How to stay an Apple Service Technician
– oder wie man bei 30 Grad im Schatten lernt
Ein Apple-Service-Techniker hat es nicht leicht: Erst muss er eine zweiwöchige Schulung besuchen inklusive Bibelschwur auf den Apfel, böser Tests und jeder Menge Heimweh. Dann hat die Firma Apple auch noch die Chuzpe, diese Tortour alljährlich in verkleinerter Form zu wiederholen, sprich, wer einmal Apple-Service-Techniker ist, kann sich darauf nicht ausruhen – Wissen muss aufgefrischt und Zertifikate müssen erneuert werden. Bei Apple heißt das „Recertification“.
Nun gibt es dafür verschiedene Methoden, die stressfreie Variante (Winkewinke an Dirk! ;-] ): ein paar Tage Auffrischungskurs bei einer allseits bekannten Weiterbildungsfirma inklusive Händchenhalten beim Test. Das kostet mehr Geld. – Oder die preiswertere Variante für „echte Kerle“: zuhause Lernen, bis der Arzt kommt und dann die Tests online absolvieren. Mein Kollege Jörg und ich bevorzugen natürlich letzteres. ;-]
Im Vorfeld gab es erfreuliche Nachrichten, denn durch die Verschiebung von Leopard auf Oktober würde dieses Jahr der Mac-OS-Test komplett wegfallen. Spontaner Jubel und La-Ola-Wellen bei Jörg und mir, denn dieser Test ist der gemeinste von allen. Wer jetzt denkt „Das bisschen Mac OS kann ich doch im Schlaf“, der beantworte mir bitte aus dem Stegreif die Frage, welche Details sich in der Systemeinstellung „Sharing“ zwischen OS 10.3 und OS 10.4 geändert haben. – Halt! Stopp! Ohne nachzuschauen und bitte in 120 Sekunden!
Es blieb also „nur noch“ der technische Part, bestehend aus dem Portable- und dem Desktop-Stoff mit je anderthalb Stunden Test. Dass für diese drei Teststunden vorher gefühlte drei Millionen Websites auf Englisch gelesen und gelernt werden müssen, sei hier nur am Rande erwähnt. Als Lerntage hatte ich mir den 6. und 7. August reserviert, für die abzulegenden Tests den 8. August. Jörg (der daheim nur über ISDN verfügt) sollte am Testtag bei mir aufschlagen.
Erster Lerntag
Hätte ich Petrus vorher ein Opfer darbringen sollen? Tänze um die Ulme machen? Meine zwei vorhergehenden Wochen Urlaub waren gekennzeichnet durch schlechtes Wetter und schlechtes Wetter. Pünktlich zum Urlaubsende und Lerntag Numero eins wurden 28 Grad prophezeit und ich setzte mich früh und hochmotiviert an meinen Rechner (natürlich ein Mac), um zu lernen.
Spätestens nach einer Stunde wusste ich alles über Apple Remote, Front Row und den f-stop-Wert der iSight: „The ambient light is pulsing much softer in a dark room“. Apple denkt aber auch an alles, sogar an seine Zielgruppe im Darkroom. Ich bin gerührt.
Plötzlich klingelt mein arbeitsloser Nachbar, wieso mein Auto dastünde, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte? Eine Freundin ruft ebenfalls an! – Meine Chance, dermaleinst am Hitzschlag in der Wohnung zu sterben und erst Wochen später gefunden zu werden, ist sehr gering, zu engmaschig scheint mir das Überwachungsnetz meiner Freunde und Verwandten!
Eine weitere Stunde später wird der Stuhl klebrig und ich lese Erstaunliches über PCI-Express-Slots, Lanes per Slot, DDR-RAM und die Funktionsweise von Double-Layer-Medien… Ein Stuhltausch wird gemacht, der bequeme Bürostuhl meiner Tochter muss her; prima, jetzt kann ich auch noch wippen und drehen… Quad-Prozessoren, Intel, maximale RAM-Ausstattung beim PowerMac… Wieso lese ich diesen Satz jetzt zum dritten Mal? Es wird immer wärmer. Klamottentausch.
Meine Tochter fand mich dann abends vor: im Bikini auf ihrem (!) Stuhl, daneben die leere Tüte Gummibärchen (eigentlich auch ihre), die ich leergefuttert hatte (Nervennahrung!). Den vollen Aschenbecher, die vielen Tassen Kaffee, und die Wasserflaschen lasse ich lieber unerwähnt. Draußen hatten mich den ganzen Tag gefühlte 35 Grad gelockt, doch ich habe mich nicht erweichen lassen. Ob Apple das honorieren wird?
