Facebook auf dem Börsenparkett
Vom Überflieger oder Bruchlandung?
Derzeit hat das soziale Netzwerk Facebook rund 900 Millionen aktive Nutzer und wurde bis Mitte Mai 2012 auf einen Firmenwert von ca. 100 Milliarden US-Dollar geschätzt. Damit war Facebook teurer als BMW, die Deutsche Bank und Adidas zusammen. Als Mark Zuckerberg dann am 18.05.2012 im schwarzen Pullover von seiner Zentrale in Kalifornien aus die Eröffnungsglocke der Nasdaq-Technikbörse drückte, rechneten die Facebook-Mitarbeiter und die meisten Analysten mit einem kräftigen Anstieg der Aktie. Mark Zuckerberg wollte mit dem größten Internet-Börsengang aller Zeiten Geschichte schreiben, irgendwie ist ihm das auch gelungen.
Hintergründe zum Börsengang von Facebook
Im Februar 2004 gründet Mark Zuckerberg mit einigen Kommilitonen Facebook, im Dezember des gleichen Jahres hatte das soziale Netzwerk bereits die Marke von einer Million Nutzer geknackt. Im Jahr darauf zählte Facebook bereits 5,5 Millionen. Nachdem Facebook für alle Internet-Nutzer zugänglich wurde, stieg die Zahl der angemeldeten Nutzer rasch auf 12 Millionen. Im Mai 2008 startete Facebook dann endlich auch in Deutschland und die Zahl der weltweiten Nutzer schnellte in fünf Monaten auf 100 Millionen. Das Unternehmen setzte vergangenes Jahr 3,7 Milliarden Dollar um. Der Gewinn betrug dabei eine Milliarde US-Dollar. 2012 rechnen alle damit, dass auch die Anzahl der aktiven Nutzer die magische Hürde von einer Milliarde überspringen wird. Aktuell sind es über 900 Millionen, die sich aktiv auf Facebook bewegen, Bilder posten, mit Freunden interagieren oder sich über Angebote informieren.
Anfang 2012 teilte Firmenchef Mark Zuckerberg mit, dass er mit Facebook einen 5 Milliarden schweren Börsengang plant. Der Preis je Aktie sollte dabei zwischen 28 und 35 Dollar liegen. Aufgrund der großen Nachfrage wurde der Preis kurz vor dem Börsenstart am 18.05.2012 auf 38 Dollar je Aktie festgelegt. Deutsche Anleger können die Facebook-Aktie derzeit übrigens nur kaufen, wenn sie ein Depot bei einer in den USA ansässigen Bank besitzen.
Die Euphorie der Börsianer
Vom bisherigen Wachstum von Facebook angestachelt, sahen manche Analysten den Schlusskurs am ersten Handelstag bereits bei 50 bis 60 US-Dollar. Der Hype um den Börsengang führte dazu, dass die Anzahl der Aktien von ursprünglich geplanten 337 Millionen Stück auf 421 Millionen erhöht wurde. Da die Nachfrage den Preis bestimmt und der Börsengang völlig überzeichnet war, wurde die Preisspanne auf 34 bis 38 Dollar je Aktie angehoben.
Kritische Stimmen
Es gab aber auch Kritik am Preis der Aktie. Etliche Analysten wie z.B. Standard & Poors hielten das Papier für überbewertet. 30 Dollar wäre ein realistischer Preis gewesen. Für Unruhe sorgte die Ankündigung von Auto-Produzent General Motors, ab sofort keine Werbung mehr bei Facebook zu schalten, da diese keinen Erfolg bringt. Und Facebook ist auf die Werbeeinnahmen angewiesen. Größtes Manko bislang ist die mobile Version des sozialen Netzwerkes. So wie ich sind die meisten Facebook-User immer häufiger mit ihrem Smartphone online, checken an Orten ein, informieren sich oder tauschen sich mit Freunden aus. Doch auf dem Smartphone wird bislang keine Werbung geschaltet und somit gibt es auch keine Einnahmen für Facebook. Es mag am Platz liegen, doch viele Apps zeigen, dass eine Werbeeinblendung auch auf den kleinen Displays der Smartphones möglich ist. Was tun? Facebook ist gezwungen, den Analysten berauschende Zahlen auf den Tisch zu legen. Der Weg führt nur über mobile Ads. Doch für dieses Problem hat Facebook derzeit (noch) keine Lösung. Der Gewinn des Unternehmens ist außerdem leicht rückläufig. Ein weiteres Problem für Facebook könnten die Datenschützer sein, die am Tag des Börsengangs eine Sammelklage wegen angeblicher Verletzung der Privatsphäre einreichten. Sie werfen dem Unternehmen vor, unzulässigerweise Internet-Spuren aufgezeichnet zu haben und klagen auf Schadenersatz in Höhe von 15 Milliarden Dollar.
Hype oder Blase?
Die Aktie wurde zum Börsenstart am 18.05.2012 für 38 Dollar verkauft. Gleich zu Beginn des Handels kam es zu einer Panne bei Nasdaq. Die Computersysteme der Technologiebörse waren dem riesigen Ansturm einfach nicht gewachsen. Die Anleger wussten stundenlang nicht, ob ihre Order erfolgreich war oder nicht. Kurzzeitig schnellte die Aktie dank massiver Stützungskäufe auf 42 Dollar hoch. Zum Börsenschluss lag sie jedoch bereits 23 Cent unter dem Ausgabepreis.
Aktuell ist die Aktie bei fast 26 US-Dollar angekommen und hat damit rund ein Drittel an Wert verloren. Mit jedem Dollar, den die Aktie an Wert verliert, schrumpft Mark Zuckerbergs Vermögen um eine halbe Milliarde Dollar. Inzwischen haben Investoren den US-Börsenbetreiber Nasdaq wegen Nachlässigkeit verklagt. Mark Zuckerberg wird außerdem Insiderhandel vorgeworfen. Er soll bereits vor dem Börsengang gewusst haben, dass die Aktie überbewertet wird. Die Suche nach den Schuldigen an der Talfahrt der Aktie hat begonnen. Vielleicht war der ein oder andere zu gierig?
„Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier funktioniert. Gier schafft Klarheit. Gier hat das beste im Menschen hervorgebracht.“ (Gordon Gekko, Wall Street)

Die Aussichten
Leider verrät uns die Glaskugel nicht die Antwort auf die Frage, ob sich Facebook als führendes soziales Netzwerk behaupten, die Werbeeinahmen zur Zufriedenheit der Analysten steigern wird oder dieser Börsengang zum größten Flop der Börsengeschichte wird. Auch bei Google lag der Wert der Aktie in den ersten Börsentagen unter dem Verkaufswert und wurde mit 23 Milliarden Dollar bewertet. Heute sind es 200 Milliarden Dollar. Facebook selbst wird an dem aktuellen Börsenkurs nicht zugrunde gehen. Der Absturz der Facebook-Aktie belastet viel mehr die kleineren Internet-Firmen. Diese finden nun kaum Investoren, die ihr Geld jetzt noch in Online-Firmen stecken wollen.












