Android: Kontrollgewinn im Hauptquartier
Google macht jetzt „den Apple“…
Sucht man im CyberBloc den Begriff Fragmentierung, dann findet man hierzu einige Artikel meinerseits. Ich habe diesbezüglich in den letzten Jahren alle Betriebssystem-Hersteller angesprochen – egal ob Apple, Microsoft oder Google – keiner von diesen blieb verschont. Aber auf Google habe ich – meiner Meinung nach – berechtigterweise, besonders hingewiesen. Denn die „Googler“ haben, um ihr Betriebssystem Android zu pushen und zu hohen Marktanteilen zu verhelfen, eine ganz einfache Strategie gefahren: Jeder Hersteller konnten Android für seine Geräte frei verwenden und sie durften damit mehr oder weniger machen was sie wollten. Im Endergebnis führte diese Strategie jedoch zu einer vermehrten Fragmentierung des Systems. Neuerlichen Berichten zufolge, könnte es damit aber alsbald vorbei sein.
Ist-Zustand: Jeder kocht sein Süppchen
Bleiben wir zunächst bei dem Punkt, das jeder Hardwarehersteller bis jetzt mit Android frei umgehen kann: Im Resultat gibt es Geräteproduzenten, die Android mit Skins und Funktionen überfrachten und verunstalten. Dies geht soweit, dass US-amerikanische Mobilfunkanbieter die Standardsuchmaschine bei ihren Smartphones austauschen und die Microsoft eigene Suche „Bing“ implementieren. Natürlich garniert mit einem eigenen Appstore, Usergängelungen und massiver Bloatware –Überfrachtung halt. Die Fragmentierung von Android war und ist massiv, insbesondere, wenn dann noch die Spannweite der verschiedenen Versionen von Android in die Gleichung einbezogen worden. Und Updates gibt es bisher meist nur solange, wie der Hersteller es wünscht bzw. erst dann wenn der Hersteller es möchte. Damit waren und sind bereits einige Smartphones nach einem Jahr massiv veraltet.
Neue Richtlinie: Google holt sich die Kontrolle zurück
Laut einem Artikel der Businessweek zufolge, entfernt sich Google nun von der bisherigen Praxis und erlaubt keine unsauberen Modifikationen an künftigen Versionen von Android mehr. Es gibt zukünftig auch keine Partnerschaften mit Google, bei denen der Partner machen kann was er will und Google nur Android zu liefern hat – was zu Auswüchsen wie oben beschrieben führt. Wenn jetzt ein Partner von Google zu einem frühen Zeitpunkt den neuesten Code von Android haben möchte, muss jetzt diese Anfrage persönlich an Andy Rubin gerichtet werden. Zur Information: Andy Rubin ist der Chef der Android-Sparte von Google.
In jüngster Vergangenheit hat sich bereits abgezeichnet, das Google zuerst eigene Produkte mit der neuesten Android-Version beglückt und dann erst in Folge anderen Herstellern erlaubt hat, die neueste Ausführung zu nutzen und eigene Modifikationen einzubringen. Beispiele hierfür sind das Google G1, das Nexus One, das Nexus S und das Honeycomb-Tablet von Motorola, Xoom. Damit hat Google den Oberflächen wie HTC Sense oder Motoblur von Motorola den Kampf angesagt: Denn warum sollte der mündige Kunde ein Smartphone kaufen was mit einer alten Softwareversion und somit mit veralteter Hardware auf den Markt kommt? Speziell für Hersteller von Honeycomb-Tablets ist dieser Schritt eine böse Überraschung, denn dann können sie sich nicht mehr über die Oberfläche differenzieren, sondern müssen wieder allein über den Preis und die Hardware verkaufen. Und das in einem hart umkämpften Markt in dem Apple mit dem iPad die klare Preis-, Leistungs- und Stückzahlenführerschaft hält. Übrigens: Honeycomb (Android 3.0) bekommt übrigens auch nicht jeder Hersteller, sondern nur ausgewählte Partner von Google – wieder ein Faktor der sicherlich dem einen oder anderen Produzenten massiv aufs Gemüt schlagen wird.
Zusammenfassung
Google geht schlussendlich somit denselben vielfach kritisierten Weg von Apple und schränkt seine Produkte ein, macht es in einer gewissen Weise weniger offen. Halten wir fest: Für das Wachstum und für den Marktanteil war Google zunächst jedes Mittel recht. Kaum sind sie dort angekommen wo sie sein wollten, übernehmen sie einfach wieder die Kontrolle und sind nicht besser oder schlechter als Apple.
Apropos: Aktuell ist Microsoft mit Windows Phone 7 nun der einzige Anbieter, der allen Herstellern gleichermaßen und gleichzeitig den Zugriff auf die neuesten Updates und Versionen erlaubt – ohne Einschränkungen. So schnell können sich die Gesichter in der Branche ändern, jetzt ist Google nicht besser oder schlechter als Apple und die angeblichen Monopolisten aus Redmond sind wieder die Guten – Don’t be evil.








