Filmkritik: Alice im Wunderland

von joerg-pittermann

· 3 min Lesezeit

Erlebnis in 3D
„Alice im Wunderland“ ist ein Kinderbuch, dass ich sicherlich das eine oder andere mal immer wieder gerne gelesen habe und eigentlich nicht weiter beachtet hätte (außer als Erinnerung an eine schöne Kindheit und Jugend), wenn es nicht zwei Ereignisse gegeben hätte. Ein Ereignis hängt mit dem in dem Kinderbuch verhafteten Logik (Der Autor Lewis Carrol war Mathematiker) zusammen, die mich als durchaus naturwissenschaftlich gebildeter Mensch interessiert, dass andere Ereignis ist mehr privater Natur. Falls dem Leser oder der Leserin die Geschichte von „Alice im Wunderland“ nicht (mehr) geläufig ist, hier noch mal eine kurze Zusammenfassung des Kinderbuchs.
Die Hauptdarstellerin Alice wird während eines Picknicks mit ihrer Schwester auf ein weißes Kaninchen aufmerksam und folgt – weil es ein langweiliges Picknick ist – dem Kaninchen zu einem Kaninchenbau in das sie schließlich fällt und in einer merkwürdigen Traumwelt, dem Wunderland landet. Hier trifft sie auf Phantasiekreaturen, Absurditäten und Paradoxa.

Als nun Tim Burton die Geschichte von „Alice im Wunderland“ neu verfilmte – und dann noch in 3D – stand für mich fest, dass ich dann wiederum ins Kino gehen wollte. Die 3D-Technik interessierte mich deshalb, weil es mich eine Zeitlang beruflich begleitet hat und weil ich die Geschichte ganz nett fand. Und auch wenn ich im Gegensatz zu den durchaus zahlreichen weiblichen Kinozuschauern nicht wegen Jonny Depp ins Kino ging, so konnte ich mein Interesse an der 3D-Technik vorschieben. Der Inhalt des Films ist gegenüber dem Buch leicht abgewandelt. Hier muss sich die mittlerweile 19-jährige Alice in ihrem Wunderland (sie ist erneut dem weißen Kaninchen gefolgt) gegen die Schreckensherrschaft der roten Königin zur Wehr setzen. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung trifft Alice auf ehemalige Freunde und Feinde.

Im Kino gibt es die 3D-Version und die 2D-Version zu sehen, aber der ganze eigentliche Zauber des Films soll sich nur in der von mir angeschauten 3D-Version entfalten – so schreiben es die Kritiken. Tim Burton ist mit der Verfilmung des absoluten Klassikers des Kinderbuchs gewaltigen Herausforderungen entgegengetreten und musste sein Werk auch gegenüber ca. 20 Verfilmungen herausheben. Somit ist der Film absolut betrachtet auch nur eine Kompromisslösung aus den Möglichkeiten, die Burton zur Verfügung standen um innerhalb der Filmlänge ein überdurchschnittliches aber in sich bündiges Epos zu schaffen. Verschütt gegangen sind leider die bei Carrol sehr detaillierte Charakterbeschreibungen der Geschöpfe aus dem Wunderland. Im Film wurde mehr auf eine oberflächliche Behandlung der Charaktere und Konflikte Wert gelegt. Trotz dieser Widrigkeiten lebt der Film von den Charakteren, hier allerdings mehr auf Grund der fantastischen Möglichkeiten die uns Computer, Renderer und 3D bieten und weniger durch die bereits bemängelte Tiefe der Charakterbeschreibungen. „Alice im Wunderland“ hat mir in der 3D Version deutlich besser gefallen als das als absoluter Kassenschlager hoch gelobte Avatar.

Warum? Zum einen ist „Alice im Wunderland“ eine bereits bekannte Geschichte, in die man sich nicht mehr in so großer Tiefe hineindenken muss wie in Avatar, auch gibt es keine wirkliche politische Botschaft wie in Avatar (außer dem klassischen Gut und Böse). Zum anderen ist die Farbgestaltung wesentlich dezenter und der Detailgrad im Film nochmals um etliche Faktoren besser gelungen, gerade weil die Welt in der der Film spielt gewissenweise vertraut wirkt. Oder um es mal mit den Worten meines Kinositznachbarn zu sagen: „Bei der Erstellung des Films Avatar wurden wohl bewusstseinserweiternde Drogen verwendet“.

Noch ein paar letzte Worte zu 3D an sich. Die Eintrittspreise für „Alice im Wunderland“ waren wesentlich geringer als damals bei Avatar (7,50 Euro gegenüber mehr als 10 Euro) und auch in der Vorschau gab es eine Reihe von 3D-Trailern die Lust auf mehr machen würden. Allerdings ist wohl 3D auch nicht ganz so einfach für die Kinozuschauer – zum einen gab es vor dem Film Gemurmel über die 3D Brillen (Gewicht und Verarbeitung) und zum anderen klagten wohl einige Sitznachbarn während und nach dem Film über Kopfschmerzen.

Wie dem auch sei, Kino in bester Qualität mit einer wirklich guten Story und dann noch 3D, so macht es wieder Spaß in die Lichtspielhäuser zu strömen und gerne die aufgerufenen Preise zu zahlen!

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