Geht bei Google & Co. bald absichtlich das Licht aus?
Internetgiganten erwägen Blackout um sich gegen das Zensurgesetz zu wehren
Stellt euch ein Internet ohne Google, Facebook, Amazon und Co. vor. Statt der bisherigen Angebote erscheinen jeweils nur noch schwarze Seiten. Gibt’s nicht? Vielleicht bald doch. Hinter den Kulissen sollen bereits Maßnahmen zur zeitweiligen Abschaltung vorbereitet werden. In den USA stehen derzeit zwei Gesetzesentwürfe (Stop Online Piracy Art – kurz SOPA und Protect IP Act – kurz PIPA) zur Diskussion die im ersten Moment sehr positiv klingen, bei genauerer Betrachtung jedoch unter den Internetriesen für Aufregung sorgen.
Konkret beinhalten die Gesetzesentwürfe eine Verpflichtung der Provider und Serviceanbieter unerwünschte Seiten zu blockieren und aus dem Suchindex zu streichen, wenn auch nur der Verdacht einer Verletzung des Urheberrechts besteht oder der Anbieter seine Nutzer nicht ausreichend überwacht. Ein Todesurteil für viele Internetseiten und da sich die Server der meisten Anbieter in den USA befinden, würden diese Änderungen auch uns betreffen. Die Änderungen stoßen auch bei den Internetgiganten auf Ablehnung. Google Mitgründer Sergey Brin fürchtet eine grundlegende Bedrohung der Meinungs- und Informationsfreiheit, die Regierung hätte damit „eine inakzeptable Macht um das Internet zu zensieren“. Wikipedia- Gründer Jimmy Wales ist der Meinung, dass sich das Gesetz äußerst negativ auf das Internet auswirken würde. Auch deutsche Unternehmen warnen – United Internet (1&1, gmx, Web.de) verschickte Briefe an seine US- Kunden und warnte vor Einschränkungen. Kritik wurde also schon von vielen Seiten geäußert, bisher hatte diese aber keine Wirkung auf die Gesetzesänderungen.
Geplanter Blackout
Man sieht sich zu massiven Schritten gezwungen, sollten die Pläne umgesetzt werden. Laut mehrerer US- Medien planen Betreiber großer Internet Services hinter den Kulissen einen kontrollierten Blackout. Statt der gewohnten Inhalte soll dann eine Warnung vor den Gefahren der Gesetzänderung angezeigt werden, sowie eine Aufforderung Druck auf die zuständigen Abgeordneten auszuüben.
Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Informationen wann und ob der Blackout wirklich stattfinden wird. Da das Gesetz am 24. Januar verabschiedet werden soll, wird ein möglicher Blackout zum 23. Januar erwartet.
Macht zu Gunsten der Nutzer einsetzen
Facebook, Amazon, Google & Co. haben hier eine gute Möglichkeit ihre Macht für uns Nutzer einzusetzen um die Gesetzesänderungen zu verhindern. Sollte es einen Blackout geben, wäre das zweifelsohne ein Schock für alle Nutzer und sicherlich auch ein paar sehr langweilige Stunden im Internet, jedoch kommt uns dieser Schritt zu Gute, sollte er Wirkung zeigen.
Unterschied zwischen SOPA und PIPA
PIPA bezieht sich auf Dienstleister des Domain Name Systems (DNS), Finanzdienstleister und Werbenetzwerke. SOPA bezieht sich auf Internetprovider, die den Zugang zum Internet und dessen Content bieten.
Unterstützer von SOPA
Auch wenn es eine aktuelle Bewegung gibt sich gegen SOPA aufzulehnen, so gibt es doch sehr viele Firmen, die das Vorhaben unterstützen. Vorreiter scheinen hier hauptsächlich US- amerikanische Firmen aus der Film- und Musikindustrie zu sein, da grade dieser Branche durch illegale Verbreitung in den letzten Jahren mehrere Milliarden Dollar durch die Lappen gehen. Ein kleiner Auszug:
– 3M
– Sony Electronics Inc.
– Sony Pictures Entertainment
– Time Warner Inc.
Eine ausführliche Liste findet ihr hier. Die Unterstützung scheint jedoch zu bröckeln, so hat grade heute Electronic Arts seine Unterstützung zurück gezogen.
Petition gegen SOPA
Nutzer sind zur Intervention aufgerufen um das umstrittene Gesetz zu stoppen. US- Senator Wyden will die Meinungsfreiheit schützen und will die Abstimmung zum geplanten Gesetz boykottieren, indem er stundenlang die Namen aller Unterzeichner vorliest. Alle Interessierten können sich HIER eintragen. Bisher haben sich 1,086,370 Menschen dort eingetragen.
Skepsis von politischer Seite
Das Europäische Parlament hat ebenfalls starke Bedenken, da die Änderungen wie bereits erwähnt auch für Seiten außerhalb der USA gelten könnten. „Die Integrität des weltweiten Internets und die Kommunikationsfreiheit“ müssten gewahrt bleiben, von einseitigen Maßnahmen wie bisher geplant um Internetseiten zu verbieten sei dabei abzusehen, heißt es im Entschließungsantrag der EU.
Während viele Verbraucher die geplanten Änderungen für eine gigantische Ausgabe der Vorratsdatenspeicherung (die nicht mal einen Gerichtsbeschluss benötigt) halten, sehen andere die aktuelle Bewegung als übertrieben. Und so Mancher würde sich sicher freuen wenn Facebook & Co. für immer aus unserem Leben verschwinden. Zu welcher Gruppe gehört ihr?








