Mach mir die Blutgrätsche
Ohne Italien fahren wir zur EM
„Deutschland – ein Sommermärchen“, so heißt Sönke Wortmanns Fußball-Doku, die ab heute auch im kleinsten teutonischen Provinzlichtspielhaus über die Leinwand flimmern und mit geschätzten zwölf Milliarden Zuschauern der erfolgreichste deutsche Film aller Zeiten werden wird. Was Wunder, wieselte Wortmann mit seiner Digicam doch gut zwei Jahre unseren WM-Helden hinterher, um über deren WM-Vorbereitung sowie ihre WM-Lust, ihren WM-Frust rund 100 Stunden Rohmaterial zu sammeln und daraus seinen 108-minütigen Gassenhauer zu fabrizieren. „Schland“ tönt es aus allen Sälen, und bereits Ende Dezember wird das „Sommermärchen“ von Deutschlands erster und gierigster Arbeitsgemeinschaft gezeigt werden. – Ob dort jedoch das Video zum B-Mannschaft-Song „Mach mir die Blutgrätsche“ (Text & Musik: Aaron Koenig) gezeigt werden wird, darf bezweifelt werden. Denn dieses fein animierte Kleinod (Grafik: David Berlioz) beschäftigt sich in bester Itchy-&-Scratchy- oder Happy-Tree-Friends-Manier mit der Aufarbeitung eines Traumas, nämlich der Halbfinalniederlage gegen Italien. Die Maxime „Wir spielen fair foul! Der Ball ist rund, das Blut ist rot“ wird sich brutalstmöglich zu Herzen genommen und also blutgegrätscht, was Wadenbein, Schlittschuhkufe und Motorsäge hergeben. – Ein Fest der Sinne für die Satiriker und Fußballnarren dieser Welt. Schlaaand!








