Der nächste Schritt: Musik-Cloud

von joerg-pittermann

· 4 min Lesezeit

Viel Musik für kleines Geld…
Ein Blick zurück: Was Steve Jobs und Apple gemeinsam vor nunmehr 10 Jahren anstießen, entpuppte sich als eine wahre Revolution. Musik on the go – zum Mitnehmen im iPod. Das notwendige Programm (iTunes) zum bequemen befüllen und verwalten der Musik erhielten die Anwender kostenfrei und dies mit voller Funktionalität – damals außergewöhnlich. Songs kamen einst noch von CD, die der Nutzer selbstständig „rippen“ musste. Doch dieser Vorgang wurde auch schon zu jener Zeit vereinfacht, bzw. mit nützlichen Zusatzfunktionen aufgewertet: z.B. unterstützte iTunes eine vielfache „Rip-Geschwindigkeit“ und bot den Abgleich der MP3s mit bestehenden Musikdatenbanken. Doch Apple bereitete schon den nächsten, größeren Schritt vor.
Musik-Download
Schließlich stießen Apple und die Musikindustrie im Jahre 2003 eine weitere Revolution an: Über den iTunes Music Store konnte fortan Musik legal gekauft werden und dies für sensationelle 99 Cent pro Song. Der Rest ist mittlerweile Geschichte, denn nachweislich mutierte dieses anfangs kritisch beäugte Vertriebskonzept zum nachhaltigen Erfolg. Aktuell konnte Apple im letzten Jahr einen Marktanteil in den USA von über 66 Prozent für sich in Anspruch nehmen. Für Deutschland ist festzustellen, dass dieser Markt für Musik-Downloads in Europa der zweitwichtigste ist, sprich auch für Apple besteht noch gewaltig Luft nach oben für den Verkauf von Musikstücken. Trotzdem war auch für Apple anfangs die Musik-CD noch ein wichtiges Element für den Erfolg von iTunes, schließlich beinhaltete das Logo nach wie vor eine CD.

Die CD ist tot…
Allerdings hat auch der größte Markt irgendwann mal ein Problem: Das Wachstum mit den aktuellen Produkten lässt sich nicht unendlich fortschreiben. Die CD ist mittlerweile tot, die Musik kommt nicht mehr von der Silberscheibe und der Absatz einzelner Titel oder Alben wird in Zukunft nicht mehr wachsen. Apple hat auch diesen Trend frühzeitig erkannt und gehandelt: Die CD verschwand somit folgerichtig letztes Jahr aus dem iTunes-Logo und das Macbook Air wird derweil ohne optisches Laufwerk und Restore-Medium ausgeliefert. Stattdessen setzt der Hersteller auf einen kleinen USB-Stick auf dem sich das Betriebssystem als Sicherung befindet.

Stagnation im Download-Markt
Doch auch der Downloadmarkt für MP3s stagniert bereits in den Vereinigten Staaten, so konnte sich in 2010 der Absatz gegenüber dem Vorjahr nicht signifikant ändern. Warum erlahmt nun der Absatz? Die Nutzer haben ihre Musiksammlungen von CD auf MP3 umgestellt (entweder über das Rippen oder per Download) und jetzt wird nur noch neue Musik gekauft, vereinfacht heißt dies: Die Luft ist raus! Diesen Effekt kannte man auch schon bereits vom Wechsel der Kassette zur CD. Es stellt sich die Frage: Was kommt jetzt? Die Antwort hat die Industrie (natürlich) schon in der Hand und die nennt sich Streaming.

Die Lösung: Streaming
Streaming heißt, dass wir die Musik nicht mehr extra herunterladen, sondern dass wir sie sofort „live“ über das Internet hören können. Gespeichert wird nichts mehr, sondern wir nutzen sie nur und besitzen nicht mehr die eigentliche Datenmenge. Die Idee ist faszinierend: Wann immer ich Lust habe, kann ich die Musik hören die ich gerade will und nicht ausschließlich die Musik, die sich auf meinem iPhone oder iPod befindet. Vergessen die Problematiken mit unpassender Musik, denn es ist egal ob man es wiederholt verpasst hat, den iPod mit der aktuellen Musik zu „syncen“. Für eine solche, komfortable Flatrate-Lösung sind ca. 10 Euro im Monat als zu veranschlagende Kosten vorstellbar – ungehemmt kann man sich dann dem Dauerkonsum hingeben. Vorrausetzung: Eine ständige Internetverbindung! Aber die hat heutzutage ja eigentlich jeder. Und wenn man doch mal im Flugzeug oder im Zug sitzt, die keine Internetverbindung bieten, dann gibt es sicherlich zukünftig auch hierfür Lösungen.

Weitere Vorteile eine Streaming-Lösung liegen natürlich auch auf der Hand. So muss man bspw. keinen Speicherplatz mehr für die Musik vorhalten. Auch das Verlustrisiko sinkt auf null, denn crasht ein mal die Festplatte oder der Computer, dann ist die Musikbibliothek nicht für immer verloren.

Natürlich beinhaltet eine solche Streaming-Lösung auf Flatrate-Basis auch einen Nachteil: Die Musik steht nur im Zeitraum des Abos zur Verfügung. Wer aber z.B. kein Geld dafür ausgeben möchte, der kann sich sicherlich zukünftig auch für einen werbefinanzierten Streaming-Dienst entscheiden.

Spätestens jetzt höre ich jedoch die ersten Kritiker lauthals aufschreien: Wo liegt denn der Unterschied zum (Internet-)Radio? Ganz einfach, es gibt niemanden, der mir in die Musik reinlabert und irgendwelche „superdupertollen“ Gewinnspiele vorstellt. Dazu läuft im Radio nur die Musik des Senders, beim Streamen kann ich mich entscheiden was ich haben will. Ob ein Titel, ein bestimmtes Album oder einfach ein Genre – für alles gibt es einen Stream. Und wenn mir ein Titel besonders gut gefällt, dann kann ich sicherlich auch wie bei iTunes einen „Genius-Button“ drücken und der Computer weiß genau welche Musik zusammengehört und welche Vorlieben ich habe. In den USA ist Streaming richtig populär und auch im europäischen Ausland gibt es schon Streaming-Anbieter. In den Staaten zählen zum Beispiel diese bereits mehr als 60 Millionen Nutzer, 50 Prozent davon greifen auf den Dienst bereits mobil über das Handy zu.

Ein weiterer Nachteil der Streaming-Angebote sind indes die Vermarktungsrechte: Über die IP kann relativ genau bestimmt werden, welcher Kunde was wo hören darf. Somit können wir Europäer bspw. nicht auf den Pandora-Streaming-Dienst in den USA zugreifen.

Was macht Apple?
Kommen wir aber zurück zu Apple und iTunes. Nachdem Apple alles in die Wege geleitet hat um die CD zu töten, wird alsbald sicherlich auch die nächste Revolutionsstufe bei iTunes gezündet: Im Jahr 10 des iPods und im Jahr sieben nach dem ersten 99-Cent-Song – Streaming! Es sei angemerkt, wenn Apple mit dem Dienst durchstartet, gibt es dann auch noch (mehr) und ernsthaftere Marktbegleiter, die sich ihre Krümel vom großen Kuchen sichern wollen – der neue Sieg will also hart erkämpft werden.

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