Android: Kontrollgewinn im Hauptquartier

von joerg-pittermann

· 3 min Lesezeit

Google macht jetzt „den Apple“…
Sucht man im CyberBloc den Begriff Fragmentierung, dann findet man hierzu einige Artikel meinerseits. Ich habe diesbezüglich in den letzten Jahren alle Betriebssystem-Hersteller angesprochen – egal ob Apple, Microsoft oder Google – keiner von diesen blieb verschont. Aber auf Google habe ich – meiner Meinung nach – berechtigterweise, besonders hingewiesen. Denn die „Googler“ haben, um ihr Betriebssystem Android zu pushen und zu hohen Marktanteilen zu verhelfen, eine ganz einfache Strategie gefahren: Jeder Hersteller konnten Android für seine Geräte frei verwenden und sie durften damit mehr oder weniger machen was sie wollten. Im Endergebnis führte diese Strategie jedoch zu einer vermehrten Fragmentierung des Systems. Neuerlichen Berichten zufolge, könnte es damit aber alsbald vorbei sein.
Ist-Zustand: Jeder kocht sein Süppchen
Bleiben wir zunächst bei dem Punkt, das jeder Hardwarehersteller bis jetzt mit Android frei umgehen kann: Im Resultat gibt es Geräteproduzenten, die Android mit Skins und Funktionen überfrachten und verunstalten. Dies geht soweit, dass US-amerikanische Mobilfunkanbieter die Standardsuchmaschine bei ihren Smartphones austauschen und die Microsoft eigene Suche „Bing“ implementieren. Natürlich garniert mit einem eigenen Appstore, Usergängelungen und massiver Bloatware –Überfrachtung halt. Die Fragmentierung von Android war und ist massiv, insbesondere, wenn dann noch die Spannweite der verschiedenen Versionen von Android in die Gleichung einbezogen worden. Und Updates gibt es bisher meist nur solange, wie der Hersteller es wünscht bzw. erst dann wenn der Hersteller es möchte. Damit waren und sind bereits einige Smartphones nach einem Jahr massiv veraltet.

Neue Richtlinie: Google holt sich die Kontrolle zurück
Laut einem Artikel der Businessweek zufolge, entfernt sich Google nun von der bisherigen Praxis und erlaubt keine unsauberen Modifikationen an künftigen Versionen von Android mehr. Es gibt zukünftig auch keine Partnerschaften mit Google, bei denen der Partner machen kann was er will und Google nur Android zu liefern hat – was zu Auswüchsen wie oben beschrieben führt. Wenn jetzt ein Partner von Google zu einem frühen Zeitpunkt den neuesten Code von Android haben möchte, muss jetzt diese Anfrage persönlich an Andy Rubin gerichtet werden. Zur Information: Andy Rubin ist der Chef der Android-Sparte von Google.

In jüngster Vergangenheit hat sich bereits abgezeichnet, das Google zuerst eigene Produkte mit der neuesten Android-Version beglückt und dann erst in Folge anderen Herstellern erlaubt hat, die neueste Ausführung zu nutzen und eigene Modifikationen einzubringen. Beispiele hierfür sind das Google G1, das Nexus One, das Nexus S und das Honeycomb-Tablet von Motorola, Xoom. Damit hat Google den Oberflächen wie HTC Sense oder Motoblur von Motorola den Kampf angesagt: Denn warum sollte der mündige Kunde ein Smartphone kaufen was mit einer alten Softwareversion und somit mit veralteter Hardware auf den Markt kommt? Speziell für Hersteller von Honeycomb-Tablets ist dieser Schritt eine böse Überraschung, denn dann können sie sich nicht mehr über die Oberfläche differenzieren, sondern müssen wieder allein über den Preis und die Hardware verkaufen. Und das in einem hart umkämpften Markt in dem Apple mit dem iPad die klare Preis-, Leistungs- und Stückzahlenführerschaft hält. Übrigens: Honeycomb (Android 3.0) bekommt übrigens auch nicht jeder Hersteller, sondern nur ausgewählte Partner von Google – wieder ein Faktor der sicherlich dem einen oder anderen Produzenten massiv aufs Gemüt schlagen wird.

Zusammenfassung
Google geht schlussendlich somit denselben vielfach kritisierten Weg von Apple und schränkt seine Produkte ein, macht es in einer gewissen Weise weniger offen. Halten wir fest: Für das Wachstum und für den Marktanteil war Google zunächst jedes Mittel recht. Kaum sind sie dort angekommen wo sie sein wollten, übernehmen sie einfach wieder die Kontrolle und sind nicht besser oder schlechter als Apple.

Apropos: Aktuell ist Microsoft mit Windows Phone 7 nun der einzige Anbieter, der allen Herstellern gleichermaßen und gleichzeitig den Zugriff auf die neuesten Updates und Versionen erlaubt – ohne Einschränkungen. So schnell können sich die Gesichter in der Branche ändern, jetzt ist Google nicht besser oder schlechter als Apple und die angeblichen Monopolisten aus Redmond sind wieder die Guten – Don’t be evil.