Zweiter Lerntag
Ich setze mich noch früher hin als gestern, die Morgenkühle will ich ausnutzen… Rosetta, Universal Binaries, Partitionsschemen, EFI, Don’t steal Mac OS.kext… Leichtes Brot! Die Sonne meint es heut nicht ganz so bös, alle Fenster auf – Durchzug. Der Vermieter wirft die Kreissäge an, Gott sei Dank nur für wenige Minuten, so bleibt meinem Anwalt das Plädoyer auf Unzurechnungsfähigkeit erspart. Mac Minis haben einen SMC-Reset-Taster auf dem Mainboard, den sollte ich meinem Vermieter einbauen.
11.30 Uhr
Education-Modelle, mit und ohne Bluetooth, größer, kleiner, BTO-Ausstattungen, known Issues… Mein Vermieter hackt jetzt Holz mit der Hand.
12 Uhr
iBook-Modell von 2005, wieso ist das noch Bestandteil des Lernstoffes? Welche Bestandteile der iBook-Netzteile sind geerdet und welche nicht?… Eine E-Mail von den Kollegen, eine Einladung zur kollektivbildenden Maßnahme im Hochseilpark Bühlau. Prima, bei meiner Höhenangst. Ich wollte mich schon immer einmal öffentlich übergeben und sage meine Teilnahme zu.
12.30 Uhr
Es ist verdächtig still, der Vermieter macht wohl Mittagspause oder ein anderer Nachbar hat das getan, was ich schon die ganze Zeit tun wollte. Eingehende Observierung des Kühlschranks.
13 Uhr
Pirna, die Sonne brennt, die Frisur sitzt. Holzmichl scheint wohl tot. Weiter im Stoff… Boah, PowerBook-Modelle! Ich komme mir vor wie bei einer Retro-Show. Und dass die Thermalpaste im Double-Layer-PowerBook im Unterschied zu vorher grau ist, scheint Apple eine Erwähnung wert zu sein. Die hätten es drauf und fragen das im Test ab.
13.40 Uhr
MacBooks, endlich wird der Stoff halbwegs aktuell. Ich entdecke gerade den vierten inhaltlichen Fehler im Lernstoff und bin irgendwie beruhigt, dass bei Apple offensichtlich auch nur Menschen arbeiten.
17 Uhr
Testfrage von Apple: Findet man die Seriennummer des 17inch MacBookPro „on the top or the bottom of the battery bay“?!? Liebe Apfelianer, bei euch scheint es genauso warm zu sein wie bei uns.
20 Uhr
Sense, Schluss, aus, finito! Mein Hirn wiegt geschätzte drei Kilo mehr, es passt nichts mehr hinein. Was ich morgen nicht weiß, muss improvisiert werden…
Der Test-Tag
8.40 Uhr – Klingeling, Jörg ist extra aus der ISDN-dominierten Walachei angereist, um von meinem DSL-Anschluss zu profitieren, außerdem sind zwei leere Gehirne immer noch besser als eins.
Anruf in München, die Remote-Verbindung wird aufgebaut, ab jetzt schaut uns Big Brother auf die Finger. Das Login-Procedere beginnt und wie immer habe ich mein Passwort vergessen, ich brauche es ja auch nur einmal im Jahr, aber irgendwann klappt es, die Tests beginnen…
Das Verbreiten von Screenshots und Testfragen wird von Apple mit Vierteilen, Handabhacken, Steinigung und lebenslangem Apfel-Verbot bestraft. Deshalb habe ich ein alternatives Foto vorbereitet, um den enttäuschten Blog-Leser zu besänftigen:

Hey, ich merke, das Lernen hat sich gelohnt, die meisten Fragen kann ich aus dem Stegreif, der Rest erfordert etwas Gehirnarbeit. Jörg geht es genauso wie mir, wir klicken uns zügig durch und bestehen mit Bravour beide Technik-Tests. Jubel! Der Tiger blieb uns erspart – das und unser Abschneiden würdigen wir mit einer Feierstunde auf meiner Terrasse. Im nächsten Jahr müssen wir den Leoparden einfangen!








