funktion benutzen.

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