CONTROL
Epilepsie in schwarzweißem Bilderrausch
Offizieller Trailer.
Was ist Leben? Liebe, Hass oder ist es die Reibung zwischen den menschlichen Emotionen die uns letztendlich zerreißt und im Dunkel der Finsternis zurücklässt? In der Nacht vom 17. zum 18. Mai des Jahres 1980 fand Ian Curtis darauf die endgültige Antwort. Der Star-Fotograf Anton Corbijn widmet ihm nun ein filmisches Bilderbuch in schwarzweiß. Am Samstag hatte ich Gelegenheit einen Blick darauf zu werfen.
Die heutige Jugend lauscht gespannt den Klangwelten von Interpol, den Editors oder auch Franz Ferdinand. Ersprießliche Musik, ohne Zweifel, doch letztendlich handelt es sich um eine Nachwelle die ihren Anfang zunächst im Schatten der aufkommenden Punk-Brandung der 70er Jahre hatte bzw. diese alsbald hinter sich ließ. Eine der wichtigsten Vertreter dieses Genre war Joy Division. Wie so oft mit einer Zentralfigur, dem Leadsänger. Richtungweisend für die nachfolgenden Generationen von Musikern, jedoch gefangen in Selbstzweifel und Unsicherheit. Im Film „Control“ erweckt Anton Corbijn, Ian Curtis (gespielt von Sam Riley) für zwei Stunden erneut zum Leben auf der Leinwand um ihn letztendlich wiederum sterben zu lassen.
Abseits der typischen Musikfilm-Klischees gelingt es Corbijn ein eindrucksvolles aber nicht lautes Stimmungsbild zu zeichnen, nicht Drogen sondern die Zerrissenheit des Lebens sind zentraler Bestandteil der Sinneskrise eines Ian Curtis. Als Gefangener seiner Epilepsie kann er nur auf der Bühne sein Inneres nach außen tragen, ansonsten irrt er hilflos zwischen den Akteuren seines Lebens. Unfähig sich der Problematik zu stellen sieht er nur einen Ausweg, den Freitod. Da hilft es auch nicht, dass Joy Division gerade im Begriff ist einen neuen Musikstil zu prägen. Ian Curtis wird es nicht mehr erleben, die Angst die Kontrolle zu verlieren überwiegt letztendlich.
Joy Divison 1979: She’s Lost Control
Corbijn verzichtet bewusst auf Farbe, als Fotograf weiß er, Farbe lenkt nur ab. Ein Vorhaben welches gelingt, „Control“ ist ein mehr als sehenswerter Film. Der Nebenauftritt eines Herbert Grönemeyers (alter Musiker-Buddy von Corbijn) sorgt für einen Schmunzler unter der Wissenden, stört aber nicht sonderlich weiter. Es ist angenehm zu verzeichnen, dass Kino immer noch mehr sein kann, als eine gewaltige Bilderschlacht. Die leisen Töne sind meist die, die man eindringlicher wahrnimmt, man muss nur zuhören können.








