Produkttest: iPhone 4 – Teil 2

von joerg-pittermann

· 5 min Lesezeit

Produkttest: iPhone 4 – Teil 2

Ein persönlicher Erfahrungsbericht…
Empfang und Gesprächsqualität: Das iPhone 4 war und ist in Sachen Empfang nicht unumstritten, dank dem als Antennagate bekannt gewordenen Phänomen, kann es sehr wohl zu Gesprächsabbrüchen kommen. Allerdings relativiert sich dieses Problem: Die GSM-Netzqualität in den Verreinigten Staaten ist nicht mit der hiesigen zu vergleichen – in Deutschland sind die Netze stabiler und Leistungsstärker. Deshalb zeigte sich die Problematik vor allem und zuerst in den Staaten.
Die derzeitige „Lösung“ von Apple (kostenfreier Bumper bzw. Hülle für alle iPhone-Käufer bis Ende September) ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, jedoch zumindest übergangsweise als kundenorientiert zu bezeichnen. Apropos, für Käufer eines iPhones nach dem 30. September besteht immer noch die Hoffnung auf eine kostenlose Hülle, hierzu O-Ton Apple (Quelle: Apple-Website): „Außerdem gelten für alle iPhone 4 Geräte, die nach dem 30. September 2010 verkauft wurden, wieder unsere regulären Rückgabebedingungen. Benutzer, die Probleme mit der Antenne feststellen, wenden sich bitte telefonisch an AppleCare, um kostenlos einen Bumper zu erhalten.“ Der langfristige Fix wird sicherlich noch etwas anders aussehen müssen, aber alleine aus diesem Grund das iPhone nicht zu kaufen ist absoluter Quatsch. Ich persönlich habe mit dem iPhone 4 einen deutlich besseren Empfang als mit dem iPhone 3G und 3GS und auch in kritischen Situationen reißen mir die Gespräche nicht so schnell ab wie mit anderen, vergleichbaren Smartphones.

iPhone im Dresdner Cyberport Store – Teil 1″

Die Gesprächsqualität ist nebenbei bemerkt sehr gut, egal ob im überlasteten Großstadt-Netz oder auf dem Land: Hier kann das iPhone überzeugen. Es gibt übrigens ein zweites Mikrofon neben der Kopfhörerbuchse, welches Umgebungsgeräusche eliminiert während des Gesprächs. Allerdings konnte ich bisher keinen direkten Vorteil daraus erkennen, aber meine Gesprächspartner vielleicht schon.

Kamera
Fünf Megapixel sind heutzutage nicht sonderlich erwähnenswert, wo doch mittlerweile schon zweistellige Megapixelzahlen in den Feature-Listen der Kamera-Hersteller zu finden sind. Wobei allein Smartphones mit besagten fünf Megapixel immer noch eine gute Figur abgeben, wenn dieser Wert auch nicht die Spitze der derzeitigen Entwicklung darstellt. Die Bildqualität des iPhone 4 ist diesbezüglich absolut zufriedenstellend, Apple scheint es wichtiger zu sein, eine ordentliche Software für den Sensor bereitzustellen, als nur mit Megapixeln zu protzen. Ein Grund mehr, weshalb die Bilder des iPhone 4 richtig gut sind. Andere Smartphones gelangen in diesem Bereich weit ins Hintertreffen. Bei schlechten Lichtverhältnissen vollbringt die Kamera des iPhone 4 indes auch keine Wunder, dieses Schicksal teilt sie mit preiswerten Digicams und anderen Smartphones. Ebenso kritikwürdig: das LED-Licht. Mit diesen kann man vielleicht bei Makroaufnahmen die Umgebung ein bisschen Erhellen, aber wirklich gelungen ist die Lösung nicht. Für bessere Ergebnisse wäre ein Xenon-Blitz erforderlich, wie schon bei anderen Smartphones durchaus üblich. Toll wie immer ist der Touch-Fokus – einfach auf das gewünschte Objekt im Bildsucher tippen und zack wird es scharf gestellt. Wer dann noch näher ran ans Objekt möchte, kann auch mittels Digitalzoom zur Tat schreiten. Jedoch gilt es zu beachten, solche Vorhaben scheitern wie immer an der Interpolation (Vergrößerung der Pixel). Deshalb ist dies ein Feature, dass ich selbst nicht nutze.

