Entwickeln, Kaufen & Verkaufen von Apps

von joerg-pittermann

· 4 min Lesezeit

Drei Sichtweisen näher beleuchtet
Apps, Apps, und nochmals Apps. Darinliegt augenscheinlich die Zukunft bei Smartphones, Netbooks, Autos und überhaupt. Mit Apps kann der User sein Endgerät auf seine eigenen Wünsche abstimmen und notwendige oder gewünschte Funktionalität nachrüsten. Dass ein App-Store ein Erfolgsrezept ist, hat nicht zuletzt Apple eindrucksvoll bewiesen, hier wurden innerhalb von 18 Monaten drei Milliarden Apps heruntergeladen. Ganz zu schweigen von den Mitbewerbern, die bemüht aber dennoch verzweifelt versuchen auf den Zug aufzusteigen. Aber irgendwie scheint das schwierig zu sein, sonst wäre der Erfolg bei Android, Palm und Co wesentlich höher.
Schauen wir uns mal das Problem von den drei möglichen Seiten an. Der Kunde, der Entwickler und die Vertriebsplattform:

Kunde
Das Konzept der Apps ist für den Kunden relativ neu. Natürlich, Smartphones und Feature-Phones konnte man schon immer mit Apps aufrüsten, aber der Zugang zu den Apps war und ist sehr fragmentiert. Es gibt keine gemeinsame Anlaufstelle zu den notwendigen Apps, jede Firma, jeder Entwickler stellt seine Anwednung selber zum Download zur Verfügung. Somit muss der Kunde mit dem Feature-Phone bei mindestens zwei oder drei Stellen die App suchen, herunterladen und beurteilen ob diese überhaupt für sein Gerät tauglich ist. Wenn ich früher selber ein solches Gerät eingerichtet habe, besuchte ich mindestens vier Webseiten und musste mir meine Programme suchen, und vorher auch noch recherchieren, ob das die beste App oder überhaupt eine gute Anwendung war. Diesen Prozess kannte ich in- und auswendig weil ich doch häufiger meine Handys gewechselt habe. Andere User, die nicht so firm mit dem Umgang von Smartphone und Handy waren – tja, die haben das dann halt nicht gemacht. Somit war der Ansatz von Apple schlichtweg genial. Eine konzentrierte Stelle die der Kunde anlaufen kann, zentralisierte Abrechnung über einen bekannten Anbieter (iTunes) und die Garantie, dass die App auf dem Endgerät läuft. Ein weiterer, wichtiger Unterschied zwischen den Kunden eines Apple-Endgeräts und eines anderen Smartphones ist die Konditionierung und Zahlungsbereitschaft. iTunes als Verkaufsplattform existiert schon einige Zeit und der Kunde ist es gewöhnt, dort Geld auszugeben – und wenn ich schon Geld für Musik und Videos ausgebe, warum dann nicht auch für Apps?

Vertriebsplattform
Die Vertriebsplattform ist das A und O des erfolgreichen App-Verkauf. Apple und auch Android bieten eine Plattform mit ähnlichen Funktionalitäten an, genauso wie Nokia. Warum sind die einen erfolgreich und die anderen tun sich entsprechend schwer?

Die Struktur des App-Stores ist besser, die Möglichkeiten die gesucht App zu finden bestehen sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem PC in iTunes. Ich sehe das auch bei mir: Eine App deren Namen ich kenne oder dessen Link ich habe, ist mal eben schnell über das iPhone installiert, möchte ich mir einen Überblick über die Möglichkeiten von bestimmten Apps verschaffen, schaue ich gerne auch mal bei iTunes rein: großer Bildschirm, bessere Übersicht, schnellere Auswahl.

Bei Android im Gegenzug bin ich nur auf das Smartphone alleine angewiesen, eine zentralisierte Stelle um mir alle Apps aus einer Hand auch auf den heimischen Desktop anzuschauen habe ich in der Art nicht gefunden. Ein weiterer Unterschied ist die Bezahlung der Apps über iTunes. Ein Konto, direkte Bezahlung ohne auf fremde Seite zugreifen zu müssen – ein Konzept aus einem Guss. Auch die anderen Anbieter sind auf dieses Konzept aufgesprungen, aber haben dies nicht perfekt ausgebaut. Die Bezahlung erfolgt zentralisiert über Paypal oder Google Checkout, aber es ist ein weiter Dienst, für den sich der Kunde zunächst anmelden und die wertvollen Kreditkarteninformationen im Internet hinterlegen muss. Bei Apple gibt’s einen einzigen iTunes-Account, den man schon kennt und der im Zweifelsfall mit Guthaben zu füllen ist. Eine weitere Möglichkeit, Apps abzurechnen wäre die Abrechnung über die Mobilfunkrechnung, aber dort ist der Aufwand für den „Market-Anbieter“ wieder hoch, weil in jedem Land mit jedem Mobilfunkunternehmen über diese Möglichkeit einzeln verhandelt werden muss, was Zeit und Geld kostet.

Developer (Entwickler)
Als ich neulich mal mit ein paar Apps-Entwicklern am Mittagstisch über die verschiedenen Möglichkeiten der App-Programmierung gesprochen habe, haben sich folgende Punkte herauskristallisiert:

Entwickler möchten natürlich mit ihren Produkten Geld verdienen, es scheint, die beste Möglichkeit mit ihren Apps eine Vielzahl von zahlungskräftigen und willigen Kunden zu erreichen besteht darin, über den Apple App-Store zu gehen. Natürlich ist der App-Zulassungsprozess bei weitem nicht transparent und dauert viel zu lange, gerade auch wenn schnell mal Bugs gefixed werden müssen, aber insgesamt gesehen ist der App-Store auch sehr Entwicklerfreundlich, z.B. gibt’s im Android Market Place eine 24 Stunden Testphase für Apps, innerhalb dieser 24 Stunden können die Apps wieder zurückgegeben werden und die Kunden bekommen das Geld wieder zurückerstattet – schön für den Kunden, schlecht für den Entwickler.

Weiterhin müssen Entwickler mit begrenzten Budgets auch darauf achten, sich in der Entwicklung nicht zu sehr zu verzetteln und die User-Experience für eine App zu perfektionieren. Hier ist dann eine möglichst geringe Fragmentierung der Endgeräte entscheidend, d.h. möglichst wenige verschiedene Gerätetypen, Auflösungen, Eigenheiten und eben auch ein zentralisierter Vertriebskanal und eine zahlungsfreudige Kundschaft. Vielleicht kann man das am besten am Beispiel Blackberry erklären. Hier gibt’s in der aktuellen Gerätegeneration mindestens 3 verschiedene Displayauflösungen, unterschiedliche Bedienkonzepte (Touchscreen und Nicht-Touchscreen) und verschiedene, individuelle Datenverbindungseigenheiten. All das muss bei der Entwicklung beachtet werden und hier gehen bei der Anpassung wertvolle Ressourcen verloren.

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