Das Netbook ist tot, lang lebe das Smartphone!
Wohin die Reise geht…
Die Gerüchteküche brodelt schon lange, wann und ob Apple ein Netbook auf den Markt bringt, denn in den letzten Monaten war das Netbook eine der gefragtesten Gerätklassen und es verging kaum ein Tag wo sich nicht ein weiterer Hersteller in den erbarmungslosen Kampf um verschwindend geringe Marktanteile gestürzt hat. Apple selber nimmt traditionell zu Gerüchten keine Stellung, aber in einer der letzten Analysten-Telefonkonferenzen soll sich der Chief Operation Officer (COO) von Apple, Tim Cook zu dem Thema Netbook wie folgt geäußert haben. Zum einen habe Apple kein Interesse an Netbooks und zum anderen: „When I look at netbooks, I see cracked keyboards, terrible software, junky hardware, very small screens“. („Wenn ich auf Netbooks schaue, dann sehe ich kaputte Tastaturen, schreckliche Software, schlechte Hardware und sehr kleine Bildschirme.“ [freie Übersetzung der Redaktion])
„It’s just not a good consumer experience and not something we would put the Mac brand on…it’s not a space as it exists today that we are interested in, nor do we believe that customers in the long term would be interested in. It’s a segment we would choose not to play in. That said, we do look at the space and are interested to see our customers’ respond to it. People that want a small computer so to speak that does browsing and e-mail, might want to buy an iPod Touch or they might want to buy an iPhone. And so, we have other products to accomplish some of what people are buying netbooks for and so, in that particular way we play in an indirect basis.“
(„Es ist keine Erlebnis für den Konsumenten und nichts auf was wir die Marke „Mac“ verschwenden würden…wir haben daran kein Interesse und wir glauben auch nicht, dass Konsumenten langfristig daran interessiert sein werden. Es ist ein Segment in welchem wir nicht mitspielen werden. Wir haben uns das Segment angeschaut und wir haben uns die Rückmeldungen unserer Kunden zu diesem Thema angeschaut. Kunden die einen kleinen Computer fürs Surfen und für E-Mails haben wollen können sich einen iPod oder ein iPhone kaufen. Und so haben wir andere Produkte die die Wünsche der Kunden befriedigen können, die sich ein Netbook kaufen würden.“ [freie Übersetzung der Redaktion])
Und nicht Apple denkt so, sondern auch Research in Motion (RIM), die kanadische Firma die uns E-Mails auf Blackberries näher bringt. Der CO-Chief Excutive Officer Jim Balsillie hatte in einem Reuters Interview kund getan, dass RIM auch kein Interesse daran hat, ein Netbook in die Produktpalette aufzunehmen. Das einzigste Netbook an dem Balsillie Interesse hat, ist das was man sich ans Ohr halten kann oder am Gürtel befestigen kann. Sprich ein Blackberry. Auch größere Geräte haben sich nicht durchsetzen können. Balsillie weiter:
„These devices don’t work, at the end of the day what we’ve really found is that if [customers] can do it on a BlackBerry that’s what they’ll want.“
(„Die (großen) Geräte funktionieren nicht, am Ende haben wir rausgefunden, dass der Blackberry genau die Funktionalität liefert die die Kunden wollen.“ [freie Übersetzung der Redaktion])
Natürlich könnte man auch sagen, dass die beiden Hersteller sich einfach nicht in den (übervölkerten) Markt trauen und nicht zurechtkommen mit dem beinharten Konkurrenzkampf. Aber das ist ein bisschen zu kurz gedacht. Zum einen haben beide Firmen neue Marktsegmente geschaffen und die Konkurrenz erfolgreich verdrängt, ohne dass sie sich in einem Preiskampf einlassen mussten – in beiden Fällen gibt es fanatische Anhänger die die Funktionalität mit Freude zahlen – und zum anderen waren beide Firmen immer dem allgemeinen Trend voraus. Die aktuellen Netbookzahlen sehen noch gut aus – auch wenn allgemein die Computerhersteller zum einen unter der Wirtschaftsflaute und zum anderen auch unter dem vermehrten Einsatz von Netbooks leiden müssen. Die Menschen, die heute ein Netbook kaufen, sind keine Early-Adopter mehr, sie freuen sich ein billiges Notebook zu kaufen und fordern in gleichen Maße auch mehr Leistung, Festplattenplatz und größere Displays, damit sie dann doch wieder alles mit dem Netbook machen können was sie auch vorher auf dem „großen“ Computer gemacht haben. Bloß halt für weniger Geld. Die Uridee des Netbooks ist vollkommen verwässert und verblasst von Tag zu Tag mehr, wer erinnert sich hier noch an das Asus EEE PC 701? Irgendwann werden sich die Menschen wieder nach etwas kleineren Umschauen, denn das Netbook ist dann doch nicht die Rätsels Lösung um mal eben schnell zu surfen, Facebook zu checken oder E-Mails abzurufen. Dafür ist es zu schwer und zu langsam. Hier bieten Apple und RIM die idealen Geräte für diesen Anwendungszweck. Und wir haben noch nicht mal Sommer und die neuesten Apple- und RIM-Errungenschaften für das Weihnachtsgeschäft 2009 sind noch nicht vorgestellt. Die anderen Anbieter haben dann wieder das Nachsehen und werden sich, wie damals beim Netbook, mit aller Gewalt in die Marktlücke drängen wollen – werden dann aber kläglich scheitern, weil sie nicht die Software, nicht das Betriebssystem und das Knowhow im Energie-Management haben um die kleinen Touchscreen-Devices zu befeuern. So gut Google Android ist, momentan und auch in der nächsten Zeit kann es sicherlich nicht mit RIMs OS oder dem iPhone OS mithalten. Da haben RIM und Apple zuviel Entwicklungsvorsprung, eine zu starke Kundenbasis und genug Apps um erfolgreich auf dem Markt zu bestehen.
Ich selber war auch immer knapp davor ein Netbook zu kaufen, aber unterm Strich fahre ich mit einem Blackberry, einem 14 Zoll Notebook für die Arbeit (was bald von einem Macbook Pro oder Air der Generation 2010 abgelöst werden soll) und einem iPod der neuen Generation (hoffentlich mit Displayport und der Option ein 10 Zoll Display zu wählen) deutlich flexibler als mit einem Gespann aus 14 Zoll Arbeitscomputer und separaten Netbook für das Tippen und Surfen unterwegs. Und ich weiß ich bin nicht alleine.