Kommentare

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Gepostete Kommentare

christian 01.04.2011, 14:43 Uhr

Hallo Herr Pittermann, dies ist zumindest nach meinem Kenntnisstand derzeit nicht ganz vollständig. "Offen" heißt für mich als Anwender zumindest auch folgendes: 1.) Google erlaubt (zumindest bisher noch) die Installation beliebiger APKs vorbei an jedem Market (das geht beim IPhone m.W.n. nur via Jailbreak, oder? 2.) Android ist OpenSource. Wenn ich möchte, kann ich von bestehenden Varianten forken und selbst weiter entwickeln. Außerdem kann ich in den Code schauen, um z.B. eventuelle Backdoors des Herstellers zu identifizieren. Google hat sich zu dieser OS Philosophie auch weiterhin bekannt, nur wird man den Release von Android 3.0 verzögern. Gerade letzteres sehe ich selbst sehr kritisch. Ich wäre zu Fragmentierung bereit - Linux ist extrem fragmentiert und trotzdem bin ich sehr glücklich damit. 3.) Das Android OS erlaubt mir alles zu tauschen (sogar das Keyboard etc.) - Apple ist extrem restriktiv, was das Interface angeht. Es gibt Leute, denen Restriktionen gefallen, mir gefällt Auswahl. Das diese Auswahl keine einheitlich Oberfläche garantiert bin ich persönlich gern bereit zu akzeptieren. Gruß, Christian Hentschel

Yu 01.04.2011, 14:43 Uhr

Ich begrüße den Schritt. Für ein OS, das genug Marktanteil hat, um als Angriffsziel interessant zu sein, ist ein gewisses Maß an Zentralismus zwecks schneller Verfügbarkeit von Updates denke ich wichtig. Beim letzten Bericht von Schad-Apps im Market war ja auch die Rede davon, dass eigentlich der Fehler ängst behoben sei -- ich glaube sogar innerhalb der Selben OS-Version, nur eine Änderung in der dritten Versionsnummer -- wenn der Hersteller ein Update herausbringen würde. Als nächsten Schritt würde ich mir Qualitätskontrolle im Market wünschen. Da die Plattform alternative Appstores zulässt, insbesondere aber auch das manuelle installieren von Programmen ohne Appstore, beschränkt das keinen wirklich, kann aber insbesondere für den unbedarften Kunden mehr Sicherheit bringen. Um Entwickler und Kunden gleichermaßen möglichst wenig zu verärgern, könnte man das ja als getrennten Bereich des Marktes einführen. Für den Entwickler: Zahle ggf. eine Gebühr für die Kontrolle, bekomme dafür mehr Vertrauen von den Kunden. Für den Kunden: Findest du nicht, was du suchst, unter den geprüften und von Google kathegorisierten Programmen, schau halt wo anders, falls doch, freue dich der Qualitätssicherung. Eine Zentralisierung konsequent umgesetzt fände ich bei Android, bei Beibehaltung des offiziell erlaubten Side-Loadings von APKs (Custom-Software für Programmiererfahrene User!) und von offiziell erlaubten alternativen Distributionskanälen im Allgemeinen, allemal interessanter als die Apple-Strategie des Monopols. Dann bleibt man von unnötigen Einschränkungen (z.B. Flash-Support) verschont, hätte aber die Bequemlichkeitsvorteile.

Yu 01.04.2011, 15:02 Uhr

Nachtrag: ist die Differenzierung dser Geräte durch Software nicht ohnedies weiterhin möglich, nur halt durch vorinstallierte Software? Die sollte dann meines Wissens auch als Standard-UI eingesetzt werden können, aber halt ohne (a) Den Zugang zur Android-UI blockieren zu können, wenn man die zwecks Gewohnheit vom alten Gerät lieber hätte und (b) die Trennung von Hersteller-Anpassung und Basis-OS sollte die Zentralisierung von Sicherheitsupdates deutlich vereinfachen. @ Christian: Mit Desktop-Linux kann man das insofern nicht gut vergleichen, als dass Desktop-Linux keinen lohnendes Ziel für breit angelegte Virenangriffe darstellt, mangels Marktanteil, und selbst wenn -- die Linux-Community geizt nicht mit Systemupdates. Die Hersteller von Android-Geräten oftmals schon. Und dann verbieten sie am besten noch durch verschlüsselte Bootloader, dass man sich selber aus der Misere hilft, indem man ein aktuelles Custom-ROM aufspielt. Oh, ja... Bei wie vielen PCs würde einem die Installation eines anderen Betriebssystems eigentlich die Garantie kosten? Bei Smartphones meines Wissens normal.

MINNIE19Myers 23.03.2012, 09:14 Uhr

Every body knows that life is expensive, however we require cash for various stuff and not every man gets enough cash. Thus to get quick home loans or just credit loan would be good solution.

cell phone lookup 30.04.2012, 21:35 Uhr

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