iPad und iPhone: Fragmentierung unterm Apfelbaum
Warum das iPad momentan keine gute Wahl für iPhone-Käufer ist…
iOS 4 ist momentan in der Welt der mobilen Apple-Produkte die erste Wahl –zu Recht. Die Verbesserungen die Apple mit der neuen Version des Betriebssystems umgesetzt hat, entpuppen sich als der erhoffte Quantensprung: Multitasking, neue APIs (von deren Nutzung durch die Entwickler wir in der nächsten Zeit noch viel sehen werden), eine höhere Geschwindigkeit und manch optischer Leckerbissen. Durch die nahezu komplette Unterstützung des iPhone 3GS und des aktuellen iPod touch der dritten Generation, profitieren auch die Anwender dieser Geräte von den neuen Funktionen. So weit so gut, nur das eigentliche Problem ist, dass ich nun ungern aktuelle Apple-Produkte nutze, die noch zwangsweise von einem iOS 3.x angetrieben werden. Die Performance ist für mich zu langsam und generell bleibt die Freude an der Nutzung auf der Strecke, da eine Vielzahl der Neuerungen nicht unterstützt werden. Leidtragender dieser Entwicklung ist vor allem das iPad mit iOS 3.2.
War das iPad vor dem Erscheinen des iPhone 4 und iOS 4.0 die bisherige Speerspitze der technischen Entwicklung, so haben die Kalifornier ihr Millionenfach gekauftes Produkt, softwareseitig mal eben ins Aus gestellt. Auch bei Apple finden sich nun verschiedene Versionsstufen des einen Betriebssystems in der aktuellen Produktpalette. Zwar ist dieser Zustand nur ein zwischenzeitliches Schauspiel, da iOS 4.x zukünftig für das iPad ab Herbst angekündigt wurde, inkl. Multitasking und Ordernavigation. Dennoch, ein Doppelklick auf den iPad-Home-Button erbringt eben noch nicht dieselben Möglichkeiten wie beim iPhone.
Was uns diese Episode erneut vor Augen führt, ist die Feststellung, wie schädlich die Fragmentierung der Softwareversion innerhalb von ähnlichen Produktgruppen sein kann. Ein Umstand, der bisher nur von Googles Android bekannt war. Denn mit iOS 4 wurden mal eben das erste iPhone, das 3G (auf welchem iOS 4 mehr schlecht als recht läuft) und ein Berg von iPod touches aufs Abstellgleis geschoben und nicht zu vergessen, das iPad in seiner Aktualität zurückgestellt. Eine Menge Kunden wurde verunsichert oder – wie im meinem Fall beim iPad – verärgert. Gut verärgert ist vielleicht das falsche Wort, nein es ist definitiv wohl das falsche Wort. Besser ist es zu sagen, dass mir der Spaß vorerst bei Apples „magischen“ Tablett genommen wurde.
Google bspw. wendet diese Strategie der Fragmentierung bei Android regelmäßig zusammen mit HTC, Motorola und anderen Hardware-Produzenten an: immer schneller, höher und besser; dies alle paar Monate. Dieser fragliche Fortschritt ist zwar positiv für den unbedarften Neukunden und das Unternehmen, aber der informierte Käufer ist und bleibt auf Dauer verunsichert: Fragmentierung ist demnach schlecht für eine befriedigende Kundenbindung.
Zurück zu Apple: Wenn wir annehmen dass im Herbst das iPad mit der neuen OS Version iOS 4.x bespielt werden kann, ja dann ist doch alles wieder gut – oder? Die nächste Frage bleibt dann aber immer noch erhalten: Wann erscheint das iPad der zweiten Generation (wohl folgerichtig mit Facetime und Kamera[s])? Nach Weihnachten auf jeden Fall, dies ist wohl so sicher wie das Amen in der Kirche. Bisher sah der Zyklus der Produktvorstellung grob wie folgt aus. Winter: Vorstellung von neuen Macs, dazwischen Updates. Im Sommer dann das iPhone und im Herbst schließlich die iPods. Wie bzw. wo passt nun das iPad hier hinein? Der Januar würde meiner Meinung nach ideal als Vorstellungsmonat sich anbieten, mit ausreichend Abstand zum iPhone. Dann im Sommer können wir mit dem nächsten iPhone rechnen, inkl. iOS-Upgrade, welches dann auch direkt wieder auf das iPad kommt. Das iPad ist schlichtweg dieses Jahr in Deutschland zur „falschen Zeit“ rausgekommen, aber da jede Einführung eines vollkommen neuen Produktes seinen Tribut fordert, musste Apple pragmatisch zunächst einen beliebigen Startzeitpunkt wählen, um dann in den gewünschten, späteren Rhythmus reinzukommen. Für Kunden dennoch erfreulich: Wenigstens ist der Wiederverkaufswert von Apple-Produkten stets hoch, ein Hardware-Wechsel meist leicht zu finanzieren.
Welches Fazit bleibt? Fragmentierung ist schlecht, denn damit können willige Kunden in ihrer Kaufabsicht verunsichert werden. Ich nehme an, dass Apple sich dessen bewusst ist und dass sie viel tun werden, um in der Zukunft dieses zu verhindern. Als zweites muss man festhalten, dass Apple-Produkte der ersten Generation nicht immer perfekt sind – siehe jetzt das iPad und auch das iPhone und den iPod touch der ersten Generation, welche nach einigen Jahren das Aktualitäts-Aus ereilt hat. Trotzdem macht Apple immer noch mehr richtig als die anderen Hersteller zusammen, ansonsten wäre die Kundenbasis nicht so solide und es würden nicht Millionen von Produkten über den (virtuellen und realen) Ladentisch geschoben werden. Mehr Kunden heißt dann wieder auch mehr potentielle App-Verkäufe für Entwickler – der Kreis der Mehrwertschöpfung schließt sich und somit ist eigentlich bis auf einen kleinen (unvermeidbaren) Knick alles im grünen Bereich in der Welt des Apfels.








