MWC: Apps, Apps, Apps – für alle!
Alle für Einen – Einer für Alle?
Auf dem MWC haben die 24 größten mobilen Telcos angekündigt, dass es einen gemeinsamen App-Store geben soll. Mit dabei sind u.a. T-Mobile, Vodafone, Telefonica (in Deutschland in Form von o2 vertreten), China Mobile, China Unicom, SoftBank, Verizon Wireless und noch einige mehr. Gemeinsam stellen sie mehr als drei Milliarden Mobilfunkkunden. Auch Hardware-Hersteller wie LG, Samsung und Sony Ericsson zählen dazu. Die gemeinsame Plattform soll allen Nutzern und Programmierern den Aufwand erleichtern, neue Apps zu kaufen und zu programmieren bzw. einzustellen.
Weitere Details wie z.B. unterstützte Plattformen, Standards, Erlösmodelle und Anpassungen an entsprechende Brands bzw. Sprachen sind noch nicht wirklich bekannt, mehr als eine etwas lieblos zusammengestückelte Webseite gibt es noch nicht. Mit Abwesenheit glänzen die beiden großen App-Stores in der mobilen Welt, Apple und Google. Aber die Wholesaleappcommunity hat die beiden Branchengrößen vorsorglich eingeladen mitzumachen.
Soweit die großartige Ankündigung, aber was ist davon zu halten?
Der erste Eindruck ist großartig. 24 internationale Mobilfunkkonzerne. Drei Milliarden Kunden. Ein gemeinsamer Markt. Ein Entwicklungsstandard. Mindestens drei Branchengrößen in Sachen Hardware. Alle sind gemeinsam angetreten um Apple das fürchten zu lehren. Das sind die fabelhaften Fakten, eigentlich klingt das für jeden Entwickler wie das Land in dem Milch und Honig fließen. Der Oberbegriff dafür lautet: „Write once, run anywhere“. Die inzwischen nicht mehr existente Firma Sun hatte einst mit Java diesen netten Slogan erfunden, um damit auf die Crossplattformtauglichkeit von Java hinzuweisen. Die Idee ist prinzipiell einleuchtend, aber in der Realität galt der Marketingslogan nicht unbedingt. Und so kann man auch davon ausgehen, dass der fromme Wunsch der Wholesaleappcommunity mehr ein Wunsch bleibt als Realität wird – zu groß werden die Kompromisse sein, als das wirklich etwas Besseres entstehen könnte, als wir es jetzt bisher von Apple schon kennen. Das hört sich jetzt natürlich nach „Fanboy-Geheule“an, aber wenn man mal objektiv die Apple-Apps mit Android-Apps vergleicht, dann kann man nur folgendes festhalten: Die besten Android-Apps sind letztendlich die Programme die von Google selbst geschrieben worden sind. Sprich Googlemail, Googlemaps etc pp. Die Anwendungen von Drittanbietern im Android-Market kommen bei weitem nicht an die Möglichkeiten und Funktionalitäten von Apple-Drittanbieter-Apps ran. Ganz zu schweigen von schlecht programmierten Programmen mit Memory Leaks, die u.a. ein Rebooten eines Smartphones notwendig machen. Ein Grund hierfür u.a. – zu viele Standards die eingehalten werden müssen um eine Software fehlerfrei zu programmieren. Soweit zum Problemfeld der Anwendungen an sich, kommen wir nun zu sprechen auf die generelle Problematik eines großen, gemeinsamen App-Stores nach dem Wunsch besagter Provider und Hersteller.
Um diese zu erwartenden Schwierigkeiten eines solchen zukünftigen Stores aufzuzeigen, werfen wir einen tieferen Blick, auf den schon existierenden Android-Marketplace. Als alle Android-Smartphones normiert waren (320 x 480 Pixel, Touchscreen, ein Prozessor etc.) lief im Android-Market eigentlich alles rund – bis auf die anfängliche Einschränkung kostenpflichtige Programme zu erwerben. Die Ursache hierfür war in der Erklärung zu suchen, dass dies eine Ländersache an sich sei und die Verfügbarkeit von Paypal bzw. Google Checkout im Unklaren lag – Schwamm drüber. Jetzt – mehr als ein Jahr später – existieren bereits zahlreiche Android-Geräte mit unterschiedlichen Merkmalen, andersartiger Hardware und verschiedenen Brandings. Beim Motorola Milestone z.B. kann mit einer speziellen Firmwareversion und einer bestimmten SIM-Karte der komplette Android-Store angezeigt werden, mit der gleichen Firmwareversion und einer anderen SIM-Karte sieht man nur einen Teil vom Android-Store. Nun gut, kleine Probleme die auftreten können, jedoch lange ungefixt blieben. Und dies sind Geräte mit einer gemeinsamen Basis. Wie soll dass erst mit verschiedenen Geräten, Plattformen und unterschiedlichen Firmwareversionen aussehen?
Die beiden oben geschilderten Problemfälle sind nur ein kleiner Ausschnitt von Schwierigkeiten die noch auftauchen werden und die sicherlich momentan genauso nebulös sind wie die Details des geplanten Shops. Letzten Endes bestehen einfach sehr viele Risikofaktoren, die befürchten lassen, dass dieses Projekt zum Scheitern verurteilt ist. Ebenso ist es fraglich, ob die Apps zu guter Letzt wirklich besser sind und schließlich häufiger gekauft werden als die Anwendungen aus dem Apple App-Store oder dem Android-Market. Sollte dies nicht eintreffen, dann wird sicherlich kein Entwickler, der bisher erfolgreich Programme für das iPhone oder die Android-Plattform entwickelt hat, umschwenken. Natürlich wünsche ich dem neuen App-Store alles Gute, aber Zweifel bleiben halt – aus Erfahrung.