Blendend ist die neue Videofunktion vom iPhone 4: 720p-Auflösung und 30 Bilder in der Sekunde sind Garanten für eine gute Aufnahme. Bisher gab es nur eine VGA-Kamera mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixel. Die Videoqualität gefällt, eine Flipcam mit HD hat schon jetzt keine Chance mehr gegen das iPhone zu bestehen. Auch die HD-Videofunktion einer kompakten Digitalkamera überzeugt nicht wesentlich mehr. Verständlichweise spielen jedoch die SLR-Flagschiffe dank FullHD und einer großartigen Tiefenschärfe noch immer in einer anderen Liga. Dennoch, einfach nur gelungen und genial, die neuen Foto- und Video-Möglichkeiten im iPhone 4.

iPhone im Dresdner Cyberport Store – Teil 2″

FaceTime
Videotelefonie am Handy gibt’s schon lange, aber genutzt wurde diese Funktion bisher nicht wirklich. Die üblichen Gründe: Bildqualität passt nicht, warum nutzen, kostet Geld! Facetime ist aktuell Apples Versuch das Thema neu zu interpretieren: Aktuell nur über WLAN (mit einem UMTS-WLAN-Router jetzt auch schon mobil) aber dennoch bahnbrechend einfach und mit einer fantastischen Bild- und Tonqualität. Warum Facetime jetzt für mich besser gelöst ist als die bisherige UMTS-Videotelefonie, mag rational schwer darzulegen sein. Vielleicht ist es ist einfach die simple Art und Weise wie Apple FaceTime umgesetzt hat. Was möchte man mehr? Natürlich nutzt der Anwender für Videotelefonie auf dem iPhone 4, zunächst die auf der Vorderseite befindliche zweite Kamera in VGA-Qualität, die ausreichend gute Bilder liefert. Aber der Reiz von Facetime liegt auch darin, dass man ebenso die Hauptkamera hierfür nutzen kann – einfach per Knopfdruck umschalten und schon erhält der Gesprächspartner ein Bild vom Umfeld. Mit der Vorstellung des neuen iPod touchs wurde im Übrigen die Anzahl der FaceTime-Geräte von Apple glatt verdoppelt ;-). Auch ist ein zukünftiger und offizieller Ausbau der Technologie bezüglich der Nutzung im 3G-Netz denkbar, allein die (amerikanischen) Mobilfunk-Provider müssen vorderhand ihr Netz optimieren.

Performance und Akkulaufzeit
Mit dem A4-Chip und dem iOS 4.x ist das iPhone rasend schnell, den Vergleich mit den Prozessoren aus dem Google Nexus One braucht hier niemand zu scheuen. Die Anwendungen starten schnell, der Wechsel im Multitasking ist rasant und die Ladezeiten von Apps und Webbrowser sind schnell und zügig: Auf ganzer Front eine Verbesserung. Die Netztechnik trägt auch ihren Teil dazu bei: WLAN nach n-Standard, HSPA mit 7.2 Mbit/s down und bis zu 5.7 Mbit/s up sind der Stand der Dinge. Apropos, diese möglichen Geschwindigkeiten erreiche ich sogar teilweise im o2-Netz. Nettodatenraten von 5 Mbit/s down und mehr als 2 Mbit/s up sind demnach machbar.

Die erhöhte Performance wirkt sich auch nicht auf die Akkulaufzeit aus. Natürlich muss ich das iPhone nach wie vor am Abend laden, damit ich es am darauffolgenden Tag ganztägig nutzen kann. Aber während sich beim alten iPhone bereits um 18 Uhr erste Akkuschwächen zeigten, lässt mich das iPhone 4 nicht im Stich und ich kann noch für einige Stunden weiterarbeiten bzw. telefonieren. Deshalb gibt’s hier ein Daumen hoch für das Kapitel Performance und Akkulaufzeit.

Fazit
Lohnt sich der Kauf eines iPhone 4? Ja! Ist das iPhone 4 der Konkurrenz voraus? Ja! Dank des sehr guten Displays, FaceTime und den Apps die ich täglich nutze, hat sich der Erwerb für mich längst ausgezahlt. Als Bonus erhält man noch das wunderbare Design und die hochwertige Verarbeitung: Eine perfekte Kaufentscheidung!

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