Joe Strummer: The Future is Unwritten
Zwei Sunden Musikgeschichte?
Filmtrailer zu Julien Temples neuen Film.
Are you taking over
or are you taking orders?
Are you going backwards
or are you going forwards?
(White Riot – The Clash)
Im Jahre 1976 gab es zwei folgensreiche Begebenheiten, in der Deutschen Demokratischen Republik wurde ein gewisser Sven Kaulfuß geboren, was zu folge hat, dass dieser wiederum an dieser Stelle über das zweite Ereignis sinnieren kann. Es war die Geburtsstunde einer der einflussreichsten Punkbands des letzten Jahrhunderts: The Clash betraten in England die Bühne, Joe Strummer stampfte voller Energie ans Mikro und zupfte seine Fender Telecaster. Die englische Punkmusik hatte ihre neuen Helden hervorgebracht!
Julien Temple widmet Joe Strummer ein filmisches Denkmal: The Future is Unwritten. Widmen wir uns wiederum der entsprechenden Filmkritik…
Es ist Kinotag in der Schauburg, der Fritz-Lang-Saal füllt sich zunehmend, Kollege Pöschmann und meine Wenigkeit nehmen Platz und harren der Dinge die jetzt kommen mögen. Ich gebe es zu, eine objektive Filmkritik zu einem Lichtspiel welches Joe Strummer zum Inhalt hat, fällt mir schwer. Dies ist nun mal die Krux, wenn man eine filmische Retrospektive eines persönlichen Idols bewerten soll.
Julian Temple gelingt eine stimmungsvolle Hommage des ständigen Rebellen, ausgeschmückt mit zahlreichen Interviews und Mitschnitten erkennt man die klare Handschrift eines Musikvideo-Regisseurs. Man schwelgt in Erinnerungen und ertappt sich zwangsläufig dabei, zu bedauern, dass man leider viel zu jung ist um die aktive Hochzeit miterlebt zu haben. Macht nichts: Rebellen sterben nie! Doch kommen wir nun, allen Anbetungen zu Trotz, zu einer versuchten, objektiven Bewertung des Dokumentarfilmes.
Man mag Julian Temple vorwerfen, sich zu sehr der Musikclip-Ästhetik hinzugeben. Interviews und Ausschnitte wirken manchmal zu sehr gehetzt, weniger strukturiert. Man wird sich fragen müssen, warum Temple Szenen aus „Animal Farm“ einspielt. Hier lässt er Freiraum für eine Interpretation. „Alle Tiere sind gleich.“ Ein Anspielung auf die philosphische Ebene des Punk, es spielt keine Rolle ob du der Musikstar bist. Der Sänger auf der Bühne steht nicht im Mittelpunkt, das Ereignis Punk-Konzert gleicht einem großem Gemeinschaftserlebnis. Kommerz ist schlecht und verdirbt den Charakter, und doch, wir alle kennen die Abwandlung des Zitates: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.“
Ein Schicksal welches auch „The Clash“ ereilte, mit der Zeit wurden sie zu Popstars. Gleichheit nur noch ein schönes Klischee? Ein Zwiespalt der auch Joe Strummer bewusst war, mit dem endgültigem Ergebnis: Streit und Trennung der Band, wie so oft in der Musikszene.
Temple schwelgt jedoch zu sehr an der Oberfläche dieses Dramas, aber spielt das eine Rolle? Für Fans wie mich sicherlich nicht! Und so steht am Ende der Frage: „Should I stay or should I go?“ eine klare Antwort. Bleib hier und verändere die Welt, denn die Zukunft ist noch unvollendet.








